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Ist die Mittelschicht fit für den sozialen Abstieg?

Von: Manuel Rodriguez (aa5@gmx.net) [Profil]
Datum: 06.11.2009 19:06
Message-ID: <723d1f3c-f3fb-4173-aadf-090bee562466@n35g2000yqm.googlegroups.com>
Newsgroup: de.soc.politik.misc
Eigentlich gehört dieses Posting in eine Sozioligie-Group. Da bei
de.soc.sizioligie aber nix los ist poste ich das mal hier. Warnung
vorweg: soziologische Texte sind generell links.

Los gehts: Man möchte meinen, dass ein Manager zur Not auch den Job
eines seiner Lagerarbeiter machen könnte -- umgekehrt hingegen nicht.
Aber ist das Dasein eines Arbeitslisen wirklich um so vieles leichter
wie der eines Angestellten. Diese Frage kann pauschal gar nicht
beantwortet werden, die Mittelschicht drückt sich um eine Antwort. Um
wirklich mal alles auszuprobieren müsste eigentlich die Muttelschicht
sich für ein Jahr mal freiwillig arbeitslos melden. Nur um zu wissen,
dass sie das auf keinen Fall will. Sie tut ee aber nicht.
Arveitslosigkeit auf Probe scheint den meisten unbekannt zu sein. Umso
schlimmer, wenn dann doch der Ernstfall droht.
Rein rational ist das Leben als Harzer um so vieles angenehmer:
geringe Wochenarbeitszeit, Samstags immer frei, Freier Eintritt ins
Kino und kostenlose ICE-Fahrten bis zur Nordsee. Doch ganz praktisch
scheut die Mittelschicht diese Erfahrung. Das hat die Mittelschicht in
ihrer mittelmäßigen Ausbildung und ihrer Berufserfahrung einfach nicht
gelernt (wie es ist ein Assi zu sein).
Alles was die Mittelschicht kann ist bei drohender Kündigung noch
härter zu arbeiten um ja nicht abzurutschen. Es scheint so als wenn
Gymnasien und Studium einen Haufen von unselbstständigen Idioten
herangezüchtet haben die ihre Berufe als psychische Stütze
mißbrauchen. Aus Angst einmal ganz alleine einen Gedanken zu fassen,
aus Angst 6 Monate am Stück nur Freizeit zu haben.
Klar, die Mittelschicht verdient gutes Geld: so 4000 EUR
monatlich. Der Preis dafür ist jedoch die Entfremdung von geistiger
Anstrengung. All die Lehrer, Steuerfachangestellten, Filialleiter und
Ärzte haben ihre Freiheit zugunsten einer beruflichen Spezialisierung
aufgegeben; unfähig im neutralen Niemandsland der Arbeitsagentur eine
Nische zu finden.
Und genau deshalb wünsche ich mir die Wirtschaftskrise herbei: ich
will zusehen wenn die Mittelschicht in den finanziellen Kollaps
geführt wird und daran zerbricht.

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