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Auf dem Selbstfindungstrip

Von: ANDREAS GUMTOW (test@test.de) [Profil]
Datum: 02.11.2009 21:28
Message-ID: <1cahas87ws2ax.v82aodemcwh6$.dlg@40tude.net>
Newsgroup: de.soc.politik.misc

Auf dem Selbstfindungstrip

Die Lektüre der Wochenzeitung âJunge Freiheitâ wird
sicherlich nie
vergnügungssteuerpflichtig sein. Begibt man sich in die Welt von
Chefredakteur Dieter Stein und Co., erscheint nichts mehr, wie es ist.
Umzingelt von Islamisten, Nihilisten und 68ern fristen die âbesonders
Verantwortungsvollenâ ein geradezu bemitleidenswertes Schattendasein. Eine
Fackel im dunklen 21. Jahrhundert trauen sich in dieser Welt nur einige
ganz Mutige zu zünden, um den Aufrechten etwas Licht, Orientierung und
Zuversicht zu spenden.

Von Robert von Seeve

Diese Persönlichkeiten werden in der JF besonders gerne gefeiert, wenn es
sich um âgewendeteâ 68er handelt â oder um bewundernswerte
Kämpfernaturen,
die sich gegen das angebliche linke Meinungsdiktat durchsetzen konnten â
wie beispielsweise der neue Ministerpräsident Mappus aus
Baden-Württemberg,
wo es â o temora, o mores! â sogar schon grüne
Bürgermeister gibt.

Mappus beerbe den âGroÃstadt-Liberalenâ Oettinger und sei eine
âIntegrationsfigur der ländlich-konservativen Basisâ,
spielt die JF sofort
die antistädtische Karte â und lobt, Mappus schimpfe
über âHomo-Paraden und
Homo-Adoption, hält Ehe und Familie gegen die Krippenpläne
der Frau von der
Leyen hoch, ist für Leitkultur und Zuwanderungsbegrenzungâ. Mappus
gilt der
JF zufolge als Anwärter für den nach âden
groÃen Merkelschen Säuberungen
verwaisten Posten des konservativen Hoffnungsträgersâ. Der Begriff
âSäuberungâ im Zusammenhang mit den
Flügelkämpfen in einer demokratischen
Partei zeigt, unter welchem immensen Verfolgungsdruck sich diese Leute
wähnen.

Vermeintlicher Tabubrecher

Ein anderer Hoffnungsträger und vermeintlicher Tabubrecher, der unter dem
gefühlten PC-Terror der 68er und realitätsfernen Gutmenschen
zu leiden hat,
ist für die JF â wenig überraschend â
Bundesbankvorstandsmitglied Thilo
Sarrazin. Wie mutig muss man allerdings tatsächlich sein, um gegen Arme und
Migranten zu hetzen? Vor allem wenn man dabei auch noch von Medien wie der
BILD, FAZ und Welt Schützenhilfe erhält, von den
Leserbriefschreibern im
First und Second Life ganz zu schweigen? Wahrscheinlich ist es ähnlich
waghalsig, wie das Existenzrechts Israels in der âjungen Weltâ in Frage zu
stellen, sich beim Geschäftsdinner als Steuertrickser zu outen oder einen
krachenden Polen-Witz in einer âComedyâ-Sendung im Privatfernsehen zu
erzählen.

Ein weiterer Held der JF ist Peter Scholl-Latour, der als eine Art
kulturalistischer Frontberichterstatter aufgeboten wird. In der Ausgabe vom
30. Oktober 2009 verkündet Scholl-Latour, die âweiÃe
Vorherrschaftâ in der
Welt gehe zu Ende. Dabei wird die Rolle von US-Präsident Obama betont,
durch dessen Wahl das Ende des weiÃen Amerika verdeutlicht werde. Ãhnliche
Ausführungen hatte es schon vor mehreren Monaten vom NPD-Strategen Gansel
gegeben, der das Ende des von weiÃen Auswanderern getragenen Amerikas
beklagte.

Lesetipp: Der Sieg des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Barack
Obama bei den US-Wahlen hat bei deutschen Rechtsextremisten sehr
unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. Die müssen
für sich nämlich eine
Grundsatzfrage klären: Was hassen wir eigentlich mehr? Die USA oder den
âNegerâ? Oder beides? klick

Jammern und Anklagen

Die JF präsentiert sich indes fast monothematisch, erinnert in der
Themenbegrenzung an subkulturelle Fanzines, welche allerdings nicht den
Anspruch vor sich hertragen, eine ernstzunehmende Wochenzeitung zu sein.
Fast alle JF-Artikel drehen sich darum, dass das europäische Abendland
zunehmend vor die Hunde gehe â wegen der
âLebenslügeâ der Gutmenschen, die
Masseneinwanderung und Werteverfall verursacht. Die Ãberlegenheit der
konservativen Ideen wird indes vom Pöbel nicht verstanden und von
âden
Linkenâ mit unlauteren Mitteln bekämpft. Gleichzeitig
schieÃt man selbst
immer wieder gegen einzelne Personen, wie beispielsweise Juso-Chefin
Drohse, die sich erdreistet hatte, auf die strukturellen Unterschiede
zwischen linksextremer und rechtsextremer Gewalt hinzuweisen; oder eine
Lokaljournalistin, die es gewagt hatte, das Interview der Waiblinger
CDU-Stadträtin und Vorsitzende des Stadtverbands, Susanne Gruber, mit der
Jungen Freiheit und der rassistischen Internet-Plattform âPIâ zu
thematisieren.

Solche Artikel in Regionalblättern reichen der JF und ihren Lesern dann als
Beweis für den vermeintlichen linken Meinungsterror und
âKampagnenâ, unter
denen sie in Deutschland zu leiden haben. Während einige der mutigen
JF-Helden sich in namhaften Medien äuÃern, wird solche Kritik an
rechten
Positionen zum Zensurversuch deklariert, eigene Kampagnen verkauft man als
mutigen Akt der Selbstverteidigung. Anstrengend.

âVernichtung des Westensâ

In der erwähnten JF-Ausgabe kommt zudem ein finnischer Professor zu Wort,
der den Lesern noch einmal das Fürchten lehren soll. Schlagworte sind hier
Masseneinwanderung, Identität und âVernichtungâ. Dem Ganzen
soll dann noch
ein subversiver Anstrich verpasst werden, indem die JF behauptet: âIn
Europa gibt es kaum Einwanderungskritiker aus dem etablierten Milieu. Timo
Vihavainen ist eine Ausnahme.â Einmal mehr ignoriert die JF, dass sie ihre
eigene Zeitung mit Artikeln über Sarrazin, Koch, Müller,
Rüttgers, Giordano
oder auch Broder zupflastert, so bald sich diese einmal über
Türken,
Rumänen, Inder oder eine andere Minderheit nach Wahl im Sinne der JF
geäuÃert haben.

Das Interview zur âVernichtung des Westensâ findet der SPD-Politiker und
Endstation-Rechts-Macher Matthias Brodkorb âspannendâ, die Junge Freiheit
bezeichnet er als âchristlich geprägte konservativeâ
Zeitung. Diese
angeblich konservative Zeitung bezeichnet wiederum die rassistische
Hetzseite Politically Incorrect (PI) verniedlichend als âislamkritischâ,
die Zeitschrift âNation & Europaâ als ârechtsâ.
âNation & Europaâ gehört
jedoch zu den wichtigsten Strategie-Heften der rechtsextremen Bewegung, als
Autoren sind zahlreiche NPD-Funktionäre aufgetreten. Welche Wirkung es hat,
wenn die JF schlicht als konservativ geadelt wird und rechtsextreme sowie
rassistische Medien in dieser angeblich strikt konservativen JF als rechts
bezeichnet werden, liegt auf der Hand: Die JF-Kategorisierung gewinnt an
Gewicht, âNation & Europaâ kann sich als moderates Heftchen
präsentieren.

Lesetipp: Inauguraldissertation: Medien einer neuen sozialen Bewegung
von rechts (ab Seite 177 zur JF)

Konservatismus in der Krise

Die JF und ihre Leser sehnen sich indes offenbar nach Zuständen, in denen
Emanzipation und Schwulenrechte keine Rolle spielen, gesellschaftlicher
Diskurs nach den eigenen Regeln funktioniert und der weiÃe Mann die Welt
beherrscht. Die JF möchte nicht den Status Quo bewahren, sie will das Rad
der Geschichte zurückdrehen, über die Jahreszahl
lässt sich streiten â wenn
man denn meint, dies sei relevant. Die JF hofft auf den Konservatismus in
der Krise, der sich im Spannungsverhältnis zwischen Tradition und
Fortschritt radikalisiert hat â und im 21. Jahrhundert reaktionär
daherkommt.

Und so ist es auch zu erklären, warum das vermeintlich Konservative in der
Zeitung mantra-artig immer wieder betont wird: Satte 23 Mal fällt der
Begriff auf 20 Seiten der Jungen Freiheit vom 30. Oktober. Doch das
Selbstbild der besonders verantwortungsvollen Konservativen kann wenig
überzeugen, wenn einzelne Themen hoffnungslos überzeichnet
werden â und so
die Realität verzerrt dargestellt wird; für
verantwortungsvolle
Konservative, die die Gräben in der Gesellschaft nicht weiter vertiefen
sondern zuschütten wollen, dürfte eine Gleichsetzung mit der
Jungen
Freiheit daher wenig erquicklich sein. Denn âdieser Populismus ist das
Gegenteil des konservativen Gebots einer »Haltung«, an der die
aristokratischen Ursprünge der Strömung erkennbar sein sollen.
Er tendiert
in das mehr oder weniger radikal nationalistische Lagerâ, schreibt Volker
Weiss in seinem Text âKeine Politik mehr rechts von Lenin? Konservatismus
in der Kriseâ. Weiss meint, während

sich die bürgerliche Variante des Konservatismus im Liberalismus
aufzulösen beginnt, tendieren die verbliebenen antiliberalen Konservativen
zur Radikalität. Den Rückschritt in
vorbürgerliche Formen, also den
aristokratischen oder den religiösen Konservatismus, hat die Moderne
unmöglich gemacht. Es bleibt ein Angebot aus autoritärem
Etatismus,
Populismus und kapitalistischer Ãkonomie, das nur noch wenig mit
Konservatismus gemein hat und zeigt: Der letzte Ausweg dieser Rechten liegt
in der modernisierten Variante des Faschismus. Der Platz des Konservativen
wird leer bleiben.

In der vergangenen Woche hatte die JF im Vergleich zur Vorwoche â trotz
breiter Kampagne â übrigens sechs Abonnenten weniger, die diese
bürgerlichen Rechtsradikalen auf Selbstfindungstrip begleiten wollten. Und
das ist auch gut so.




Quelle:http://npd-blog.info/2009/11/02/jungefreiheit-selbstfindungstrip112022/



Freundliche GrüÃe


Andreas GUmtow



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"Ich bin für ein NPD-Verbot, weil intelligentes Leben und Nazis
einfach
nicht zusammen passen!"

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