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Zeugen Jehovas: Karin - Tochter wurde mißbraucht

Von: zeugen.jehovas.faq@googlemail.com [Profil]
Datum: 03.06.2007 10:15
Message-ID: <1180858515.557172.246570@p77g2000hsh.googlegroups.com>
Newsgroup: de.soc.familie.misc de.soc.weltanschauung.christentum
Die offizielle FAQ rund um das Thema Zeugen Jehovas hat ihre Pforten
eröffnet.

http://zj-infolink-faq.ath.cx/

Adhiambo Marahaba

====  Beginn lizenzierter Content ===
http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/de/

Quelle:Infolink

Sexueller Missbrauch bei Zeugen Jehovas

(alle Namen und Ortsangaben wurden verändert, um das Opfer zu
schützen)

Ich bin eine ehemalige seit 1994. Im selben Jahr, als ich meine Ehe
mit einem angesehenen Mitglied der Gemeinde, der wegen mindestens 7
Fällen von Ehebruches vor dem Komitee erscheinen musste, (dem aber
immer vergeben wurde), beendete, wurde der Verdacht erhärtet, dass der
2. Ehemann meiner Mutter, beide Zeugen Jehovas, meine damals 12
jährige Tochter Gudrun sexuell missbraucht hatte. Die Sache wurde
totgeschwiegen und abgestritten, weil ja Zeugen so etwas nicht machen,
mit der Konsequenz, dass ich meine Tochter nicht mehr auf Besuch gehen
ließ, was nicht schwer war, da mit einem Ausgeschlossenen, mir,
sowieso kein Umgang mehr gepflegt wurde.

Leider wurden meine beiden Kinder im nächsten Jahr von meinem
Lebenspartner, mit dem ich nach Thailand ausgewandert war, sexuell
missbraucht. Ich habe ihn bei der thailändischen Polizei angezeigt,
und er wurde zu Gefängnis verurteilt. Da in Thailand keine Hilfe für
geschädigte Kinder erhältlich war, musste ich bis zu meiner
Übersiedlung nach Kanada warten, wo wir Hilfe von den zuständigen
Behörden erhielten. Dabei kam auch der zurückliegende Missbrauch von
dem zweiten Mann meiner Mutter zu Sprache, und es wurde mir
nahegelegt, den Täter anzuzeigen, um Wiederholungstaten zu vermeiden,
als Schutz für andere junge Mädchen.

Ich habe daraufhin den Täter bei der Versammlung angezeigt, mit der
Bitte, da ich im Ausland lebe, etwas zu unternehmen.

Natürlich wurde die Sache unter den Tisch gekehrt, mir als
Ausgeschlossenen nicht geglaubt und er ist weiter angesehenes Mitglied
der Gemeinde in Süddeutschland.

Allerdings hatte diese Episode zur Folge, dass meine Halbschwester
anfing, nach mir zur suchen. Als wirnach nahe 10 Jahren zum ersten Mal
Kontakt hatten, konnte sie mir unter Tränen berichten, dass meine
Geschichte stimmt, da er sie, die damals auch 12 Jahre alt war, 4
Jahre sexuell missbraucht hatte. Niemand hat ihr geglaubt oder
geholfen und in ihrer Verzweiflung hat sie im Alter von 16 Jahren das
Elternhaus und die Versammlung verlassen. Unsere Mutter hat bewusst
die Beziehung zwischen uns zerstört, wohl in der Furcht, sie würde
sich mir anvertrauen und ich würde ihr glauben. Hier ein Auszug aus
drei eMails, die ich von meiner Schwester erhalten habe:

Mir ist wichtig, Dir noch folgendes zu schreiben. Unsere Mutter hat
mir voller Empörung vor einiger Zeit gesagt, dass Du behauptet hast,
dass sich Wolfram an Deine Kinder rangemacht hat. Ich kann Dir das nur
von meiner Sicht bestätigen. Er hat sich auch damals, in meinem Alter
ab ca. dreizehn, an mich rangemacht. Ich musste Wolfram waschen, wenn
er gebadet hatte, vor allem seinen Penis. Er "zeigte" mir, wie er es
wollte, wie ich ihn anzufassen hatte. Ich wollte das nicht, aber er
drohte mir mit diversen Dingen und sagte mir, dass er nun mein Vater
sei und ich wüsste ja, dass ich mir Jehovas Zorn zuziehen würde, wenn
ich ungehorsam gegenüber meinen Eltern sein würde.

Ich musste ihn so lange "waschen", bis er einen Erguss hatte. Er kam
auch regelmäßig am Abend in mein Zimmer und fasste mich an Brust und
zwischen den Beinen an. Auch zwang er mir Zungenküsse auf. Ganz
schlimm war es in der Zeit, in der unsere Mutter auf Kur war. Einmal
hatte ich ja das Glück, dass ich diese Zeit bei Dir verbringen durfte
- die anderen Male nicht. Er hat mich nicht mit seinem Geschlechtsteil
vergewaltigt, mit seinen Fingern schon. Das ganze war immer von
massiven Drohungen begleitet, die mich psychisch sehr unter Druck
setzten. Das ganze ging bis etwa ein halbes Jahr, bevor ich ausgezogen
bin. Zum Schluss wollte er, dass ich ihn mit dem Mund befriedige. Da
habe ich dann einen Aussetzergehabt und bloß noch geschrien. Dann hat
er mich erst geschlagen und dann in Ruhe gelassen. Ich wollte einen
Zimmerschlüssel haben, den mir aber unsere liebe Mutter verweigerte.

Auch habe ich einmal versucht, ihr zu sagen, was Wolfram mit mir
macht. Sie hat so reagiert, als wenn das alles gar nicht sein kann,
denn ihr lieber Mann macht das nicht. Sie hat mich als die böse
Tochter gesehen, die nur versucht ihre ach so glückliche Ehe
auseinander zu bringen. Sie hat mir nicht geglaubt, weil sie es nicht
glauben wollte. In der Versammlung gab es noch so einen feinen Bruder,
der meinte, er hat das Recht mich anzufassen, aber auch das hat
natürlich gar nicht gestimmt, denn Zeugen Jehovas tun das nicht. Sie
tun es aber doch und es gibt auch unter ihnen Schweine, richtige
Schweine. Ich wollte Dir das schreiben, damit Du siehst, dass Deine
Kinder die Wahrheit sagen, leider.

Deine Zeilen haben gut getan. Es war gar nicht so einfach für mich Dir
das zu schreiben, denn mit dem Schreiben, kam dieser ganze Mist wieder
hoch. Es war für mich richtig körperlich wieder zu spüren. Eigentlich
war ich der Meinung, dass ich die Sache mit Wolfram irgendwie abgehakt
hatte. Aber ich habe nun begriffen, dass ich es nur verdrängt hatte
und mich noch niemals richtig damit auseinandergesetzt habe. Damals
wusste ich einfach nicht an wen ich mich wenden konnte, da mir auch
eingeimpft wurde, dass ich unglaubwürdig sei, denn es ist bekannt,
dass ein Zeuge Jehovas so etwas nicht tut. Ich habe einmal etwas zu
Daddy gesagt, als ich in Berlin war. Daraufhin hat er mit unserer
Mutter telefoniert und war danach wohl auch der Meinung, dass ich
entweder übertreiben würde oder es aber einfach nicht stimmt, da ich
Wolfram nicht leiden könne, würde ich einfach gegen ihn intrigieren.
Also wurde nach Außen heile Welt gespielt - vor allem in der
Versammlung, aber in dieser ach so glücklichen Familie sah es ganz
anders aus.

Ich habe dann mit sechzehn Jahren Erhard als Aufhänger benutzt um raus
zu kommen. Als ich ausgeschlossen wurde, habe ich angegeben,
vorehelichen Geschlechtsverkehr gehabt zu haben und gesagt, dass ich
diesen auch weiter haben werde. Zu diesem Zeitpunkt hatte das noch gar
nicht gestimmt. Aber ich wusste, wenn ich ausgeschlossen werden würde,
würde selbst meine eigenen "Familie" den Kontakt mit mir meiden. Dann
hat sich das Jugendamt noch dafür eingesetzt, so dass ich mit sechzehn
ausziehen konnte. Als ich ausgeschlossen wurde, habe ich nur geheult,
aber aus Erleichterung, da ich wusste, dass ich nun bald endlich von
Zuhause rauskommen würde. Ich wusste damals für mich, entweder ich
musste ganz schnell da raus oder ich würde mich umbringen, weil ich es
nicht mehr ausgehalten hatte. Ich spüre heute noch die Fesseln des
Psychoterrors der Zeugen Jehovas und lerne langsam damit umzugehen.

Ich will Dir noch sagen, dass ich Gudruns empfinden, dass es irgendwie
in Ordnung war nachempfinden kann. Manchmal wusste ich auch nicht
mehr, was richtig und was falsch war. Was für mich immer noch ein
Problem darstellt, ist die Angst, dass es mir nicht geglaubt wird, so
wie es immer war. Wolfram war immer glaubwürdig und ich war
unglaubwürdig und schlecht, da ich einfach so ungeheuerliche Dinge
behaupten würde, die dieser ach doch so herzensgute und liebevoller
Mann niemals tun würde. Deshalb tut es mir sehr wohl, dass Du mir
glaubst und mich nicht auch in Frage stellst. Ich habe auch Angst,
dass mir bei der Anzeige nicht geglaubt werden könnte. Er wird alles
abstreiten und mich als Lügnerin hinstellen. Es ist eh irre schwer,
darüber zu reden und ich habe angst, mich dann noch verteidigen zu
müssen, oder von seinem Anwalt zerpflückt zu werden und das ganze vor
fremden Menschen in einem Gerichtsaal zu erzählen. Wie siehst Du das ?
Wie sieht es Gudrun? Ich war total froh, Dir das ganze endlich
schreiben zu können und gleichzeitig war es sehr schwer. Während des
Schreibenshatte ich irre Herzklopfen und habe richtig kalt geschwitzt,
aber ich bin sehr froh, dass ich es getan habe.

Vor einiger Zeit habe ich einmal im rahmen eines Riesenstreites,
unserer Mutter vorgeworfen, dass sie nicht eingeschritten ist. Sie
behauptete, dass sie nichts wüsste, weil ja nichts war und wenn, dann
habe ich ihren ach so guten Mann provoziert und wäre selber Schuld.
Diese Aussage habe ich schon vor vielen Jahren gehört - ich bin selber
schuld. Als ich mit Wolfram alleine war, weil wieder mal eine Kur
anstand, sagte er mir folgendes: Meine Frau hat nicht viel Interesse
an sexuellen Dingen, aber ich bin ein Mann mit normalen Gefühlen, die
nicht befriedigt werden, außerdem ist sie vier Wochen weg, deshalb ist
es in Ordnung, wenn wir lieb zueinander sind, du hast jetzt die Stelle
deiner Mutter eingenommen. Er benutzte das als Freibrief für sich
selber. Ich weiß noch genau wie er gerochen hat und wie es mich
angewidert hatte, angefasst zu werden und ich hoffte, dass er schnell
fertig ist. In dieser Zeit durfte ich unter meinem Nachthemd nichts
anhaben, weil er das "schön" fand und er redete von unserem kleinen
Geheimnis. Gleichzeitig drohte er mir massiv, wenn ich irgendjemanden
etwas erzählen würde.

Weißt Du es gibt heute noch eine für mich widerliche Spätfolge von
diesem Missbrauch. Ich leide unter Panikattacken in Situationen, in
denen ich nicht auskomme, wo ich mich ausgeliefert fühle. Der Gang zum
Zahnarzt ist für mich ein Horrortrip. Dort muss ich in diesem
Behandlungsstuhl liegen und dieser Zahnarzt kommt dann von oben und
fummelt an mir rum. Das löst irre Panik in mir aus, hierbei geht es um
die Situation und nicht um Angst vor Schmerz oder Bohren etc.. Ich
habe dann einen irren Adrenalinausstoß, Herzrasen, einen total
verrückt spielenden Kreislauf und das Gefühl keine Luft mehr zu
kriegen. Ich weiß vom Kopf her, dass das überflüssig ist, dass dieser
Mensch mir nichts böses will, aber ich komme gegen diese totale
körperliche Reaktion nicht an, es geht einfach nicht. Das selbe
passiert auch beim Aufzug fahren, beim Frauenarzt bei totaler
Dunkelheit oder wenn ich mit jemanden anderen im Auto mitfahre,
eigentlich überall, wo ich das Gefühl habe, dass ich nicht auskomme.
Das ist für mich eine nicht kleine Lebensbeeinträchtigung, über die
ich mich oft ärgere.

Ich habe versucht, mich trotzdem diesen Situationen auszusetzen, in
der Hoffnung, dass es besser werden würde, was leider nicht der Fall
ist. Im Moment meide ich diese Situationen eher wieder, weil es nicht
zum aushalten ist. Je mehr ich mich mit diesem Missbrauch
auseinandersetze, desto heftiger sind diese Attacken. Letztens stand
ich in einem Laden und neben mir ein Mann, der so roch, wie Wolfram
gerochen hat, ich musste aus diesem Laden raus, ohne einzukaufen, weil
ich Angst hatte, umzukippen durch diese extreme körperliche Reaktion,
die dieser Geruch ausgelöst hat. Ich möchte so gerne frei von alldem
sein und bin es nach all den Jahren immer noch nicht. Mir sind diese
blöden Attacken total unangenehm und ich schäme mich auch dafür, so
wie ich bei der ganzen Sache Schamgefühle habe.

Ich bin außer mir vor Zorn über das, was dieses immer noch angesehene
Mitglied der Gemeinde gemacht hat, ohne zur Rechenschaft gezogen zu
werden. Ich habe inzwischen eine Anzeige gegen ihn im Namen meiner
jetzt 17 jährigen Tochter zusammen mit meiner Schwester vorbereitet,
die jedoch noch nicht abgeschickt wurde.

==== Ende lizenzierter Content ====

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