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Tierrechte im Islam

Von: Saleema Nur (nomailatall@invalid.invalid) [Profil]
Datum: 30.10.2009 19:57
Message-ID: <hcfcuo$1jef$1@geiz-ist-geil.priv.at>
Newsgroup: de.soc.weltanschauung.islam
Hojjat-ul-Islam Dr. Seyyed Mahammad Nasser Taghavi in Heidelberg

Am 5. Juli 2007 sprach Herr Hojjat-ul-Islam Dr. Seyyed Mahammad Nasser
Taghavi im Hegelsaal des Philosophischen Seminars der Universität Heidelberg
zum Thema "Tierrechte im Islam". Dr. Taghavi ist stellvertretender
Vorsitzender des Islamischen Zentrums Hamburg und hochrangiger Gelehrter des
schiitischen Islam. Der Vortrag fand in persischer Sprache statt und wurde
synchron von Herrn Dr. M. Djavad Mohagheghi, einem mitgereisten Dolmetscher,
ins Deutsche übersetzt.

Dr. Taghavi leitete seinen Vortrag zunächst mit Grundvoraussetzungen ein, z.
B. dass im Islam das Leben an sich oberstes Gebot sei. Alle Lebewesen
besäßen Rechte, wobei gleiches Recht für alle Lebewesen gilt. Die Rechte
der
Tiere müssen ebenso beachtet werden, wie die des Menschen, allerdings hat
der Mensch die höchste Form der Vervollkommnung (der Schöpfung) erreicht.

Danach beschrieb Dr. Taghavi, dass der Koran sechs Bereiche zu Tierrechten
beinhalte. Unter anderem besagen diese zunächst, dass auch durch Tiere eine
Anbetung Allahs stattfindet, auch wenn diese durch den Menschen nicht
wahrgenommen werden kann. Die Anbetung Allahs allein sei zur Begründung
ausreichend, dass die Tiere Rechte besäßen. Außerdem kann in der
Schöpfung
der Tiere die Kunst und Macht Gottes betrachtet werden, was sie zusätzlich
zu rechtsbesitzenden Wesen macht.

Alle Lebewesen bilden eine Gemeinschaft, allerdings mit unterschiedlicher
Stellung, die von der Vollkommenheit der Anbetungsform Allahs abhängt (von
der der Mensch die höchste Form erreicht hat).

Wichtig war Dr. Taghavi zu erwähnen, dass der Koran jede Form der
Tierquälerei verurteilt, sie ziehe die direkte Bestrafung Gottes nach
sich.Im Anschluss erläuterte der Referent die Sichtweisen des Islam zum
Verhältnis zwischen Menschen und Tieren. Er beschrieb, dass es verboten sei,
Tiere für religiöse Rituale zu opfern. Dennoch darf der Mensch als
Stellvertreter Gottes auf Erden dessen Schöpfung nutzen. Hier wird
allerdings Maßhaltung gefordert, es ist also nur erlaubt, so viel zu nehmen,
wie benötigt wird. Ein grundloses Töten von Tieren sei verboten. Wenn ihr
Fleisch jedoch gegessen wird, findet die Schließung eines Kreislaufes statt,
da das Fleisch der Tiere im Menschen wieder zu Fleisch wird.

Der Mensch stehe zwar grundsätzlich über anderen Lebewesen, daraus
resultierte aber auch mehr Verantwortung. Tiere besitzen dagegen keine
Verantwortungen gegenüber den Menschen.

Aus den Überlieferungen des Islam berichtete Dr. Taghavi anschließend, dass
ein nachdrückliches Verbot der Tierquälerei bestünde. Dies gehe sogar so
weit, dass ein Mensch ein in seinem Besitz befindliches Tier freilassen
müsse, wenn er nicht in der Lage ist, dieses zu ernähren, damit das Tier
sich selbst ernähren kann. Einige Vorgaben greifen sogar noch weiter und
verleihen Tieren quasi gültige Rechte. Beispielsweise besitzt ein Reittier
sechs festgeschriebene Rechte. Zu ihnen gehören die ausreichende Versorgung
mit Nahrung und Wasser, sowie das Verbot von Schlägen. Weiter darf das Tier
nicht zu lange geritten werden.

Außer diesen existieren noch weitere Vorschriften für den Umgang mit Tieren.
Ein sehr hohes Gebot besagt etwa, dass ein Mensch nur wenn unbedingt nötig
bei Dunkelheit das Haus verlassen solle, um zu vermeiden, dass er, ohne es
wahrzunehme, sehr kleine Tiere versehentlich tötet.

Dr. Taghavi erklärte zusammenfassend, dass ein positiver Umgang mit Tieren
die Barmherzigkeit und eine Belohnung durch Gott hervorrufe, wobei ein
negativer Umgang eine Strafe nach sich zieht. Er fügte hinzu, dass es für
die islamische Lehre außer Frage stehe, dass Tiere Verstand und Bewusstsein
besitzen (da sie Gott anbeten). Das Verbot, Tieren ins Gesicht zu schlagen,
ist laut Dr. Taghavi ein Ausdruck dafür, dass Tiere eine Form der Ehre
besitzen. Es sei sogar möglich, dass ein Tier einen höheren Stellenwert vor
Gott besitzt, als ein Mensch, wenn er seiner Verantwortung nicht gerecht
wurde.

http://tierethikblog.de/2007/07/17/tierrechte-im-islam-hojjat-ul-islam-seyyed-mahammad-nas
ser-taghavi/

--
"That's a good religion. And no one resents that kind of religion being
taught but a wolf who intents to make you his meal."
Malcolm X



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