Kampagne gegen "sexuellen Missbrauch" im Kino
Von: n.parisis (parisis@gmx.de) [Profil]
Datum: 24.05.2008 14:53
Message-ID: <48380fda$1@news1.dts-online.net>
Newsgroup: de.sci.philosophie
Datum: 24.05.2008 14:53
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Im Kino wird dafür geworben, dass man bei sexuellem Missbrauch nicht weg sehen soll. Der Trailer suggeriert, dass ein Eingreifen den Missbrauch in der Weise ungeschehen macht wie ein Film, der Rückwarts an den Anfang spult und den Akteuren eine zweite Chance gibt. - Man kann dem Film nicht die Wirkung absprechen, das Thema öffentlich zu machen, aber wird es wirklich verstanden zwischen Langnesewerbung und Indiana Jones? Immer wieder wird eindringlich darauf hingewiesen, dass wir Missbrauch verhindern können, wenn wir nicht wegsehen - und so würde man sich sein Eingreifen auch wünschen, aber der Film scheitert daran, dass er sich einer Handlung annähert, ohne das wir etwas sähen, was sich von Jedermanns Alltag unterscheidet. Ich habe mich bemüht hinzusehen, kann aber an der Hand des Erwachsenen der die Kinderhand ergreift keinen Missbrauch erkennen (und so fort). - Keine Szene enthüllt Missbrauch und macht aufmerksam, worauf wir achten sollen oder wovon wir nicht wegsehen sollen. Der Film verschweigt (vielleicht aus Pietät), was in der Lebenswelt gleichfalls im Verborgenen stattfindet. Der stiere Blick auf das Geschehen erfüllt jedoch das Geschehen nicht mit Sinn. Wie im wirklichen Leben stellt Erkenntnis über das Geschehen sich erst im Nachhinein ein. Von besserem Wissen angeleitet, fällt in der Rückschau jetzt an den rechten Platz, was vielleicht zunächst nur eine unschuldige Geste zu sein schien und retrospektiv sich als ein Festhalten oder eine Zudringlichkeit liest. Die Bilder (und nicht der Text) erzählen dagegen eine andere Geschichte, die des Hinsehens und alles in allem Sehen. Die Aufforderung hinzusehen kann ja nur präventiv wirken und umfasst dann jene Gesten, die Doppeldeutig sind (und sich auch harmlos aufklären lassen). Sie fordern dazu auf, misstrauisch und skeptisch zu beobachten, um den einen Fall zu sehen, von dem nicht abgesehen werden soll (der aber nur zu erkennen ist, wenn er öffentlich wird). Deshalb schadet der Film dem Anliegen[ Auf dieses Posting antworten ]
