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Re: Bohmte, Ort ohne Verkehrsschilder

Von: Frank Husel (nomail@invalid.com) [Profil]
Datum: 03.07.2008 15:57
Message-ID: <g4iljt$man$01$1@news.t-online.com>
Newsgroup: de.soc.verkehr
Ulrich Nehls schrieb:
> http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,561214,00.html
> Weiss jemand, der dort ist/war, näheres dazu?

Nein, aber mich interessiert das persönlich auch, nachdem
ich mir hier in Bonn in meinem Stadtteil mal den Verkehr
in den Mischgebieten angeschaut habe.


Hier mal zwei verknüpfte Links:
http://de.wikipedia.org/wiki/Shared_Space
http://de.wikipedia.org/wiki/Bohmte

Guck dir den Stadtplan von Bohmte auch einfach mal an
unter
http://maps.google.de/


Vielleicht ist es einen Hinweis wert, dass Bohmte eine
Kleinstadt von 13600 Einwohnern mit 111 qkm ist, im
niedersächsische Flachland liegt und - nach meinem
Eindruck aus der Ferne - aufgrund seiner Geographie
platzmäßig eher großzügig gebaut ist. Das hat zur
Folge, dass man auf der Shared-Space-Fläche - soweit
ich das von den Fotos beurteilen kann - fast überall
einen relativ guten Überblick nach vorn und zur
Seite hat. Das erleichtert und vereinfacht *sehr*
vieles und erhöht die Sicherheit bei einer allgemeinen
Beschleunigung des Verkehrs ungemein.

Ich halte dieses Konzept für recht gescheit, weil ich
mittlerweile der Auffassung bin, dass der deutsche
Straßenverkehr insgesamt schlicht überreglementiert ist
und *auch* deshalb Innovationen verhindert werden. Das
wäre wohl einen eigenen Fred wert.

Nun muss man anmerken, dass in vielen Großstädten einfach
nicht genug Platz dafür zur Verfügung steht. Das hat einer-
seits sicherlich mit der bisher verfolgten Verkehrspolitik,
andererseits aber auch mit der gewachsenen Siedlungsstruktur
zu tun. Jeder Normalintelligente kapiert, dass "Shared Space"
in ganz Downtown New York sicher ein grotesker Witz wäre.
Folgerichtig merkt der - m.e. recht neutrale - Wiki-Artikel
auch an, dass es Flächen geben muss, die ausschließlich dem
(Fern)Verkehr vorbehalten sind (das war nun wohl schon wieder
zuviel ideologisches Pulver... seufz). Das richtige wäre
wohl, solche Zonen in den Stadtteilzentren zu schaffen.
Dazwischen liegen dann die unverzichtbaren Schnellverkehrs-
verbindungen; man kann nach diesem Verkehrskonzept eine
Großstadt eben als Agglomeration von Kleinstädten auffassen.


Es zwingt m.E. *alle* Teilnehmer, aufeinander Rücksicht zu
nehmen. Es geht mir z.B. nicht in den Kopp, wieso Radfahrer
oder Fußgänger kaum jemals auf die Idee kommen, mal einer Reihe
von Autos oder dem Bus die Vorfahrt zu gewähren, um den Insassen
die unnötige Schaukelei in der verdammten Sardinenbüchse
zu ersparen und um ein zügiges und geräuschloses Vorbei-
rollen zu ermöglichen. Ich tue sowas als Radfahrer genauso
selbstverständlich wie als Autofahrer. Man fragt sich auch,
wie städtische Verkehrsbetriebe die Leute zum ÖPVN ziehen
wollen, wenn die Bus-Linien in den künstlich verschmälerten
verkehrsberuhigten Zonen hinter den lahmarschigen Ökosocken-
Muttis mit ihren zweikinderbreiten Anhängern herzuckeln (Jaja,
DE ist ein kinderfeindlichen Land, ichweißichweiß - das war
ne Überspitzung, okay?). Da besteht noch einiges an
Korrekturbedarf.

Ich befürworte das Konzept, weil es das Potenzial hat, die
bisherigen Strukturen zu durchbrechen. Aber ihm sind auch
natürliche Grenzen gesetzt. Wo die liegen? Keine Ahnung.

Meinungen?

MfG
Frank


--
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