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Spanisches Tagebuch (http://www.nyblog.de)

Von: George Orwell (nobody@mixmaster.it) [Profil]
Datum: 04.03.2007 13:10
Message-ID: <7fefd2e486a17bc4fcf8f5de582c4936@mixmaster.it>
Newsgroup: de.talk.tagesgeschehen
REMAILER - Die E-Mail-Adresse kann einem Remailer-Dienst zugeordnet werden. Remailer anonymisieren und pseudonymisieren E-Mails und Usenet-Postings und lassen somit keinen Rückschluss auf den Verfasser zu. Weitere Informationen zur Remailern hält die Wikipedia bereit.
Die Technische Universität Ilmenau droht einem Studenten mit Rausschmiss, weil er in
einem Internet-Tagebuch angeblich die Hochschule verunglimpft.

ILMENAU. Die Drohung ist unmissverständlich: Entweder, schreibt Rektor Peter Scharff,
entfernt der Student bis zum Monatsende seine Behauptungen aus dem Internet. Oder es
erfolge eine Anzeige wegen Rufschädigung sowie die Exmatrikulation, ein Rausschmiss
also.

Student Tino Seeber führt im Internet ein öffentliches Tagebuch, ein Blog. Rund
500 000 davon gibt es laut Schätzungen in Deutschland. Die meisten beschreiben darin
ihren Tagesverlauf, diskutieren über neueste Computertechnik oder geben sich
Beziehungstipps.

Nicht jedoch der Ilmenauer Student. Der dortige Studentenrat, schreibt der selbst ernannte
“Aufklärer”, sei in einen “braunen Sumpf” verwickelt. Er verstecke Nazis,
sympathisiere mit rechtsextremen Burschenschaften und habe zudem Steuerhinterziehung
begünstigt.

“Damit hat er die Grenzen der Meinungsfreiheit klar überschritten”, sagt der
Ilmenauer Rektor. Alles “haltlose Unterstellungen”, bekräftigt auch Thomas Sauerbrey
vom Studentenrat die Auffassung seines Rektors. So ist mit der Burschenschaft die
“Baltia-Gotia” gemeint. “Die genießt in der Stadt ein gutes Ansehen.” Selbst
Oberbürgermeister und Ministerpräsident gratulierten der Handvoll Aktiven zum
Gründungsjubiläum.

Das stört den Blogger wenig: Man wisse schließlich, dass die Burschenschaften
grundsätzlich rechtsextrem sind, vom “Verfassungsschutz beobachtet” werden und
Kontakte zur NPD haben.

Für die Baltia-Gotia allerdings kann der Thüringer Verfassungsschutz das alles
nicht bestätigen. Nur eine der über ein Dutzend hiesigen Studentenverbindungen
erwähnt er in seinen Berichten, die Jenaer Normannia.

Warum der Blogger dennoch solche Behauptungen verbreitet, da haben die Ilmenauer
Studentenvertreter ihre so ganz eigenen Vermutungen. “Der hasst uns.” Denn der Blogger war
früher selbst im Ilmenauer Studentenrat. Damals habe er, so Sauerbrey, Gelder
unerlaubt ausgegeben. Das Gremium verklagte ihn deshalb vor dem Amtsgericht und gewann.

“Das hat er uns wohl nicht vergessen.”

Rechtlich ist Seeber allerdings schwer beizukommen. Sein Blog verfasst er von Spanien aus,
wo er für ein Jahr studiert. Da greift das deutsche Presserecht nicht. Nun hat er zur
Klärung dem Rektor ein Gespräch angeboten. In Madrid.

20.02.2007 Von Falk HEUNEMANN


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