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Indische Schriften

Von: D.Schlenk (detmarschlenk@hotmail.de) [Profil]
Datum: 16.10.2009 19:32
Message-ID: <hbaaqe$b9s$1@news.eternal-september.org>
Newsgroup: de.soc.weltanschauung.buddhismus
Indische Schriften

Theorien der westlichen Orientalistik
Die Ursprünge des Yoga selbst liegen im Dunkeln. Die ältesten
archäologischen
Zeugnisse der indischen Hochkultur stammen aus der sogenannten Induskultur, die
ihre Blütezeit zwischen 3500 und 1500 v.Chr. hatte. Es existierte auch eine
Schrift, die allerdings noch nicht entziffert ist, denn sie scheint nach einer
anderen Logik aufgebaut zu sein als alle anderen bisher bekannten Schriften. Sie
hat
auch keine Ähnlichkeit mit Sanskrit. Archäologischen Ausgraben zufolge handelte
es sich um eine großartige Hochkultur mit schachbrettartig angelegten blühenden
Städten, die über Kanalisation und fließendes Wasser verfügten. Die
größten
heute bekannten Städte dieser Hochkultur sind Harapa und Mojendra.

Für die Zeit um 2000 v.Chr. werden die Ausgrabungsfunde geringer und schon um
1500 v.Chr. gibt es keine Zeugnisse mehr von der Induskultur. Aus unbekannten
Gründen hat sie sich irgendwann aufgelöst, ohne Anzeichen größerer
Schlachten
oder sonstiger Katastrophen. Eine Theorie westlicher Orientalisten vermutet
einen wenig ökologischen Landbau, so daß das Land allmählich ausgelaugt
war und
die Bewohner die Böden verlassen mußten.

Eine zweite Theorie bezieht sich auf die Einwanderung der Indogermanen um 1500
v.Chr.. Ihre Bezeichnung als Arier weckt zwar angesichts der weltgeschichtlichen
Erfahrungen im 20. Jahrhundert andere Assoziationen, erscheint jedoch schon in
dem indischen Nationalepos Bhagavad Gita und
bedeutet ursprünglich 'stark, mutig'. Diese Arier kamen aus der südrussischen
Steppe, zwischen Kaspischem Meer und Baikalsee, und sollen von dort in mehreren
Wellen ausgewandert sein. Ein Teil von ihnen zog nach Persien - die späteren
Iranoarier -, ein anderer Teil nach Indien, die sogenannten Indoarier. Bis heute
haben Sanskrit und Persisch eine enge Verbindung. Mit Sanskrit-Kenntnissen
versteht man auch die meisten persischen Ausdrücke und die Bedeutung persischer
Namen, wenn sie nicht arabischen Ursprungs sind.

So wird angenommen, daß die Arier zwischen 1500 und 1200 v.Chr. erst das
Industal eroberten, dann die Ganges-Tiefebene und schrittweise den nordindischen
Subkontinent. In Südindien dagegen blieben die sogenannten Drawiden. Sie gelten
als Ureinwohner und hatten auch eine eigene
Kultur. Manche Wissenschaftler mutmaßen, die Drawiden könnten dasselbe Volk
sein, das auch die Induskultur gegründet hatte. Bis heute gibt es in Indien zwei
ethnische Hauptgruppen: eben die eher hellhäutigen Arier im Norden und die
dunkelhäutigen Drawiden im Süden. Die höheren Kasten
sind auch im Süden oft mit hellhäutigen arischstämmigen Menschen besetzt.
Daneben leben in Indien natürlich noch sehr viele andere Völker, sogar mongolide
Völker, gerade in Nord- und Nordostindien, die ebenfalls nach Indien
eingewandert sind. Außerdem findet man die sogenannten Awinashis,
die Stämme, die bis heute im Wald leben und nie seßhaft geworden sind.
Früher
hatten sie genügend Wald. Doch heutzutage nehmen die Abholzungen immer weiter
zu, weil die Bevölkerung innerhalb von 50 Jahren von etwa 200 bis 300 Millionen
auf über eine Milliarde Menschen angewachsen ist. Wenn man Pakistan und
Bangladesh noch dazuzählt, gibt es auf dem indischen Kontinent beinahe 1,2
Milliarden Menschen, also mindestens genauso viele Inder wie Chinesen. Die Inder
haben ein höheres Bevölkerungswachstum. Indien hat doppelt so viel Einwohner wie
Europa.

Manchmal spricht man von der indischen Kultur oder dem indischen Volk. Das
stimmt ebenso wenig, wie man von einem europäischen Volk sprechen kann, obgleich
es bis zu einem gewissen Grad in Europa eine einheitliche Kultur gibt. Aber man
kann nicht unbedingt sagen, daß die Spanier, Italiener, Skandinavier, Russen,
Griechen, Deutschen alle gleich seien. Genauso ist es auch mit der
Völkervielfalt in Indien.
Indien war historisch auch ganz selten geeint. Es bestand, wie Europa, aus
verschiedenen Reichen, die sich zwischenzeitlich zusammenschlossen.
Und da Indien immer ein reiches Land war, kamen auch stets von außen Einwanderer
und Eroberer.
Um die Zeit der arischen Einwanderung sollen dieser zweiten Theorie zufolge auch
die indischen Schriften entstanden sein. Es sollen ursprünglich rein arische
Schriften gewesen sein, die die Indogermanen mitbrachten und die sich später
allmählich mit dem drawidischen Gedankengut
vermischten. Auf die indogermanische, abendländische Kultur gehen die
Vorstellungen von Brahman, Atman und die vedischen Götter wie Indra, Varuna,
Agni und so weiter zurück. Von der drawidischen Religion nimmt man an, daß es
sich ursprünglich mehr um eine Mutterreligion mit Verehrung der Göttin, eine
tantrische Kultur, gehandelt hat, die sich im Gegenzug in den ersten
Jahrhunderten nach Christus wieder über ganz Indien ausbreitete und auch von der
sogenannten brahmanischen Kultur absorbiert wurde.
In indologischen und zum Teil auch in Yogabüchern wird diese Entwicklung als
historisch klar bewiesen dargestellt. Es fehlt jedoch eine archäologische
Beweisführung für den tatsächlichen Sieg der Indogermanen über die
Indusbewohner. Man weiß nur von dem Nebeneinander der hellhäutigen Inder, die
aussehen wie Europäer und überwiegend in Nordindien leben, und der
dunkelhäutigeren Drawiden in Südindien. Ebenso bestehen auch zwei verschiedene
Sprachfamilien in Indien: die indogermanischen Sprachen, die vom Sanskrit
abgeleitet sind, und die drawidischen Sprachen. Die Theorie stützt sich
hauptsächlich auf die Sprachwissenschaft und die Ethnologie.
Die zeitliche Bestimmung ist deshalb so schwierig, weil die Inder auf
Palmblätter schrieben, die nach ein paar hundert Jahren vollständig zerfallen
waren und immer wieder kopiert, also abgeschrieben, wurden. Man findet keine
uralten Originale. Um 250 v.Chr. ließ Ashoka (Maurja-König, 259 v.Chr.) einige
Schriften in große Steinstelen meißeln. Dabei handelt es sich allerdings um
buddhistische Inschriften.

Klassische indische Theorie

Nach klassischer indischer Chronologie sind die Schriften zu Beginn des Kali
Yuga entstanden, also um 3500 v.Chr.. Die mündliche Überlieferung geht noch
erheblich weiter zurück.
Zu Beginn des Kali Yuga, des Eisernen Zeitalters, erkannte Vyasa, ein großer
Yogi und Rishi, daß die Menschen sich nicht mehr so viel merken können,
daß
außerdem die Lebensspanne abnehmen und die ganze Zivilisation materialistischer
werde. Er erhielt spirituell den Auftrag, das Wissen in den Veden festzuhalten.
So hat er die Veden aufgeschrieben, unterteilt und anschließend auch die anderen
Schriften formuliert.
Nach der indischen Mythologie hat Vyasa den größten Teil aller indischen
Schriften selbst verfaßt. Man geht davon aus, daß er die Veden persönlich
geschrieben hat. Die Puranas hat er gesammelt und seinem Sohn Sukadev
weitergegeben, der ein fotografisches Gedächtnis hatte und sie seinerseits
weitererzählte, so daß sie zum Teil erst etwas später niedergeschrieben
wurden.
Die Itihasas, zum Beispiel die Mahabharata, soll er selbst schriftlich
festgehalten haben. Die Smritis entstanden zum Teil etwas später.

Es gibt neuerdings auch einige Untersuchungen der Veden unter wissenschaftlichen
Gesichtspunkten. Die Inder sind sehr wissenschaftlich orientiert. Sie haben die
Atombombe, ihre Satelliten kreisen im Weltraum und sie sind in der
Computerwissenschaft, beim Programmieren, an der Weltspitze.
Aber immer wieder erkennen indische Top-Wissenschaftler, daß auch die westliche
Wissenschaft ihre Grenzen hat, und sie analysieren mit ihrem wissenschaftlichen
Handwerkszeug die alten Schriften und entdecken dabei interessante Parallelen.

Beispielsweise gibt es eine Analyse des Sternenhimmels zur vedischen Zeit. Der
in den Veden beschriebene Sternenhimmel war ein anderer als der heutige. Da die
Erde leicht schief im Weltraum kreist, verschiebt sich der Sternenhimmel von der
Erde aus gesehen etwa alle 2000 Jahre um 30
Grad. Darauf beruht das sogenannte platonische Jahr und darauf beruht auch, daß
wir uns jetzt im Zeichen des Wassermanns befinden. Und aus den in den Veden
beschriebenen Konstellationen der Hauptsterne, der Sternbilder, ihrem Verhältnis
zueinander, läßt sich eindeutig nachweisen, daß es
sich dabei um den Sternenhimmel der Zeit vor 3500 v.Chr. handelt - und nicht um
den von 1500 v.Chr. Demnach wäre praktisch der gesamten westlichen Orientalistik
der Boden entzogen, alle bisherigen Theorien in Frage gestellt und die Veden
eindeutig um 3500 v.Chr. entstanden.
Dann hätten die Veden zur Zeit der Induskultur schon bestanden und die
Indogermanen hätten sie nicht mitgebracht, sondern mehr oder weniger übernommen.

Weitere Theorien

Es gibt noch eine andere interessante Theorie, die Swami Vishnu gelegentlich
erzählt hat. Sie ist in den Schriften erwähnt, es gibt aber dafür - wie
für die
der westlichen Orientalistik - keine archäologische Beweisführung: Danach
wären
wir die Nachfahren der Induskultur.

Krishnas nordindischer Volksstamm der Yadavas war besonders heldenhaft. Krishna
wollte aber nicht in die Politik und die Kämpfe seiner Zeit hineingezogen
werden. Deshalb schuf er aus seiner Yoga Maya - seiner Yogakraft - einen
Kontinent namens Dvaraka, vor Indien gelegen, auf den er mit seinem Volk
auswanderte, um dort ein ideales Staatswesen zu gründen. Aber selbst Krishna ist
an den Menschen gescheitert. Er schuf ein gut funktionierendes
Wirtschaftssystem, so daß es allen gut ging. Aber wie es so ist, wenn es einem
Menschen sehr gut geht, der Schritt zu Korruption und Materialismus ist nicht
weit. Daher bestimmte Krishna, daß der Kontinent nach seinem Tod untergehen
solle und beauftragte seinen Schüler Arjuna, die Yadavas alsbald nördlich der
großen Schneeberge zu führen. Und so geschah es.

Krishna starb; damit begann das Kali Yuga; Arjuna ging nach Dvaraka, erfüllte
Krishnas Wunsch und zog mit den Yadavas - zumindest mit denen, die ihm glaubten,
was nicht die Mehrheit war -, nördlich
des Himalaya, verließ sie dort und kehrte selbst nach Indien zurück. Danach
wären wir Nachfahren des Volksstammes der Yadavas.
Man könnte die Geschichte von Dvaraka auch deuten als Geschichte von einem
untergegangenen Kontinent, von dem die Menschen ihre Zivilisation mitgebracht
haben.

Schließlich gibt es noch die Theorien, wonach die gesamte irdische Zivilisation
nicht hier begonnen hat, sondern auf anderen Planeten. Und wenn man die Bücher
von Däniken liest oder die indischen Schriften oder die Bibel, dann spricht
durchaus einiges dafür. Man findet sehr oft Hinweise auf fliegende Gefährte, zum
Beispiel im Ramayana. Dort werden Flugzeuge beschrieben, die großen Lärm
machen,
Feuer speien, und bei einer bestimmten Geschwindigkeit - wie beim Durchbrechen
der Schallmauer - gibt es einen fruchtbaren Knall. Manche fliegen nur durch die
Kraft der Gedanken und sind noch erheblich schneller. Sie fliegen zu anderen
Planeten und kehren zurück. Hier eröffnet sich ein Gebiet wilder
Ausführungen.
Von Däniken würde auch die Devas nicht als Engelswesen interpretieren, sondern
als Wesen von anderen Planeten, die hierher gekommen sind und uns die Kultur
gebracht haben.

Swami Vishnu hat sich dazu nicht umfassend geäußert, aber er sagte, wir seien
nicht die erste Raumfahrtkultur, und die Zivilisation habe nicht auf der Erde
angefangen, denn die Zeit seit der Entstehung des Lebens auf der Erde sei zu
kurz gewesen, um sich so schnell so weit zu verändern und
zu entwickeln.
Es könnte genauso gewesen sein, daß die Menschen der Induskultur
hellhäutig
waren, zum großen Teil nach Zentralasien auswanderten und daß die Drawiden in
Südindien eine eigene Kultur hatten und sie sich Schritt für Schritt
geographisch annäherten ohne sich zu vermischen, so daß die Hellhäutigen
in
Nordindien eine Kaste geblieben sind. Wenn sie nach Süden kamen, haben sie dort
die höheren Kasten besetzt, und wenn Drawiden von Süd- nach Nordindien kamen,
bildeten sie dort die niederen Kasten.

Über die Kastenentstehung gibt es noch eine andere Lehre, wonach die
Kasteneinteilung nicht durch Religionszuhörigkeit, sondern aus inneren Motiven
entsteht. Es gibt die vier Hauptwünsche des Menschen:

Kama (Sinnesbefriedigung),
Arta (Wunsch nach Reichtum),
Dharma (Wunsch nach Gerechtigkeit und Selbstverwirklichung im modernen
westlichen Sinn) und
Moksha (Befreiung).

Diejenigen, die hauptsächlich nach Sinnesbefriedigung, einem einfachen Leben
streben, werden die Shudras. Sie verrichten ihre Arbeiten, haben nicht zu viele
Pflichten, keine sehr lange Arbeitszeit und können ihre Sinne auf einfache Weise
befriedigen.
Diejenigen, denen es hauptsächlich um Reichtum und Macht geht, werden die
Vaishyas, die Bauern und Kaufleute. Wenn Menschen, die reich werden wollen, die
Wirtschaft beherrschen, dann floriert diese. Wenn gerechtigkeitsliebende
Menschen versuchen, Unternehmen aufzubauen, können sich häufig Schwierigkeiten
ergeben.
Wer anderen helfen und dienen will, wem es um Gerechtigkeit und das Wohl der
Gesellschaft geht, der soll die Regierung übernehmen. Das ist die Kaste der
Kshatriyas. Kshatriyas sind nicht nur Krieger, sondern auch Beamte, diejenigen,
die die Verwaltung organisieren.
Und dann gibt es Menschen, denen es hauptsächlich um Moksha, Befreiung und
Selbstverwirklichung, geht. Das sind die Brahmanen, die Priester. Manche
Brahmanen nehmen auch Arbeiten an, damit sie
ihren Lebensunterhalt bestreiten können, vielleicht vier bis sechs Stunden am
Tag, so daß sie einen Teil des Tages arbeiten und den Rest der Zeit mit Studium
und Sadhana verbringen können.

Und anders als bei uns im Westen ist es nicht so, daß man mehr Rechte hat, je
höher die Schicht, und
um so weniger Rechte, je niedriger die Schicht ist, sondern umgekehrt. Je höher
die Schicht, um so mehr Restriktionen unterliegt man. Die Shudras können mehr
oder weniger essen was sie wollen und ihren Tag verbringen wie sie wollen. Die
Brahmanen hingegen haben strikte Eßregeln, müssen früh zu einer bestimmte
Zeit
aufstehen, dreimal am Tag ein Bad nehmen, sich an hygienische und allgemeine
Vorschriften und Rituale halten. Je höher die Schicht, desto schwieriger das
Leben, je niedriger die Schicht, desto einfacher.
Die eigene Natur (Swarupa) bestimmt die Kaste (Varna) und Swadharma, die eigenen
Aufgaben. So steht es in den Schriften. Unabhängig davon läßt sich aber
nicht
leugnen, daß die Hellhäutigen die
höheren Kasten stellen. Es könnte sein, daß man das ursprüngliche
Kastensystem
später modifiziert und die höheren Kasten den Herrschenden zuerkannt hat.

Einteilung der indischen Schriften

Als die Menschen ursprünglich die Schriften schufen, haben sie sich natürlich
nicht an irgendwelchen Kriterien orientiert. Alle Einteilungen sind erst
nachträglich entstanden, als man eine logische Aufgliederungen der Schriften
plante. Die Einteilungen sind auch in verschiedenen Schulen unterschiedlich.

Die indischen Hauptschriften gliedern sich in vier Teile:

Veden
Smritis
Puranas
Itihasas
Ramayana und Mahabharata

Die Veden

Sie sind die ältesten, ursprünglichen indischen Schriften.
Die Veden werden auch als Shrutis bezeichnet. Shruti heißt wörtlich 'das
Gehörte', wobei damit nicht gemeint ist, daß man es mit den Ohren gehört
hat -
sondern so, wie wir im Deutschen sagen würden, man hat Gott geschaut. Damit ist
nicht gemeint, man habe ihn wirklich gesehen - er hatte
zwei Augen und einen Bart -, sondern es bedeutet Schau im Sinne einer
Enthüllung, Offenbarung. Shrutis sind das Gehörte, das man als Offenbarung
empfangen hat. Daher irrt auch die westliche Theologie, wenn sie zuweilen
behauptet, nur Judentum, Christentum und Islam seien die großen
Offenbarungsreligionen, neben denen es nur Primitivreligionen gebe.

Veda heißt Wissen - Wissen, das den Rishis, den Sehern, enthüllt, offenbart
worden ist. Es heißt, das gesamte Wissen der Menschheit sei in den Veden
enthalten. Brahma, der Schöpfer, soll vor der Erschaffung der Welt erst die
Veden geschaffen haben. Natürlich hat er sie nicht zuerst aufgeschrieben - wo
und wie hätte er sie auch aufschreiben sollen! - aber Veda als das Wissen um die
Gesetze des Universums braucht man zuerst, um anschließend die Welt zu
erschaffen. Und aus welchem Material hat er sie geschaffen? Er hat Tapas
(Askese) geübt, daraus Energie gewonnen und mit dieser Energie und seinen
Gedanken die Welt geschaffen. Das ist einer der vielen Schöpfungsmythen, die man
in Indien findet.
Die Veden sind Sammlungen einzelner Enthüllungen, die verschiedenen Rishis
gewährt, von ihnen an Schüler weitergegeben und von Vyasa gesammelt und
aufgeschrieben wurden. Zusammengefaßt würden sie viele Bände ausmachen.
Diese
Schriftensammlung ist in vier Hauptteile gegliedert:

Rigveda
Samaveda
Yajurveda
Atharvaveda
Man kann nicht genau sagen, was das Hauptthema jedes Veda sei. Zwar wird
manchmal verkürzend gesagt, Rig behandle die Schöpfung, Sama die Musik, Yajur
die Opferzeremonien und Atharva magische Praktiken. Letztlich unterscheiden sie
sich jedoch in der Melodie, mit der sie gesungen werden. Rigveda ist eine
bestimmte Singweise, Samaveda ist eine ganz andere und Yajur und Atharva jeweils
wieder eine andere.
Jeder dieser vier Hauptveden besteht wiederum aus vier Teilen:

a) Samhitas
b) Aranyakas Karma Kanda
c) Brahmanas
d) Upanishaden Jnana Kanda
- Die Samhitas sind die Hymnen oder Mantras. Dies ist der wichtigste Teil vom
mythologischen Gesichtspunkt her. Bei einer Puja (Opferzeremonie) oder Yajna
(Feuerritual) rezitiert man Samhitas.
-Die Aranyakas geben Erklärungen und Erläuterungen dazu.

-Die Brahmanas beschreiben die rituelle Anwendung und die genaue Ausführung der
Rituale. Alle drei zusammen bilden den Karma-Kanda-Teil der Veden, der sich mit
Ritualen beschäftigt.

- Die Upanishaden bilden den Jnana Kanda, den Teil, bei dem es um Wissen und
Weisheit geht. Sie stellen den metaphysischen, philosophischen Abschnitt der
Veden dar, in dem grundlegende Fragen behandelt werden wie "Wer bin ich, woher
komme ich, wohin gehe ich, was ist der Sinn des Ganzen, wie erlange ich
Befreiung?". Sie sind der für den Yoga wichtigste Teil mit den Grundlagen des
Jnana Yoga.


Die Smritis

Man nimmt an, daß die Smritis um 1200 bis 500 v.Chr. geschrieben wurden.
Allerdings differieren die Zeitangaben in Büchern und Artikeln über
Orientalistik um ein paar Jahrhunderte.

Smriti heißt wörtlich 'Erinnerung'. Die Smritis sind die Gesetzbücher, die
Umsetzung der Shrutis, der Weisheit der Veden, in Regeln und Gesetze und deren
Anwendung im täglichen Leben. Shrutis sind die ewige Wahrheit, das, was immer
bleibt; Smritis sind veränderlich. Es gibt sehr viele verschiedene Smritis. Sie
ändern sich auch je nach den gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, kulturellen
Umständen der Zeit. Ursprünglich waren es sehr hilfreiche gesellschaftliche
Regeln für das Zusammenleben von Menschen aus verschiedenen Kulturen,
Religionen, Kasten, Generationen. Im Laufe der Zeit sind sie immer mehr
verkrustet und es gab mehr und mehr Vorschriften. Ähnliches erleben wir ja auch
bei
uns. Jedes Jahr verdoppelt sich die Menge an Gesetzen. Man kann beinahe nichts
mehr machen, ohne irgendein Gesetz zu übertreten - unabhängig davon, ob man es
kennt oder nicht. Man stelle sich vor, dies gehe noch zwei- oder dreihundert
Jahre so weiter... Und so ähnlich haben sich auch die
Smritis entwickelt. Die Verkrustungen rissen aber auch ab und zu wieder auf, sie
wurden überarbeitet und neu geschrieben. Ein paar Jahrhunderte nach Christus hat
das Aktualisieren und Anpassen der Smritis ausgesetzt. Daraus resultiert manche
Unschönheit der hinduistischen Gesellschaft.

Die großen Yogis der Gegenwart sagen, es müsse einen neuen Manu geben, also
einen neuen Gesetzgeber, der Regeln vorgibt, wie man diese klassische
Spiritualität in das praktische Leben integrieren kann, wie eine ideale
Gesellschaft beschaffen sein müßte, die religiös, spirituell, orientiert
ist und trotzdem auch den Nicht-Spirituellen gerecht wird. Das ist ja das große
Kunststück dabei.

Die alten Smritis, in denen zum Beispiel die vier Ashramas (Lebensstadien) und
die vier Varnas (Kasten) idealtypisch beschrieben sind, sind durchaus kunstvoll
und faszinierend.
Im übertragenen, weiteren Sinne ist Shruti das Unveränderliche und Smriti
allgemein die Anpassung an das tägliche Leben. Auch im Yoga muß man immer
wieder
überlegen, was ist das Unveränderliche, Ursprüngliche und was ist eher
zeit- und
kulturbedingt. Hier sind die indischen Yogalehrer, die
in den Westen kommen, durchaus unterschiedlicher Meinung. Kein wirklich
authentischer Yogi würde wohl behaupten, Yoga bestehe nur aus ein paar
Entspannungsübungen. Aber manche sagen, es gehe im Yoga nur um die
Transformation des Bewußtseins, mit dem Ziel, zur Einheit zu gelangen. Wie wir
das erreichen, sei unwesentlich und weder Mantrasingen noch Vegetarismus seien
dafür notwendig. Bei Yoga Vidya haben wir einen eher klassischen Standpunkt.
Mantrasingen, Vegetarismus und die Philosophie der Reinkarnation gehören bei uns
zum ganzheitlichen Yoga.

Letztendlich muß jeder für sich zu einer Entscheidung kommen, wo er keine
Kompromisse machen darf und wo Kompromisse nötig sind, um die Prinzipien im
praktischen Leben überhaupt umsetzen zu können.

Also Shruti, die hohe Wahrheit und Smriti, die praktische Umsetzung.

Die Puranas und Itihasas

Die Puranas sind Göttergeschichten. Die Itihasas sind die sogenannten
Heldenepen, wo zwar auch Götter eine Rolle spielen, es aber in der Hauptsache um
Menschen geht, ähnlich wie in den griechischen Götter- und Heldensagen: Im
ersten Teil spielen die Götter die Hauptrolle, im späteren Teil, in der Odyssee
und Äneis, die Menschen.
Die bekannteste der Puranas ist die Bhagavatam, welche für die
Hare-Krishna-Bewegung eine besondere Bedeutung hat, aber nicht nur für sie.
Swami Vishnu hat sie auch gerne gelesen. Sie erzählt Geschichten von Vishnu und
Krishna. Die bekanntesten Itihasas sind das Ramayana und das Mahabharata.

Puranas und Itihasas waren für das "gemeine Volk" bestimmt. Die Shrutis und
Smritis waren den Brahmanen vorbehalten, die zwölf Jahre studiert hatten.
Ähnlich wie das BGB und das HGB mehr für die Juristen ist, und gleichfalls die
Straßenverkehrsordnung, während das "gewöhnliche Volk" im
Theorieunterricht einen Teil davon lernt.

So ähnlich muß man es hier auch sehen. Puranas und Itihasas erklären die
spirituellen Prinzipien auf einfache Weise. Denn die Menschen haben immer schon
lieber Romane gelesen als philosophische Abhandlungen und sehen heute lieber
Liebesfilme und Krimis als Videos über spirituelle Themen oder absolute
Wahrheiten. Die zwei Dinge, die den Menschen schon immer am meisten fasziniert
haben, sind Sex und Gewalt, Liebe und Krieg. Daher sind die Puranas und Itihasas
voll von Liebesgeschichten, kriegerischen Eroberungen und menschlichen Dramen.
Aber dazwischen ist die spirituelle Botschaft verpackt. Ab und zu trifft jemand
einen Weisen, fragt ihn etwas und der Weise antwortet. Die Erzählung darf dann
zwar nicht zu lange dauern, sonst schalten die Menschen wieder ab, aber es kann
wie in der Bhagavad Gita durchaus achthundert Verse umfassen. Die Bhagavad Gita
ist ja Teil der Itihasas.

Nach der Theorie westlicher Orientalisten sollen die Puranas und Itihasas ein
paar hundert Jahre vor Christus geschrieben worden sein, wobei schon das
drawidische Gedankengut eingeflossen ist, so daß die alten vedischen Götter wie
Indra, Varuna und Agni nicht mehr zentral waren. Man hat sie
mehr als Engelswesen angesehen. Dafür wurden die neuen Götter wie Brahma,
Vishnu, Shiva, Durga, Lakshmi, die noch älter waren, wieder bedeutender.

Seit dieser Zeit kann man in Indien hauptsächlich drei religiöse Strömungen
unterscheiden. Wie im Christentum die Hauptströmungen Katholizismus, Orthodoxie
und Protestantismus, gibt es im Hinduismus mehrere religiöse Hauptrichtungen:

Shaivismus
Vaishnavismus
Shaktismus = Tantrismus
Die Shaivas verehren besonders Shiva, die Vaishnavas Vishnu als höchsten Gott
und die Shaktas Shakti Devi, die Göttin als kosmische Mutter. Sie werden auch
als Tantriker bezeichnet.
Innerhalb dieser Richtungen gibt es jeweils noch zahlreiche Untergliederungen.
Manche Shaktas verehren Durga besonders oder Lakshmi oder Kali. Aber mehr oder
weniger werden alle miteinander gleichgesetzt; es sind einfach Manifestationen
der gleichen Shakti.
Auch manche Puranas sind mehr auf einen Aspekt der Gottheit ausgerichtet. Es
gibt zum Beispiel Shiva Puranas, Vishnu Puranas (die Bhagavatapurana, kurz
Bhagavatam genannt) und die Shakti Puranas. Alle Unterströmungen haben ihre
eigene Kultur, Riten, Religionen, Tempel und so weiter.

Letztlich kann man sagen, dem indischen Kastenwesen liegt eine multikulturelle
Gesellschaft zugrunde, wobei jede Kaste ihre eigene Weise der Verehrung hat.
Jede Kaste organisiert sich selbst, regiert sich selbst, und das in ganz
unterschiedlicher Weise. Manche sind demokratisch, bei manchen ist die
Herrschaft über die Gemeinschaft eher erblich, bei anderen durch Los bestimmt.
Wir kennen im Westen oft nur die vier Hauptkasten:
Brahmanen, Kshatriyas, Vaishyas und Shudras. Von größerer Bedeutung ist aber
die
Unterkaste in einer Gemeinschaft. Es gibt Tausende solcher Unterkasten. Für das
Gelingen des Zusammenlebens muß alles geregelt sein, und jede Unterkaste hat
eine bestimmte Aufgabe in der Gesamtgesellschaft. Die Unterkaste ist oft mit
einem oder einigen ausgewählten Berufen gekoppelt, die dann vererbt werden. Man
heiratet normalerweise nur innerhalb seiner Kaste oder es gibt bestimmte Kasten,
in die man gegebenenfalls hineinheiraten kann. Jede Kaste hat ihre religiösen
Riten, die selbst oder von Priestern ausgeführt werden. Damit diese
Selbstorganisation funktioniert, schuf man höhere und niedrige Kasten
mit der zusätzlichen Zuteilung zu den vier Hauptkasten. Je nach Macht und
Einfluß konnte sich die Rangordnung der Unterkasten auch wieder ändern.

Yoga war in Indien immer religionsübergreifend. Yoga ist die Mystik hinter der
Religion, wenn man das Göttliche nicht nur glauben, sondern wirklich erfahren
will. Man geht nicht nur einfach in den Tempel, nimmt das Prasad oder macht ein
paar Riten, um etwas Bestimmtes zu bekommen, so wie
Menschen in die Kirche gehen und Kerzen opfern für einen besonderen Wunsch. Oder
man macht eine Art Handel mit Gott, wie das zu meiner Kindheit üblich war: Wenn
ich in der Klassenarbeit eine Eins schreibe, opfere ich fünf Mark oder helfe
meiner Mutter eine Woche beim Abwaschen oder Ähnliches. Heute kommt das wohl
etwas aus der Mode. Leider, denn es ist eine frühkindliche Form von Glauben und
Spiritualität, die gerade dann, wenn es auch tatsächlich glückt, einen
Menschen
irgendwie auf die erste Stufe des Glaubens setzt. Wenn es nicht funktioniert,
kann man allerdings vielleicht schon als Kind zum Atheist werden... Jetzt hat
man Gott schon fünf Mark versprochen und trotzdem hat man eine Sechs in der
Klassenarbeit geschrieben - das verzeiht man Gott nicht so schnell!

Solche Dinge sind auch in Indien üblich. Aber Yoga umfaßt eben die Techniken in
all diesen verschiedenen Traditionen, die dazu verhelfen wollen, das Göttliche
selbst direkt zu erfahren und zu einer authentischen spirituellen Entwicklung zu
kommen.

Die vier orthodoxen Hauptschriften - die Veden bzw. Shrutis, Smritis, Puranas
und Itihasas - werden von allen Hindus als Autorität anerkannt. Für den Yoga von
besonderer Bedeutung sind die Upanishaden, die Quintessenz der Veden, und von
den Itihasas die Bhagavad Gita als Teil des Mahabharata.

Sutras

Daneben gibt es zahlreiche spätere, nicht-orthodoxe Schriften, die sich jeweils
nur auf ein Teilgebiet oder eine bestimmte Glaubensrichtung beziehen und nicht
von allen Hindus anerkannt werden. Dazu gehören zum Beispiel die Sutras. Eine
Sutra ist ein Leitfaden und die kürzeste Weise, etwas auszudrücken, während
Puranas und Itihasas die längstmögliche Weise sind, etwas auszudrücken. Das
Mahabharata ist bis heute das längste Epos der Weltliteratur. Alle deutschen
oder englischen Ausgaben sind nur Zusammenfassungen. Das Original ist für
unseren heutigen schnellebigen Geist auch etwas zu langatmig.

Für den Yoga von größter Bedeutung sind Yoga Sutras von Patanjali
über den Raja
Yoga und die Brahma Sutras über das Jnana Yoga. Daneben gibt es noch sehr viel
mehr Sutras über verschiedenste Bereiche.

Agamas und Tantras

Das Wort Tantra hat eine vielfältige Bedeutung. Zum einen bezeichnet Tantra
neben Shaivismus und Vaishnavismus eine der drei Hauptreligionsrichtungen
Indiens. Zum zweiten ist Tantra ein bestimmtes Philosophiesystem, nämlich die
Shiva-Shakti-Philosophie. Und zum dritten ist Tantra der Name für einen
bestimmten Schrifttyp, die Agamas, die jeweils nur einer Tradition zugeordnet
sind. Es gibt Vishnu Agamas, Shiva Agamas und Shakti Agamas, wobei die Shakti
Agamas als Tantra bezeichnet werden.
Diese Tantras haben wieder eine besondere Bedeutung fürs Yoga, denn die
Hatha-Yoga-Schriften und auch die Mantra Shastras sind ein Teil davon.

Hatha Yoga Schriften

Es gibt vier Hauptschriften des Hatha Yoga:

Hatha Yoga Pradipika
Geranda Samhita
Shiva Samhita
Goraksha Sadhaka
In diesen Schriften sind die Mudras beschrieben, die Bandhas, die Asanas, alle
Konzentrationstechniken, die Kriyas und die Hatha-Yoga-Meditationstechniken, zum
Teil die Theorie über Kundalini Yoga, über Chakras und Nadis.




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