Klaus Polkehn: Der Zionismus im Komplott mit dem Nationalsozialismus
Von: Frank Bügel (frank.buegel@nospam.org) [Profil]
Datum: 03.01.2006 01:41
Message-ID: <1jrj0j2zh72hq$.dlg@private.net>
Newsgroup: de.soc.politik.texte
Datum: 03.01.2006 01:41
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Newsgroup: de.soc.politik.texte
Polkehn, Klaus: Der Zionismus im Komplott mit dem Nationalsozialismus,
Klartexte 9, Freiburg 1987
Die erstmalige Veröffentlichung der deutschen Originalversion erfolgt mit
freundlicher Unterstützung des Autors, der einige
zusätzliche Anmerkungen
gemäß neuerem Kenntnisstand geschrieben hat, insbesondere die
umfangreiche
Anmerkung 98.
Am 30. Januar 1933 wurde Adolf Hitler zum Regierungschef des Deutschen
Reiches ernannt. Mit diesem Tag begann der im Programm der
Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei postulierte Antisemitismus
offizielle deutsche Regierungspolitik zu werden. Im Frühjahr1933 nahm aber
auch die erstaunliche Zusammenarbeit zwischen dem Zionismus und dem
deutschen Faschismus ihren Anfang. Es ist der zionistischen Führung lange
Zeit gelungen, diese Kooperation weitgehend geheimzuhalten. Erst seit
Anfang der 60er Jahre fanden sich hier und dort kritische Bemerkungen zu
diesen Vorgängen in der Zeit zwischen 1933 und 1945. Und wann immer auf
solche Beispiele einer Kooperation hingewiesen wurde, erklärten die
Zionisten, etwaige Kontakte zu Nazi-Deutschland seien einzig und allein zu
dem Zweck erfolgt, das Leben jüdischer Menschen zu retten.
In der Anfang 1969 anläßlich des 16. Kongresses der Kommunistischen
Partei
Israels vorgelegten Studie "The Jewish Question and Zionism in our Days"
wurde dem gegenüber festgestellt: "Nach der Machtergreifung Hitlers in
Deutschland, als alle antifaschistischen Kräfte in der Welt und die
große
Mehrheit der Jüdischen Organisationen einen Boykott Nazi-Deutschlands
ausriefen, gab es zwischen zionistischen Führungskräften und
der
Hitlerregierung Kontakte und Kollaboration." [1]
Die Studie zitierte den zionistischen Funktionär Eliezer Livne (Livne,
damals Liebenstein, war während des Zweiten Weltkrieges Redakteur der
Haganah-Zeitung ESCHNAB), der 1966 auf einem von der israelischen Zeitung
MA'ARIV organisierten Symposium erklärt hatte, "daß
für die zionistische
Führung die Rettung von Juden nicht ein Ziel an sich, sondern lediglich ein
Hilfsmittel war". [2]
Die Frage nach dem Verhalten der zionistischen Bewegung zum deutschen
Faschismus, der in den 12 Jahren seiner Herrschaft Millionen Juden
ermordete, ist für die zionistischen Führer ein Tabu. Die
Details jener
schrecklichen Kooperation zwischen der zionistischen Führung und den
Judenmördern im faschistischen Deutschland werden deshalb - so gut es nur
geht - geheimgehalten. Nur selten gelingt es, authentischen Zeugnissen oder
gar Dokumenten zu diesen Vorgängen auf die Spur zu kommen. Die nachfolgende
Untersuchung faßt die bisherigen Erkenntnisse über einige wichtige
Aspekte
der Zusammenarbeit zwischen Zionisten und Nationalsozialisten zusammen. Es
liegt in der Natur der Sache, daß diese Untersuchung kein
vollständiges
Bild ergeben kann. Dies wird erst möglich sein, wenn die Archive (vor allem
in Israel), in denen die Dokumente über diese Vorgänge
aufbewahrt werden
[3], dereinst wissenschaftlicher Forschung zugänglich sein werden.
I
Den zionistischen Führern mußte der Machtantritt Hitlers geradezu
als ein
Geschenk des Himmels erscheinen, fühlte sich doch die Mehrheit der
deutschen Juden als Deutsche, die für die zionistischen Bestrebungen wenig
Verständnis aufbrachten. Die deutschen Statistiken vor der Machtergreifung
durch die Nazis erfaßten die jüdische Minderheit nur in der Rubrik
der
"Religionszugehörigkeit" (und es blieb der nazistischen
Rassengesetzgebung
vorbehalten, den Begriff "Rasse" als Merkmaleinzuführen und damit
auch die
längst assimilierten Nachkommen von Angehörigen der
jüdischen
Religionsgemeinschaft als Juden zu zählen). 1933 lebten diesen Statistiken
zufolge in Deutschland 503 000 Juden, die 0.76% der Gesamtbevölkerung
ausmachten. 31% aller deutschen Juden wohnten in der Hauptstadt Berlin, wo
sie 4,3% der Bevölkerung ausmachten. Die deutschen Statistiken weisen
übrigens auch aus, daß der Anteil der Juden in Deutschland zwischen
1871
und 1933 von 1,05% auf 0,76% zurückgegangen war. [4] Diese deutschen Juden
waren in ihrer großen Mehrheit Nichtzionisten oder Antizionisten. Die
zionistische Vereinigung für Deutschland (ZVfD) vermochte sich vor 1933 nur
schwer Gehör zu verschaffen. Von den im Jahre 1925 in Deutschland
gezählten
Juden waren beispielsweise nur 8739 (also nicht einmal 2%) für die
Zionistenkongresse wahlberechtigt (d.h. Mitglieder zionistischer
Organisationen) [5], und bei den Wahlen zum Landesverband jüdischer
Gemeinden in Preußen am 1. Februar 1925 wurden von 124 Mandaten nur 26 von
zionistischen Gruppen errungen. [6]
Im Bericht des "Palästina-Grundfonds (Keren Hajessod)"
für den 24.
Delegiertentag der ZVfD vom Juli 1932 konnte man lesen: "Bei Würdigung
der
Keren-Hajessod-Arbeit in Deutschland sollte überhaupt ... niemals
übersehen
werden, daß wir es in Deutschland noch immer nicht nur mit der Indifferenz,
sondern auch mit der Gegnerschaft weiter jüdischer Kreise zu tun
haben."
[7]
Während also die Zionisten beim Machtantritt Hitlers im Grunde eine kleine,
unbedeutende und weithin einflußlose Minderheit waren, dominierten die
nichtzionistischen Organisationen, an ihrer Spitze der 1893 gegründete
"Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen
Glaubens" (CV), der - wie
schon sein Name sagte - die deutschen Juden als Deutsche betrachtete, und
der seine Hauptaufgabe im Kampf gegen den Antisemitismus sah. Aus dieser
Grundhaltung erklärt sich auch, daß der CV den Zionismus scharf
ablehnte.
So hieß es in einem Beschluß des Hauptvorstandes des CV vom 10. April
1921:
"Wäre die Besiedlung von Palästina nichts weiter als
ein großes Hilfswerk,
so wäre vom Standpunkt des Centralvereins gegen die Förderung
dieses Werkes
nichts zu sagen. Die Besiedlung von Palästina ist aber in erster Linie das
Ziel nationaljüdischer Politik. Ihre Förderung und
Unterstützung ist daher
abzulehnen." [8]
So war es denn auch in den Jahren vor dem Machtantritt Hitlers neben den
progressiven Parteien und Organisationen vor allem der CV, der gegen den
Antisemitismus auftrat. Kritisch bemerkte der jüdische Autor Werner E.
Mosse: "Während die Führer des CV es als ihre besondere
Aufgabe
betrachteten, die Interessen der deutschen Juden im aktiven politischen
Kampf zu vertreten, trat der Zionismus ... für die systematische
jüdische
Enthaltung von der Teilnahme am deutschen öffentlichen Leben ein. Er lehnte
deshalb aus prinzipiellen Gründen jede Beteiligung an dem vom CV
geführten
Abwehrkampf ab." [9]
Die Haltung der Zionisten zu der heraufziehenden Gefahr einer
faschistischen Herrschaft in Deutschland war wesentlich auch von einer
vielfachen Übereinstimmung von zionistischen und
faschistischenideologischen Grundpositionen bestimmt. Nationalsozialisten
wie Zionisten vertraten rassistische Theorien. Beide trafen sich im Glauben
an solche mystischen Kategorien wie "Volkstum" und "Rasse", beide
waren
chauvinistisch, beide wollten "rassische Exklusivität". So
schrieb
beispielsweise der zionistische Funktionär Gerhard Holdheim im Jahre 1930
in einer der "Judenfrage" gewidmeten Ausgabe der SÜDDEUTSCHEN
MONATSHEFTE
(in der u.a. führende Antisemiten ihre Auffassung darlegten): "Das
zionistische Programm begreift die Auffassung eines einheitlichen,
ungeteilten Judentums auf nationaler Grundlage in sich. Kriterium des
Judentums ist hiernach nicht ein religiöses Bekenntnis, sondern das
Zusammengehörigkeitsgefühl einer Volksgemeinschaft, die, durch
Gemeinsamkeit des Blutes und der Geschichte verbunden, gewillt ist, ihre
nationale Individualität zu erhalten."[10] Das war die gleiche
Sprache, das
waren die gleichen Vokabeln, derer sich die Nazis und Antisemiten
bedienten. So kann es denn nicht verwundern, daß die deutschen Faschisten
die Auffassung der Zionisten begrüßten. So schrieb der
Chef-Ideologe der
deutschen Nazi-Partei, Alfred Rosenberg: "Der Zionismus muß
tatkräftig
unterstützt werden, um jährlich eine zu bestimmende Zahl
deutscher Juden
nach Palästina oder überhaupt über die Grenze
zu befördern." [11] Hans Lamm
meinte später mit Blick auf solche Äußerungen: "... it
is indisputable that
during the first stages of their Jewish policy the National-Socialists
thought it proper to adopt a pro-Zionist attitude." [12]
Der CV bemerkte sehr klarsichtig zu der Haltung der Zionisten, daß ihre
Anerkennung "bestimmter Postulate der deutschen Nationalisten" dem
Antisemitismus Vorschub leiste, und in einer Stellungnahme des CV sprach
man sogar von einem "Dolchstoß in den Rücken" der
Abwehrfront gegen den
Nationalsozialismus, den die Zionisten vor 1933 geführt
hätten. [13] Doch
schließlich ging es den Zionisten nicht um eine Abwehr des heraufziehenden
Faschismus. Nur der Antisemitismus Hitlers, so glaubten sie, könne die
antizionistischen jüdischen Deutschen dem Zionismus in die Arme treiben. So
erklärte der damalige Chefredakteur der in Deutschland erscheinenden
zionistischen Zeitung JÜDISCHE RUNDSCHAU, Robert Weltsch, am 8. Januar 1933
(drei Wochen vor Hitlers Machtantritt) auf einer Sitzung des
Landesvorstandes der ZVfD: "Die antiliberale Welt im Deutschtum begegnet
sich mit der antiliberalen Stellungnahme des Zionismus, und wir stehen hier
vor der Chance, zwar nicht die Basis der Verständigung, aber die Basis
einer Auseinandersetzung gefunden zu haben. [14]
II
Der Berufung Hitlers zum Regierungschef am 30.Januar 1933 folgte die
Übernahme aller Machtpositionen in Deutschland durch die
nationalsozialistische Partei, die Übernahme der Macht also durch
geschworene Antisemiten. Die jüdischen Deutschen betrachteten diese
Vorgänge mit tiefer Sorge. Immerhin fanden sich im Programm der Nazi-Partei
die Forderungen nach Ausbürgerung der Juden (Punkt 5), nach Entfernung
aller Juden aus öffentlichen Ämtern (Punkt 6) und nach Ausweisung
aller
nach dem 2.8.1914 nach Deutschland eingewanderten Juden (Punkt 8). Nur die
Zionisten gaben unverhohlen ihrer Genugtuung über diesen Vorgang Ausdruck.
(Der sicherlich nicht antizionistische, britische Autor Christopher Sykes
meint, "daß die zionistischen Führer von den ersten
Anfängen des
Nazi-Unheils an entschlossen waren, aus der Tragödie politischen Vorteil zu
ziehen".[15]) Die erste öffentliche Äußerung, die auf
diesen Tatbestand
hindeutet, stammte von dem Berliner Rabbiner Dr. Joachim Prinz, einem
engagierten Zionisten, der unmittelbar nach dem 30. Januar 1933 den
Machtantritt Hitlers als den Beginn der "Rückkehr des Juden zu seinem
Judentum" feierte.[16] Angesichts des sich abzeichnenden nazistischen
Terrors gegen die jüdischen Deutschen triumphierte Prinz: "Kein
Schlupfwinkel birgt uns mehr. Wir wünschen an die Stelle der Assimilation
das Neue gesetzt: das Bekenntnis zur jüdischen Nation und zur
jüdischen
Rasse."[17]
Dies war durchaus nicht die Meinung eines Einzelgängers. Die
JÜDISCHE
RUNDSCHAU, das offizielle Organ der ZVfD, schrieb am 13. Juni 1933: "Der
Zionismus anerkennt die Existenz der Judenfrage und will sie in einer
großzügigen, konstruktiven Weise lösen. Er will
hierfür die Mithilfe aller
Völker gewinnen, der judenfreundlichen ebenso wie der judenfeindlichen,
weil es sich seiner Auffassung nach hier nicht um Sentimentalitäten,
sondern um ein reales Problem handelt, an dessen Lösung alle
Völker
interessiert sind."[18] Mit diesem Argument hatte man sich genau auf die
gleiche politische Linie begeben, die die Nazis bezogen.
Am 21. Juni 1933 gab es schließlich eine offizielle zionistische
Stellungnahme zur Übernahme der Macht durch den Nationalsozialismus: Die
"Äußerung der Zionistischen Vereinigung für
Deutschland zur Stellung der
Juden im neuen deutschen Staat". In diesem umfangreichen Dokument wurde
zunächst hervorgehoben, daß die Anschauungen der Zionisten
"nach unserer
Meinung eine den Grundsätzen des neuen deutschen Staates der nationalen
Erhebung (hier wurde von den Verfassern fast wortgetreu die
Nazi-Terminologie übernommen! K.P.) entsprechende Lösung
ermöglichen
würde".[19] Nachdem auf diese Weise die grundsätzliche
Einhelligkeit
prinzipieller Positionen von Zionismus und Nationalsozialismus proklamiert
worden war, gab die ZVfD in ihrem Dokumenteinen geschichtlichen Rückblick
auf die Lage der Juden in Deutschland, in dem sie sich wiederum solcher
Vokabeln wie "Bindung von Blut und Rasse" bediente und - genau wie Hitler -
eine "seelische Sonderart" der Juden postulierte. Dann konstatierten die
Zionisten: "Auch für den Juden müssen Abstammung,
Religion,
Schicksalsgemeinschaft und Artbewußtsein von entscheidender Bedeutung
für
seine Lebensgestaltung sein. Dies erfordert Überwindung des im liberalen
Zeitalter entstandenen egoistischen Individualismus durch Gemeinsinn und
Verantwortungsfreudigkeit." [20]
Nach dieser Beschwörung und Wiederholung faschistischer Thesen folgte ein
offenes Bekenntnis zum faschistischen Staat: "Wir wollen auf dem Boden des
neuen Staates (gemeint ist das nazistische Deutschland; K.P.), der das
Rassenprinzip aufgestellt hat, unsere Gemeinschaft in das Gesamtgefüge so
einordnen, daß auch uns, in der uns zugewiesenen Sphäre, eine
fruchtbare
Betätigung für das Vaterland möglich
ist."[21] Schließlich verurteilten die
Zionistenden Kampf antifaschistischer Kräfte gegen das Hitler-Regime, die
im Frühjahr1933 zu einem wirtschaftlichen Boykott Nazi-Deutschlands
aufgerufen hatten. "Boykottpropaganda - wie sie jetzt vielfach gegen
Deutschland geführt wird- ist ihrer Natur nach unzionistisch, da der
Zionismus nicht bekämpfen, sondern überzeugen und aufbauen
will." [22]
Um sich die ganze Bedeutung dieser Erklärung der ZVfD vor Augen zu halten,
muß man noch einmal daran erinnern, was dieser Stellungnahme alles
vorangegangen war: Die Judenverfolgungen hatten eingesetzt und in einem
großen, ganz Deutschland umfassenden Pogrom am 1. April 1933 einen ersten
Höhepunkt gefunden. Aber das schien die zionistischen Führer
kaum zu
interessieren. Es schien sie kalt zu lassen, daß in den ersten
Märztagen
des Jahres 1933 in deutschen Städten jüdische
Bürger mißhandelt wurden (so
hatte man beispielsweise am 11. März 1933 in Braunschweig
jüdische
Geschäfte demoliert; so waren am 13. März 1933 vor dem
Gerichtsgebäude in
Breslau jüdische Rechtsanwälte mißhandelt worden; so
hatten die
Nazi-Behörden das "Gesetz zur Wiederherstellung des
Berufsbeamtentums"
erlassen, das u. a. die Vertreibung von 2000 jüdischen Wissenschaftlern von
den deutschen Universitäten zur Folge hatte). Statt dessen zog es der im
Sommer 1933 tagende XVIII. Zionistenkongreß vor, nicht gegen die
Vorgänge
in Deutschland zu protestieren. Als auf dem Zionistenkongreß am 24. August
1933 die Lage der deutschen Juden diskutiert werden sollte, legte das
Präsidium des Kongressesfest, diese Diskussion zu unterbinden. [23]
Die Nazis honorierten diese "Zurückhaltung" der Zionisten, indem
sie der
ZVfD die ungehinderte Weiterarbeit gestatteten (zu einer Zeit, da alle
demokratischen und antifaschistischen Parteien und Organisationen in
Deutschland schärfster Verfolgung ausgesetzt waren, und da man deren
Funktionäre und Mitglieder in Gefängnisse und
Konzentrationslager
verschleppte) und alle nichtzionistischen jüdischen Organisationen in ihrer
Arbeit außerordentlich behinderten. Diese Behinderungen trafen vor allem
den CV. Schon vor 1933 hatten die Nazis, "wie auszahlreichen Beispielen der
Nazipresse hervorgeht", den CV als "ihren hauptsächlichen
jüdischen Gegner"
gesehen.[24] Hatte nicht der CV den Zionisten immer wieder vorgeworfen, sie
hätten "am Abwehrkampf (gegen den Faschismus; K.P.) selbst kein
Interesse
gezeigt... Er (der Zionismus; K.P.) habe eine Politik der Gleichgültigkeit
(gegenüber der herannahenden faschistischen Gefahr; K.P.) betrieben, da es
ihm eben an wahrer innerer Beteiligung fehle". [25]
So besetzte die SA am Abend des 1. März 1933 das Zentralbüro
des CV und
schloß es. Am 5. März 1933 wurde der CV in Thüringen
wegen
"hochverräterischer Umtriebe" verboten. Gleichzeitig wandte sich
der
Nazi-Staat gegen andere nichtzionistische jüdische Organisationen, die, wie
zum Beispiel der "Reichsbund jüdischer Frontsoldaten" eine
deutsch-nationalistische Position vertreten hatten. Verboten wurde auch der
"Verband Nationaldeutscher Juden" [Zum "Reichsbund jüdischer
Frontsoldaten"
(RjF) siehe Anhang (1)]
Mit diesem "Rückenwind" durch die Nazis vermochten sich die
Führer der
Zionistischen Vereinigung für Deutschland noch im Jahre 1933 eine
führende
Position unter den jüdischen Deutschen zu erobern, die sie vorher ganz und
gar nicht besessen hatte. Die Zionisten nutzten auch die offenbar gewordene
Notwendigkeit eines Zusammenwirkens jüdischer Organisationen, um sich
einflußreiche Positionen zu sichern, wobei sie hier, nach außen hin,
bekannten Nichtzionisten den Vortritt ließen. Im Herbst 1933 wurde die
"Reichsvertretung der deutschen Juden" gegründet, an der sich
alle großen
jüdischen Organisationen wie der CV und auch die ZVfD beteiligten. Leiter
der Reichsvertretung wurde Rabbiner Dr. Leo Baeck, in dessen Person sich
bereits die zwiespältige Haltung der Reichsvertretung zum Zionismus
spiegelte: Baeck war einerseits Mitglied des Hauptvorstandes des CV,
andererseits aber zugleich Präsident des zionistischen Siedlungsfonds
"Keren Hajessod" in Deutschland. Diese neu gegründete
Reichsvertretung bot
den zionistischen Führern eine breitere Plattform für ihre
Tätigkeit. Die
Reichsvertretung war übrigens nicht, wie manchmal behauptet wird, auf
Weisung der Nazi-Behörden gegründet worden. Ball-Kaduri
schrieb dazu: "Die
höheren Stellen der Nazi interessierten sich für die internen
Vorgänge im
jüdischen Lager zunächst nicht" - was allerdings nicht
stimmt, sonst wäre
die Verfolgung von Nichtzionisten und die Begünstigung der Zionisten kaum
zu erklären. "So kam es, daß die Gründung der
Reichsvereinigung ganz ohne
staatliche Eingriffe erfolgte; die vollzogene Gründung der Reichsvertretung
wurde einfach dem Reichsministerium des Innern mitgeteilt, die Gestapo
interessierte sich gar nicht dafür." [26] Erst am 4. Juli 1939 erging
die
"Verordnung zum Reichsbürgergesetz" über die
Zwangsgründung der
"Reichsvereinigung der Juden in Deutschland", die einmal eine Umbenennung
der Reichsvertretung beinhaltete, und die die Zwangsmitgliedschaft aller
jüdischen Deutschen in der Reichsvereinigung bestimmte. Der § 2
dieser
Verordnung befahl übrigens getreu den zionistischen
Wünschen: Die
Reichsvereinigung hat den Zweck, die Auswanderung aller Juden zu
fördern."
[27]
Dementsprechend wurden den zionistischen Organisationen die verschiedensten
politischen Aktivitäten erlaubt. So ordnete beispielsweise die Bayrische
Politische Polizei am 9. Juli 1935 an: "Von den zionistischen
Organisationen werden seit einiger Zeit bei ihren Mitgliedern und
Sympathisierenden Geldsammlungen zur Förderung der Auswanderung, zum
Bodenkauf in Palästina und zur Unterstützung des
Siedlungswesen in
Palästina durchgeführt, diese Geldsammlungen sind nicht
genehmigungspflichtig, weil sie in einem eng geschlossenen Kreis von Juden
veranstaltet werden. Auch von staatspolizeilicher Seite bestehen gegen
diese Veranstaltungen keine Bedenken, zumal es sich um solche Fonds
handelt, mit deren Hilfe die praktische Lösung der Judenfrage
gefördert
wird."
Schließlich hatten die Nazis seit 1933 den Zionisten die Fortsetzung ihrer
Propaganda gestattet. Während alle Zeitungen in Deutschland unmittelbar
nach der Machtergreifung der Aufsicht und Sprachregelung des
Propagandaministeriums unterworfen wurden (sofern sie nicht, wie die
Zeitungen der Kommunistischen und Sozialdemokratischen Partei, der
Gewerkschaften oder andere progressive Blätter, verboten waren), durfte die
zionistische JÜDISCHE RUNDSCHAU ungehindert weitererscheinen. Winfried
Martini, der zur damaligen Zeit für die DEUTSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG als
Korrespondent in Jerusalem tätig war, und der nach eigenem Zeugnis
über
"enge persönliche Verbindungen zum Zionismus"
verfügte, vermerkte später
die "paradoxe Tatsache", "daß gerade die jüdische
(sprich: zionistische;
K.P.) Presse jahrelang eine gewisse Freiheit besaß, die der
nichtjüdischen
Presse radikal verwehrt war". [28] Er fügte hinzu, daß in der
JÜDISCHEN
RUNDSCHAU "fast in jeder Ausgabe kritische Auseinandersetzungen mit der
NS-Ideologie" zu lesen waren, was aber keineswegs zum Verbot des Verkaufs
der Zeitung führte, sondern lediglich ab Ende 1933 zum Verbot des Verkaufs
der Zeitung an Nichtjuden - die Juden sollten ja nach dem Willen der Nazis
zum Zionismus bekehrt werden, und sei es mit Argumenten gegen die Nazis!
Auf diese Weise nahm "das bis dahin wenig verbreitete Blatt der
zionistischen Gruppe" [29] einen schnellen Aufschwung.
Daß sich die zionistische Zeitung des Wohlwollens der Naziführer
erfreuen
konnte, wird verständlich, wenn man die Position des Blattes am Beispiel
des "Judenboykotts" vom 1. April 1933 betrachtet. Jenes organisierte Pogrom
gegen die jüdischen Bürger in Deutschland, das in aller Welt
und bei allen
anständigen Deutschen Zorn und Abscheu erweckte, wurde von dem Organ der
Zionisten keineswegs scharf verurteilt und angeprangert, sondern vielmehr
als eine Bestätigung zionistischer Auffassungen gewertet: "Der
verhängnisvolle Irrtum vieler Juden, man könne
jüdische Interessen unter
einem anderen Deckmantel vertreten, ist beseitigt", schrieb die JÜDISCHE
RUNDSCHAU zu dem Pogrom. "Der 1. April 1933 kann ein Tag des jüdischen
Erwachens und der jüdischen Wiedergeburt sein..." [30]
Die Bewegungsfreiheit für die Zionisten betraf aber nicht nur ihre Zeitung,
sondern auch die Herausgabe von Büchern. Bis 1938 konnten mehrere Verlage
(so u. a. der Jüdische Verlag in Berlin-Charlottenburg und der
Schocken-Verlag Berlin) ungehindert zionistische Literatur herausgeben. So
erschienen im faschistischen Deutschland völlig legal Schriften von Chaim
Weizmann, David Ben Gurion und Arthur Ruppin - äußere Anzeichen
einer
nazistisch-zionistischen Kooperation, die schon 1933 hinter den Kulissen
begonnen hatte.
III
In die ersten Tage der Naziherrschaft in Deutschland fällt auch der Beginn
einer wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Nationalsozialisten und
Zionisten. Bereits im Mai 1933 hatte die zionistische
Zitruspflanzungsgesellschaft "Ha Note'a" beim deutschen
Reichswirtschaftsministerium eine Genehmigung für den Transfer von Kapital
aus Deutschland erwirkt und damit die Prozedur des späteren
Ha'avara-Abkommens ausprobiert.
Die "Ha Note'a" kaufte für ihren Bedarf deutsche Waren, die von
Bankkonten
jüdischer Auswanderer in Deutschland bezahlt wurden. Die Auswanderer
erhielten nach dem Verlassen Deutschlands dann den Gegenwert der von ihnen
geleisteten Zahlungen in Haus- oder Grundbesitz übereignet.[31] Da die
Erfahrungen der "HaNote'a" den zionistischen Führern
erfolgversprechend
erschienen, wurden noch im Sommer 1933 Verhandlungen zwischen zionistischen
Stellen und dem deutschen Reichswirtschaftsministerium aufgenommen, die
schon im August 1933 zum Abschluß des sogenannten Ha'avara-Abkommens
führten.
Die Ha'avara-Verhandlungen von 1933 gehören zu denjenigen Ereignissen der
zionistischen Geschichte, die immer wieder vernebelt worden sind. Immerhin
ging es hierbei um eine Wirtschaftskooperation, und dies zu einer Zeit, da
antifaschistische Kräfte versuchten, einen Boykott Nazideutschlands in die
Wege zu leiten. Diese Bemühungen hat Nahum Goldmann, der damals immerhin
eine führende Position in der zionistischen Organisation einnahm,
später so
kommentiert: "Aber viele jüdische Gruppen weigerten sich mitzumachen,
sei
es, weil etliche jüdische Firmen Handelsvertreter deutscher Unternehmungen
waren, sei es, weil manche jüdische Organisationen, namentlich in den
Vereinigten Staaten, den Standpunkt vertraten, es sei unpatriotisch, eine
Wirtschaftsboykott gegen ein Land zu organisieren, zu dem das eigene
normale Handelsbeziehungen." [32] Das mochte zwar im Detail zutreffen,
verschleierte aber die Wahrheit, denn diejenigen, die den Boykott
durchbrachen, waren an erster Stelle die Zionisten selbst.
Über die Umstände, die zum Abschluß desHa'avara-Abkommens
führten, gibt es
widersprüchliche Darstellungen. Die Widersprüche aber
reflektieren den
Wunsch zionistischer Stellen, die zionistische Verantwortung in dieser
Frage zu vernebeln. Der schon zitierte Ball-Kaduri vertritt beispielsweise
die Auffassung, die Initiative für die Verhandlungen mit den faschistischen
Behörden in Deutschland sei von der Zionistischen Vereinigung
für
Deutschland ausgegangen, die den Generaldirektor der Anglo-Palestine Bank
in Haifa, Hoofien, für das Projekt interessiert habe. Hoofien sei im Juni
1933 nach Berlin gereist und habe die entsprechenden Verhandlungen mit
Oberregierungsrat Hartenstein vom Reichswirtschaftsministerium geführt.[33]
(Aus diesem Grunde wurde das Ha'avara- abkommen in vielen
Veröffentlichungen auch als "Hoofien-Abkommen" bezeichnet, eine
Benennung,
die den ganzen Vorgang auf eine Person - Hoofien - reduzierte.) Soweit
Hoofien an der Angelegenheit beteiligt war (was wahrscheinlich schon
deshalb notwendig war, weil es um konkrete Vereinbarungen über
Transfer-Fragen ging, für die man einen Bankfachmann
benötigte), so ist
doch anzunehmen, daß eine so schwerwiegende Angelegenheit nicht aus
privater Initiative und nicht ohne Abstimmung mit den maßgeblichen
zionistischen Institutionen erfolgen konnte. Tatsächlich geht aus anderen
Veröffentlichungen hervor, daß die Verhandlungen in Berlin von dem
damaligen Chef des Politischen Departments der Jewish Agency, Chaim
Arlosoroff, geleitet wurden. [34] Und schließlich wurde das Abkommen 1935
vom Zionistischen Weltkongreß offiziell gebilligt.
Das Ha'avara-Abkommen wurde - so Ball-Kaduri - "in Form eines Briefes des
Reichswirtschaftsministeriums an Herrn Hoofien geschlossen. Die
Verhandlungen gingen damals im wesentlichen reibungslos vonstatten, da die
Nazi in diesem Zeitpunkt noch 'zionistisch' eingestellt waren".[35]
Dem in Berlin ausgehandelten Abkommen zufolge wurde in Tel Aviv die
Ha'avara-Gesellschaft und in Berlin die Schwestergesellschaft Paltreu
gegründet. Das Verfahren wurde in folgender Weise abgewickelt: Der
jüdische
Auswanderer zahlte sein Geld (der Mindestbetrag lag bei einer Summe von
1000 Pfund Sterling) auf die deutschen Konten der Ha'avara ein (in Berlin
beim Bankhaus Wassermann oder in Hamburg beim Bankhaus Warburg). Mit diesem
Geld konnten jüdische Importeure deutsche Waren für den
Export nach
Palästinakaufen, während sie den Gegenwert in
palästinensischen Pfund auf
ein Ha'avara-Konto bei der Anglo-Palestine Bank in Palästina einzahlten.
Wenn der Auswanderer in Palästina eintraf, erhielt er aus diesem Konto den
Gegenwert des von ihm in Deutschland eingezahlten Betrages ausgezahlt
(wobei Ball-Kaduri hinzufügt: "nach Abzug der ziemlich hohen
Spesen" [36]).
Im Zusammenhang mit der durch das Ha'avara-Abkommen forcierten Auswanderung
nach Palästina gründeten die Zionisten eine eigene
Schiffahrtsgesellschaft,
die Palestine Shipping Company, die das deutsche Passagierschiff
"Hohenstein" kaufte und in "Tel Aviv" umbenannte. Anfang 1935
unternahm
dieses Schiff seine erste Fahrt von Bremerhaven nach Haifa. Bei dieser
Fahrt trug das Schiff am Rumpf in hebräischen Lettern den neuen Namen
"Tel
Aviv", während vom Mast die Hakenkreuzflagge wehte, "eine
Kombination von
metaphysischer Absurdität", schrieb ein Mitreisender
später dazu. [37] Und
der Kapitän des Schiffes, Leidig, war eingeschriebenes Mitglied der
Nazipartei!
Das Ha'avara-Abkommen brachte jeglichen Versuch eines wirtschaftlichen
Boykotts des Nazireiches zum Scheitern, sicherte der deutschen Wirtschaft
einen umfangreichen und kontinuierlichen Export und erlaubte ihr die
Eroberung eines Marktes, und das in einer Situation, da der Welthandel noch
immer unter den Folgen der schweren Weltwirtschaftskrise von 1929 litt.[38]
Dies wird auch in einer Aufzeichnung des NS-Staatssekretärs Stuckart vom
Reichsinnenministerium vom 17. Dezember 1937 hervorgehoben, in der es
heißt: "Die hauptsächlichen Vorteile (des Ha'avara-Abkommens;
K.P.) sind
folgende:... Der Einfluß der Ha'avara-Gruppe in Palästina hat zu
der
ungewöhnlichen, aber erwünschten Erscheinung
geführt, daß gerade dort
deutsche Waren von jüdischer Seite nicht boykottiert werden..." [39]
Das Ha'avara-Verfahren ermöglichte gleichzeitig eine Erweiterung der
jüdischen Auswanderung aus Deutschland nach Palästina und
führte damit zur
Stärkung der zionistischen Position in Palästina (man sollte
erwähnen, daß
die Einwanderer aus Deutschland beispielsweise ein hohes Maß an
"know-how"
mitbrachten). Es hatte zugleich eine "Selektion" zur Folge. Da das Abkommen
ein Mindestvermögen der Auswandernden von 1000 Pfund Sterling vorschrieb,
konnten nur Angehörige der jüdischen Bourgeoisie von
denVorteilen des
Abkommens Gebrauch machen, während die Werktätigen
jüdischer Herkunft ihrem
Schicksal überlassen blieben. [40] In einer neueren Untersuchung
über die
nazistische Rassenpolitik wird deshalb völlig zu Recht die folgende Wertung
des Ha'avara-Abkommens gegeben: "Das solidarische Prinzip, den
jüdischen
Menschen in Deutschland gegen die Verfolger zur Seite zu stehen, wurde
durch das Kapitalinteresse durchlöchert. Pecunia non olet. Indessen
erhielten auch die Maßnahmen jüdischer Unternehmer, die einzig dazu
dienten, Kapital aus dem faschistischen Deutschland nach Palästina zu
bringen, eine höhere Weihe. Es wurde behauptet, das nach dem Nahen Osten
gebrachte Kapital käme dort allen Juden zugute. In Wirklichkeit diente es
in Palästina wie vorher in Deutschland den Profitinteressen seiner
Eigentümer."[41]
In dem gleichen Buch wurde festgestellt: "Die zionistische Internationale
wollte die jüdischen Auswanderer aus Deutschland auf
palästinensischem
Boden nicht als Habenichtse eintreffen lassen, sondern als
Kapitaleigentümer, die den Aufbau eines kapitalistischen
Staatesunterstützen konnten. Daraus erwuchs ein Interesse, sich mit den
Antisemiten in Deutschland zu vergleichen". [42]
In der Tat war vor der Gründung des Staates Israel der Ha'avara-Transfer
der wohl stärkste ökonomische "booster"
für die zionistische Wirtschaft in
Palästina. Zionistische Quellen nennen die für die damalige
Zeit enorme
Summe von 139,6 Millionen Reichsmark, die von Deutschland nach Palästina
transferiert worden sei. [43] In einer anderen Quelle ist von 5 Millionen
Pfund Sterling die Rede. [44] Die israelische Wirtschaft entstand also in
jener Zeit, da die Nazis es den Zionisten ermöglichten, das Kapital
für
deren Aufbau von Deutschland nach Palästina zu schaffen. Nicht
zufällig
sind die bedeutendsten Großunternehmen in Israel von Auswanderern aus
Deutschland gegründet worden oder wurden von diesen geleitet (zum Beispiel:
die größte palästinensische Eisengießerei und
die Zementindustrie wurden
von dem einstigen Direktor der Berliner Elektrizitäts- und Wasser AG, Dr.
Karl Landau, gegründet; Dr. Arnold Barth aus Berlin, Dr. Siegfried
Sahlheimer aus Bamberg und Herbert Förder aus Breslau wurden die ersten
Organisatoren der Bank Leumi; Fritz Naphtali aus Berlin und Georg
Josephstal aus Nürnberg machten aus der unbedeutenden
"Arbeiterbank" ein
Riesenunternehmen; einer der bedeutendsten israelischen Konzerne wurde von
Jakutiel und Sam Federmann aus dem früheren Chemnitz
gegründet).
Die wirtschaftlichen Abmachungen zwischen den Zionisten und den deutschen
Faschisten wurden zunächst von allen Institutionen des Nazireiches
gutgeheißen. Das Auswärtige Amt hatte bereits vor 1933 bei vielen
Gelegenheiten eine pro-zionistische Haltung eingenommen (so hatte es u.a.
ein Treffen zwischen Chaim Weizmann und den Staatssekretären von Schubert
und von Bülow gegeben [45]) Erst nach dem Ausbruch des arabischen
Aufstandes von 1936 kam es zu ersten Meinungsverschiedenheiten zwischen den
verschiedenen Institutionen über die Zweckmäßigkeit
einer Fortsetzung des
Ha'avara-Transfers. Das Auswärtige Amt machte nun geltend, daß die
de-facto-Unterstützung der zionistischen Politik dazu führen
müsse, daß die
Araber eine feindselige Haltung gegen Hitler-Deutschland einnehmen würden,
was nicht im Interesse Deutschlands liegen könne. Zum Sprecher solcher
Auffassungen machte sich der deutsche Generalkonsul in Jerusalem, Döhle,
der in einem umfangreichen Memorandum vom 22. März 1937
erklärte, daß
"durch unsere Förderung der Judeneinwanderung die ... nach dem Kriege
wieder gewonnenen deutschen Positionen ... in Mitleidenschaft gezogen"
würden. [46] Döhle ging es dabei natürlich
nicht um arabische Belange,
sondern ausschließlich um die politischen Interessen des deutschen
Faschismus, weshalb er bemerkte, es brauchten Deutschland "die
palästinensischen Araber und auch ihre Sympathie für uns
nicht weiter
zuinteressieren" [47]; es sei "vorerst nicht einmal eine wirklich aktive
Araberpolitik erforderlich, sondern nur die Vermeidung eineraugenfälligen
Förderung des Aufbaus des jüdischen Nationalheims."
Döhle befürchtete
nämlich, "daß die arabische Stimmung umschlägt
und der Vorwurferhoben wird,
daß wir ... uns aktiv am Kampf gegen die Araber beteiligen..."[48]
Die Bedenken Döhles wurden auch von anderen deutschen Behörden
aufgegriffen. So vermerkte das Außenhandelsamt der Auslandsorganisation der
Nazipartei in aller Offenheit: "Politisch bedeutet (der Ha'avara-Transfer)
eine wertvolle Unterstützung zur Errichtung eines jüdischen
Nationalstaates
mit Hilfe deutschen Kapitals."[49]
Am 17. Dezember 1937 hieß es in der schon zitierten Aufzeichnung des
Staatssekretärs Stuckart vom Reichsinnenministerium, seit dem Beginn des
arabischen Aufstandes in Palästina hätten sich "die
Vorteile des
(Ha'avara-; K.P.) Verfahrens verringert, die Nachteile verstärkt..."
[50]
Stuckart meinte, wenn man die Gründung eines jüdischen
Staates in Palästina
schon nicht verhindern könne, so müsse doch "alles
unterlassen werden, was
geeignet sei, das Wachsen eines solchen Staates zu fördern". Stuckart
erklärte dann unumwunden: "Es besteht kein Zweifel, daß das
Ha'avara-Verfahren den größten Anteil zu dem stürmisch
schnellen Aufbau
Palästinas (d. h. der zionistischen Kolonisation; K.P.) beigetragen hat.
Das Verfahren hat nicht nur das meiste Geld (aus Deutschland!) geliefert,
sondern auch den intelligentesten Teil der Einwanderer gestellt und
schließlich die zum Aufbau nötigen Maschinen und
Industrieerzeugnisse,
ebenfalls aus Deutschland, ins Land gebracht." [51]
Die Bedenken dieser Stellen (die, wie wir noch sehen werden, im Widerspruch
zu den Auffassungen von SS und Gestapo standen) wurden schließlich Hitler
vorgetragen. Wie aus einer Aufzeichnung der Handelspolitischen Abteilung
des Auswärtigen Amtes vom 27. Januar 1938 hervorgeht, entschied Hitler, das
Ha'avara-Verfahren solle fortgesetzt werden. [52] An dieser positiven
Haltung Hitlers zur Stärkung der zionistischen Kolonisation in
Palästina
änderte sich auch nichts, als das Auswärtige Amt und die
Auslandsorganisation der Nazipartei weiter hinüber die zunehmende
Feindseligkeit der Palästinenser gegen Deutschland klagten. So forderte das
Büro des Chefs der Auslandsorganisation im Auswärtigen Amt
am12. November
1938 erneut, daß eine "Initiative zu der längst
fälligen Beseitigung des
Ha'avara-Abkommens ergriffen wird".[53] Auch Jon und David Kimche
bestätigen übrigens, daß Hitler "mit
eindeutigen Bestimmungen die Förderung
der jüdischen Masseneinwanderung nach Palästina
anordnete" [54] und daß
Hitler die "Grundsatzentscheidung" traf, daß "die
jüdische Auswanderung
weiterhin mit allen verfügbaren Mitteln gefördert werden soll.
Jede bis
jetzt noch bestehende Frage, ob nach Ansicht des Führers eine derartige
Auswanderung in erster Linie nach Palästina geleitet werden soll, ist damit
positivbeantwortet worden".[55]
Und schließlich bestätigt auch Winfried Martini indirekt die
pro-zionistische Position führender deutscher Kreise während
des arabischen
Aufstandes von 1936 bis 1939, wenn er schreibt, er habe als Korrespondent
der DEUTSCHEN ALLGEMEINEN ZEITUNG in Palästina "ziemlich eindeutig
zugunsten der jüdischen Seite" vom Aufstand berichtet, was zu
"keinerlei
Beanstandungen durch irgendwelche NS-Stellen" geführt habe. [56]
Hitler
blieb also ein Befürworter desHa'avara-Transfers, der erst mit dem Ausbruch
des Zweiten Weltkrieges eingestellt wurde. [57]
IV
Die Zionisten verfügten seit den ersten Tagen der Naziherrschaft in
Deutschland über einen direkten "Draht" zu dem faschistischen
Unterdrückungsapparat. Aus ersten Kontakten sollte sich in der Folge eine
rege Zusammenarbeit zwischen der zionistischen Führung und den
Terrororganisationen des Nazireiches (der Geheimen Staatspolizei - Gestapo;
dem Sicherheitsdienst der SS - SD etc.) entwickeln.
Der zionistische Funktionär Leo Plaut hatte bereits vor 1933 mit der
Politischen Polizei und mit dem Polizei-Oberregierungsrat Rudolf Diels
"Verbindung gehalten" (Diels war angeblich ein Schulfreund von Plaut). Als
Diels 1933 erster Chef der Geheimen Staatspolizei wurde, riß diese
Verbindung Plauts nicht ab, ja, 'Plaut besaß sogar die geheime
Telefonnummer von Diels und konnte ihn jederzeit anrufen". [58] Die
Einzelheiten dieses Kontaktes lassen sich nur vermuten, da die
Aufzeichnungen darüber im Yad-Washem-Archiv in Jerusalem unter
Verschluß
gehalten werden. Es ist jedoch anzunehmen, daß über diesen Kontakt
das
Treffen zwischen dem damaligen preußischen Ministerpräsidenten
Hermann
Göring und den Führern jüdischer Organisationen
am 26. März 1933 zustande
kam. Für die Zionisten nahm der Funktionär Kurt Blumenfeld
an der
Zusammenkunft teil, der allerdings in seinen Lebenserinnerungen über diese
Episode schweigt. [59]
Während solche Kontakte in aller Stille vor sich gingen, gab es
für die
Öffentlichkeit ein Indiz für die Kooperation zwischen den Zionisten
und der
SS (die den gesamten Polizei- und Geheimdienstapparat des Nazistaates
beherrschte): Die von dem Chefpropagandisten der Nazis geleitete Zeitung
DER ANGRIFF veröffentlichte einen Reisebericht aus Palästina,
in dem, ganz
im Gegensatz zur offiziellen Nazipropaganda, die zionistische Kolonisation
in Palästina überaus positiv beurteilt wurde. Der Bericht
unter dem Titel
"Ein Nazi fährt nach Palästina" "verzichtete
nahezu vollständig auf jede
Kritik". [60]
Hinter dem Verfasser-Pseudonym "Lim" verbarg sich der
SS-Untersturmführer
Leopold von Mildenstein. Mildenstein war im SD (dem Sicherheitsdienst der
SS) tätig, der ursprünglich als Geheimdienstorganisation
innerhalb der
Nazipartei entstand und ab 1934 nicht nur Parteipolizei und polizeiliches
Führungsinstrument war, sondern sich zum dominierenden innenpolitischen
Geheimdienst der Nazidiktatur entwickelte.[61] Der SD wurde auch politische
Führungs- und Kaderorganisation der nazistischen Sicherheitspolizei.
Daß
ausgerechnet Mildenstein eine ausgesprochen pro-zionistische Artikelserie
schrieb, war kein Zufall: Im Amt II des SD (Inland) entstand 1934 die
Abteilung II 112, das sogenannte "Judenreferat", dessen Leitung Mildenstein
übernahm, der laut Martini auf seiner Palästinareise
"von den zionistischen
Stellen diskret beraten" worden war. [62] Mildensteins Abteilung bestimmte
in den folgenden Jahren (bis 1938) maßgebend die nazistische Judenpolitik,
die von dem offiziellen Organ der Reichsführung SS, DAS SCHWARZE
KORPS, so formuliert worden war: "... Die Zeit dürfte nicht mehr allzu
fern
sein, in der Palästina seine seit über einem Jahrtausend
verlorenen Söhne
wieder aufnehmen kann. Unsere Wünsche, verbunden mit staatlichem
Wohlwollen, begleiten sie." [63]
Es hat nicht an Versuchen gefehlt, diese zionistenfreundliche Politik der
SS als eine persönliche Haltung Mildensteins zu deuten, um von der
tiefgehenden ideologischen Übereinstimmung zwischen Zionisten und Nazis
abzulenken. Nicht nur die Zitate aus dem SCHWARZEN KORPS widerlegen diese
Legende. Mildenstein selbst hat einige Jahre später seine
palästinensischen
Reisereportagen aus dem ANGRIFF als Buch herausgegeben. Darin aber kehrte
er die ursprüngliche pro-zionistische Tendenz in einen unverhohlenen
Antisemitismus um. [64]
Die zionistischen Führer, die den Leiter des SD-Judenreferats von
Mildenstein auf seiner Palästina-Reise "diskret beraten" hatten,
hielten
auch weiterhin Kontakt zur SS und zum SD. Über die Details dieser
Verbindung ist naturgemäß wenig bekannt, da sie unter strengster
Geheimhaltung stattfand. Zu den wenigen Dokumenten, die über diese
Vorgänge
zugänglich sind, gehört eine Aufzeichnung von Prof. Franz Six
[65] vom 17.
Juni 1937, die den Vermerk "Geheime Kommandosache" trägt. [66]
Sie
informiert über einen Besuch des zionistischen Beauftragten Feivel Polkes
in Berlin. Polkes war Mitarbeiter des Führungsstabes der zionistischen
Untergrundarmee Haganah im Range eines Kommandeurs. [67] Der
SS-Oberscharführer Herbert Hagen, Nachfolger Mildensteins als Leiter des
"Judenreferats", vermerkte in seiner Aktennotiz, Polkes habe die "Leitung
des gesamten Selbstschutzapparates der palästinensischen Juden". [68]
Polkes hatte in Palästina in engem Kontakt mit dem Korrespondenten des
"Deutschen Nachrichtenbüros", Dr. Reichert, gestanden, der im
palästinensischen Spionagenetz des SD, den der in Haifa als Kaufmann
lebende SD-Agent Otto von Bodelschwingh leitete, tätig war.
Dr.Reichert verschaffte Polkes auch das Einreisevisum nach Deutschland.
Polkes hielt sich vom 26. Februar bis zum 2. März1937 in Berlin auf, wo er
mehrfach mit SD-Beauftragten zusammentraf. So hatte er u.a. zwei Treffen
mit dem SS-Hauptscharführer Adolf Eichmann, der inzwischen ebenfalls seine
Arbeit im "Judenreferat" aufgenommen hatte. Polkes bot dem SD eine
Zusammenarbeit an. Es gehe ihm vor allem darum, so sagte er zu Eichmann,
"die jüdische Einwanderung nach Palästina zu
stärken, damit die Juden in
seiner Heimat das Übergewicht über die Araber erhielten; zu diesem
Zweck
arbeite er mit den Geheimdiensten Englands und Frankreichs zusammen, er
wolle auch mit Hitler-Deutschland kooperieren".[69] Hagen notierte in
seinem Bericht über den Polkes-Besuch in Berlin weiter: "Auch
für
Deutschland erklärte er sich bereit, Dienste in Form von Nachrichten zu
leisten, soweit sie nicht seinen persönlichen Zielen
entgegenstünden... Er
würde u.a. die deutschen außenpolitischen Interessen im Vorderen
Orient
tatkräftig unterstützen..." [70] Höhne
kommentiert die Angebote Polkes' mit
den Worten: "...hinter ihnen stand offenbar die Einwanderungspolitik der
Haganah". [71]
Die SS honorierte Polkes' Kooperationsabsichten auch sofort mit der von Six
notierten Weisung: "Auf die Reichsvertretung der Juden in Deutschland wird
ein Druck dahingehend ausgeübt, daß sich die aus Deutschland
auswandernden
Juden verpflichten, ausschließlich nach Palästina, nicht aber in
irgendein
anderes Land zu gehen." Das war genau das, was die Zionisten wollten. Six
aber fügte hinzu: "Eine solche Maßnahme liegt durchaus im
deutschen
Interesse und wird bereits durch Maßnahmen des Gestapa vorbereitet".[72]
(Gestapa = Geheimes Staatspolizeiamt).
Feivel Polkes, der Haganah-Kommandeur, tat ein übriges für
die Entwicklung
der Zusammenarbeit zwischen Zionisten und Nazis: Er übergab Eichmann eine
Einladung, als Gast der Haganah Palästina zu besuchen. Six notierte:
"Für
die Arbeit der Verbindungsaufnahme käme vor allem
SS-Hauptscharführer
Eichmann von der Abteilung II 112 in Frage, der bei einem Berliner
Aufenthalt Polkes' die Unterredung mit ihm führte und von ihm zu einem
Besuch der jüdischen Kolonien in Palästina unter seiner
Leitung eingeladen
wurde."[73]
Die Reise Eichmanns und Hagens nach Palästina ist in der Geschichte der
Zusammenarbeit zwischen Zionismus und Nazi-Deutschland nur eine Episode
gewesen. Aber sie war eine so bezeichnende und zugleich entlarvende
Episode, daß sie Jahrzehnte hindurch Gegenstand nicht nur von
Spekulationen, sondern auch von vorsätzlichen Fälschungen
gewesen ist.
Nichts trachteten die zionistischen Führer mehr zu verbergen als die
Tatsache, daß der weltweit bekannte und berüchtigte
Judenmörder Adolf
Eichmann einst von der Haganah nach Palästina eingeladen worden war. So
drehten sie kurzerhand den Spieß um und behaupteten, Eichmanns Besuch habe
dem Ziel gedient, Kontakt zu den aufständischen
Palästinensern aufzunehmen,
oder gar mit dem Mufti von Jerusalem, Hadj Amin al-Husseini, zu
konspirieren. Der Erfinder dieser Geschichte scheint der bekannte Zionist
und "Nazi-Jäger" Simon Wiesenthal zu sein, der schon 1947 die
Behauptung
aufstellte, Eichmann habe in der palästinensischen Siedlung Sarona ein
Agentennetz aufgezogen und "Verbindung mit dem Großmufti"
aufgenommen.[74]
1951 wurde von Léon Poliakov eine ähnliche Version in die Welt
gesetzt[75],
und Gerald Reitlinger übernahm sie zwei Jahre später in sein
Werk "The
Final Solution"[76]: Eichmann sei nach Palästina entsandt worden,
"um mit
den arabischen Aufständischen Fühlung zu nehmen". Von
nun an wucherte die
phantastische Legende.
Einen Besuch beim Großmufti wußte der Amerikaner Quentin Reynolds zu
vermelden. [77] Der Eichmann-Biograph Comer Clarke behauptete sogar, daß
Eichmann 50.000 Dollar "Nazigold" mit sich geführt und den
palästinensischen Aufständischen übergeben
habe. [78]
Vergleicht man derartige Legenden mit den tatsächlichen
Vorgängen, so wird
auch klar, weshalb der israelischen Regierung so sehr daran gelegen war,
den Prozeß gegen Eichmann unter allen Umständen in Israel
durchzuführen.
Nur in Israel konnte man erneut alte Lügen auftischen[79], nur hier konnte
man Eichmann dazu zwingen, eine vorsätzlich unrichtige Aussage vor Gericht
zu machen: "Es sei auch richtig", sagte Eichmann im Prozeß aus,
daß einer
der Zweckes einer Palästinareise im Jahr 1937 die Herstellung einer
Verbindung mit dem Mufti al-Husseini war".[80]
Daß hier der Prozeß gegen einen Massenmörder auch dazu
benutzt wurde, die
historische Schuld der zionistischen Führer zu vernebeln, wird offenbar,
wenn man die zeitgenössischen Dokumente studiert. Eines dieser Dokumente
ist der Reisebericht Eichmanns und Hagens aus dem Geheimarchiv des SS-Chefs
Himmler.[81] Der wesentliche Inhalt des Reiseberichts ist folgender:
Eichmann und Hagen reisten am 26. September 1937in Berlin ab (sie hatten
sich als Redakteure des BERLINER TAGEBLATTS getarnt) und erreichten am 2.
Oktober 1937 mit dem Schiff "Romania" den Hafen von Haifa. Da die
britischen Behörden den beiden SS-Emissären die
Einreisegenehmigung
verweigerten (sie verwiesen auf den arabischen Aufstand), reisten Eichmann
und Hagen weiter nach Ägypten. In Kairo aber trafen sie sich nicht mit
Hadj Amin al-Husseini[82], sondern mit ihrem alten Bekannten, dem
Haganah-Offizier Feivel Polkes. Der Reisebericht Hagens und Eichmanns
enthält eine genaue Wiedergabe der Gespräche mit Polkes, die
am 10. und
11. Oktober 1937 im Kaffeehaus "Georgi" in Kairo stattfanden.
Zunächst
legte Polkes den SS-Männern in aller Offenheit die zionistischen
Pläne dar
(die nachfolgende von Eichmann und Hagen notierte Äußerung Polkes' ist
nicht nur im Zusammenhang mit der zionistisch-nazistischen Kooperation
interessant, sondern auch als Zeugnis zionistischer Expansionspolitik):
"Man wolle auf jeden Fall den Judenstaat, und zwar so bald wie möglich,
um
den Strom der jüdischen Auswanderer nach Palästina zu
lenken. Wenn erst
einmal der Judenstaat aufgrund der jetzigen Vorschläge des Peel-Berichtes
[83] mit den von England schon teilweise versprochenen Positionen errichtet
worden sei, werde man schon die Grenzen nach Belieben vorschieben
können."
Polkes lobte sodann den SS-Männern gegenüber den
antisemitischen Terror in
Deutschland: "Über die radikale deutsche Judenpolitik zeige man sich in
nationaljüdischen Kreisen sehr erfreut, weil damit der Bestand der
jüdischen Bevölkerung in Palästina so vermehrt
werde, daß in absehbarer
Zeit mit einer Mehrheit der Juden gegenüber den Arabern in
Palästina
gerechnet werden könne."
Welch anderes Ziel konnte ein prominenter Beauftragter der Haganah mit
solchen Äußerungen gegenüber den künftigen
Judenmördern verfolgen, als die
Absicht, die Interessengleichheit zwischen Nationalsozialismus und
Zionismus zu demonstrieren und quasi ein langdauerndes Bündnis anzubieten?
Nachdem Polkes sodann nochmals auf die Notwendigkeit einer Beschleunigung
der jüdischen Austreibung aus Deutschlandverwiesen hatte,
erklärte er sich
ein zweites Mal bereit, dem SD Geheiminformationen zu liefern. Zwei solcher
Informationen übermittelte er sofort. Eichmann notierte sie im
Reisebericht. Die erste dieser Informationen hatte den Zweck, die Nazis zur
Verfolgung der arabischen nationalen Bewegung zu veranlassen. Eichmann
notierte: "Der in Berlin sitzende Pan-Islamische Weltkongreß e.V. soll lt.
Information Polkes in direkter Fühlungnahme mit den beiden sowjetfreundlich
eingestellten Araberführern Emir Shekib Arslan und EmirAdil Arslan
stehen."
Die zweite Information, die Eichmann in seinem Reisebericht festhielt,
betraf jene Partei, die am entschiedensten gegen den nazistischen Terror
und gegen die antisemitischen Ausschreitungen auftrat, die Kommunistische
Partei Deutschlands: "Der in Deutschland besonders starkdurchdringende
illegale kommunistische Sender soll nach Polkes Angaben, auf einem
Lastwagen montiert, längs der deutsch-luxemburgischen Grenze seine
Sendetätigkeit ausüben." Auch diese Information belegt,
wo die
zionistischen Führer ihre Verbündeten und wo sie ihre Feinde
sahen!
Die Treffen zwischen Eichmann und Polkes sind durchaus keine isolierten,
zufälligen Ereignisse gewesen. Sie ordnen sich in den Rahmen der
langdauernden, vielfältigen Kooperation von Nationalsozialisten und
Zionisten ein. Nach Eichmanns und Hagens Reise erfolgte diese
Zusammenarbeit konkret über die "Mossad Alijah Beth", die von der
Haganah
als illegale Einwanderungsorganisation geschaffen wurde, nachdem
Großbritannien in Befolgung des Peel-Berichtes die jüdische
Einwanderung
nach Palästina gedrosselt hatte. Bereits Ende 1937, also wenige Monate nach
Eichmanns Reise, nahmen mit Genehmigung der Nazi-Behörden Beauftragte der
Mossad in Berlin-Charlottenburg, Meineckestraße 10, im Hause der
"Reichsvereinigung" ihre Tätigkeit auf.[84] Die beiden
Beauftragten, Pina
Ginzburg und Moshe Auerbach waren eigens dazu aus Palästina nach
Deutschland eingereist.
Jon und David Kimche datieren in ihrem Buch "Secret Roads" Ginzburgs
Ankunft in Berlin allerdings erst auf den Sommer 1938.[85] Ginzburg habe
sich offiziell als Beauftragter der "Union of Communal Settlements" bei der
Gestapo vorgestellt und erklärt, "er sei in einer Sondermission hier,
seine
Aufgabe entspreche den Absichten der Naziregierung, denn sein Ziel sei, die
Auswanderung deutscher Juden nach Palästina zu organisieren. Nur mit
Unterstützung der Naziführer könne das Projekt
in großem Maßstab
durchgeführt werden".[86] Die Gestapo habe sodann mit Ginzburg
erörtert,
"wie die jüdische 'illegale' Einwanderung nach
Palästina gegen den Willen
der britischen Mandatsregierung zu fördern und auszudehnen sei'.[87]
An dieser Stelle ist zu ergänzen, daß die
Nazi-Behörden in der Zwischenzeit
begonnen hatten, ihre Methoden des Drucks auf die jüdischen Deutschen zu
ändern. Nun überließen sie es der Zionistischen
Organisation nicht mehr
allein, die Auswanderung nach Palästina in die Wege zu leiten. In Wien
(Österreich war im März 1938 von Hitler-Deutschland okkupiert
worden) war
die "Zentralstelle für jüdische Auswanderung"
gebildet und Adolf Eichmann
unterstellt worden. Eichmann war im Frühsommer 1938 in Wien mit einem
anderen Beauftragten der Mossad, Bar-Gilead, zusammengetroffen, der ihn um
die Genehmigung gebeten hatte, Umschulungslager für Auswanderer einrichten
zukönnen, damit man die Auswanderungswilligen auf ihre Arbeit in
Palästina
vorbereiten könne.[88] Nach einer Rückfrage in Berlin erteilte
Eichmann die
Genehmigung und stellte alle Voraussetzungen für die Einrichtung von
Schulungslagern zur Verfügung. Bis Ende 1938 wurden etwa 1000 junge Juden
in diesen Einrichtungen ausgebildet.[89]
Auch Ginzburg in Berlin konnte solche Schulungslager mit Hilfe der
Nazi-Behörden einrichten, und Jon und David Kimche schreiben: "Der
Palästinenser (gemeint ist Ginzburg; K.P.), der zu allem entschlossen nach
Berlin gekommen war, machte sich kein Gewissen daraus, mit dem Teufel aus
einer Schüssel zu essen und sich seinen Anteil an der Mahlzeit zu
sichern."
[90]
Hannah Arendt hat in ihrem Buch "Eichmann in Jerusalem" diese
Vorgänge so
kommentiert: " ... diese Juden aus Palästina sprachen eine Sprache,
die von
Eichmanns eigenem damaligen Sprachgebrauch keineswegs total verschieden
war. Sie waren von den Gemeinschaftssiedlungen in Palästina nach Europa
geschickt worden, für Rettungsaktionen interessierten sie sich nicht: 'das
war nicht ihre Aufgabe'. Vielmehr wollten sie 'brauchbares Material'
auswählen, und im Rahmen dieses Unternehmens betrachteten sie - da ja das
Ausrottungsprogramm noch nicht in Gang gekommen war - als ihren Hauptgegner
nicht diejenigen, die den Juden das Leben in der alten Heimat, in
Deutschland und Österreich, unerträglich machten, sondern jene
anderen, die
den Zugang zur neuen Heimat versperrten; ihr Feind war ganz eindeutig nicht
Deutschland, sondern England... Vermutlich waren sie die ersten Juden, die
offen von gemeinsamen Interessen sprachen..."[91]
V
Während die Mehrheitsfraktionen der zionistischen Bewegung, also der
Flügel
der "Arbeiter"-Partei (Ben Gurion u. a.) und der "Allgemeinen
Zionisten"
(Weizmann u.a.) ihre Kontakte mit den Nazis sorgfältig camouflierten und
öffentlich auch Worte gegen die Nazis fanden, hatte der rechte
Flügel des
Zionismus, die Revisionistische Partei Jabotinskys (die
Vorläuferorganisation der Terrorgruppe "Irgun ZwaiLeumi" und der
späteren
Herut-Partei von Menachem Begin), schon vor dem Jahre 1933 bei vielen
Gelegenheiten aus seiner Sympathie für Leute wie Hitler und Mussolini kein
Hehl gemacht. Als beispielsweise Anfang 1932 in Jerusalemein Prozeß gegen
Teilnehmer an Ausschreitungen in der Hebräischen Universität
stattfand,
erklärte ein Verteidiger der Angeklagten, der Rechtsanwalt Cohen II,
Mitglied der Revisionistischen Partei: "Ja, wir Revisionisten hegen
für
Hitler eine große Achtung. Hitler hat Deutschland gerettet. Sonst
wäre es
schon vor vier Jahren zugrunde gegangen. Und hatte Hitler seinen
Antisemitismus abgelegt - wir würden mit ihm gehen..." [92]
Vladimir Jabotinsky, der damalige Führer der Revisionisten, der
über gute
Beziehungen zu faschistischen Bewegungen in Europa verfügte[93], wurde
beschuldigt, nun auch den Versuch zu machen, eine enge Bindung zu
Hitler-Deutschland zu suchen. Offenbar hatte ein Wettlauf in der
zionistischen Bewegung zwischen der Mehrheit und der Rechten begonnen, wer
mit den neuen Herren Deutschlands besser zusammenarbeiten könne, und wer
dem anderen in der Öffentlichkeit die Kollaboration mit den Nazis
nachweisen könne (siehe dazu auch die Vorgänge um die
Ermordung Chaim
Arlosoroffs *34). DAVAR veröffentlichte im Juli 1933 einen Artikel von
David Ben Gurion, in dem eine schwerwiegende Anschuldigung erhoben wurde:
"...Unmittelbar nach Hitlers Machtergreifung in Deutschland, als die
Verfolgungen von Juden und Marxisten auf ihrem Höhepunkt waren, erschien
Vladimir Jabotinsky in Berlin und stachelte in einer öffentlichen Ansprache
gegen Marxisten und Kommunisten im Zionismus und in Palästina auf."
[94]
Wenn das zutraf, so bedeutete dies, daß Jabotinsky die Verhandlungen seines
politischen Gegenspielers mit den Nazis torpedieren wollte, um sich als
Gesprächspartner ins Spiel zu bringen. Jabotinsky bemühte
sich, die
Anschuldigungen Ben Gurions zurückzuweisen, indem er geltend machte, er
habe am 28. April 1933 über Radio Warschau gesprochen und einen weltweiten
Wirtschaftsboykott Deutschlands gefordert, bei gleichzeitiger Gründung
eines jüdischen Staates in Palästina "als einziger
adäquater Antwort auf
die Hitlergefahr".[95] Dies war eine deutliche Anspielung auf die
Ha'avara-Verhandlungen. Andererseits konnte Jabotinsky nicht bestreiten,
daß die in Palästina erscheinende revisionistische Zeitung CHASIT
HA'AM
(für die er regelmäßig Beiträge
schrieb), aus ihrer Sympathie für die
Hitlerbewegung kein Hehl machte. Jabotinsky, so schreibt sein Biograph
Schechtman, sei "tief beunruhigt und betroffen" gewesen, als er davon
informiert wurde, daß das Blatt in den frühen Stadien des
Nationalsozialismus "die (Hitler-; K.P.) Bewegung angeblich mit einem
ausgesprochenen Hang nach seelenverwandter Verständigung behandelt hatte.
Die Redakteure des Blattes...sähen im Nationalsozialismus, obwohl ihnen
Hitlers rabiater Antisemitismus bekannt sei, Elemente einer echten Bewegung
nationaler Befreiung". [96]
Für das faschistische Deutschland war die Zusammenarbeit mit den
Mehrheitszionisten zweifellos wichtiger als eine Kooperation mit der
revisionistischen "Opposition". Dennoch wurde auch den Revisionisten
erlaubt, ihre politischen Aktivitäten in Deutschland fortzusetzen. Die
Angehörigen der revisionistischen Jugendorganisation "Betar"
(Schechtmann
schreibt von ihr, sie habe sich "gewissen Zügen des Nazi-Regimes
angepaßt"
[97]) erhielten als einzige nichtgleichgeschaltete Organisation in
Deutschland von den Nazi-Behörden die Erlaubnis, weiterhin ihre Uniformen
tragen zu dürfen.
Eine Splittergruppe der "Irgun" war es schließlich, die in ihrer
Absicht,
mit den deutschen Faschisten zu kollaborieren, so weit ging, mitten im
Zweiten Weltkrieg, zu einem Zeitpunkt, da die Judenmassaker im besetzten
Polen bereits begonnen hatten, den Nazi-Behörden ein in seiner Art schier
unglaubliches Angebot zu machen. Das Kooperationsangebot an die
Nazi-Behörden ist in einem bisher weithin unbekannten Dokument enthalten,
das der Marineattaché der deutschen Botschaft in der Türkei,
der
Geheimdienstaufgaben wahrnahm, mit einem kurzen Begleitschreiben mit Datum
vom 11. Januar 1941 und dem Vermerk "Geheim" als Anlage Nr. 3 an den
deutschen Botschafter in Ankara weiterreichte (Eingangsstempel: "Deutsche
Botschaft in der Türkei, 18.Jan. 1941"). Die Anlage hat folgenden
Wortlaut:
"Grundzüge des Vorschlages der Nationalen Militärischen
Organisation in
Palästina (Irgun Zwai Leumi) betreffend der Lösung der
jüdischen Frage
Europas und der aktiven Teilnahme der N.M.O. am Kriege an der Seite
Deutschlands.
Es ist des Öfteren von den leitenden Staatsmännern des
nationalsozialistischen Deutschlands in ihren Äußerungen und Reden
hervorgehoben worden, daß eine Neuordnung Europas eine radikale
Lösung der
Judenfrage durch Evakuation voraussetzt ("Judenreines Europa").
Die Evakuierung der jüdischen Massen aus Europa ist eine Vorbedingung zur
Lösung der jüdischen Frage, die aber nur einzig
möglich und endgültig durch
die Übersiedlung dieser Massen in die Heimat des jüdischen Volkes,
nach
Palästina, und durch die Errichtung des Judenstaates in seinen historischen
Grenzen, sein kann.“
Nachdem auf diese Weise die gemeinsamen Grundauffassungen von Zionismus und
Nationalsozialismus hervorgehoben worden waren, bot sich die N.M.O. als
Bundesgenosse an. In dem Dokument heißt es weiter:
"Das jüdische Problem auf diese Weise zu lösen und damit
das jüdische Volk
endgültig und für immer zu befreien, ist das Ziel der
politischen Tätigkeit
und des jahrelangen Kampfes der israelitischen Freiheitsbewegung, der
Nationalen Militärischen Organisation in Palästina (Irgun
Zwai Leumi).
Die N.M.O., der die wohlwollende Einstellung der deutschen Reichsregierung
und ihrer Behörden zu der zionistischen Tätigkeit innerhalb
Deutschlands
und zu den zionistischen Emigrationsplänen gut bekannt ist,
(Anm. man beachte die Beschwörung der nazistisch-zionistischen Kooperation
in den Jahren 1933 bis 1939!, K.P.)
ist der Ansicht, daß
1. eine Interessengemeinschaft zwischen den Belangen einer Neuordnung
Europas nach deutscher Konzeption und den wahrennationalen Aspirationen
des jüdischen Volkes, die von der N.M.O. verkörpert werden,
bestehen
könne,
2. eine Kooperation zwischen dem Neuen Deutschland und einem
erneuerten, völkisch-nationalen Hebräertum
möglich wäre und
3. die Errichtung des historischen Judenstaates auf nationaler und
totalitärer Grundlage, der in einem Vertragsverhältnis mit
dem Deutschen
Reiche stünde, im Interesse der Wahrung und Stärkung der
zukünftigen
deutschen Machtpositionen im Nahen Orient sei.“
Die N.M.O. bot also nicht mehr und nicht weniger an, als die Errichtung
eines faschistischen Judenstaates in Palästina als Bundesgenosse des
deutschen Faschismus.
Ausgehend aus diesen Erwägungen tritt die N.M.O. in
Palästina, unter der
Bedingung einer Anerkennung der oben erwähnten nationalen Aspirationen der
Israelitischen Freiheitsbewegung seitens der Deutschen Reichsregierung, an
dieselbe mit dem Angebote einer aktiven Teilnahme am Kriege an der Seite
Deutschlands heran. Nachdem die Irgun-Zionisten also nun auch vorschlugen,
an der Seite der deutschen Nazis aktiv am Kampf gegen die
Anti-Hitler-Koalition teilzunehmen, präzisierten sie in dem Dokument ihren
Vorschlag noch weiter:
"Dieses Angebot seitens der N.M.O., deren Tätigkeit auf das
militärische,
politische und informative Gebiet, in und nach bestimmtenorganisatorischen
Vorbereitungen auch außerhalb Palästinas, sich erstrecken
könnte, wäre
gebunden an die militärische Ausbildung und Organisierung der
jüdischen
Manneskraft Europas, unter Leitung und Führung der N.M.O., in
militärische
Einheiten und deren Teilnahme an Kampfhandlungen zum Zwecke der Eroberung
Palästinas, falls eine entsprechende Front sich bilden sollte.
Die indirekte Teilnahme der Israelitischen Freiheitsbewegung an der
Neuordnung Europas, schon in ihrem vorbereitenden Stadium, im Zusammenhange
mit einer positiv-radikalen Lösung des europäischen
Judenproblems im Sinne
der erwähnten nationalen Aspirationen des jüdischen Volkes,
würde in den
Augen der gesamten Menschheit die moralischen Grundlagen dieser Neuordnung
ungemein stärken.
Die Kooperation der Israelitischen Freiheitsbewegung wurde auch in der
Linie einer der letzten Reden des deutschen Reichskanzlers liegen, in der
Herr Hitler betonte, daß er jede Kombination und Koalition benutzen werde,
um England zu isolieren und zu schlagen...“ [98]
Dieses schreckliche Dokument bedarf keines weiteren Kommentars. Es sei nur
ergänzt, daß der rüde Antisemitismus und das bereits
angelaufene
Vernichtungswerk an den europäischen Juden die Nazis davon abhielten, auf
dieses Bündnisangebot einzugehen. Die Irgun aber verschrieb sich zwei Jahre
später der Terrortätigkeit gegen britische Einrichtungen im
Nahen Osten und
schwächte damit aktiv den Kampf der Anti-Hitler-Allianz gegen den deutschen
Faschismus, einen Kampf, der auch zur Rettung der europäischen Juden
geführt wurde.
VI
Wann immer ein Zipfel jenes Vorhangs gelüftet wurde, hinter dem die
Geschichte der zionistischen Kooperation mit den Nationalsozialisten
verborgen ist, hatten die Zionisten eine Ausrede zur Hand: Man habe - so
argumentieren die zionistischen Führer - sich nur deshalb mit den Nazis
eingelassen, um das Leben jüdischer Bürger zu retten.
Wenngleich die
vorstehend dargelegten Tatsachen dieses Argument genügend widerlegen, so
sollen dennoch zwei Fragen angeschnitten werden:
Gab es wirklich keinen anderen Weg zur Rettung der europäischen Juden?
War dies das wahre Motiv der Zionisten, als sie ihren Pakt mit dem Teufel
schlossen?
Es steht außer Frage, daß die einzige Möglichkeit, den Mord
an Millionen
Juden zu verhindern (und den Zweiten Weltkrieg zu verhindern, der Millionen
Russen und Polen, Jugoslawen, Holländern, Belgiern und Franzosen das Leben
kostete!) darin bestanden hätte, die Nazi-Diktatur schon zu Beginn ihrer
Herrschaft zu stürzen. Daran aber waren die zionistischen
Führer nicht
interessiert, ihnen ging es ausschließlich darum, die Zahl der
jüdischen
Bevölkerung in Palästina zu erhöhen. Da sie in
anti-assimilatorischen und
rassistischen Auffassungen befangen waren und sind, war für sie die
Nazi-Diktatur kein Unglück, sondern lediglich eine
Bestätigung ihrer
Position. David Ben Gurion formulierte das später so: "Was jahrelange
zionistische Propaganda nicht zustande brachte, hat die Katastrophe über
Nacht bewirkt". [99]
So taten denn die zionistischen Führer nicht nur nichts gegen den
Faschismus, sie sabotierten überdies den antifaschistischen Kampf (so durch
die Verhinderung eines ökonomischen Boykotts mittels des
Ha'avara-Abkommens). Sie sabotierten überdies auch alle Versuche zur
Rettung der deutschen Juden, sofern solche Versuche nicht die Ansiedlung
der Juden in Palästina zum Ziel hatten. Das hervorstechendste Beispiel
liefert die Konferenz von Evian.
Da sich nach 1933 die Mehrzahl der kapitalistischen Länder weigerte,
jüdische Flüchtlinge aus Deutschland aufzunehmen, fand vom
6, bis 15. Juli
1938in dem Schweizer Ort Evian auf Anregung des amerikanischen Präsidenten
Roosevelt eine Weltflüchtlingskonferenz statt, an der 32
Länder teilnahmen.
Diese Konferenz scheiterte schließlich an der Ablehnung der Teilnehmer,
jüdische Flüchtlinge aufzunehmen.
Man hätte nun annehmen müssen, daß die zionistische
Bewegung, die ebenfalls
in Evian vertreten war, versucht hätte, Druck auf die Regierungen zur
Aufhebung der Restriktionen auszuüben. Aber dies geschah nicht. Ganz im
Gegenteil! Die zionistischen Führer legten zu Konferenzbeginn die Forderung
auf den Tisch, man solle 1.2 Millionen Juden in Palästina ansiedeln. An
anderen Lösungen waren sie nicht interessiert, und Christopher Sykes
bemerkte später dazu: "Von Anfang an betrachteten sie das ganz
Unternehmen
mit gleichgültiger Feindseligkeit ... Die Wahrheit ist, daß das,
was in
Evian angestrebt wurde, der Idee des Zionismus in keiner Weise entsprach."
[100]
Wenn also nur ein kleiner Teil der Juden Europas gerettet werden konnte, so
nicht zuletzt auch wegen der ablehnenden Haltung der Zionisten. Man sollte
der Gerechtigkeit halber nicht vergessen, daß diejenigen Juden, die die
nazistische Schreckensherrschaft überlebten, ihre Rettung vor allem den
Soldaten der Anti-Hitler-Allianz verdankten, insbesondere auch den Soldaten
der Sowjetarmee, die unter unbeschreiblichen Opfern die Nazi-Diktatur
zerschlugen.
Die zionistischen Führer, die ihre historische Mitschuld zu verbergen
suchen, bemühen sich, die Geschichte zu fälschen, indem sie
heute
behaupten, niemand habe in den Jahren des europäischen Faschismus den
verfolgten Juden zur Seite gestanden, niemand außer den Zionisten. Robert
Weltsch, der selbst im Jahre 1933 keine eindeutige Haltung gegen die Nazis
bezogen hatte, stellte die These auf, niemand habe in Deutschland für die
Verfolgten Partei genommen. [101]
Das Studium historischer Dokumente aber zeiht Weltsch und die anderen
Zionisten der Unwahrheit. Abgesehen von einer Vielzahl mutiger
individueller Aktionen der Hilfe für die Verfolgten hat beispielsweise die
Kommunistische Partei Deutschlands vom ersten Tage der Nazi-Diktatur an die
antisemitischen Ausschreitungen als integralen Bestandteil des herrschenden
Systems angeprangert. Während die zionistische Arbeiter-Organisation
Haschomer Hazair in Deutschland noch 1932 erklärt hatte, "daß
eine
Beteiligung der chaluzischen Jugend [102] am Kampfe der deutschen
Arbeiterklasse... nicht der Weg unserer politischen Betätigung" ist
[103],
während für den Haschomer Hazair "die Abgrenzung gegen
die Kommunisten von
besonderer Bedeutung" war [104], erklärte die Kommunistische Partei
Deutschlands zum Nazi-Pogrom vom 9. November 1938: "Die deutsche
Arbeiterklasse steht an erster Stelle im Kampf gegen die
Judenverfolgungen... Die Befreiung Deutschlands von der Schande der
Judenpogrome wird zusammenfallen mit der Stunde der Befreiung des deutschen
Volkes von der braunen Tyrannei." [105]
Die deutschen Kommunisten riefen zur Schaffung einer antifaschistischen
Volksfront auf. Die Zionisten aber waren daran nicht interessiert. Auf dem
XIX. Zionistenkongreß in Luzern erklärte Chaim Weizmann1935:
"... die
einzige würdige Antwort auf all das, was den Juden in Deutschland angetan
wird, ist ein großer, schöner und gerechter Bau in Eretz Israel, ein
starker Bau." [106]
[1] Information Bulletin, Communist Party of Israel, 3-4/1969, p. 196.
[2] Information Bulletin, Communist Party of Israel, 3-4/1969, p. 197.
[3] In dem Buch "Das Leben der Juden in Deutschland im Jahre 1933" von
Kurt-Jacob Ball-Kaduri (Frankfurt/Main 1963) werden u.a. folgende
"nicht-veröffentlichte Quellen" genannt, die im Yad-Washem-Archiv
in
Jerusalem aufbewahrt werden: "Beiträge zur Geschichte des
Ha'avara-Transfers" von Dr. Leo David (YWA 01/277); "Verhandlungen mit der
Gestapo in Berlin über Auswanderungen 1936-1938" (YWA
01/130);"Leo Plaut
und der Gestapochef Diels in Berlin in den Jahren 1933/34" (YWA 01/229).
[4] Diese statistischen Angaben sind zusammengestellt nach Esra Bennathan,
"Die demographische und wirtschaftliche Struktur der Juden" in
"Entscheidungsjahr 1932. Zur Judenfrage in der Weimarer Republik"
(Tübingen
1966), Seiten 89 und 95.
[5] Dr. Alfred Wiener, "Juden und Araberin Palästina" (Berlin
1929), S. 36.
[6] Laut Wiener, op. cit. Seite 36.
[7] Zitiert nach Kurt Loewenstein, "Die innerjüdische Reaktion auf die
Krise der deutschen Demokratie" in "Entscheidungsjahr 1932", op. cit.
(Anm.4), Seite 363.
[8] Zitiert nach Dr. Alfred Wiener, "Kritische Reise durch
Palästina"
(Berlin 1927), Seite 8.
[9] Werner E. Mosse, "Der Niedergang der deutschen Republik und die Juden"
in "Entscheidungsjahr 1932",op. cit. (Anm. 4), Seite 38.
[10] Gerhard Holdheim, "Der Zionismus in Deutschland" in SÜDDEUTSCHE
MONATSHEFTE 12/1930, Seite 855.
[11] Alfred Rosenberg, "Die Spur des Juden im Wandel der Zeiten"
(München
1937), Seite 153.
[12] Hannah Arendt, "Eichmann in Jerusalem" (London 1963), p. 53.
[13] CV-ZEITUNG IX, 11. Juli 1930.
[14] Protokoll der Sitzung in Central Zionist Archives in Jerusalem;
zitiert bei Kurt Loewenstein in "Entscheidungsjahr1932", op. cit. (Anm. 4),
Seite 388.
[15] Christopher Sykes, "Crossroads to Israel" (London 1965); deutsche
Ausgabe "Kreuzwege nach Israel" (München 1967), Seite 151.
[16] Zitiert nach Hans Lamm, "Über die innere und
äußere Entwicklung des
deutschen Judentums im Dritten Reich", Inauguraldissertation,
Philosophische Fakultät der Friedrich-Alexander-Universität
Erlangen, 1951,
Seite 161.
[17] Hans Lamm, op. cit. (Zu Joachim Prinz siehe auch Seite 51 im Anhang
dieses Heftes).
[18] Hans Lamm, op. cit. Seite 156.
[19] Zitiert nach "In zwei Welten. Siegfried Moses zum 75. Geburtstag" (Tel
Aviv 1962), Seite 118 ff.
[20] "Äußerung der Zionistischen Vereinigung für
Deutschland zur Stellung
der Juden im neuen deutschen Staat", veröffentlicht in "Zwei
Welten,
Siegfried Moses zum 75. Geburtstag" (Tel Aviv 1962), Seite 118 ff.
[21] ebenda.
[22] ebenda.
[23] Siehe Joseph B. Schechtman, "Fighter and Prophet. The
Vladimir-Jabotinsky-Story" (New York/London 1961), p.194.
[24] Arnold Paucker, "Der jüdische Abwehrkampf gegen Antisemitismus
und
Nationalsozialismus in den letzten Jahren der Weimarer Republik" (Hamburg
1968), Seite 32.
[25] Arnold Paucker, op. cit. Seite 43.
[26] Ball-Kaduri, op. cit. (Anm. 3), Seite 147.
[27] "Reichsgesetzblatt", Teil I, Nr.118/1939, Seite 1097 f.
[28] Winfried Martini, "Hitler und die Juden", in CHRIST UND WELT
(Stuttgart), 16. Juni 1961.
[29] Ball-Kaduri, op. cit. (Anm. 3), Seite 91.
[30] JÜDISCHE RUNDSCHAU, 4. April 1933.
[31] Siehe Werner Feilchenfeld, Dolf Michaelis, Ludwig Pinner,
"Ha'avara-Transfer nach Palästina und Einwanderung deutscher Juden
1933 -
1939" (Tübingen 1973).
[32] Nahum Goldmann, "Staatsmann ohne Staat" (Köln/Berlin 1970),
Seite 197.
[33] Ball-Kaduri, op. cit. (Anm.3), Seite 155.
[34] Dies jedenfalls erklärte der Vorsitzende des Ausschusses
für Fragen
der Außen- und Sicherheitspolitik der israelischen Knesset, Meir Argov, in
einer Parlamentsdebatte über das Wiedergutmachungsabkommen zwischen Israel
und der BRD (Laut Protokoll der Knesset vom 30. Juni 1959). Im übrigen gab
es die Vermutung, die Ermordung Arlosoroffs könne mit dessen Beteiligung an
Verhandlungen in Nazi-Deutschland zusammenhängen. Chaim Arlosoroff wurde am
16. Juni 1933 am Strand von Tel Aviv von "zwei unbekannten Personen"
ermordet. Seine Frau identifizierte als Mörder einen gewissen Abraham
Stavsky, der aktives Mitglied der von Vladimir Jabotinsky geleiteten
Revisionistischen Partei (aus der die Terrororganisation "Irgun" und die
heutige Partei von Menachem Begin hervorging) war. Die palästinensische
Polizei verhaftete die des Mordes Verdächtigen. Stavsky wurde im Juni 1934
zum Tode verurteilt, aber vorn palästinensischen Apellationsgericht wegen
technischer Verfahrensmängel freigesprochen.
Vladimir Jabotinsky hatte unmittelbar nach dem Mord gefordert, "die
Mörder
unter den Arabern zu suchen". Wenige Tage später aber - am 7. Juli
1933 –
klagte David Ben Gurion interessanterweise Jabotinsky der Kollaboration mit
den deutschen Faschisten an - um von der eigenen Kollaboration abzulenken?
Siehe dazu Joseph B. Schechtman, op. cit. (Anm. 23), p. 185, 202, 203.
Albert M. Hyamson ("Palestine under the Mandate", London 1950) bemerkte
übrigens, Arlosoroff sei "wenige Tage nach seiner
Rückkehr aus Deutschland"
ermordet worden.
Zusatz des Herausgebers der KLARTEXTE: Daß Chaim Arlosoroff die
Verhandlungen in Berlin geleitet hat, darf als gesichert gelten; daß er
dieser Verhandlungen wegen von Anhängern der zionistisch-revisionistischen
Partei Jabotinskys ermordet wurde, ist sehr wahrscheinlich. Arlosoroff war
in den ersten Tagen des Monats Mai 1933 in Berlin, ein zweites Mal im Juni
1933. Er kehrte am 14. Juni, zwei Tage vor seiner Ermordung, aus Berlin
zurück. Am 9. Juni 1933 erschien in CHASIT HA'AM, einer Zeitschrift der
extremsten Richtung des Revisionismus in Palästina, ein Artikel unter der
Überschrift: "Der Mapai-Diplomat (Arlosoroff) beabsichtigt, die Front gegen
Hitler zu zerbrechen. Ein Vorschlag Dr. Arlosoroffs, den deutschen Export
zu sichern."(Jabotinsky agitierte fortan für den Wirtschaftsboykott
Deutschlands - wohl aus dem einzigen Grund, weil sein verhaßter
Gegenspieler Ben Gurion gegen den Boykott arbeitete. Noch bis kurz zuvor
waren unzählige revisionistische Artikel erschienen, in denen Hitler und
Nazideutschland zum Vorbild erhoben worden waren.) in dem Artikel in CHASIT
HA'AM heißt es u.a.: "Zur selben Zeit, da sich das ganze
jüdische Volk im
Lande und in der Diaspora in einem Verteidigungskampf für seine Ehre und
seine Existenz gegen Hitlerdeutschland befindet - Boykott auf deutsche
Waren -, kommt der offizielle Vertreter der 'Jewish Agency' und schlägt
nicht nur vor, den Boykott aufzuheben, sondern einen Markt für die
deutschen Waren zusichern, damit nicht etwa, was Gott verhüten
möge, die
Finanzlage Hitlerdeutschlands erschüttert werde. Dieser Schritt von Seiten
des Vertreters der 'Mapai' (der Arbeiterpartei Ben Gurions) in der 'Jewish
Agency' ist ein Messerstich in den Rücken des Volkes und eine Hilfeleistung
für die Hitlerregierung."
Am 15. Juni 1933 erschien im gleichen Blatt ein weiterer, geradezu rabiater
Artikel von I. Pogrebinsky mit dem Titel: "Bund Stalin - Ben Gurion -
Hitler", in dem es heißt: "Wir lesen in dem Schmutzblatt von Lofban
(gemeint ist das Organ der 'Jüdischen Arbeiter Partei' - 'Hapoel Hazair')
ein Gespräch mit Mister Arlosoroff... in diesem Gespräch
sagt dieser rote
Jüngling unter anderem Blödsinn, der für ihn
typisch ist, daß die
Judenfrage in Deutschland nur durch ein Abkommen mit Hitler und seiner
Regierung gelöst werden könne... Herr Dr. Arlosoroff hat
freiwillig und
ohne dazu gezwungen zu sein, angeboten, den Boykott aufzuheben und mit
Hitler, nur um Geldgewinnes willen, zu einem Abkommen zu gelangen... Die
jüdische Öffentlichkeit im Lande und im Ausland wird dem Dreibund
'Stalin -
Ben Gurion - Hitler' mit Verachtung und Abscheu begegnen und denen, die die
Ehre des jüdischen Volkes vor den Augen der ganzen Kulturwelt an die
besessensten aller Antisemiten um Geldes willen verkauft haben, nicht
verzeihen. Das jüdische Volk hat stets Verkäufer der Ehre
des jüdischen
Volkes und seiner Lehre gebührend einzuschätzen
gewußt und wird auch
diesmal auf diese Schandtat, die öffentlich und vor den Augen der ganzen
Welt geschieht, reagieren!" - 30 Stunden nach dem Erscheinen dieses
Artikels wurde Chaim Arlosoroff ermordet. Der Ballistik-Experte F. W. Bird
erklärte 40 Jahre später, er habe 1944, nach der Ermordung
des Britischen
Hochkommissars für den Nahen Osten, Lord Moyne, durch Mitglieder der
revisionistischen Stern-Bande deren Mordwaffe untersucht und festgestellt,
daß sie in sieben vorangegangenen Attentaten benutzt worden war: in zwei
Fällen bei der Ermordung von Arabern, in vier Fällen bei der
Ermordung von
britischen Polizisten, sowie bei der Ermordung von Chaim Arlosoroff.
("Trace 1933 Murder Weapon to Stern Group Death Squad", JEWISH JOURNAL, 10.
August 1973).
Die Ermordung Arlosoroffs ist ein Schlüsselereignis in der
jahrzehntelangen, haßgeladenen Auseinandersetzung zwischen der
zionistischen Linken und der Rechten. Ben Gurion bezeichnete fortan
Jabotinsky als "Vladimir Hitler", während die
Anhänger Jabotinskys, und
später Begins, ihre ohnmächtige Wut nur in versuchten
Aufdeckungen
politischer Schandtaten des übermächtigen Gegners
kühlen konnten. Und so
markiert das Ha'avara-Abkommen mit den Nazis nicht nur die Sternstunde des
Aufschwungs des Zionismus, ihm entstammt auch, eines damit
zusammenhängenden Mordes wegen, der Urkeim des lauernden israelischen
Bürgerkrieges.
[35] Ball-Kaduri, op. cit. (Anm. 3), Seite 155.
[36] ebenda.
[37] Winfried Martini, "Hebräisch unter dem Hakenkreuz" in DIE
WELT
(Hamburg), 10. Januar 1975.
[38] Immerhin wurde in einer Analyse über den deutschen Export, die Ende
Mai 1933 Hitler vorgelegt worden war, festgestellt: "Die Aussichten
für den
Absatz deutscher Waren im Ausland sind überaus schlecht. Die Lage ist nicht
nur politisch, sondern auch wirtschaftlich sehrunbefriedigend." Zitiert in
Kurt Pätzold, "Faschismus, Rassenwahn, Judenverfolgung" (Berlin
1975),
Seite 123.
[39] Zitiert nach "Kennzeichen J" (Herausg. Helmut Eschwege, Berlin 1966),
Seite 132.
[40] Nach Angaben in dem bereits zitierten Buch "Kennzeichen J" betrug die
jährliche Auswanderung von Juden aus Deutschland 1934: ca. 23 000; 1935:
20000; 1937: 23 000 und von Januar 1938 bis September 1939:157 000. Trotz
der zionistischen Bemühungen ging aber nur ein Teil dieser Auswanderer nach
Palästina (1934: 37%; 1935: 36% und 1937: 10.8%).
Feilchenfeld et al. geben in dem bereits zitierten Buch an, es seien 50.000
jüdische Deutsche durch den Ha'avara-Transfer nach Palästina
eingewandert.
Eine andere Quelle nennt für den Zeitraum 1933 bis 1940 eine Gesamtzahl von
70.000 deutschen Emigranten nach Palästina (TAGESSPIEGEL, Berlin, 15.
Februar 1974). Nach zionistischen Angaben stellten die Einwanderer aus
Deutschland in dieser Periode etwa 25% der gesamten jüdischen Einwanderung
nach Palästina. Eine Auswirkung des Ha'avara-Transfers auf die soziale
Schichtung der Einwanderung läßt sich aus einer Tabelle ablesen,
die die
Einwanderer nach ihren Vermögensverhältnissen einordnete.
Danach erhöhte
sich der Anteil von Einwanderern mit einem Besitz von mehr als 1.000
Palästinensischen Pfund von 10,3% aller Einwanderer im Jahre 1933 auf 18,1%
im Jahre 1936, wahrend die Zahl der einwandernden jüdischen Arbeiter im
gleichen Zeitraum von 35.8% auf 17.2% sank. (Siehe Dr. T. Canaan, "Conflict
in the Land of Peace", Jerusalem 1936, p. 41).
[41] Kurt Pätzold, op. cit. (Anm. 38), Seite 190.
[42] Kurt Pätzold, op. cit. Seite 277.
[43] Siehe Feilchenfeld et al.,op. cit. (Anm. 31). - Etwa 60% des Kapitals,
das im Zeitraum vom August 1933 bis September 1939 in Palästina investiert
wurde, lief über das Abkommen mit den Nazis. (David Rosenthal, "Chaim
Arlosoroff. 40 Years later", JEWISH FRONTIER, August 1974, p. 23).
[44] Meyer W. Weisgal and Joel Carmichael (Editors), "Chaim Weizmann. A
Biography by several Hands" (New York1963), p. 232.
[45] Laut Ernst Marcus, "Das deutsche Auswärtige Amt und die
Palästinafrage
in den Jahren 1933-1939", YWA 01/11; zitiert bei Ball-Kaduri, op. cit.
(Anm. 3), Seite 174.
[46] Bericht Döhles vom 22.3.1937 - Der Chef der Auslandsorganisation im
Auswärtigen Amt, Ha'avara, 1938, Serie 72, Judenstaat
Palästina
(Politisches Archiv des Auswärtigen Amtes in Bonn); zitiert in Heinz
Tillmann, "Deutschlands Araberpolitik im Zweiten Weltkrieg" (Berlin 1965),
Seite 63.
[47] Heinz Tillmann, op. cit. Seite 63.
[48] Heinz Tillmann, op. cit. Seite 65.
[49] Aufzeichnung aus dem Büro des Chefs der Auslandsorganisation der NSDAP
vom 5.6. 1937; zitiert bei Tillmann, op. cit. Seite 67.
[50] "Kennzeichen J", op. cit. (Anm.39), Seite 133. 51 "Kennzeichen
J", op.
cit. Seite 133.
[51] Jon und David Kimche, "Des Zornes und des Herzens wegen" (Berlin
1956), Seite 26; (engl.: "The Secret Roads").
[52] Siehe Tillmann, op. cit. (Anm. 46), Seite 69. 53 Heinz Tillmann, op.
cit. Seite 30.
[53] Heinz Tillmann, op. cit; (Anm. 46), Seite 69.
[54] Jon und David Kimche, "Des Zornes und des Herzens wegen" (Berlin
1956), Seite 26; (engl.: "The Secret Roods").
[55] Kimche, op. cit. Seite 28.
[56] Winfried Martini, "Hitler und die Juden" in CHRIST UND WELT
(Stuttgart), 16, Juni 1961.
[57] Die Auswanderung von Juden aus Deutschland wurde 1941 durch eine
Anweisung des SS-Chefs Himmler untersagt; siehe Léon Poliakov und Joseph
Wulff, "Das Dritte Reich und die Juden" (Berlin 1955), Seite 89.
[58] Ball-Kaduri, op. cit. (Anm. 3), Seite 118.
[59] Kurt Blumenfeld, "Erlebte Judenfrage" (Stuttgart 1962).
[60] Winfried Martini in CHRIST UND WELT, 16. Juni 1961.
[61] Alwin Ramme, "Der Sicherheitsdienst der SS" (Berlin 1970), Seite 59.
[62] Winfried Martini in CHRIST UND WELT, 16.Juni 1961.
Zusatz des Herausgebers der KLARTEXTE: Kurt Tuchler, ein leitendes Mitglied
der "Zionistischen Vereinigung für Deutschland", hatte dem NSDAP-
und
SS-Mitglied Baron Leopold Itz Edler von Mildenstein nahegelegt, für eine
einflußreiche Nazi-Zeitung etwas Positives über das
jüdische Palästina zu
schreiben. Von Mildenstein stimmte unter der Bedingung zu, eine längere
Palästinareise unternehmen zu können. Im
Frühjahr 1933 brachen Mildenstein
und Tuchler, zusammen mit ihren Ehefrauen, nach Palästina auf, wo sie
über
ein halbes Jahr zubrachten. Mildenstein kehrte als glühender
Befürworter
des Zionismus nach Berlin zurück. Wenn Kurt Tuchler den SS-Zionisten
Mildenstein im "Judenreferat" aufsuchte, wo große Landkarten
über das
Vordringen des Zionismus im deutschen Judentum aushingen, konnte es
passieren, daß ihn jüdische Folkloremusik aus
Palästina begrüßte. Von
Mildensteins Reisebericht, der einem heute wie ein Urbild allen
diesbezüglich klischierten Reisegedankengutes des deutschen
Nachkriegsjournalismus, von Heigert bis Springer, vorkommt, erschien als
zwölfteilige Serie im Goebbels-Blatt DER ANGRIFF vom 26. September bis 9.
Oktober 1934. Zur Erinnerung an die Reise ließ DER ANGRIFF eine Medaille
prägen, die auf der einen Seite das Hakenkreuz und auf der anderen Seite
den Davidstern trägt... "Eine Kombination von metaphysischer
Absurdität"
würde man sagen, hätte man den flachen Journalistenkopf
eines Winfried
Martini. (Jacob Boas, "A Nazi Travels to Palestine", HISTORY TODAY, London,
January 1980, p. 31.; J. Boas, Ph.D. Thesis, Univ. of California, Riverside
1977, p. 110).
[63] Ungezeichneter Leitartikel "Für Juden ist kein Platz im
Heer" in DAS
SCHWARZE KORPS (Berlin), 15. Mal 1935, Seite 1.
[64] Leopold von Mildensteins Buch, erschien 1941.
[65] Prof. Dr. Franz-Alfred Six, geb. 12. 8.1909, war seit 1930 Mitglied
der NSDAP. 19% trat er mit dem Rang eines SS-Hauptsturmführers als Leiter
der Zentralabteilung Presse und Bibliothek in das SD-Hauptamt ein und
übernahm dann die Leitung der Abteilung II (Inland) im SD-Hauptamt. Six
wurde im April 1948 von einem amerikanischen Militärgericht wegen
Kriegsverbrechen zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt. im Januar 1951 wurde
die Strafe auf 10 Jahre herabgesetzt, und am 30.9.1952 wurde er wieder auf
freien Fuß gesetzt. Die Israelis, stets auf der Jagd nach Nazi-
Kriegsverbrechern, haben sich wohl nicht zufällig nicht für
den Fall Six
interessiert. Wurde er geschont, weil er zuviel über die Zusammenarbeit
zwischen Zionisten und Nazis wußte?
[66] Dieses Dokument befindet sich im Archiv der American Commission for
the Study of War Documents in Alexandria/USA. Die dortigen Dokumente wurden
als Mikrofilm, auch anderen Archiven zugänglich gemacht (genaue
Bezeichnung: Records of the Reich Leader of the SS and Chief of German
Police, Washington 1958); die hier und im folgenden zitierten Dokumente
befinden sich auf RFSS-Filmrolle 411. Alwin Ramme schreibt in seinem Buch
"Der Sicherheitsdienst der SS" auf Seite 21 dazu: "Die Auswertung dieser
Filme wird jedoch infolge ihrer teilweise schlechten Qualität erschwert,
wobei vom Hersteller (Nationalarchiv Washington) - wohl nicht zufällig
–besonders aussagekräftige Dokumente häufig
unleserlich aufgenommen
wurden."
Nach dem Erscheinen des vorliegenden Beitrages im JOURNAL OF PALESTINE
STUDIES wurden die betreffenden Aktenbestände der Bundesrepublik
übergeben.
Sie befinden sich heute im Bundesarchiv in Koblenz.
[67] Nach neueren Informationen lebt Feivel Polkes heute in Haifa. Tuvia
Friedmann, Autor des Buches "ich jagte Eichmann" und Leiter des Instituts
für Dokumentation in Haifa, äußerte in einem Brief
vom 25. Januar 1970, in
Israel kenne man die Dokumente über Polkes 'Besuch in Berlin bereits seit
1947; er habe mit Polkes über diese Vorgänge gesprochen und
Polkes habe
erklärt, alles "beruhe auf
Mißverständnissen". Friedmann schrieb weiter, es
sei nicht möglich, diesen Komplex weiter zu untersuchen, da als Unterlagen
nur Kopien, aber keine Originaldokumente vorlägen.
[68] RFSS-Filmrolle 411.
[69] Zitiert nach Heinz Höhne, "Der Orden unter dem Totenkopf"
(Gütersloh
1967), Seite 309.
[70] Aufzeichnung Hagens, RFSS-Filmrolle 411, Seite 4.
[71] Heinz Höhne, op. cit. Seite 310.
[72] Aufzeichnung Six in RFSS-Filmrolle 411.
[73] Ebenda.
[74] Simon Wiesenthal, "Großmufti -Großagent der Achse"
(Salzburg/Wien
1947), Seite 12.
[75] Léon Poliakov, "Bréviaire de la Haine" (Paris
1951).
[76] Gerald Reitlinger, "The FinalSolution" (London 1953).
[77] Quentin Reynolds, "Minister of Death" (New York 1960), p. 77-78.
[78] Comer Clarke, "Eichmann. The Man and his Crimes" (New York 1960), p.
35-37.
[79] So legte die Anklagevertretung im Eichmann-Prozeß ein Dokument vor,
das angeblich von Hadj Amin al-Husseini verfaßt worden sein sollte, und in
dem Eichmann als "ein Juwel für dieAraber" bezeichnet wurde.
Dieses
"Beweisstück" war so primitiv gefälscht,
daß selbst die FRANKFURTER
ALLGEMEINE am 28. Juni 1961 feststellte: "Der Wert des betreffenden
Dokuments ist allerdings fragwürdig."
Hannah Arendt schreibt in ihrem Buch "Eichmann in Jerusalem"
(München
1961), Ben Gurion habe als eines der Motive für den Prozeß geltend
gemacht,
daß es auf diese Weise gelingen werde, "andere Nazis aus ihren Verstecken
zu holen und z.B. die Beziehung der Nazis zu einigen arabischen Herrschern
bloßzustellen" (Seite 34). Hannah Arendt kommt zu der
Schlußfolgerung, der
Prozeß habe vielmehr enthüllt, daß alle
Gerüchte über Eichmanns Verbindung
zu Hadj Amin al-Husseini der Grundlage entbehrten (Seite 37).
[80] NEUE ZÜRCHER ZEITUNG (Zürich), 12. Juli 1961.
[81] RFSS-Filmrolle 411.
[82] Wie Gerald Reitlinger behauptet (siehe "Die Endlösung", Berlin
1956,
Seite 29).
[83] Eine königliche Kommission unter Lord Peel untersuchte 1937, nach dem
Ausbruch des arabischen Aufstandes, die Lage in Palästina und diskutierte
einen ersten Plan zur Teilung Palästinas in einen jüdischen
und einen
arabischen Staat.
[84] Heinz Höhne, op. cit. (Anm. 69), Seite319.
[85] Jon und David Kimche, op. cit. (Anm. 54), Seite 13.
[86] Ebenda, Seite 14.
[87] Der israelische Historiker David Yisraeli schreibt: "Mr. P. Ginzburg
vom Kibbutz Ramat ha-Kovesh, einstiger Emissär von Histadrut, Hakibbutz
Hameuchad und 'Mossad le-Alijah' hat mir gesagt, daß ihm bis 1939 die
Gestapo half, die Alijah B (jüdische Einwanderung ohne Zertifikate der
Mandatsbehörden) aus Deutschland zu organisieren, (Dies war offiziell als
Sonderhachschara oder 'Spezialtraining' bekannt). So sollten am 15.
September 1939 drei Schiffe mit 5000 Juden den Hafen Emden mit Hilfe der
Gestapo verlassen, aber dies unterblieb wegen des Kriegsausbruchs. Es
sollte vermerkt werden, daß die offiziellen zionistischen Institutionen
gegenüber der Alijah B eine laue, wenn nicht feindselige Haltung einnahmen.
Mr. Ginzburg sagte mir, daß er wahrend seiner Aktivitäten
für die Alijah B
seitens offizieller zionistischer Vertreter auf eine reservierte Haltung
traf."(David Yisraeli "The Third Reich and Palestine" in MIDDLE EASTERN
STUDIES, Vol. 7, No, 3, Oct. 1971, p, 341). Letztere Bemerkungen sind
sicherlich eine nachträgliche Schönfärbung:
"offiziellere" zionistische
Institutionen als diejenigen, die Ginzburg entsandten, gibt es kaum.
[88] Jon und David Kimche, op. cit. (Anm. 54), Seite 16; auch dieses
Treffen spielte übrigens beim Eichmann-Prozeß keine Rolle.
[89] Ebenda, Seite 17.
[90] Ebenda, Seite 14.
[91] Hannah Arendt, "Eichmann in Jerusalem- Ein Bericht von der
Banalität
des Bösen" (München 1964), Seite 91.
[92] Elis Lubrany, "Hitler in Jerusalem" in DIE WELTBÜHNE (Berlin), 31.
Mai
1932, Seite 835 f.
[93] Der italienische Diktator Mussolini hatte die Revisionisten zeitweise
unterstützt und ihnen gestattet, in Italien eine Schule zur Ausbildung von
Marinesoldaten einzurichten. 1932 hatte Jabotinsky den Vorschlag gemacht,
das Mandat über Palästina solle Italien
übertragen werden, Mussolini werde
eher als Großbritannien bereit sein, einen Judenstaat zu fördern.
[94] Joseph B. Schechtmann, op. cit. (Anm. 23), p. 215. Der Artikel in
DAVAR erschien unter dem symbolträchtigen Titel "J'accuse!"
[95] Ebenda, p. 214.
[96] Ebenda, p. 216.
[97] Ebenda, p. 217.
[98] Der vollständige deutsche Originalwortlaut des Dokuments ist
abgedruckt in: David Yisraeli, "Das Deutsche 'Reich' und Eretz Israel. Das
Problem von Eretz Israel in der deutschen Politik in den Jahren 1889-1945",
Bar Ilan Universität (Ramat Gan 19Th), Anhang 11; vergl. die Reproduktion
in diesem Heft auf Seite 54.
In Israel ist die Veröffentlichung dieses Dokuments in der Arbeit von David
Yisraeli und im vorliegenden Beitrag im JOURNAL OF PALESTINE STUDIES (1976)
zunächst auf Stillschweigen gestoßen. Schließlich kam der
Vorsitzende der
israelischen Liga für Menschen- und Bürgerrechte, Prof.
Israel Shahak, in
einem Artikel für die Zeitung ZUHADERECH (vom 2. September 1981) darauf
zurück und verwies darauf, daß das hier geschilderte
Kooperationsangebot
auch in hebräischen Massenmedien - allerdings nur kurz -
erwähnt worden
sei. So war es in DAVAR (vom 22. Juni 1979) beiläufig
angeführt worden. Der
verspätete Hinweis auf dieses Dokument in oppositionellen Medien in Israel
ergab sich aus der früheren Zugehörigkeit des israelischen
Außenministers
Jitzhak Schamir zu der zionistischen Organisation LEHI (Lohamei Herut
Israel, Kämpfer für die Freiheit Israels). Prof. Shahak wies
darauf hin,
daß das N.M.O.-Memorandum von der LEHI stammte. LEHI war eine Abspaltung
von der nach 1942 von Menachem Begin geleiteten Irgun Zwai Leumi. Unter
Führung von Abraham ("Jair", d.h."Lichtbringer") Stern
hatten sich die
LEHI-Leute zu Beginn des zweiten Weltkrieges von der Irgun getrennt. LEHI
-auch unter dem Namen"Stern-Gang" bekannt - benutzte jedoch auch weiterhin
die hebräische Abkürzung der Irgun (IZEL) und entsprechend
die übersetzte
Abkürzung N.M.O. Prof. Shahak schreibt in seinem Artikel, LEHI sei bei
Abwesenheit Sterns (sowie nach dessen Tod) von einem Triumvirat geleitet
worden, nämlich von Jitzhak Schamir (als Verantwortlicher
für Organisation
und terroristische Aktionen), Nathan Yellin-Mor und Dr. Israel Scheib
(Eldad).
Angesichts der Verstrickung des gegenwärtigen israelischen
Außenministers
Schamir in die versuchte Kooperation mit den Nazis, provozierte seine
Beschuldigung, drei israelische Persönlichkeiten hatten durch ein Treffen
mit dem PLO-Vorsitzenden Arafat "Landesverrat" begangen, erneut israelische
Veröffentlichungen über das hier zitierte Dokument von 1941.
HA'ARETZ
veröffentlichte (am 31. Januar 1983) erstmals die wesentlichen Passagen im
Wortlaut in Hebräisch, dazu auch den Begleitbrief des damaligen deutschen
Botschafters in Ankara, Franz von Papen, an das Reichsaußenministerium in
Berlin (datiert vom 21. Januar 1941).
Aus einem weiteren Artikel in HA'ARETZ (vom 3. Februar 1983) geht hervor,
daß Stern Ende 1940 einen Vertrauten, Naftali Lubenczik, zu einem Treffen
mit dem zeitweiligen Leiter des Referats Pol. VII (Türkei, Nahost, Indien)
im NS-Außenministerium, von Hentig, entsandt hatte, der sich auf einer
Informationsreise in Beirut aufhielt. HA'ARETZ zitierte aus dem Protokoll
der Unterredung einige Stellen, die sich fast wörtlich mit den
Formulierungen im Ankara-Dokument decken. HA'ARETZ berichtete sodann, was
der LEHI-Emissär Lubenczik später in einem britischen
Militärgefängnis
seinem Mithäftling Mosche Svorai über die Reaktion von
Hentigs in Beirut
mitgeteilt hatte: Es sei äußerst zweifelhaft, ob die deutsche
Regierung mit
einer jüdischen Gruppe zusammenarbeiten würde.
Ungeachtet dieser ablehnenden Haltung sei ein Mitglied des
LEHI-Triumvirats, Nathan Yellin-Mor, via Syrien und Türkei zu einer Mission
in den von den Deutschen besetzten Balkan entsandt worden. Laut HA'ARETZ
sei sein Auftrag die Stimulierung illegaler jüdischer Auswanderung nach
Palästina gewesen. Diese hätte laut LEHI-Argumentation auch
in deutschem
Interesse gelegen, schon deshalb, weil auf diese Weise starke Kräfte der
britischen Marine durch die Notwendigkeit der Aufbringung illegaler
Flüchtlingsschiffe von einem effektiven Kriegseinsatz abgehalten wurden.
Yellin-Mor wurde jedoch unterwegs verhaftet, an die Engländer ausgeliefert
und in Palästina ins Gefängnis gesteckt.
Die LEHI-Mitglieder (die übrigens nach der Gründung des
Staates Israel den
Weg zurück zu der aus der Irgun hervorgegangenen Herut-Partei Menachem
Begins fanden, und jetzt - wie Außenminister Schamir - zum Establishment
des regierenden Likud-Blocks gehören) rechtfertigen heute die Kontakte zu
Nazi-Deutschtand damit, daß das Ausmaß der Judenvernichtung erst Ende 1942
bekannt geworden sei. Nach diesem Zeitpunkt habe man keine Angebote mehr
gemacht. Ausschlaggebend für das Ende der Kontakte durfte jedoch eher sein,
daß die Nazis kein Interesse an den LEHI-Offerten zeigten, und daß zum
anderen die LEHI-Aktivitäten mit der Erschießung Abraham Sterns
durch die
britische Polizei (Anfang 1942) vorläufig zum Erliegen kamen,
während die
Irgun vorübergehend mit den Engländern kooperierte.
[99] David Ben Gurion, "Rebirth and Destiny of Israel" (New York 1954), p.
41.
[100] Christopher Sykes, "Crossroads to Israel"(London 1965).
[101] Siehe Kurt Pätzold, op. cit. (Anm. 38),Seite 77.
[102] "Chaluzisch" steht hier für
zionistisch-auswanderungswillig.
[103] JÜDISCHE RUNDSCHAU, 30. August 1932.
[104] Ball-Kaduri, op. cit. (Anm. 3), Seite 396.
[105] Zitiert nach "Kennzeichen J", op. cit. (Anm. 39), Seite 105.
[106] Chaim Weizmann, "Reden und Aufsätze“, (Berlin 1937),
Seite 259.
http://www.aldeilis.net/german/index2.php?option=content&do_pdf=1&id4
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