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Re: Tschernobyl und Folgen?

Von: Ralf . K u s m i e r z (me@privacy.invalid) [Profil]
Datum: 07.11.2009 09:20
Message-ID: <7lkotqF3e68vkU1@mid.uni-berlin.de>
Newsgroup: de.soc.umwelt
X-No-Archive: Yes

begin  quoting, "Tom M." schrieb:

>>> Nur interessenhalber um eine Vorstellung für die enorme Nachheizung
des
>>> Kernes und des Graphitbrandes zu bekommen, wie lange hätte es
gedauert,
>>> bis sich die Magma des geschmolzenen Kernes von selbst auf
>>> Umgebungstemperatur abgekühlt hätte, also wenn man garnichts
gemacht hätte?
>> Der Reaktorkern ist binnen Tagen vollständig ausgebrannt - das war
>> überhaupt nicht zu verhindern.
> Immerhin wurden rund 5000 Tonnen "Material" auf den Reaktor geworfen,
> wenn ich den Wikipediaartikel richtig verstehe, war der Kern am
> schmelzen und sollte durch das Blei auch abgeschirmt werden.
> http://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl

Das geschah aufgrund der damaligen falschen Situationseinschätzung: Da
war nichts mehr, was "schmelzen" konnte - der Reaktorkern war nämlich
zweimal hintereinander im Abstand von einer oder wenigen Sekunden
explodiert, zunächst aufgrund der Leistungsexkursion infolge prompter
Kritikalität, also nuklear, und kurz darauf wegen einer
Knallgasexplosion, hervorgerufen durch die Entzündung großer Mengen
durch Radiolyse entstandenen Wasserstoffknallgases.

Dabei war der gesamte Kern auf hohe Temperaturen erhitzt und
vollständig zertrümmert worden, ein großer Anteil des Kernmaterials
war ausgeworfen worden, der Rest brannte vollumfänglich. Die Trümmer
des Reaktorgebäudes enthalten lediglich noch ca. 5 % der
ursprünglichen Schwermetallmenge:
<http://www.gfstrahlenschutz.de/pm020130.htm>.

So tragisch das im nachhinein ist: Der Einsatz der Liquídatoren war
sinnlos, die konnten nichts und niemanden mehr retten und wurden
sinnlos geopfert.

>> Es gibt dort keinen geschmolzenen Kern.
> In einer Doku, die man auch über Youtube findet, meine ich wurde das
> anders dargestellt und von Magma geredet
> die sich nach unten durch den Betonboden durchfraß, zum Glück waren
> mehrere Schichten Beton mit Hohlräumen untereinander und man füllte wohl
> noch eine dicke Betonschicht zum Schutz in einen dieser Hohlräume drunter.

S. oben. Die sinnvollste "Sanierung" der Reaktortrümmmer war und ist,
den Reaktorschacht mit Beton aufzufüllen, unter das Gebäude
bergmännisch eine Sperrschicht einzubringen und den Klotz dann die
nächsten paar hundert Jahre in Ruhe zu lassen. Die Sarkophagbasteleien
sind teurer unnötiger Unfug.


Gruß aus Bremen
Ralf
--
R60: Substantive werden groß geschrieben. Grammatische Schreibweisen:
adressiert Appell asynchron Atmosphäre Autor bißchen Ellipse Emission
gesamt hältst Immission interessiert korreliert korrigiert Laie
nämlich offiziell parallel reell Satellit Standard Stegreif voraus

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