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Re: Biomechanik/Heuschmann und Co.

Von: L.S. (luisesanders@yahoo.de) [Profil]
Datum: 15.06.2009 13:11
Message-ID: <fe670463-96f0-4908-848c-19bd7ebc7030@g1g2000yqh.googlegroups.com>
Newsgroup: de.rec.tiere.pferde
On 14 Jun., 22:35, "Pierre B." <pie...@starcumulus.owl.de> wrote:


Hallo Pierre,

Das was Chrstine über die Theorie eines Kotzab zur Biegung geschrieben
hat, kommt mir
auch merkwürdig vor und scheint nicht mit der Reitlehre
zusammenzupassen. Aber solange ich diese Aussage nicht im originalen
Textzusammenhang gelesen habe, will ich keine Spekulationen darüber
anfangen.

>Die Geschichte oben mit der Biegung ist ein Beispiel, die mich extrem
>stark an das Fahrrad fahren erinnert:

Das ist schon richtig. Und der Vergleich mit dem Fahrradfahren ist
auch im Reitunterricht ein häufig angewandter Vergleich, um dem
Reitschüler zu veranschaulichen, was er auf dem Pferd machen soll..

>Wenn man eine Linkskurve mit einer Mindestgeschwindigkeit fährt, dann mu
ss
>man nach rechts lenken!!!

Nun, zunächst muss man den Lenker nach links stellen und zwar je nach
Grad der Kurve etwas mehr oder etwas weniger. Und man muss sein
Gewicht auf dem Fahrrad in die Kurvenrichtung legen und man muss in
die Richtung schauen, in die man fahren will. So zumindest mache ich
es als Normalradfahrer ohne physikalische Berechnungen ;-)

So ähnlich funktioniert es auch auf dem Pferd: Der Reiter muss das
Pferd mit dem inneren Zügel nach links stellen – er muss sein Gewicht
nach innen /(links) verlagern und er muss in die Richtung schauen, in
die er reiten will.

ABER genau wie man auf dem Fahrrad den Lenker nicht auschließlich nach
links ziehen
darf - sonst fällt man wohl um -  soll der Reiter auf dem Pferd nicht
nur den Kopf und Hals nach innen (hier links) ziehen, sondern er soll
mit dem äußeren Zügel gegenhalten. Der äußere Zügel
heißt hie
r auch
verwahrender Zügel. Das ist also auch ähnlich wie beim Fahrrad
fahren.  Ich vermute mal, was Du als „rechts lenken“ beschreibst, wär
e
beim reiten „rechts gegenhalten“ oder verwahren.

Allerdings haben solche durchaus veranschaulichende Vergleiche
zwischen Fahrrad und Pferd auch Grenzen.. Beim Pferd handelt es sich
um ein Lebewesen, welches nicht *nur* nach physikalischen
Gesetzmäßigkeiten reagiert. Ein Pferd hat immer noch vielfältige
Möglichkeiten, sich einer Einwirkung zu entziehen, eine andere
Bewegung als die gewünschte zu vollziehen oder Bewegungen, die es zu
sehr belasten zu kompensieren. Besonders in der Biegearbeit sieht man
Kompensationsbewegungen, mit denen das Pferd sein Gleichgewicht !!
wieder in einer ihm angenehmen Form herstellen will und sich der
Belastung zu entziehen versucht. Dazu gehört das sogenannte über die
Schulter weglaufen oder ausfallen. Hier nimmt das Pferd nur Kopf und
Hals zur Seite, entzieht sich einer Biegung im Lendenbereich und läuft
geradeaus weiter.

Auch das Gegenteil kann passieren: Das Pferd drückt mit der Hinterhand
nach innen und vermeidet es so, mit dem inneren Hinterbein Last
aufzunehmen. Mit solchen Reaktionen werden dann wieder andere
Belastungsmuster in Gang gesetzt.

Während der Radler sein Gleichgewicht selber halten muss, kompensiert
das Pferd also Bewegungen unabhängig vom Menschen. Diese
Kompensationsbewegungen des Pferdes können so subtil sein, dass nur
geübte Beobachter und Reiter sie erkennen oder erfühlen.

Kurzgefasst: Zieht man den Lenker auf dem Fahrrad nur nach links ohne
rechts zu lenken würde man wohl umfallen. Zieht man auf dem Pferd Kopf
und Hals nach links ohne rechts gegenzuhalten fällt das Pferd nicht
gleich um, sondern es kompensiert und es entstehen andere Belastungen.

>Für mein Verständnis, bei einem "sich in die Kurve legen",
müsste
>es in einem Spezialfall (das alle vier Beine auch in einer Kurve die gleic
hen
>Schritte machen, wie wenns gerade aus geht) auch so sein.
>Oder kurz: Pferd läuft auch in der Kurve gerade aus.


Das ist auch in Sachen Reitlehre gar nicht mal so falsch. Hier hast Du
in wenigen
Worten ein sehr schwieriges Konzept der Ausbildungskala umrissen:
Geraderichtung.

Au weia ;-)

Gruss
Luise



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