Gesundheitswesen ist der Jobmotor der Zukunft
Von: Mueding (mueding@web.de) [Profil]
Datum: 11.05.2008 14:44
Message-ID: <fbz7hm3jpxms.1ueg4lp9e0176.dlg@40tude.net>
Newsgroup: de.soc.politik.misc de.soc.wirtschaft
Datum: 11.05.2008 14:44
Message-ID: <fbz7hm3jpxms.1ueg4lp9e0176.dlg@40tude.net>
Newsgroup: de.soc.politik.misc de.soc.wirtschaft
Bis zum Jahr 2020 könnten(!) im deutschen Gesundheitssektor zu den existenten rund 1,1 Millionen Stellen nochmals rund 1 Million neuer Stellen hinzukommen. Das geht aus einer aktuellen McMinsey-Studie hervor. Das klingt gut und sogar ein wenig verführerisch - soll es auch. Und dann kommt der böse Haken: Die Voraussetzung dafür sei eine Reform, die eine wesentlich stärkere finanzielle Eigenbeteiligung der Patienten (also nicht der Gesamtheit der Versicherten!) bringt. Warum der Patienten? Weil derzeit an den Beiträgen der gesetzlich Versicherten zu 50% die Arbeitgeber, also die Kapitaleigner beteiligt sind und man dieses Prinzip wohl als leider derzeit nicht veränderbar ansieht. Wenn aber Patienten Zuzahlungen leisten müssen, dann trifft diese die Arbeitnehmer zu 100%, da die Arbeitgeber an Zuzahlungen nicht beteiligt sind. So war ja auch die Idee der Praxisgebühr angelegt. Wenn man den erkannten Finanzierungsmehrbedarf auf alle gesetzlich versicherten, und nur die trifft sie ja, umgelegt hätte, wären auch die Arbeitgeber mit einer minimalen Beitragserhöhung dabei gewesen. So ließ man sie außen vor. Daß man damit die Praxisbesuche auf die notwendigen drücken wollte, war von Anfang an eine Legende und hat sich als solche nach Aussage der Kassen auch bewiesen, die Besuche sind nicht gesunken - ist ja klar. Wer die Praxisgebühr bezahlt, will sie nach deutscher Mentalität dann auch nutzen. Zu den konkreten finanziellen Auswirkungen der McKinsey-Überlegungen anzustellen, ist ebenfalls sehr interessant: Derzeit finanzieren die versicherungspflichtigen Arbeitnehmer die Beschäftigten des Gesundheitssektors zu ca. 50%, da die anderen 50% der Beiträge durch die Arbeitgeber zu zahlen sind. Die Wachstumsrate der Beschäftigung im Gesundheitssektor soll lt. McKinsey grob 100% betragen. Wenn die dadurch entstehenden Kosten allein durch die Kranken per Zuzahlungen aufgebracht werden sollen, dann bedeutet dies, das diese für die relativ kleine Gruppe der Kranken den ungefähr gleichen Betrag ausmachen würden, die die Krankenkassenbeiträge für alle gesetzlich versicherten Arbeitnehmer heute in der Summe ergeben. Bei aller Schlechtigkeit, die ich diesen Stichwortgebern der Politik zubillige, hier hat man wohl die Grundsätze der Mathematik und die realisttischen Möglichkeiten vollkommen verlassen. 2007 nahmen die Krankenkassen für die ca. 60,7 Millionen Versicherten rund 155,4 Milliarden Euro ein. Davon gingen ungefähr 92 Milliarden an die Krankenhäuser, die Arztpraxen inkl. Zahnärzte usw., also dahin, wo die 1,1 Milliarden arbeiten. Wenn man jetzt einfach nur mal schätzt, erwartet McKinsey von den Kranken ernsthaft, daß diese allein ungefähr 75 Milliarden Kosten für die 1 Million neuer Beschäftigten im Gesundheitssektor per Zuzahlungen aufbringen sollen? Auf Grund fehlenden Zahlenmaterials will ich keine Spekulation über genaue Werte treiben. Aber wenn 75 Milliarden ungefähr dem Kassenbeitrag aller Versicherten entsprechen und diese Summe alleine von den Kranken auch nochmal aufgebracht werden sollen, kann man sich sehr gut vorstellen, was da auf einen Kranken an Zuzahlung zukäme. Krankheit würde damit klar für einen Kranken unbezahlbar. Aber vielleicht ist das ja auch das Ziel. Alle Menschen, die dem Prozess der Profitmaximierung nicht mehr oder zeitweilig nicht zur Verfügung stehen, werden als überflüssig angesehen. Der einzige Lebenszweck eines Menschen besteht angeblich darin, zu arbeiten. Man arbeitet nicht mehr, um zu leben - das war gestern. Wenn der Mensch also nicht mehr arbeiten kann, hat sein weiteres Leben weder für ihn, noch für die Gesellschaft aus vorherrschender und machtausübender neoliberaler Sicht einen Sinn. Sein Weiterleben kostet doch nur unnütz Geld. Da es aber mehr als genug Menschen als Ersatz für ihn gibt und ständig irgendwo auf der Welt neue gemacht werden, ist ein solcher Mensch regelrecht überflüssig. Hierfür bietet McKinsey einen natürlichen Ausweg an. Wer lesen und denken kann, ist klar im Vorteil. Soviel steckt in einer kleinen 32zeiligen AP-Meldung aus der vergangenen Woche an Brennstoff und niemanden regt es mehr auf. Wir sind sozusagen auf einem guten Weg, für wen?! Aber über die Junta in Myanmar, über die dürfen wir uns aufregen. Klar, lenkt so herrliche von den anderen, mindestens ebenso interessanten Meldungen ab, die schnell wieder in der Versunkung verschwinden. mueding[ Auf dieses Posting antworten ]
Antworten
- Matthias Kern (11.05.2008 14:49)
- mueding (11.05.2008 17:32)
- Ingo Gideon Becker (12.05.2008 02:41)
- Matthias Kern (12.05.2008 12:06)
- mueding (12.05.2008 15:03)
- Matthias Kern (14.05.2008 22:52)
- mueding (12.05.2008 15:02)
- Heiner Simonsen (11.05.2008 18:45)
- Götterdämmerung (11.05.2008 19:18)
- mueding (11.05.2008 21:03)
- Götterdämmerung (11.05.2008 21:39)
- mueding (11.05.2008 22:15)
- Götterdämmerung (12.05.2008 09:40)
- mueding (12.05.2008 15:08)
- Uwe Borchert (12.05.2008 13:06)
- Ulrich Heymach (11.05.2008 23:35)
- Ingo Gideon Becker (12.05.2008 02:34)
- Götterdämmerung (12.05.2008 09:43)
- mueding (12.05.2008 15:30)
- Libero (11.05.2008 21:56)
- mueding (11.05.2008 22:25)
- Werner Baumschlager (11.05.2008 23:00)
- Joachim Pense (12.05.2008 07:39)
- Libero (12.05.2008 10:17)
- mueding (12.05.2008 11:15)
- Libero (13.05.2008 16:07)
- Wolfgang Schwanke (13.05.2008 19:53)
- Libero (14.05.2008 13:12)
- mueding (14.05.2008 22:09)
- Libero (15.05.2008 12:57)
- mueding (15.05.2008 20:32)
- Libero (18.05.2008 10:12)
- Mister Plop (18.05.2008 10:53)
- mueding (18.05.2008 12:16)
- Libero (18.05.2008 15:21)
- Matthias Bethke (19.05.2008 11:43)
- Libero (12.05.2008 10:27)
- Ulrich Heymach (12.05.2008 10:51)
- Libero (12.05.2008 11:17)
- Ulrich Heymach (12.05.2008 11:28)
- Libero (12.05.2008 21:51)
- Ulrich Heymach (13.05.2008 02:31)
- Libero (13.05.2008 13:31)
- mueding (12.05.2008 11:44)
- Werner Baumschlager (12.05.2008 12:32)
- Ralf Holger (12.05.2008 13:02)
- mueding (12.05.2008 15:59)
- Ralf Holger (13.05.2008 02:43)
- mueding (13.05.2008 22:21)
- Ralf Holger (14.05.2008 00:42)
- mueding (14.05.2008 22:11)
- Libero (12.05.2008 22:13)
- mueding (12.05.2008 22:32)
- Ingo Gideon Becker (12.05.2008 22:43)
- Ingo Gideon Becker (12.05.2008 22:40)
