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Re: Zeichen 240 mit Radfahrer oben?

Von: Joachim Parsch (ah@bunuel.franken.de) [Profil]
Datum: 05.06.2008 20:59
Message-ID: <g29d37$1j9$1@elvis.franken.de>
Newsgroup: de.soc.recht.strassenverkehr
Helmut Richter schrieb:
> On Thu, 5 Jun 2008, Markus Kossmann wrote:
>
>> Nein, für Autofahrer sind Verstöße gegen Verkehrsvorschriften
>> offensichtlich so normal, das sie gar nicht mehr wahrgenommen werden. Siehe
>> Falschparken.
>
> Es ist vermutlich richtig, dass es mehr falsch parkende Autos als falsch
> parkende Fahrräder gibt. Bei Rotlichtverstößen dürfte es
umgekehrt sein.

Es sind ähnlich viele. Allerdings sind die Rotlichtverstöße
anderer Natur: während der ersten Sekunde rot wird mit
überhöhter Geschwindigkeit über die Kreuzung gefahren.
An Ampeln, die länger als eine Sekunde rot zeigen, halten Autos
in der Tat öfter als Radfahrer an.

> Und während es *auch* Autos gibt, die korrekt parken,

Das ist sogar die deutliche Mehrheit.

> sind Radfahrer recht
> selten, die sich von einer roten Ampel beeindrucken lassen.

Auch Radfahrer halten sich mit deutlicher Mehrheit an
rote Ampeln (IIRC sind es laut Uniroyal 80 oder 90%,
müßte ich mal nachschauen). Die Größenordnung
enstpricht auch meiner Einschätzung. Wer das nicht
glaubt, sollte sich einfach in Erinnerung rufen, daß
man gerade innerorts an vielen Ampeln bei rot gar
nicht fahren *kann*, weil zuviel Querverkehr kommt.

> Wird
> allerdings von denen unterboten, die nachts mit Licht fahren (schon lange
> nicht mehr gesehen).

Dann hast du ein Problem mit den Augen. Die Zählungen werden
regelmäßig durchgeführt, der Anteil der Dunkelradler liegt
relativ konstant bei 30%. D.h. 70% fahren beleuchtet.
Ich habe das spaßeshalber zweimal abends gezählt, und bin
in etwa auf die Größenordnung gekommen.

Mein Bauchgefühl ist, daß der Anteil der Dunkelradler in
den Sommermonaten höher als im Winter ist, allerdings würde
ich das nicht beschwören.

> Dafür gibts andererseits wieder zu Hauf Autofahrer,
> die nachts, besonders bei Regen, zu schnell unterwegs sind (nämlich so
> schnell, dass sie die unbeleuchteten Radfahrer erst in letzter Sekunde
> erspähen).

Das wiederum ist ein Verstoß, den tatsächlich die große Mehrheit
der Autofahrer begeht: das Tempolimit nicht einzuhalten, speziell
nachts auf Landstraßen das Sichtfahrgebot nicht einzuhalten.

Einen sehr häufigen Verstoß der Autofahrer (viel häufiger
als Falschparken, oder Rotlichtverstöße von Radfahrern) hast
du nicht erwähnt: Nichteinhalten des Sicherheitsabstandes.

Hier liegt auch der Grund, warum die angeblich bessere
Regeleinhaltung von Autofahrern nur ein Mythos ist: die
beiden gerade genannten Regelverstößte werden bei solchen
Betrachtungen vollständig ausgeblendet. Andere zum Teil auch
(Falschparken, bei Gelb Gas geben), dazu werden Radfahrern
*teilweise* Regelverstöße angedichtet, die keine sind
(Nichtbenutzung von anderen Radwegen), und schon hat man
den vielbeschworenen Eindruck von "Radfahrern, die sich
nicht an die Regeln halten". Ein Mythos, wie schon gesagt.

> Man hat sich also gegenseitig nichts vorzuwerfen.

Doch, hat man. Aber nicht in dieser Gruppe.

Gruß
Joachim

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