nntp2http.com
Posting
Suche
Optionen
Hilfe & Kontakt

Diskussion über Unterricht mit Blinden/ Sehbehinderten

Von: Gottfried Helms (helms@uni-kassel.de) [Profil]
Datum: 01.07.2008 07:05
Message-ID: <6cts9eF3i74j4U1@mid.dfncis.de>
Newsgroup: de.sci.mathematik
Hi -

letztes Semester hatte ich erstmals einen Fall,
bei dem mir spezielle Probleme für Sehbehinderte
aufgefallen sind - gibt es hierüber Diskussionen?
Das Problem wurde deutlich, als ein stark Seh-
behinderter die Klausur mitschreiben wollte. Wir
haben versucht die Bedingungen anzupassen: er
nahm "seinen" Zivi mit, ging in die Bibliothek,
in der ein spezielles Lese/Schreibgerät verfügbar
ist, ich habe die Aufgaben im Din-A2-Posterformat
ausgedruckt - trotzdem keine Chance.
Wir hatten dann ein Gespräch danach - und es wurde
deutlich, daß die Ursache für das Übel schon weit
vorher lag: nämlich auch in der Schwierigkeit,
geeignete Literatur zu finden.

Was ist nun geeignet?

Ein Problem, das mir eingängig erscheint ist eins,
an dem ich selbst unwissentlich wesentlich mitbe-
teiligt bin: ich selbst bereite Informationen gerne
grafisch orientiert auf: also Text hier, dazu
bezügliche tabellarische oder grafische Erklärungen
dort auf dem Papier, wobei die Erklärungskraft
eben stark von der geometrischen Aufteilung/Anordnung
der Informationen und Meta-Informationen abhängig ist.
Das erscheint mir in den gängigen Lehrbüchern ähnlich -
und eigentlich finde ich das ja auch gut so.

Aber - Sehbehinderte haben hier einen großen Nachteil,
vor allem, wenn sie überwiegend hören müssen:
Hören hat keine Geometrie, ist praktisch vollständig
sequentiell - eine Information nach der andern.
Das heißt: je mehr das Display unserer Lehrinfor-
mationen optisch gut aufbereitet ist, umso größer
wird die Schere zwischen der Rezeptionsmöglichkeit
für Sehende und Sehbehinderte.

Meine erste Idee ist folglich, meine eigenen Materialen
zu überprüfen und auf diesen Aspekt hin eventuell zu
überarbeiten. Die zweite, Literatur zu suchen, in der
noch "old-style" vorherrscht, wo noch auch die Autoren
ihren Stoff ohne die Möglichkeiten des visuellen Displays
organisieren mußten und solche Literatur in die Empfeh-
lungsliste mit aufzunehmen - "wieder": weil meist sind
das ja die älteren Lehrbücher.

Können die Lehrenden/Lernenden hierzu kommentieren? Wie
seht ( :) ) ihr das? Ich fange mit diesen Gedanken
gerade erst an und habe also praktisch noch null
Hintergrund.

Gruß -

Gottfried Helms




[ Auf dieses Posting antworten ]

Antworten