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Fragwürdige Friedensmission - Wer war auf dem Schiff nach Gaza?

Von: Der Kapitalist (no@mail.invalid) [Profil]
Datum: 08.06.2010 20:37
Message-ID: <4c0e8dbc$0$17246$c3e8da3@news.astraweb.com>
Newsgroup: de.talk.tagesgeschehen
*Wer steckt hinter der Friedensmission für Gaza, die sich mit prominenten
Mitreisenden wie dem schwedischen Schriftsteller Henning Mankell schmücken
konnte? Waren die Mitreisenden wirklich alle in friedlicher Mission unterwegs?*

Die linke Bundestagsabgeordnete Annette Groth war auf dem türkischen Schiff
"Mavi Marmara", das die israelische Marine angegriffen hat. Vor Journalisten
spricht sie dieser Tage auch gerne über die Zeit vor dem Angriff, über die
Passagiere und die Stimmung an Bord. Es sei eine "unglaublich gute
Atmosphäre"
gewesen, sagt Groth. "Da saßen etliche Gruppen auf Deck und haben
gesungen."

Norman Paech, prominentes Mitglied der Linken aus Hamburg, war auch auf dem
türkischen Schiff. "Für mich war das wie auf einem Basar", sagt er.
"Das war
ein buntes Treiben." Inge Höger, Bundestagsabgeordnete der Linken, war ebenfalls
Passagierin der "Mavi Marmara". "Alle, die dieses Projekt
unterstützen, konnten
mitfahren", so Höger. "Es waren überwiegend humanitäre
Organisationen, die schon
seit Jahren in humanitären Projekten zusammenarbeiten." Jeder konnte also
mitfahren. Mit wem genau waren die Linken auf dem Schiff?

*Was steckt hinter der IHH?*

Die "Mavi Marmara" läuft Ende Mai aus Istanbul aus. Hunderte feiern den
Aufbruch
nach Gaza. Ein türkischer Sender überträgt die Abschiedsfeier. Die
Intifada, der
Aufstand gegen Israel bis zum Sieg, wird hier verkündet. Ist die Hilfe für Gaza
unter türkischer Flagge nur eine Friedensmission? Die "Mavi Marmara"
organisiert
hat die IHH organisiert, offiziell eine türkische Hilfsorganisation mit
Projekten weltweit. Doch was steckt genau hinter der IHH? "Auf jeden Fall ist
die IHH eine humanitäre Organisation, das heißt, für Menschenrechte und
Freiheit", sagt Annette Groth. Inge Höger bezeichnet die Organisation als
"islamisch vielleicht, aber nicht islamistisch". "Da haben Sie sich vorher
informiert?", fragen wir nach. "Da habe ich mich vorher informiert", so
Höger.

Die IHH - nicht islamistisch? Mete Çubukçu ist Chefredakteur beim
türkischen
Nachrichtensender NTV. Er sieht die IHH als Teil einer islamistischen Bewegung,
deren Ziel eine Gesellschaftsordnung auf Basis des Islam ist. "Die IHH hat eine
starke Milli-Görüs-Basis", sagt Mete Çubukçu. "Die
Anhänger haben einen engen
Bezug zu dieser islamistischen Bewegung. Aber das sagen sie auch selbst." Chef
der IHH ist Bülent Yildirim. In den 1990er Jahren soll er geholfen haben,
Kämpfer für den Heiligen Krieg anzuwerben. Kurz vor dem Angriff der israelischen
Marine gibt er an Bord der "Mavi Marmara" ein Interview. "Wenn die Israelis
uns
attackieren, dann wird es in Städten wie Ankara, Istanbul oder Islamabad
Aktionen gegen Israel geben", sagt Yildirim. "Israel ist in einer schwierigen
Situation."

*Israel als Unrechtsstaat vorführen?*

Das erklärte Ziel ist also, Israel als Unrechtsstaat vorzuführen. Ein Ziel, das
offensichtlich noch andere an Bord der "Mavi Marmara" verfolgt haben. Im
Internet hat das islamistische Mili-Görüs-Forum eine Liste mit türkischen
Mitreisenden veröffentlicht. Wir fragen den Islamwissenschaftler Michael Kiefer
nach den türkischen Passagieren. Er beschäftigt sich seit Jahren mit
türkischen
Parteien und Gruppierungen. "Aus meiner Sicht sind dies keine normalen
Friedensaktivisten, wie wir die kennen", sagt er, "also Mitglieder der
Friedensbewegung, die für politische Ziele eintreten, die fernab jeglicher
Gewalt, fernab nationalistischer Zuspitzung da sind. Das sieht hier doch etwas
anders aus."

Auf der Passagier-Liste stehen Autoren radikal-islamistischer Zeitungen und
Funktionäre der Partei BBP, zum Beispiel deren Pressesprecher, präsentiert auf
der parteieigenen Website. Die BBP ist für Experten eine Partei mit
antisemitischen und militanten Tendenzen. Unter anderem wird sie in Verbindung
gebracht mit dem Mord an einem christlich-armenischen Journalisten im Jahr 2007.
Jetzt sind also Funktionäre der BBP auf der "Mavi Marmara". "Wenn alle
die
gleichen Maßstäbe haben - humanitäre Güter nach Gaza ohne Gewalt -
dann war das
für uns die Basis des Verständnisses", sagt Norman Paech. "Wenn sie
ihre ganzen
anderen, vielleicht gewalttätigen Fantasien in der Türkei ließen, dann war
das
für uns auch kein Problem."

*BBP ähnliche Programmpunkte wie NPD?*

"Meines Erachtens kann man, wenn man Schnittmengen bilden möchte, durchaus
sagen, dass die BBP ähnliche Dinge, ähnliche Programmpunkte auffasst wie die
NPD", sagt Islamwissenschaftler Kiefer. Selbst die Linke sieht das ähnlich: In
einer kleinen Anfrage 2007 ordnet die Bundestagsfraktion die BBP ins
rechtsextreme Lager ein und zitiert den Verfassungsschutz: Die BBP gehöre zur
Bewegung der "Grauen Wölfe". Diese vertrete "eine
rassistisch-nationalistische
Orientierung" und stehe für "Gewaltbereitschaft und am Führerprinzip
ausgerichtete totalitäre Strukturen".

Wir zeigen Annette Groth die Liste mit Passagieren von der BBP. "Sie müssen mich
dazu nicht befragen, fragen Sie doch die Dame von Pax Christi", entgegnet Groth.
"Sie kennt sich da vielleicht eher aus als ich. Ich bin da die falsche
Ansprechpartnerin." "Aber Sie scheinen sich damit im Vorfeld nicht
beschäftigt
zu haben, wer da mitfährt?", fragen wir nach. Annette Groth beendet daruahin das
Gespräch. Drei Linke und ihre Friedensmission sitzen im gleichen Boot mit
Islamisten und Rechtsextremisten. Wenn es um die eigenen Ziele geht, haben sie
offenbar wenig Berührungsängste.

http://www.3sat.de/page/?source=/kulturzeit/themen/145159/index.html

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