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Implikationen dauerhaft hoher Ölpreise

Von: Ingo Heinscher (usenet@heinscher.de) [Profil]
Datum: 13.04.2008 19:35
Message-ID: <4802445a$0$4857$9b4e6d93@newsspool4.arcor-online.net>
Newsgroup: de.soc.wirtschaft
Der IMF hat vor weiteren Unruhen aufgrund der hohen Nahrungsmittelpreise
gewarnt - man rechnet dort gar mit Kriegen oder Bürgerkriegen aufgrund
dieses Phänomens.

Der inzwischen dauerhaft hohe Ölpreis ist dabei die wichtigste Ursache.
Angesichts der Tatsache, dass das Maxmimum der weltweiten Ölförderung
("Peak Oil") offenbar bereits überschritten ist, ist wohl nicht damit zu
rechnen, dass dieser Preis dauerhaft wieder sinkt. Ja, wahrscheinlich
müssen wir uns insgesamt eher darauf einstellen, dass die Zeit, in der
die Energiepreise im Mittel steigen, mehr oder weniger angebrochen ist.
Ihr Maximum werden sie wahrscheinlich irgendwo da haben, wo die Kosten
für Stromerzeugung aus regenerativen Energieträgern plus den Kosten für
die Speicherung liegen, also sicher nicht unter (in heutigen Preisen) 50
Eurocent pro kWh.

Betrachtet man die Ölpreise der vergangenen Jahrzehnte und setzt sie ins
Verhältnis zum Wirtschaftswachstum, so fällt auf: Niedrige Ölpreise und
hohes Wirtschaftswachstum kommen erstaunlich oft gleichzeitig vor,
ebenso wie der umgekehrte Fall, in dem hohe Ölpreise zeitgleich
auftreten mit niedrigem Wirtschaftswachstum. Das ist natürlich
plausibel: Billige Energie bedeutet, dass die Gesellschaft mehr
zusätzliche energiehungrige Aktivitäten entfalten kann als bei teurer
Energie. Manche Leute werden möglicherweise einen direkten Zusammenhang
bezweifeln - ein mindestens indirekter aber ist mE unabweisbar.

Zählen wir also eins und eins zusammen: Eine Ära hoher Energiepreise
liegt vor uns, und hohe Energiepreise bedeuten letzten Endes auch
niedrige Wachstumsraten, möglicherweise gar längere Stagnation. Die
US-Finanzkrise mag indirekt mit diesem Umstand zusammenhängen oder nur
zufällig zeitgleich auftreten; einfacher macht sie die Lage gewiss nicht.

Was also soll man tun? Wie fängt der einzelne Vermögende die
Implikationen dieser sehr wahrscheinlichen Entwicklung für sich ab? Wie
all die, die nicht vermögend sind? Was kann und sollte der Staat tun, um
Verwerfungen (nicht notwendigerweise nur solche wie in Haiti) zu vermeiden?

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