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Hoppe: "Einwanderung in einer libertären Gesellschaft"

Von: Schorsch (bartelq77@yahoo.com) [Profil]
Datum: 19.11.2006 12:05
Message-ID: <1163934316.148273.20750@m7g2000cwm.googlegroups.com>
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Die These von Hoppe: Kosten fuer "Gastarbeiter" duerfen nicht
sozialisiert werden.

<quote>Kann ein Geschäftsmann in einer Freien Marktwirtschaft jeden
beliebigen Einwanderer anheuern?


Von Hans-Hermann Hoppe


Die Annahme, ein Einwanderer sei willkommen, nur weil er jemanden
gefunden hat, der bereit ist ihn für eine Zeitlang zu beschäftigen,
ist falsch. Um es klar zu sagen: Diese Annahme ist nur dann richtig,
wenn
der Arbeitgeber auch bereit ist für sämtliche Folgekosten, die er
Einwanderer hervorruft, aufzukommen. Dies wäre der Fall in dem
verleumdeten Modell der "Stadt AG", die von einem Eigentümer besessen
und verwaltet wird. Hier müßte der Inhaber der "Stadt AG" für
sämtliche Kosten für Beschäftigung, Unterbringung,
Gesundheitsversorgung und all die anderen Annehmlichkeiten, die der
Einwanderer in Anspruch nimmt, aufkommen. Das Eigentum von Dritten
wäre durch die Einwanderung also nicht beeinträchtigt.


Nicht ganz so perfekt (und das in zunehmendem Maße) ist das Modell von
der Übernahme der Gesamtkosten durch die Schweizer
Einwanderungspolitik geregelt. In der Schweiz werden Fragen der
Einwanderung auf lokaler statt auf bundesstaatlicher Ebene entschieden
- und zwar genau in der
Gemeinde, in der der Einwanderer leben möchte. Diese
Gemeindemitglieder wünschen natürlich, daß die Anwesenheit des
Einwanderers ihre eigenen Vermögenswerte erhöht statt verringert. In
so attraktiven Plätzen wie der Schweiz bedeutet dies, daß der
Einwanderer (oder sein potentieller Arbeitgeber) sich in die Gemeinde
einkaufen muß, was gelegentlich Spenden in Millionenhöhe ausmacht.


Der Sozialstaat ist jedoch nicht so vorteilhaft wie die "Stadt AG",
nicht einmal wie eine Schweizer Gemeinde, verwaltet. Unter den
Rahmenbedingungen eines Sozialstaats zahlt der Arbeitgeber des
Einwanderers nur einen kleinen Teil der Kosten, die die Anwesenheit des
Einwanderers für die Gemeinschaft hervorruft. Er wälzt (sozialisiert)
einen substantiellen Teil dieser Kosten auf Dritte ab. Der Einwanderer
kann alle Einrichtungen des Sozialstaates nutzen: Straßen, Parks,
Krankenhäuser, Schulen. Und kein Adliger, kein Geschäftsmann und
keine Privatperson hat das Recht in Hinblick Wohnen, Beschäftigung,
Versorgung oder Koalitionsbildung zu diskriminieren. Da ist ferner,
daß der Einwanderer eingeladen wird zu einem ganzen Bündel von
Sozialleistungen. Und dieses Bündel wird nicht (oder nur zu einem
geringen Anteil) von dem Arbeitgeber des Einwanderers, der angeblich
die Einladung ausgesprochen hat, bezahlt. Vielmehr wird das
Sozialleistungsbündel von anderen Gemeindemitgliedern (zum Beispiel
den Steuerzahlern), die überhaupt nichts mit der Einladung zu tun
hatten, gezahlt. Das ist nicht das, was man gemeinhin unter einer
Einladung versteht. Dies ist schamlose Ausbeutung. Es ist so, als lud
man Fremde ein, um das eigene Haus zu renovieren, während man sie aus
dem Kühlschrank seines Nachbarn ernährt.


Konsequenterweise kommen mehr Einwanderer auf Einladung von
Arbeitgebern, wenn die Kosten für den Import von Einwanderern sinken.
Überdies verändert sich auch der Charakter der Einwanderer. So
wählen
Schweizer Gemeinden fleißige, sehr produktive Einwanderer aus, deren
Anwesenheit zum Nutzen aller in der Gemeinde ist. In demokratischen
Wohlfahrtsstaaten ermöglichen Gesetze den Arbeitgebern die Kosten für
ihre Billig-Arbeitskräfte anderen aufzuerlegen. Diese Arbeitgeber
tendieren dazu, zunehmend billige, schlecht ausgebildete und wenig
produktive Immigranten ins Land zu holen, ohne einen Gedanken daran zu
verschwenden, welche Auswirkungen dies auf die Eigentumswerte der
Gemeindemitglieder hat.


Die linkslibertäre "Die-Tür-macht-auf-die-Tor-macht-weit"-Forderung
ist ideologisch bankrott und kann nur psychologisch verstanden werden.
Die Rand'sche (Ayn Rand, Anm. d. Ü.) Schaffung so vieler
Linkslibertärer ist einer der Gründe. Bigbusiness-Geschäftsleute
werden von denen als Helden portraitiert. Ayn Rand hat sie - in einem
ihrer eher lächerlichen Statements - als die vom Wohlfahrtsstaat "am
stärksten
verfolgte Minderheit" bezeichnet. Nach dieser Weltanschauung (die frei
ist von historischen Kenntnissen oder persönlichen Erfahrungen) kann
es nicht falsch sein, wenn ein Unternehmer einen Fremden beschäftigt,
oder? In Wirklichkeit versündigen sich - und jeder Historiker weiß
das - gerade die Vertreter des Großkapitals sowohl an privaten
Eigentumsrechten wie auch an den Marktgesetzen. Neben anderen Dingen
haben sie in einer unheiligen Allianz mit dem Sozialstaat das Privileg
erworben, Einwanderer auf Kosten der Allgemeinheit importieren zu
dürfen. (So wie sie das Recht erworben haben, ihr Kapital in fremde
Länder zu exportieren. Gehen ihre Geschäfte dort schief, dann kommt
der Steuerzahler für den Schaden auf, und das Militär muß ihnen aus
der Patsche helfen.)


Das zweite Motiv für den Offene-Grenzen-Enthusiasmus unter den
Linkslibertären ist ihr Egalitarismus. Sie sind als Jugendliche wegen
ihrer anti-autoritären Haltung zum Libertarismus gestoßen. Außerdem
waren sie begeistert von der Toleranz, vor allem gegenüber
alternativen (nicht-bürgerlichen) Lebensstilen. Als charakterlich
wenig gefestigte Jugendliche sind viele von ihnen mal mit dem Gesetz in
Konflikt gekommen. Sie sind daher besonders sensibel, wenn es um
irgendeine Form von Diskriminierung geht. Und niemand hindert sie
daran, die Macht des Zentralstaates zu benutzen, um der Gesellschaft
Anti-Diskriminierungs-Gesetze aufzudrücken. Daraus folgt, daß sie
bereit sind auf anderer Leute Kosten zu leben, indem sie es ihnen
untersagen mit ihrem Eigentum Dritte zu diskriminieren. So können sie
sich ihrem alternativen Lebensstil hingeben ohne den normalen Preis zum
Beispiel Diskriminierung und Ausschluß anderer) für dieses Verhalten
zu zahlen. Um dies alles zu rechtfertigen, behaupten sie, daß jeder
Lebensstil so gut und akzeptabel wie jeder andere sei. Dies führt erst
zum Multikulturalismus, dann zum kulturellen Relativismus und
schließlich zu "Offenen Grenzen".


Weitere Informationen in "Demokratie, der Gott der keiner ist", Kapitel
7 (Über freie Einwanderung und erzwungene Integration), Kapitel 8
(Über freien Handel und beschränkte Einwanderung)

Aus dem Englischen: Ronald Gläser
Einwanderung in einer libertären Gesellschaft

Der libertäre Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Hans-Hermann Hoppe
(University of Nevada, Las Vegas; www.hanshoppe.com) belegt in seinem
auch außerhalb des libertären Spektrums vieldiskutierten Buch
"Demokratie. Der Gott, der keiner ist" (Edition Sonderwege bei
Manuscriptum, Leipzig 2003), daß eine nicht-restriktive
Zuwanderungspolitik immer zu einer Verletzung von
Privateigentumsrechten führt und somit dem Ideengut des klassischen
Liberalismus, der sein intellektuelles Rüstzeug aus der
Österreichischen Schule bezieht, geradezu zuwiderläuft.

Auf den Seiten der US-Libertarianer www.lewrockwell.com äußerte er
sich zu der Frage, inwiefern sich Privateigentum und "freie
Einwanderung" als Prinzipien wirklich miteinander vertragen. </quote>
http://www.libertaere-liste.de/konstanz/einwanderung.htm


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