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Re: Tschernobyl und Folgen?

Von: Ralf . K u s m i e r z (me@privacy.invalid) [Profil]
Datum: 07.11.2009 09:46
Message-ID: <7lkqepF3e57scU1@mid.uni-berlin.de>
Newsgroup: de.soc.umwelt
X-No-Archive: Yes

begin  quoting, Christoph Müller schrieb:

>>> Es gibt dort keinen geschmolzenen Kern.
>> In einer Doku, die man auch über Youtube findet, meine ich wurde das
>> anders dargestellt und von Magma geredet
>> die sich nach unten durch den Betonboden durchfraß, zum Glück waren
>> mehrere Schichten Beton mit Hohlräumen untereinander und man füllte
wohl
>> noch eine dicke Betonschicht zum Schutz in einen dieser Hohlräume drunter.
> Theoretisch kann es keinen geschmolzenen Kern geben, weil Graphit nicht
> schmilzt, sondern sublimiert oder zusammen mit Sauerstoff zu CO2
> verbrennt.

Unsinn, denn:

> Praktisch besteht so Reaktor aus mehr als nur dem ziemlich
> leichten Graphit. Das Spaltmaterial hat ein deutlich höheres
> spezifisches Gewicht und kann offenbar auch schmelzen.

Und genau das bezeichnet man als "Kernschmelze" - das Problem damit
ist, daß sich babei erneut eine kritische Masse bilden und dann eine
unkontrollierte, dampfblasenregulierte Kettenreaktion ablaufen kann,
also für sehr lange Zeit frische Spaltprodukte freigesetzt werden (die
normalerweise in den Brennelementen eingeschlossen bleiben und dort
abklingen), wobei sich diese Masse dann wegen ihrer hohen Temperatur
und Wärmeproduktion langsam durch den Boden ins Erdreich schmilzt.

> Wenn das
> passiert, lässt es das Graphit aufschwimmen und das Kernmaterial kann
> sehr wohl darunter eine Magma bilden, was dem Vernehmen nach auch
> tatsächlich passiert ist.

Nein, ist es eben nicht: Der größte Teil des Schwermetalls ist bei der
Explosion herausgeflogen bzw. wurde bei dem Brand in die Atmosphäre
zerstäubt. Die Ukraine hat viel Geld damit gewonnen, den Westen etwas
anderes glauben zu lassen.

Übrigens ist es ziemlich egal: Der größte Teil der radioaktiven
Spaltprodukte wäre so oder so wegen der großen Hitze in die Umwelt
entwichen und ist es auch, das Uran selbst ist vergleichsweise
harmlos: Die enthaltene Schwermetallmenge von einigen hundert Tonnen
entspricht in etwa dem Urangehalt der oberen Erdschicht einer Fläche
von ca. 100 km^2. Da sich der feinverteilte Inventaranteil über eine
wesentlich größere Fläche verstreut haben dürfte, kann zumindest das
nur schwach radioaktive Uran zu keiner merklichen Bodenbelastung
geführt haben.


Gruß aus Bremen
Ralf
--
R60: Substantive werden groß geschrieben. Grammatische Schreibweisen:
adressiert Appell asynchron Atmosphäre Autor bißchen Ellipse Emission
gesamt hältst Immission interessiert korreliert korrigiert Laie
nämlich offiziell parallel reell Satellit Standard Stegreif voraus

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