Der Beginn des Aufbaus moderner Verkehrsdrehscheiben im 19.Jahrhundert: Straßenwalzen in allen Variationen schaf fen bessere Verkehrswege zwischen Städten und Regionen
Von: Karl-Ludwig Diehl (spaceoffice@web.de) [Profil]
Datum: 05.07.2008 15:43
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Newsgroup: de.sci.ing.misc de.sci.architektur
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Der Beginn des Aufbaus moderner Verkehrsdrehscheiben im 19.Jahrhundert: Straßenwalzen in allen Variationen schaffen bessere Verkehrswege zwischen Städten und Regionen Die erste Straßenwalze soll im 18.Jahrhundert aufgekom- men sein. Der Grund war die Erkenntnis, daß der Straßen- unterbau komprimiert werden muß, damit sich eine Straße länger hält. Im Jahre 1857 ist zu lesen: "schon 1786 schlug de Cessart die Anwendung derselben zu diesem Zwecke vor; man fing jedoch erst 1829 und 1830 ernstlich an, sich der Walzen zu bedienen, deren Ge- brauch jetzt ein fast allgemeiner ist." (1) In einem anderen Aufsatz, der im Jahre 1849 erschien, ist dies so ausgedrückt: "Die Idee, Walzen zum Festdrücken der Straßen und zur Unterhaltung derselben anzuwenden, ist schon alt; schon im Jahr 1787 schlug de Cessart eine gußeiserne Walze zum Einebnen und zusammendrücken frisch be- schütteter Straßen vor; er wählte dieselbe 8 Fuß lang, 36 Zoll im Durchmesser und 2 Zoll Eisendicke; ihr Ge- wicht belief sich auf 7000 Pf.; die Kosten derselben be- liefen sich damals auf 5454 Livres." (2) Bei den Walzen, die im Jahre 1857 vorgestellt werden, was einen gewissen Überblick geben soll, wird es sich um Straßenwalzen handeln, welche seit 1829 in Ge- brauch kamen. Davon die früheste war die von Polon- ceau: "Die Straßenwalze des Herrn Polonceau, welche in Frankreich zuerst in Gebrauch kam, war außen mit höl- zernen Dauben bekleidet und der innere Raum dersel- ben ausgefüllt, um die gehörige Schwere hervorzubrin- gen." (3) Es ist jedoch nicht sicher, ob mit dieser Straßenwalze, die im Jahre 1849 in der Allgemeinen Bauzeitung als die Straßenwalze des Herrn Polonceau beschrieben wird, die folgende Straßenwalze gemeint ist, die im Jahre 1857 angeführt ist, von der es Zeichnungen gibt und die so be- schrieben wird: "Die anfänglich benutzte Walze /.../ besteht aus einem hohlen Cylinder /.../ von 2m00 Durchmesser und 1m50 Länge. Die Achse dieses Cylinders durchdringt die denselben einschließenden und sich zu einer Gabel vereinigenden Stangen, an deren längeren Armen die Zugthiere ange- spannt werden. Die kürzeren Arme tragen Massen von Gußeisen, um durch dieselben im Gleichgewichte mit den längeren gehalten zu werden. Dicke, fest aneinander stoßende und durch 3 breite Ei- senreifen zusammengehaltene Eichenbretter bilden den Umfang des Cylinders und ruhen mit ihren Enden auf den Kränzen von 2 Rädern mit starken Felgen, die nach innen verschalt sind und den zum Anfüllen mit Sand be- stimmten Raum vollständig abgrenzen. In den beiden senkrechten Wänden sind verschließbare Oeffnungen zum Eintragen des zum Beschweren des Cylinders dienenden Materials angebracht." (4) http://www.fotos.web.de/spaceoffice/Strassenwalze_1 (Blatt 125, fig.1-3) Sie hat zwar Eichenbretter, die ähnlich bei Fässern mit Eisenreifen zusammengehalten werden, aber es werden im Text bereits Abänderungen genannt: "Zwei wesentliche Verbesserungen, die diese Walze in der Folge erlitt, bestehen: 1. in der Abtheilung des hohlen Raumes in 3 Kam- mern; 2. in einer Vorrichtung, welche ein bequemeres Füllen des Cylinders gestattet." (5) Es könnte sich also um eine Weiterentwicklung der Straßenwalze von Polonceau handeln. Wie dem auch sei, wichtig ist zu wissen, wie diese zuvor genannten Ver- besserungen aussahen: "Der hohle Raum der Walze wird durch 2 parallel zu den äußeren Rädern gestellten Wände in 3 nahezu gleiche Kammern abgetheilt; eine Einrichtung, welche die Füllung des ganzen Cylinders oder nur eines der drei Theile des- selben, mithin eine größere oder kleinere Pressung des Straßenmateriales gestattet." (6) Man hatte also drei Kammern geschaffen, welche gefüllt unterschiedliche Gewichte der Walze erzeugen liessen. Wie man vorging, ist so beschrieben: "Will man nur mit 1/3 des größten Gewichtes der Walze arbeiten, so füllt man die mittlere Kammer; um 2/3 des- selben zu benützen, füllt man die beiden äußeren; - je- doch ist sehr darauf zu achten, daß die Kammern voll- kommen genau angefüllt seien, um das Ziehen der inne- ren Belastung nicht zu erschweren, deren Schwerpunkt sich bei der unvollständigen Füllung stets verändern wür- de." (7) Das System, um unterschiedliche Gewichte der Walzen zu erzeugen, war also denkbar einfach aber klug. Es funktionierte aber nur dann gut, wenn die Kammern sehr exakt aufgefüllt wurden. Aber auch dazu hatte man sich etwas ausgedacht, um Probleme zu vermeiden: "Die Vorrichtung, welche ein bequemes Füllen der Walze gestattet, besteht einfach darin, daß zwei von den den Umfang bildenden Dielen entfernt werden und daß man durch die so entstehende Oeffnung den Sand in die Kam- mern schüttet; sind diese gefüllt, so schiebt man die Dielen wieder ein, läßt die Walze einige Umdrehungen machen und hebt neuerdings die zwei Breter aus, um die durch die Bewegung entstandenen leeren Räume auszu- füllen; ein Vorgang, der wenig Zeit zur Ausführung bedarf." (8) Um die Füllung nach dem Einsatz der Walze zu entleeren, brauchte man nur die Eichenhölzer zur Seite schieben und den Inhalt durch einige Drehungen der Walze heraus- lassen, was sehr einfach ging. Man vermied übrigens eine Fülle von der Seite der Walze, weil dabei eine vollständige Füllung sehr schwierig war und das Ablassen der Füllung viele Umstände mit sich gebracht hätte. Zudem lagen die Kammern horizontal aneinander gereiht, sodaß dies nicht ging. Da diese Holzwalzen sich mit der Zeit selbst zer- störten, weil Sand zwischen die Eisenreifen und das Holz drang, umgab man sie später vollständig mit Eisen. Da- durch dürfte der Zwang entstanden sein, sich ein anderes Füllungssystem auszudenken, um das Gewicht der Wal- ze zu regulieren. Vollständig gefüllte Walzen waren sehr schwer. Um sie zu ziehen, waren viele Zugtiere nötig: "Eine vollständig gefüllte Walze der erwähnten Art benö- thigt eine Zugkraft von 8 Pferden in der Ebene; für die Steigung von 0m03 auf den Meter braucht man deren 10 - 12, wenn man die Walze an dem Gipfel der Steigung füllt und sorgfältig im Hinansteigen dem im Herabfahren zusammengedrückten folgt." (9) Die aufzubringende Zugkraft hing natürlich von dem aufge- brachten Straßenbaumaterial ab, ob es schon verdichtet war oder nicht, und in welcher Menge es aufgebracht war, wenn zu verdichten war. Die damals in Preußen zur Verwendung gebrachte Stras- senwalze sah etwas anders aus. Man konnte sie in beide Richtungen ziehen, ohne die Walze drehen zu müssen. Das brachte erhebliche Vorteile. Nur die Zugtiere waren umzuspannen. Nach beiden Seiten gab es zum Anspan- nen eine Deichsel, die von der Mitte ausging und mit dem Holzrahmen zusammengeführt war, der um die Walze he- rumgeführt war, um die Achse der Walze daran befestigen zu können. Die Walze war aus Gußeisen hergestellt wor- den und wurde nicht gefüllt. Man legte ihr Gewichte auf. "Diese Achse dient dem den Cylinder einschließenden Rahmen (Gestell) zur Stütze, auf welchen 1 oder 2 Ka- sten aus Holz zur Aufnahme des zur Belastung dienen- den Materials gestellt werden." (10) Leider sind diese Kästen in der Zeichnung der preussi- schen Straßenwalze nicht dargestellt. Man sieht jedoch andere Einzelheiten: http://www.fotos.web.de/spaceoffice/Strassenwalze_2 (Blatt 125, fig.8-10) Ähnliche gußeiserne Walzen waren in Frankreich üblich geworden. Im Aufsatz vom Jahre 1857 wird eine Straßen- walze aufgezeigt, die im Departement du Bas-Rhin in Verwendung war. http://www.fotos.web.de/spaceoffice/Strassenwalze_3 (Blatt 125, fig.5-7) Ähnlich wie bei der preussischen Straßenwalze befinden sich mittig Deichseln vorne und hinten an dem Rahmen der Straßenwalze angebracht. Man mußte nur die Zug- tieren ausspannen und konnte sie dann auf der anderen Seite wieder einspannen, um in die andere Richtung zu ziehen. Die Zeichnung zeigt sehr schön den Kasten über der Walze, der vollgefüllt wurde, damit die Walze mit großem Gewicht über das Straßenbaumaterial fuhr, um es zu verfestigen. Im vorgenannten Aufsatz wird es als Fortschritt angese- hen, wenn die Zugtiere nicht mehr umgespannt werden müssen, um die Fahrrichtung der Straßenwalze zu ändern. "Wir finden diesen Uebelstand beseitigt in der Hou- yau'schen (Fig.4) wie in der 11 u. 12 angegebenen, von Bouillant in Paris konstruirten Walze. Beide können auf der Stelle gewendet werden und die letzte besitzt eine Einrichtung, welche gestattet, den gußeisernen Cylinder zu senken oder zu heben" (11) http://www.fotos.web.de/spaceoffice/Strassenwalze_4 Walze von Houyau (Blatt 125, fig.4) http://www.fotos.web.de/spaceoffice/Strassenwalze_5 Walze von Bouillant (Blatt 125, fig.11-12) Die Straßenwalze von Bouillant wurde weithin gepriesen und man verwendete sie bei renommierten Straßenbau- projekten: "Mit gutem Erfolge bediente man sich dieser Walze bei den Straßenarbeiten, welche in Paris 1855 in der Nähe des Ausstellungsgebäudes ausgeführt wurden, und eben so bedient man sich derselben in diesem Jahre bei den Arbeiten, welche durch die nothwendig gewordene He- bung der zu der Invalidenbrücke, so wie zu der Alma- brücke führenden Straßen hervorgerufen worden sind." (12) Man konnte die Walze mit einer Kurbel anheben, um sie bequem auf vier Rädern eines Wagens zum neuen Einsatzort zu bringen. Auf dem Wagen waren Kästen angebracht, die zur Beschwerung gefüllt werden konn- ten. Man ließ die Walze an der Baustelle ab und der Wagen mit seinen Rädern schwebte in der Luft und gab zusätzliches Gewicht auf die Walze. Es wäre natürlich interessant zu wissen, wie der Stras- senbau in der Biedermeierzeit und danach ablief. Man müßte wissen, wie der Untergrund der Straßen vorberei- tet und dann der Unterbau aus Kies und Sand aufgebaut wurde, um ihn zu walzen. Aus nahegelegenen Kies- und Sandgruben war das Material heranzufahren. Für die Erdarbeiten und Bauarbeiten muß es irgendwo Gerät- schaften und Fahrzeuge gegeben haben, die zusammen mit den Straßenwalzen auf einem Bauhof der Straßen- bauverwaltung untergebracht waren. Diese Bauhöfe, von denen auch die Unterhaltung der Straßen zu organisieren war, mußten in einer sinnvollen Entfernung voneinander angelegt worden sein. Es ist anzunehmen, daß diese Bauhöfe auf den damaligen Karten, welche die Straßen- bauverwaltung zur Verfügung hatte, vermerkt sind. Denk- bar ist also, daß ab einer gewissen Zeit nachvollzieh- barer wird, wie der räumliche Zusammenhang der Straßenbauunternehmungen organisiert war, der am Be- ginn des Aufbaus der modernen Verkehrsdrehscheiben bestand. K.L. Dieser Text von Karl-Ludwig Diehl wurde in http://groups.google.com/group/de.sci.architektur und http://groups.google.com/group/de.sci.ing.misc zur Diskussion gestellt. Der Autor ist über folgende Emailadresse erreichbar: baugeschichte (at) email.de Anmerkungen: (1) zitiert aus: o.A.: Ueber Straßenwalzen. S.209-211 u. Blatt 125 in: Allgemeine Bauzeitung. Wien, 1857. S.209 (2) zitiert aus: o.A.: Gußeiserne Straßenwalze. Von Bouillant. S.354-357 in: Allgemeine Bauzeitung. Wien, 1849. S.357 (3) zitiert aus: o.A.: Gußeiserne Straßenwalze. Von Bouillant. S.354-357 in: Allgemeine Bauzeitung. Wien, 1849. S.354 (4)-(6) zitiert aus: o.A.: Ueber Straßenwalzen. S.209-211 u.Blatt 125 in: Allgemeine Bauzeitung. Wien, 1857. S.209 (7)-(10) zitiert aus: o.A.: Ueber Straßenwalzen..., wie vor, S.210 (11)-(12) zitiert aus: o.A.: Ueber Straßenwalzen..., wie vor, S.211; siehe dazu auch: Karl-Ludwig Diehl: Der Be- ginn des Aufbaus moderner Verkehrsdrehscheiben im 19.Jahrhundert: moderne Straßenwalzen verändern den Straßenbau und verbessern Verkehrsverbindungen. Als Aufsatz zur Diskussion gestellt am ...... in: http://groups.google.com/group/de.sci.architektur und http://groups.google.com/group/de.sci.ing.misc[ Auf dieses Posting antworten ]
