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Re: Die Schweinegrippe, rational betrachtet

Von: Ralf . K u s m i e r z (me@privacy.invalid) [Profil]
Datum: 07.11.2009 16:15
Message-ID: <7llh7oF3edre0U1@mid.uni-berlin.de>
Newsgroup: de.sci.medizin.misc
X-No-Archive: Yes

begin  quoting, "Peter C. Meyer" schrieb:

> 5. Was das Impfrisiko betrifft  -  hier muss sachlich und ohne Emotionen
> verglichen werden:
> a) Wie viele Menschen sterben an der SGr oder deren Folgen, und weden
> daran sterben, wenn sie sich NICHT impfen lassen.
> b) Wie viele sterben an der IMPFUNG gegen die SGr.
> Aktuell wurden in D mehr als 11 Todesfälle ALS FOLGE DER SGR gemeldet.
> (Sicher hatten einige von ihnen ernste Vorerkrankungen; aber genau
> diesen Risikopersonen empfiehlt die STIKO ausdrücklich den Impfschutz)
> Und wie viele Menschen starben durch die Impfung gegen die SGr in D?
> Niemand.

Das ist ein bißchen eine Milchmädchenrechnung. Korrekt wäre, die
Anzahl der Todesfälle (Grippeerkrankte plus Todesfälle bei
Verkehrsunfällen auf dem Weg zur Impfung abzüglich dadurch vermiedene
andere Verkehrstote plus Todesfälle durch die Impfung) über
verschiedenen Durchimpfungsgraden aufzutragen und das Minimum zu
suchen. (Ich vermute übrigens, daß es bei einem Durchimpfungsgrad von
Null liegt.)

Unglücklicherweise ist das aber für die individuelle Impfentscheidung
kein Maßstab: Mehr oder weniger am günstigsten ist eine Infektion in
der wenig virulenten, ungefährlichen Frühphase: Eine Woche
"Erkältung"
mit wenig Risiko, anschließend Immunität vorhanden. Bei einem hohen
Durchimpfungsgrad und dadurch gegebener Herdenimmunität ist es
individuell unsinnig, ein persönliches Impfrisiko einzugehen.

Impfzeitpunkt: Insgesamt am besten möglichst früh, das würgt die
Infektionsketten ab. Individuell: Die Zulassungsprüfungen sind immer
nur Heuristiken anhand kleiner Probandenzahlen, die das Risiko nicht
zuverlässig abschätzen können. Günstig ist es daher, möglichst
lange
zuzuwarten: Erstens wird mit zunehmendem Durchimpfungsgrad das
persönliche Infektionsrisiko sowieso immer geringer, und zweitens
könnten in der Zwischenzeit kleinere Risiken deutlicher werden. Eien
Million Probanden sind eben ein besseres Kriterium als einige tausend.

> FAZIT:
> Besonders Risikopatienten verringern ihr Gesundheits- und Sterberisiko
> an der SGr, wenn sie sich impfen lassen.

Was wieder die Frage aufwirft, woran man denn nun erkennt, ob man ein
Influenza-Riskopatient ist, und wie sich die gleichen Risikofaktoren
auf das persönliche Impfrisiko auswirken. Richtig ist nämlich
offensichtlich, daß es für Risikopatienten am besten wäre,
Infektionsquellen zu vermeiden, bis die Epidemie abgeklungen und eine
Grundimmunität in der Population entstanden ist, und sich keinesfalls
impfen zu lassen.

Im übrigen verkennt diese Empfehlung mal wieder die Bedeutung der
Herdenimmunität für das Epidemiegeschehen.

Mein persönliches Fazit:

Ich habe mich gegen die saisonale Influenza impfen lassen und bei der
Gelegenheit nach der Impfung gegen die Neue Grippe gefragt - mein
Hausarzt rät seinen Patienten grundsätzlich davon ab und verdammt die
Massenimpfaktion in Grund und Boden. Ich folge seiner Empfehlung.

Ich glaube an eine individuelle Suszeptibilität: Gegenwärtig haben
sich alle "Empfänglichen" sehr schnell infiziert und sind nun immun,
den anderen passiert sowieso nichts, mit und ohne Impfung, daher ist
die ganze Sache sowieso für die Katz', und das war's dann für diese
Saison. Und in der nächsten steckt H1N1 im normalen saisonalen
Influenza-Impfstoff ohnehin mit drin, also kein Grund zur Panik -
abwarten und Tee trinken, die Sache ist sowieso harmlos, auch in den
Schwarzmeerrepubliken, die gerade unter der Neuen Panik leiden und
Spenden abzuzocken versuchen.

> Weltweit starben bisher 6.000
> Menschen an der Schweinegrippe. An der Impfung ist noch niemand gestorben.

Beide Aussagen sind extrem fragwürdig.

> Jeder sollte diese Zahlen kennen,

Besser wäre, wenn man richtige Zahlen kennen würde. Die sind aber
unbekannt.

> jeder muss für sich selbst die zwei
> Risiken (Schweinegrippe versus Impfung) gegeneinander abwägen.

[x] Done.

> Emotionen, Ideologien und Verschwörungstheorien sind dabei nur hinderlich.

ACK


Gruß aus Bremen
Ralf
--
R60: Substantive werden groß geschrieben. Grammatische Schreibweisen:
adressiert Appell asynchron Atmosphäre Autor bißchen Ellipse Emission
gesamt hältst Immission interessiert korreliert korrigiert Laie
nämlich offiziell parallel reell Satellit Standard Stegreif voraus

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