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Re: Verdeckte Armut in Ostdeutschland

Von: Manuel Rodriguez (aa5@gmx.net) [Profil]
Datum: 03.11.2009 08:45
Message-ID: <e9fa93b7-7c75-4300-863b-b5aa92ddab26@n35g2000yqm.googlegroups.com>
Newsgroup: de.soc.politik.misc
On 2 Nov., 00:51, Uwe Borchert <uwe.borch...@gmx.de> wrote:
> Hallo,
>
> Manuel Rodriguez schrieb:
>
> > On 1 Nov., 12:04, Uwe Borchert <uwe.borch...@gmx.de> wrote:
> >> Ansonsten ein kleiner Tipp: Die offiziellen Zahlen der BA
> >> und von Destatis sind massiv gehybscht und unbrauchbar bzgl.
> >> ernsthafter soziologischer Aussagen. Es sind rein politische
> >> Zahlen um den dumpfen Pöbel ruhig zu halten.
>
> ...[...]...
>
> > Ich denke nicht, dass die Arbeitsagentur irgendwelche Zahlen schönt.
> > Gleich auf der Startseite steht: 4 Mio Bewerber, 400000 offene
>
>                        
           ^^
^^^^^^^^^^^^
> Ach? Komisch, es gibt aber 1,3 Mio Bezieher von ALG-I, dazu
> kommen noch erwerbsfähige 5 Mio. ALG-II-Bezieher in 3,6 Mio.
> Beadrfgemeinschaften. Das sind 6,3 Mio. Bezieher von
> Lohnersatzleistungen. Allerdings sind davon rund 1,3 Mio.
> Erwerbstätige (incl. 700 Tsd geringfügig Erwerbstätigen).
> Das sind also 5 Mio. Erwerbslose Bezieher. Wenn man die
> geringfügig Erwerbstätigen auch als mehrzeitlich arbeitslos
> zählt hat man schpn 5,7 Mio. erwerbslose Bezieher von Stütze.
> Dazu kommen die Gemeldeten ohne Bezüge, das sind irgendwas
> um eine halbe Mio. Damit sind in den Datenbanken der BA weit
> mehr als 6 Mio Erwerbslose registriert.
>
> Diese Zahlen kann man in den Monatsberichten finden ... so
> man den nur richtig durchliest. Dazu kommt noch die sgg.
> ,,stille Reserve'' von mindestens 1,3 Mio ... und Du hast
> garantierte 8 Mio Arbeitslose in D.
>
> > Stellen, d.h. auf jeden Stelle kommen 10 Bewerber. Außerdem ist im
> > Jahresbericht die Zahl der Neuzugänge in Arbeitslosigkeit mit 8 Mio
> > korrekt beziffert, aber auch die Abgänge ebenfalls mit 8 Mio. Sogar
> > die Anzahl in Maßnahmen (1 Mio) und auch die Kurzarbeiter (1 Mio) ist
> > in den offiziellen Statistiken enthalten.
>
> Zugänge und Abgänge ... jaja. Da sind auch einige Bezieher
> einfach so in Nichterwerbstätigkeit verschwunden. So wurden
> alle Teilnehmer an Maßnahmen erst mal abgemeldet. Danach
> wurden sie aber wieder angemeldet, gelten dann aber ein Jahr
> nicht als Langzeitarbeitslose. Der entlastende Effekt liegt
> so bei weit über 1 Mio. Langzeitarbeitslose. Ferner sind von
> 2005 bis 2007 etwa 3,3 Mio. Abgänge nicht in Erwerbstätigkeit
> gewesen. Da sind einige rausgeekelt worden.
>
> MfG
>
> Uwe Borchert


Könnten wir uns vielleicht darauf einigen, dass 37 Mio Leute
erwerbstätig sind, und die reale Arbeitslosenquote doppelt so hoch ist
wie die veröffentlichte von 10%?
Die Politik löst dieses Problem mit Scheinbeschäftigung. Im
Bereich Arbeitsvermittlung, Bewerbertrainng, Weiterbildung gibt es
sehr viele Jobs die ihr Geld mit Arbeitslosen verdienen. Genauso wie
es Schülernachhilfe, Astroberatung oder Motivationstraining gibt. Das
beste sind jedoch psychologische Coachings für Arbeitslose mit Burnout-
Syndrom. Es gibt einen riesigen Markt für das Geschäft mit der Armut.
Ein Merkmal des Kapitalismus ist offenbar das Schaffen künstlicher
Bedürfnisse. Und so wird selbst Arbeitslisigkeit in den Geldkreislauf
integriert. Für die betroffenen ergibt sich ein Konflikt: sie wollen
sich in eine Gesellschaftsform integrieren, die nichts vorzuweisen
hat. Alles was die BRD anzubieten hätte ist doch Geld.
Lenin würde jetzt fragen: Was tun? Nun ja, Spiegel Online hat
gestern einen Artikel rausgebracht, wonach durch Bewerbertrainings die
Chance auf dem Arbeitsmarkt verringert wird. Dadurch trägt es zur
Verfestigung der Armut bei. Klingt irgendwie sehr positiv; so ein
bischen subversiv. Motto: "Wir investieren ganz viel Geld, strengen
uns ganz doll an um danach komplett inkompatibel zum 1. Arbeitsmarkt
zu werden". Es scheint so, als ob die Parallgesellschaft der
Langschläfer/Armen/Outlaws erst durch Fleiß entstehen konnte. Es
erfordert eine Menge an Aufwand um Menschen für einen Lebenszeitstatus
als Prekariat zu trainieren.
Je mehr durch politische Kraftanstrenung das Armutsproblem gelösst
werden soll, desto krasser wird es. Es sei denn man bezieht die
Überwindung des Kapitalismus' mit in seine Überlegungen mit ein. Blosd
dumm, dass wir die DDR 2.0 schon längst haben. Die hälfte vom BIP ist
staatlich gelenkt, und die Geschichtsauffassung an den Schulen folgt
dem historischen Materialismus. Die geltende Gesellschaftsordnung
würde ich daher als demokratischen Sozialismus bezeichnen. Zumindest
in Europa, die USA sind da etwas konservativer.

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