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Re: Geringverdiener sollen weniger für Strom zahlen

Von: Ralf Schrader (ralf.schrader@gmx.ch) [Profil]
Datum: 10.06.2008 21:53
Message-ID: <6b84egF3a4qmoU2@mid.individual.net>
Newsgroup: de.talk.tagesgeschehen
Roland Rieß schrieb

> Deshalb bin ich dafür, die Einkommen der "Elite" mit einem
Multiplikator
> an das Grundeinkommen zu koppeln. Für Politiker sowieso. Damit würden
> Erhöhungen der Gehälter mit gleichzeitiger Kürzung der niedrigen
Einkommen
> unmöglich. Jeder würde davon profitieren und davor haben sie Angst.

Das ist keine gute Idee. Klingt zwar verlockend, aber taugt nichts. Das
Problem besteht derzeit doch darin, dass man mit wirklicher Arbeit nur wenig
Geld verdienen kann, während man mit nicht wertschöpfenden Tätigkeiten in
Geld erstickt wird. Solange Wertschöpfung das Mass der Dinge war, war das
Leistungsprinzip in Ordnung. Ein Hedgefondmanager vernichtet Werte und ein
Vorstand heute üblicher Mischkonzerne schafft kaum welche. Die schaffen nur
Geldkonzentration durch Umverteilung und beschleunigen damit Inflation und
Einkommensschere. Ausgerechnet die Leute, die in ihren Wirtschafttheorien
predigen, das Umverteilung keine Strategie ist, machen nichts anderes. Nur
machen sie es in Form feindlicher, nicht sozialer Umverteilung. Wer wirklich
Wert schafft, der soll verdienen, bis es ihm aus den Ohren quillt. Aber wer
schafft heute noch Wert, die hochbezahlte Fussballnationalmannschaft? Herr
Gottschalk oder andere dauerbeschäftigtere Fernsehmoderatoren? Bestimmt
nicht.

Auch Bill Gates hat von seiner Jugend abgesehen kaum Werte geschaffen.
MicroSoft ist eine Marketingbude mit notwendigem Programmiererbestand, lange
nicht mehr von der ersten Güte. Alles, was die seit 10 Jahren machen, ist
bezogen auf den Aufwand ziemlich minderwertig. Der Wertschöpfungsanteil der
Open Source Szene liegt in der gleichen Grössenordnung, die Erlöse und der
Aufwand letzterer vielleicht bei 1%. Leistung hat gegenüber Marketing kaum
noch einen Stellenwert, und Marketing resultiert aus Kapital, eignem oder
fremden. Inzwischen vermehrt sich Kapital auch ohne Marketing einfach nur
durch Kapitaldruck.

Als erstes muss man dieses bereinigen, aber das geht gegen die Systemgesetze
des Kapitalismus, in dem Geld, nicht das Produkt, der höchste Wert ist.

Man muss sich im klaren werden, Geld ist _kein_ Wert. Wer 1000 Tische baut
und die für einen Stückpreis von 100 Euro verkauft, soll die 100.000 auch
haben. Aber wer nur Geld von A nach B schaufelt, sollte dafür maximal den
Schwedentrunck bekommen. Letzteres gilt leider für den grösseren Teil der
aktuellen sogenannten 'Elite'.

Die Idee der sozialen Marktwirtschaft war eine sehr gute, ich liebe die auch
regelrecht, aber die gilt nur für den Industriekapitalismus, den wir seit
spätestens 1980 nicht mehr haben. Der Geldkapitalismus nutzt keine Märkte,
er erzeugt sie und die Humanabeschäftigung machen eine Serverfarm und,
solange sich auch das nicht vermeiden lässt, ein paar Dutzend von jeden
Werten und Skrupeln befreite Jungmanager. Arbeit kann man das im übrigen
nicht nennen.

Ralf




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