Das Ende der Onlinepartei SPD
Von: Gegen Zensur (martin.gothow@googlemail.com) [Profil]
Datum: 19.06.2009 12:56
Message-ID: <051a9811-6bf4-4a17-b9c9-2ab7b93b271f@n8g2000vbb.googlegroups.com>
Newsgroup: de.soc.zensur
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Von Hagen Pietzcker, 19.06.2009 Seit gestern ist es amtlich: Die Sozialdemokraten können ihren Onlinewahlkampf jetzt einstellen. Die gestrige Zustimmung der Bundestagsfraktion zum umstrittenen Gesetz zur Sperrung von Webseiten mit angeblich kinderpornografischen Inhalten hat die Partei in den Augen der Onlinecommunity völlig diskreditiert. War bisher die Initiatorin des Vorhabens, Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) das beliebteste Ziel von Spott, Angriffen, Kritik und Empörung, so ergießt sich spätestens seit der gestrigen Abstimmun g nun eine Welle von Wut und Ablehnung über die SPD. Blogs, Foren und Kommentarseiten sind voll von Vorwürfen gegen das Verhalten der Sozialdemokraten. Auf ihnen ruhten lange noch die Hoffnungen, das Gesetz zu stoppen. Einige Entschärfungen konnten in Verhandlungen mit der Union noch durchgesetzt werden: So wird die Regelung auf drei Jahre befristet, die Daten von Usern, die auf die berüchtigten Stopp- Zeichen stoßen sollen nicht zu Strafverfolgungszwecken gespeichert werden, und es wurde das alleinige Ziel der Anwendung auf kinderpornografische Tatbestände festgeschrieben. Doch die Kritik verstummte nicht. Das hat vor allem damit zu tun, dass die eigentlichen Einwände gegen das Gesetz davon kaum betroffen sind. Es wird eine Infrastruktur geschaffen, die ganz einfach auch auf andere Inhalte angewendet werden kann – es droht die Einschränkung der nach dem Grundgesetz garantierten Kommunikationsfreiheit, die selbstverständlich nicht nur für Telefon und Post gilt, sondern eben auch für die Onlinesphäre. Es wird kein effektives Instrument gegen die Verbreitung von Kinderpornografie geschaffen, da die indizierten Inhalte weiterhin abrufbar sind, und das sehr einfach. Es werden keine neuen Mittel für eine effektive Verfolgung und Löschung derartiger Inhalte bereitgestellt, obwohl es genügend Ansatzpunkte gäbe, gegen dieses widerliche Verbrechen vorzugehen. Dass nun die SPD ins Fadenkreuz der Webgemeinde gerät, hat mehrere Gründe: Keine andere Partei hat so öffentlichkeitswirksam auf das Internet als Wahlkampfinstrument gesetzt, keine so sehr versucht, an den Obama-Hype des vergangenen Jahres anzuknüpfen, keine so sehr darauf gesetzt, sich damit ein modernes Image zu verschaffen, gerade in Hinblick auf die junge, internetaffine Wählerschaft. Aus und vorbei. Trotz deutlicher Warnungen auch aus den eigenen Reihen blieben Parteiführung und Bundestagsfraktion bei ihrer Zustimmung. Die Folgen sind bereits wenige Stunden nach der Abstimmung zu beobachten. So hat der 1997 gegründete Internetbeirat der SPD unter Bloggerikone Sascha Lobo seine Arbeit bis auf Weiteres eingestellt. In Foren und Blogs erklären reihenweise User, dass diese Partei damit für sie unwählbar geworden ist – und erhalten jede Menge Zustimmung von anderen, enttäuschten Usern. Der alte Reim „Wer hat uns verraten…“ taucht überall auf, ein entsprechendes Video auf Youtube ist zurzeit hochbeliebt. Auch auf dem Edelprofil der Partei auf StudiVZ hagelt es Kritik. Die Onlinecredibility der Sozialdemokratie und, im Moment noch desaströser, ihrer Webkampagne ist zerstört. War man in sich der Beurteilung der Motive von der Leyens noch schnell einig, nämlich einer Mischung aus Unwissenheit und populistischem Aktionismus, so gleicht das Kopfschütteln über die SPD eher einer wütenden Resignation. Gibt es denn keine großen Parteien, die das Internet, seine User und vor allem die realen Probleme verstehen? Warum hört niemand auf die zahlreichen Experten, die schon lange effektive Maßnahmen vorstellen, anbieten und einfordern, gleichzeitig eindringlich und fundiert vor den Gefahren dieses Gesetzes warnten? Die Sozialdemokratie hat gestern die große Chance verspielt, auf dem Feld des Internets, wo sie sich bisher wirklich von der Union abhob, weiterhin zu Punkten. Es wird sie viele Wählerstimmen kosten – die Onlinekampagne ist hinfällig.[ Auf dieses Posting antworten ]
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- Adi Markl (22.06.2009 07:24)
