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Fast jeder fünfte Jugendliche essgestört

Von: Alkmene (odins_tochter@t-online.de) [Profil]
Datum: 11.07.2008 22:24
Message-ID: <g58fh5$uvg$00$1@news.t-online.com>
Newsgroup: de.sci.psychologie
http://lifestyle.t-online.de/c/13/70/64/76/13706476.html

Fast jeder fünfte Jugendliche essgestört
aktualisiert am 13. Dezember 2007 | dpa / bri
Vor allem Mädchen leiden unter Essstörungen. (Foto: dpa)


Wenn es nach dem Willen von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt geht,
sollen extrem dünne Models aus Werbung und Modenschauen verbannt werden.
Politiker und Prominente fordern die Mode- und Werbeindustrie dazu auf,
keine dünnen Frauen mehr zu zeigen. Zudem sollen Aufklärung und
Forschung zum Thema Essstörungen stark ausgebaut werden, hieß es bei der
Vorstellung der Kampagne "Leben hat Gewicht". Nach einer Studie des
Robert-Koch-Instituts in Berlin weist jeder fünfte der 11- bis
17-jährigen Jugendlichen Symptome einer Essstörung auf. Betroffen sind
zu 90 Prozent Mädchen.

Schockfotos Eine Modemarke gegen Magersucht [1]

Initiative "Leben hat Gewicht"

"Magermodels gehören weder auf den Laufsteg noch in die Werbung", sagte
Gesundheitsministerin Ulla Schmidt. Gemeinsam mit Familienministerin
Ursula von der Leyen und Bildungsministerin Annette Schavan stellten sie
die Kampagne "Leben hat Gewicht - gemeinsam gegen den Schlankheitswahn"
vor. Mit von der Partie sind auch prominente Unterstützer wie die
Sängerin Janette Biedermann und Emma-Herausgeberin Alice Schwarzer.

Dürr soll nicht mehr schick sein

"Dürrsein darf nicht länger als schick gelten, sondern muss ein Schock
sein", verlangt Alice Schwarzer, die die Initiative angestoßen hatte.
Designerin Jette Joop nannte eine Selbstverpflichtung ihrer Branche
"eine gute Idee". Auch Gesundheitsatteste für Models könnten ein
Schritt
sein. Die frauenpolitische Fraktionssprecherin der Grünen, Irmingard
Schewe-Gerigk, forderte, Taten folgen zu lassen. "Das darf keine
Eintagsfliege sein", sagte sie der Deutschen Presse-Agentur dpa.

"Essen ist nicht Belohnung, ist nicht Bestrafung"

"Magersucht ist überwiegend weiblich, und sie ist sehr jung", sagte von
der Leyen. Neun von zehn Betroffenen seien weiblich, jede zehnte Kranke
sterbe daran. Bereits Familie und Kindertagesstätte müssten auf
natürliche Ernährung abzielen. "Essen ist nicht Belohnung, ist nicht
Bestrafung", mahnte die Ministerin. Internetforen, in denen falsche
Schlankheitsideale gefeiert würden, müssten vom Betreiber freiwillig
geschlossen werden. Verbote müssten durchgesetzt werden, wenn Nutzer
gefährdet seien. Schwarzer rief dazu auf, Essstörungen endlich als
zentrale "Massenpsychose der westlichen Welt" und vorherrschende Sucht
bei Frauen in den Blick zu nehmen. Länder wie Großbritannien, Spanien
oder Italien seien weiter. Teil der deutschen Kampagne sollen unter
anderem auch mit Millionensummen geförderte Modellprojekte hin zu
verbesserten Therapien sein.

Die Hälfte der Mädchen fühlt sich zu dick

In einer Umfrage der Max-Planck-Gesellschaft bei 9- bis 13-jährigen
bejahten 49 Prozent der Mädchen und 36 Prozent der Jungen die Frage:
"Wolltest du jemals dünner sein?" Bis zu 15 Prozent der Betroffenen im
Erwachsenenalter sterben an den Auswirkungen, warnt die Deutsche
Gesellschaft für Essstörungen (DGESS). Wie deren Vorsitzender Manfred
Fichter bei einer Fachtagung im November erklärte, sterben die meisten
an den direkten Folgen der Mangelernährung, aber auch die Zahl der
Selbstmorde sei hoch. Nur rund die Hälfte der Patienten könne wieder
ganz geheilt werden. "Essstörungen werden oft belächelt, aber es ist
wichtig, dass sie ernst genommen werden", sagte der Mediziner.

Sechs Prozent aller jungen Frauen sind essgestört

Nach Schätzungen der Gesellschaft leiden in Deutschland rund sechs
Prozent aller Frauen zwischen 15 und 35 Jahren an Magersucht oder einer
anderen Essstörung wie etwa Bulimie (Ess-Brech-Sucht). Bei Männern sind
Essstörungen seltener: Auf zehn Frauen kommt durchschnittlich ein Mann.
Auch die Therapie der Krankheit sei bei Männern einfacher. "Männer
wollen Muskeln haben und bei der Magersucht schmelzen irgendwann auch
die weg. Und dann sind Männer leichter zu motivieren, wieder etwas zu
essen", so Fichter, Chefarzt der Medizinisch-Psychosomatischen Klinik
Roseneck in Prien am Chiemsee.

Minderwertigkeitskomplex ist einer der Auslöser

Als Ursache für Essstörungen gelten unter anderem äußere Belastungen
wie
Stress und starke Selbstwertprobleme. Hinzu kommen oft Depressionen.
"Der Patient denkt dann nur noch an Essen, Nahrung, Gewicht, Figur",
beschreibt Fichter. Die Therapie von Essstörungen sei nicht einfach.
Medikamente würden bei den Kernsymptomen der Magersucht überhaupt nicht
helfen. Auch sind viele medizinische Einrichtungen nach seiner
Einschätzung noch nicht gut genug für eine derartige Therapie gerüstet.
Hier müsse noch mehr geforscht und besser informiert werden.

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Kleine Tipps mit großer Wirkung

Laufstegverbot für Magermodels

Nach dem Hungertod mehrerer Models im vergangenem Jahr, hatte Italien
als eines der ersten Länder versucht, etwas gegen den Magerwahn auf den
Laufstegen zu unternehmen. Regierung, Modeverbände und die Veranstalter
von Modenschauen haben sich auf ein Grundsatzprogramm gegen Magersucht
geeinigt: Es verbietet unter anderem die Teilnahme von Models unter 16
Jahren an den italienischen Modeschauen und verlangt von allen
Teilnehmerinnen ein ärztliches Attest, dass sie unter keiner Essstörung
leiden. Damit will man verhindern, dass extrem dünne Models jungen
Mädchen als Vorbild dienen.

Werbewirtschaft spricht von "populistische Verlogenheit"

Der Sprecher des Zentralverbandes der Deutschen Werbewirtschaft und des
Deutschen Werberates, Volker Nickel, warf der Bundesregierung im
Saarländischen Rundfunk "populistische Verlogenheit" vor: "Der Werbung
wird mal wieder alles in die Schuhe geschoben." Die Düsseldorfer
Modemesse-Gesellschaft Igedo Company signalisierte hingegen
Unterstützung. "Die Mode, die wir auf den Laufstegen präsentieren, ist
für Durchschnittsfrauen und Männer, die sich nicht nur von Gurken und
Salat ernähren", sagte der Sprecher der Gesellschaft, die zweimal
jährlich die weltgrößten Modemessen veranstaltet, der Deutschen
Presse-Agentur.


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