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Keine Assekuranz, keine Impfung: orthodoxe Calvinisten in den Niederlanden

Von: Klaus Schaefers (kschaefers@t-online.de) [Profil]
Datum: 03.10.2009 13:30
Message-ID: <ha7cjs$bji$00$1@news.t-online.com>
Newsgroup: de.sci.geschichte de.sci.theologie
Die orthodoxen Calvinisten in den Niederlanden
(aus einer Sendung des Deutschlandfunks):

" 30 tausend Bürger in den Niederlanden sind nicht geimpft; rund 11 tausend
nicht versichert Diese Rechte haben sich die strenggläubigen Calvinisten
1953 erkämpft. Seitdem können sie sich aus Gewissensgründen von der
Versicherungspflicht befreien lassen. Besuch bei Familie Knöps: Die Knöps
haben fünf Kinder, das älteste ist 22, das jüngste neun. Die gesamte
Familie
ist weder geimpft noch krankenversichert. Pieter Knöps hat auch keine
Autoversicherung abgeschlossen. "Aus Gewissensgründen", erklärt der
54-Jährige.

Das Leben ist teuer, wenn man nicht versichert ist. Auf vieles, wie etwa
Urlaubsreisen, müssen die Knöps verzichten. Stattdessen werden Zahnspangen
für die Kinder angeschafft, eine Behandlung kostet gut und gerne 4000 Euro.
Aber das sei nichts verglichen mit den 20.000 Euro, die im September
anfielen, als Elisabeths Vater krank wurde und starb. Noch teurer war die
Behandlung ihres Schwiegervaters, die kostete mehr als 50.000 Euro. Doch in
beiden Fällen konnte die Familie problemlos alle Rechnungen bezahlen:

Auf wundersame Weise landeten Briefumschläge mit Bargeld in unserem
Briefkasten, das ist in unseren Kreisen so üblich - ohne Absender.

Denn wenn es finanziell eng wird, helfen sich die strenggläubigen
Calvinisten gegenseitig. Das sehen sie als ihre Pflicht an. In Bewegung
allerdings komme diese wundersame Hilfe natürlich nur durch einen - Gott:

Wie durch ein Wunder wurde uns immer geholfen. Egal, ob es Krankheiten
waren, Verletzungen oder Unfälle - wir konnten immer ohne Versicherungen
überleben. Was wir brauchen, bekommen wir. Dafür sorgt der Herr."


http://www.dradio.de/dlf/sendungen/gesichtereuropas/893861/

Des Menschen Wille ist sein Himmelreich, heißt es. Wenn aber ein nicht
versicherter Niederländer einen schweren Autounfall -etwa mit Millionen
Schaden- verursacht, was würde Calvin
und insbesondere der Geschädigte dazu sagen,
wenn er noch was sagen kann?


Immerhin stand Calvin einem modernen Wirtschaften nicht entgegen:

"Vielfältig wirkt Calvin auf das wirtschaftliche und politische Geschehen
seiner Zeit ein. Folgenreich für das wirtschaftliche Leben ist seine
positive Haltung zum verzinslichen Produktivdarlehen. Hatten noch Luther und
Zwingli das Zinsnehmen grundsätzlich als Wucher verurteilt, so unterscheidet
Calvin zwischen Wucher und einer mäßig verzinsbaren Darlehenshilfe, die er
allerdings an strenge Bedingungen knüpft, und ebnet so den Weg für modernes
Wirtschaften. Auch seine Hochschätzung der menschlichen Arbeit und seine
religiöse Durchdringung des weltlichen Berufes haben starke wirtschaftliche
Entwicklungskräfte freigesetzt...Dennoch erscheint es verfehlt, Calvin zum
Vater des Kapitalismus wie zum Ahnherrn der modernen Demokratie auszurufen.
Fest steht allerdings, daß Passivität und Quietismus der calvinischen
Tradition stets fernlagen. Der einzelne wird ermutigt, seinen Glauben in der
Wirklichkeit der Welt zu bewähren, indem er an dieser Wirklichkeit arbeitet
und sie im Sinne seines Glaubens gestaltet - im
Vollzug seiner persönlichen Heiligung. Von daher hat die von Calvin sich
herleitende Theologie stets großes Interesse an Fragen der wirtschaftlichen
und politischen Ethik gezeigt."
[Taschenlexikon Religion und Theologie]

Ohne Versicherung Auto zu fahren, scheint mit (Calvins) Ethik kaum
vereinbar, oder?

Gruß

Klaus




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