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Nazis, ab in den sozialen Verachtungstod

Von: Martin Blumentritt (m.blumentritt@cl-hh.comlink.de) [Profil]
Datum: 07.11.2009 01:00
Message-ID: <BCQhjoUwl4B.m.blumentritt@comlink.de>
Newsgroup: de.soc.politik.misc
Der Autor dieses Postings wünscht keine Archivierung. Es wird am 07.12. aus dem Archiv entfernt.
Nr. 7
"Wenn die Neuankömmlinge an den Lagern vorübermarschiereen, bemühten
sie sich, die Häftlinge zu fragen:

»Wo sind wir?«

Und viele wußten schon, wenn sie den Namen »Auschwitz« hören, was
sie erwartete ...

Sobald die Menschen in den Lastautos oder zu Fuß am Krematorium
anlangten, wurden sie in zwei Gruppen geteilt, die Männer gesondert
und die Frauen mit den Kindern gesondert, und jede Gruppe wurde in
ein anderes Krematorium geführt.

Im Krematorium kamen sie zuerst in den »Auskleideraum des Todes«.
Dort wurden sie aufgefordert, sich auszuziehen, ihre Kleidung
ordentlich hinzulegen, die Schuhe zusammenzubinden und sich die
Nummer des Kleiderhakens genau zu merken, »um nach dem Bad und der
Desinfektion alles leicht wiederzufinden«.

Dann befahl man ihnen, in den Baderaum zu gehen, das heißt in die
Gaskammer. Hinter ihnen wurde nun die Tür dicht verschlossen, und
statt das Wasser fließen zu lassen, wurden die Zyklonkristalle von
oben in die Luftschächte hineingeschüttet.

Die Todesqual dauert kürzere oder längere Zeit, je nachdem, wie
viele Menschen sich in der Kammer befanden und wie stark die Dosis
des Gases war. Manchmal dauert es zwanzig, längstens dreißig
Minuten; doch kam es vor, daß sich die Opfer wegen Mangels an Gas
auch mehrere Stunden quälen mußten.

Die SS-Männer, die die Krematorien bedienten und zur Ermutigung eine
gehörige Portion Alkohol bekamen, beobachteten durch die verglasten
Fensterchen, wie die Menschen starben ...

Die Unglücklichen wurden sich manchmal bewußt, daß sich etwas
Furchtbares vorbereitete, denn im gleichen Maße, wie der Vorgang des
Entkleidens fortschritt und das Hineintreiben in die Gaskammern
begann, fiel die Maske des Anstands und der Höflichkeit der
SS-Wachen, die sich anfangs verstellt hatten und mit den Menschen
relativ höflich umgegangen waren.

Sobald die SS-Leute die nackten Opfer hilflos vor sich hatten,
zeigten sie sich in ihrer ganzen Bestialität. Sie schlugen sie,
beleidigten sie und schändeten sie. Vor allem die letzten kleinen
Gruppen, die sich mit Mühe gerade noch in die vollgestopfte Kammer
hineinzwängen konnten, mißhandelten sie ohne jede Rücksicht.

Der Kommandant des Krematoriums, Moll, bediente sich besonders
gemeiner Methoden: er jagte die Menschen mit Pistolenschüssen in die
Kammern.

Wenn die SS-Leute durch das Fensterchen den Tod der Opfer
festgestellt hatten, schalteten sie die Entlüftungsanlage ein, durch
die die vergiftete Luft aus den Kammern abgesaugt wurde.

Dann öffneten sie die Kammer.

Diese bot einen erschütternden Anblick: dicht aneinandergedrängt
standen die erstarrten Körper aufrecht da, in verzweiflungsvollen
Verrenkungen, mit bläulichen Flecken auf der Brust, viele zerfleischt
und blutüberströmt.

Es kam vor, daß in der Kammer eine tote Mutter mit einem noch
lebenden Kind gefunden wurde, das so fest an ihre Brust gepreßt war,
daß es nicht genug Gas hatte einatmen können. Sie erschossen es und
warfen es zu den anderen Leichen.

Bestand der Transport aus weniger als 100 Personen, so daß sich ihr
Vergasen nicht »gelohnt« haben würde, erschoß man die Menschen,
nachdem sie sich entkleidet hatten, gruppenweise im Hinrichtungsraum.

Der Schützenvirtuose Moll pflegte die Menschen zu fünft aufzustellen
und bemühte sich, sie mit einer Kugel niederzuschießen, »um Munition
zu sparen«.

Die Leichen wurden aus den Kammern gezerrt und in den Aufzug
verladen, der sie auf besonderen, mit dem Ofen angepaßten Blechrinnen
versehenen Loren in die Verbrennungskammern beförderte.

Aus den Kaminen quoll tagsüber dichter schwarzer Rauch, dessen
widerlicher Gestank sich über die ganze Umgebung ausbreitete, und
nachts loderten aus ihnen mehrere Meter hohe Flammen, die noch in
großer Entfernung sichtbar waren.

Wie konnte das Leben der Häftlinge sein, die hier lebten und diesen
Rauch und diese Flammen ständig sahen?

Diese Flammen waren die eigentliche Ursache der allgemeinen
Niedergeschlagenheit und Hoffnungslosigkeit der Häftlinge, ein
Zustand, der durch die sonstigen Bedingungen noch verschlimmert
wurde.

Die SS und die Häftlingsvorgesetzten drohten den Lagerinsassen mit
dem Kamin ja auch oft genug.

Gab es keine Transporte, so reparierte und reinigte das
Sonderkommando die Öfen und Gaskammern, brachte das Gelände in
Ordnung und beseitigte die Asche.

Die Überreste der verbrannten Knochen wurden zerstampft, und mit der
Menschenasche füllte man die Gruben in der Umgebung des Krematoriums
aus.

Später wurde die Asche in die Weichsel geschafft."(Ota Kraus / Erich
Kulka, Todesfabrik Auschwitz, S. 188ff)

Zur Begründung der Postings siehe den wöchentlich versandten Text mit
dem Betreff: Nazis, ab in den sozialen Verachtungstod!!!
http://www.martinblumentritt.de

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