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Re: Strittmatter war in der SS ?

Von: Ralf Schrader (ralf.schrader@gmx.ch) [Profil]
Datum: 10.06.2008 20:53
Message-ID: <6b80t9F39r884U2@mid.individual.net>
Newsgroup: de.alt.folklore.ddr de.talk.tagesgeschehen
Marino Weigl schrieb

> Hat man schon herausgefunden, ob die Ossis überhaupt Lesen und Schreiben
> konnten?


Im Prinzip ja, aber eben nur sehr eingeschränkt. Für Literatur hat es
gereicht, aber so wunderbar ausformulierte Gesetzestexte wie das (west-)
deutsche Steuerrecht haben die Zonis natürlich nicht hinbekommen. Die sind
deshalb tatsächlich mit einem mittleren Bestand von 4-500 Anwälten über 40
Jahre hingekommen. Typische Primitivkultur.

Das Sprache ein ideales Verwirrungsinstrument ist, haben die Westpolen auch
nie realisiert, da wurde plump drauf los agitiert. Umgekehrt kannten sie
aber auch die Reduktionsmöglichkeiten der deutschen Sprache nicht. Das man
1000-teilige Fernsehserien ohne Handlung mit 20 Phrasen und einem
Gesamtsprachschatz von 300 Wörtern gestalten kann, da wären die in ihrer
Phantasielosigkeit nie drauf gekommen. Erkannten auch nicht die politische
Funktion selbiger bei der Integration von Fremdsprachlern.

Ein DEFA- Film hingegen hat sich die Verschwendung gestattet, selbst in
Nebenrollen ausgebildete Schauspieler mit Sprecherziehung einzusetzen. Die
haben sich selbst im dritten Satz hintereinander nicht versprochen, selbst
wenn die anders waren als "Wie geht es Dir", "Kann ich etwas für Dich
tun"
oder "Tut mir leid". Absolute Verschwendung von Zeit und Energie und kein
Tibeter kann da folgen.

Alles in allem, nicht annähernd die Ausschöpfung der Möglichkeiten der
deutschen Sprache, als wir die kennen. Schreiben und Lesen konnten die
schon, wenigstens das, was sie sagten. Aber was hatten die zu sagen.
Entweder war es  zu viel (Literatur, Film, Theater) oder zu wenig (Gesetze,
Verordnungen, Verfügungen).

Ralf



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