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Der (nicht-ganz) Nordsee-rund - Törnbericht

Von: Hei ner Rist haus (windjaeger@gmx.de) [Profil]
Datum: 15.10.2009 16:54
Message-ID: <4ad73795$0$6648$9b4e6d93@newsspool2.arcor-online.net>
Newsgroup: de.rec.sport.segeln
Hallo zusammen,

ich will mich kurz von meinem traumhaften Törm zurückmelden und einen
kleinen (?) Bericht abgeben. Ich war vom 25.7. -  28.9., davon die meiste
Zeit einhand, unterwegs. Ich habe dabei vier Länder bereist und insgesamt
nicht ganz 1900 Meilen davon ca. 900 unter Segeln) zurückgelegt. Ebenso
hatte ich viele an-, teilweise auch aufregende Erlebnisse und interessante
Begegnungen.

Das Wetter war zuerst sehr sommerlich und wurde ab Mitte August (natur-,
zeit- und regionsbedingt) wechselhaft, insgesamt aber sehr
zufriedenstellend. Regen gabs natürlich auch, meistens Regenschauer von
kürzerer oder auch mal längerer Dauer, echte Regentage eigentlich nur ein
oder zwei. Und bis zum Schluss viel Sonne bei häufig kühlem Wind.

Die ursprüngliche Idee umfasste den Weg durch den englischen Kanal und dann
die Irische See hinauf. Ich hatte eigentlich gehofft, ab Süd-Holland ein
Wetterfenster mit ein paar Tagen NW-SO zu finden, um die Passage durch den
Kanal zu machen. Allerdings hatte sich eine so stabile SW-Lage eingespielt,
dass ich mich gegen Kanal und Irische See entschieden habe. Da ich
spätestens Ende August in Schottland sein wollte, befürchtete ich zuviel
Zeitverlust und bin deshalb stattdessen die englische Ostküste raufgefahren
(die sich als sehr reizvolles Revier herausgestellt hat).

Nochmal vielen Dank an alle, die mich im Forum oder auf anderen Wegen mit
Informationen versorgt oder sonstwie unterstützt haben.

Heiner

Und nun denn Rest im Telegrammstil:

25.07.2009 - von Kappeln nach Kiel-Holtenau

Samstag. Es geht los, der erste Tag zum Eingewöhnen. Ruth, meine Freundin
ist dabei und wir freuen uns, dass wir noch ein gemeinsames Wochenende
haben. Holtenau ist Durchgangshafen für den Kanal, interessant sind der
Verkehr und die Leute aus verschiedenen Nationen

26.07.2009 - Brunsbüttel (über Rendsburg)

Frühmorgens in den Kanal. und über Rendsburg, wo ich Ruth absetze, nach
Brunsbüttel.

27.07.2009 - Cuxhaven

Besorge noch ein paar Kleinigkeiten und bleibe wg. Sturmwarnung einen
Extratag im Vereinshafen.

29.07.2009 -  Lauwersoog

Am Vormittag geht's los, bis abends über Weser und Jade und durch die Nacht
an den ost- und westfriesischen Inseln vorbei. Viele Fischer in der
Küstenzone, und ein Kabelleger im nahen Trennungsgebiet. Am folgenden Mittag
nehme ich bei Schiermonnikoog Kurs auf Lauwersoog und die Stande-Mast-Route
durch Holland, weil ich mir die angesagten SW 6-7 auf der Nordsee sparen
will. Der nächste Tag ist ein stürmischer Hafentag im sterilen Lauwersoog.

31.07.2009 - Sneek

Im Pulk von 8 Booten geht's entlang der Kanalroute in Richtung Lemmer. Bis
Leuwarden ist die Strecke wunderschön, danach wird's etwas langweilig. Ich
schaffe es an dem Tag nur bis Sneek, mitten in die Sneek Week. Treffe meine
Freunde Klaus und Greta aus Lemmer, die bringen noch Ursula aus
Gelsenkirchen mit, die bei ihnen zu Besuch ist. Wir haben uns alle schon
seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen und viel zu quatschen.

01.08.2009 - Lemmer

Weiter geht's nach Lemmer, dort bleibe ich noch einen Tage mit meinen
Freunden, bevor ich mich dann auf den Weg nach Amsterdam  mache.

03.08.2009 - Amsterdam

Als ich Lemmer verlasse, ist es noch trübe und windlos, in Amsterdam aber
sonnig und im Sixhafen brechend voll. Das Tolle am Sixhafen ist, dass er
mitten in der Stadt liegt. Ein kurze Fahrt mit der kostenlosen Fähre, und
man ist am Hauptbahnhof. Ich lege einen weiteren Hafentag ein, besorge mir
die Seekarten für das nächste Fahrgebiet, mache einen Stadtbummel, eine
Grachtenrundfahrt, genieße den Sommerabend im Straßencafe , kurz: ich liebe
Amsterdam.

06.08.2009 - Lowestoft (über Ijmuiden)

Ich fahre frühmorgens von Amsterdam los. Ich habe Glück, der Hafen ist nicht
so voll wie am Vortag und ich kann raus, ohne auf irgendjemanden warten zu
müssen. Die Fahrt nach Ijmuiden ist alles in allem eher langweilig. In
Ijmuiden tanke ich noch einmal auf und dann geht es los auf die Nordsee.
Gefühlte Windstärke: umlaufend 1, die Nordsee wird bis zum nächsten  Morgen
unter Motor überquert.

Nach Funkabsprache mit dem Hafenbüro und kurzer Wartezeit an der Brücke
fahre ich zur Vereinsmarina. Dort erlebe ich viel Gastfreundschaft und
Hilfsbereitschaft, wie überall in GB. Der Ort ist ganz nett, aber eigentlich
auch schnell gesehen. Das Wetter ist toll und warm, am Strand ist es richtig
sommerlich. Hinter Lowestoft geht es in die Broads, die als schönes
Bootsrevier gelten und wo man sich auf ein Powerboatrace am Wochenende
vorrbereitet. In einem Pub trinke ich eine Bier, lausche der Livemusik und
quatsche mit ein paar Einheimischen.

08.08.2009 - Wells-next-the-Sea

Wells ist hübsch, mehr noch die Umgebung, Strand und Marschgebiet sind lange
Spaziergänge wert. Der Wells-Carnival bist allerdings eine Touri-Kirmes,
sollte man sich sparen. Der Hafen fällt weitgehend trocken und kann nur in
einem Fenster um die Hochwasserzeit angelaufen werden.

11.08.2009 - Whitby

Trip durch die Nacht mit eindrucksvollem Erlebnis vor Flamborough Head: nach
Winddrehung steht dort kräftiger Wind gegen Strom und erzeugt bereits nach
sehr kurzer Zeit einen chaotischen  und steilen Seegang. Bin froh, als ich
am späten Nachmittag Whitby erreiche. Tolle gotische Abbey auf den Klippen
mit alter Kirche und Friedhof nebenan erzeugen Draculaatmosphäre,
sehenswerte Stadt mit vielen kleinen Gassen.

14.08.2009  - Blyth

Komme erst nach elf  in Blyth an. Nachts ist die Einfahrt schwierig, da die
hohen Molen sehr schlecht beleuchtet vor hellem Hintergrund sind und mit
Gischt  auf der Brille wie ein schwarzes Loch wirken. Tolles Clubschiff,
nette hilfsbereite Leute und super Strand. Man kann herrlich durchs Waaer
nach Seaton Sluice wandern.

16.08.2009 - Holy Island

Schöne kleine (Halb-)insel, alte Abbeyruine, netter kleiner Ort und schöner
Fischerhafen. Ich ankere direkt unterhalb des Richtfeuers. Leider regnet es
immer wieder.

18.08.2009  - Dunbar

Der erste schottische Hafen mit Liegeplatz an der Sandsteinmauer. Netter
kleiner Ort mit Wellnessbad oberhalb des Hafens. Von dort aus Tagestour nach
Edinburgh, tolle Stadt mit vielen Sehennswürdigkeiten und Kleinkunstfestival
in der gesamten Innenstadt.

21.08.2009 - Peterhead

Mehr als ein reiner Durchgangshafen, gute Marina, Wasch- und
Trockenmöglichkeit im nahegelegenen Wohnmobilpark, außerdem kann ich den
Starkwind aus NW abwettern und die richtige Tide für Rattray Head abwarten.

24.08.2009 - Whitehills

Schöner kleiner Hafen mit sehr nettem Hafenmeister. Werde von ihm mit nach
Banff genommen, schaue mir den Ort an und wandere den schönen Weg am Strand
entlang wieder zurück. Trinke am Abend mit Ian ein Bier. Er arbeitet auf
einer Ölplattform zwei Wochen lang in 12-Stunden-Schichten und hat dann drei
Wochen frei, die er meistens auf seinem Boot verbringt.

25.08.2009 - Lossiemouth

Toller Sandstrand und interessanter Ort, leider etwas spät da. Mitten im
Hafenbecken hat sich ein Fischer festgefahren. Die Airbase nervt mit dem
Gedröhne von Bombertriebwerken bis in die Nacht.

26.08.2009 - Inverness (New Marina)

Zeitweise sehr diesige Überfahrt, trotzdem sind herrliche Sandstrände am
Südüfer des Moray Firth zu erkennen. Wenn es aufklart, auch die Hügel im
Norden. Startker Strom im inneren Firth. Die neue Marina in Inverness ist
noch unfertig, steril und weit ab vom Schuss im Industriegebiet.

27.08.2009 - Inverness (Seaport Marina)

Die erste Marina im Caledonian Canal liegt gemütlich und ist günstig. Ich
sehe Chris wieder, den ich schon in Lossiemouth getroffen habe. Wir testen
uns am Abend durch die Real Ales im Clachnaharry Inn. Hole meine Freundin
mit dem Mietwagen aus Edinburgh ab und wir machen eine Tagestour durch das
Inland. Großes Harleytreffen in Aviemore, leckeres Essen in einem urigen,
typisch schottischen Landrestaurant in Carrbridge.

30.08.2009 - Loch Ness (Urquhart Castle)

Festmachen an Muringboje unterhalb des Schlosses. Ausführliche Besichtigung
und anschließend ein kurzes Schwimmbad bei 13 Grad im Loch Ness. Nessie
lässt sich nicht locken.

31.08.2009 - Fort Augustus

Sehenswerter Ort mit alter Abbey und tollem Blick auf Loch Ness, einigen
netten Kneipen und vielen Wanderwegen durch den Wald, die zum Verlaufen
verleiten. Viele Touris, die einen beim Schleusen und Treideln
fotografieren, d.h. wir sind mal die Sehenswürdigkeit.

01.09.2009 - Gairlochy Lock

Wir gönnen uns noch eine herrlich ruhige Nacht im Kanal, der viel zu schön
ist um durch zu eilen.

02.09.2009 - Corpach

Corpach selbst ist eher langweilig, aber bis Oban ist es uns zu weit, da
gehen wir lieber gleich morgen früh durch die Schleuse. Nach Fort  William
lockt es uns nicht. Stattdessen spazieren wir nach Banavie und essen gut im
Pub an der Schleuse.

03.09.2009 - Corpach Oban/Kerrera

Oban ist eine lebhafte Stadt, die absolut sehenswert ist. Wir besichtigen
den McCaig´s-Tower, eine Reminiszenz an das Colosseum in Rom, erleben einen
tollen und abenteuerlichen Wandertag auf Kerrera, gehen in einen sehr
rustikalen Pub, wo die weibliche Bedienung hart im Nehmen sein muss (und
auch ist), und wettern wieder einen Sturmtag ab.

06.09.2009 - Tobermory

Schöner Törn durch den Sound of Mull. Tobermory ist hübsch und farbenfroh,
der Supermarkt in der Kirche ebenfalls sehenswert. Die Wanderung zum Aros
Park und zum Leuchtturm sind empfehlenswert. Nach heftigem Regen sollten
möglichst Wanderschuhe dabei sein. Erneute Sturm- und Starkwindtage.

09.09.2009 - über Corpach zurück nach Inverness

Von Tobermory geht es zügig zurück zum und durch den Kanal nach Inverness.
Noch ein letzter gemeinsamer Stadtbummel, ein nachahmenswerter Ausflug zu
den Clava Cairns, einer alten Begräbnisstätte, ein gutes indisches Essen,
und dann muss meine Freundin am Sonntag zurück nach Edinburgh zum Flughafen.

14.09.2009 - Portknockie

Portknockie nutze ich nur zum Übernachten, der Hafen ist voll und bietet mir
nur eine Ecke, wo ich mein Boot nicht allein lassen möchte. Hätte gern eine
Wanderung gemacht.

15.09.2009 - Fraserburgh

Fraserburgh ist kein Hafen zum bleiben, wenn die Tide passen würde ginge ich
gleich weiter nach Peterhead. Versorgung ist gegeben, dazu das lustigste
Tanken, dass ich bis jetzt erlebt habe. Auf Anfrage im Hafenbüro nach Diesel
kümmern sich die netten Damen drum. Eine halbe Stunde später kommt ein
Tankwagen aus Aberdeen an, dessen Fahrer ich erstmal erklären muss, dass
mein Abnahmebedarf sich im 50l-Bereich bewegt. Er nimmts mit Humor, er ist
ja nicht  nur wegen mir hier. Der Drei-Tage-Wetterbericht passt, morgen früh
geht's gleich los.

19.09.2009 - Thyborøn

Am ersten Tag guter, kräftiger Wind, aber trübe, die anderen beiden Tage
viel Sonne, relativ warm, aber nur mäßiger Wind. Das erste Drittel mehr
Hubschrauber als Schiffsverkehr, dann so gut wie kein Verkehr, im letzten
Drittel wieder relativ viel, hauptsächlich Fischer. Imposant war es, in der
Nacht durch die Ölfelder zu segeln, und beim Frühstück und nachmittags von
spielenden Delfinen begleitet zu werden. Nach den ersten beiden Tagen war
ich müde, nun habe ich mich entweder an die kurzen Ruhepausen gewöhnt oder
es ist die Vorfreude aufs Ankommen.

Am frühen Morgen gegen drei komme ich an und schlafe nach kurzem Plausch mit
dem Hafenmeister bis nach neun. Thyborøn hat einen herrlichen Sandstrand und
gutes Wetter, genau richtig zum Ausruhen.

20.09.2009 - Nykøbing

Nykøbing ist ein hübscher kleiner Ort, den ich nach einem diesigen Morgen
und einem sonnigen Nachmittag mit viel achterlichem Wind erreiche.

21.09.2009 - Løgstør

Løgstør ist ebenfalls besuchenswert. Hübsche kleine Stadt mit guter
Versorgung und guten Anlagen. Der Hafen ist das Ende eines Kanal, der
parallel zum Ufer verläuft.

22.09.2009 - Ålborg

Immer noch viel Wind, ich fahre nur unter Sturmfock weiter, mit achterlichem
Wind und teilweise Rumpfgeschwindigkeit. Nahezu endloses ausgetonntes
Fahrwasser, da stehe ich persönlich nicht drauf. Für mich ist der westliche
Teil des Fjords der schöne

Erster Eindruck von Ålborg von W durch den Limfjord kommend: nur Büros und
Industrie, Schornsteine und Fabriken, steril. Die Innenstadt ist allerdings
sehr schön und relativ nah am Hafen, mit vielen kleinen Gässchen und Kneipen
und Cafes, Versorgungund Anlagen gut. Der restliche Teil des Limfjords bis
Hals ist für meinen Geschmack eher langweilig bzw. trostlos. Erst viel
Industrie bis zum Vattenfall-Kraftwerk, dann viel Wiesen und ein bisschen
Wald, wenig Abwechslung.

23.09.2009 - Grenaa

Mit 6 aus W Rauschefahrt nach Grenaa. Komme kurz vorm Dunkeln an und lege
kurz vor dem Hellwerden wieder ab. Wirkt sehr künstlich und nicht sehr
ansprechend, ist allerdings nur ein kurzer Eindruck.

24.09.2009 - Tunø

Der Wind hat auf SW gedreht, da muss der Motor ran. Tunø hat mir sehr gut
gefallen. Idyllische kleine Insel, die allerdings im Sommer sehr voll sein
soll. Jetzt herrlich ruhig, und Sonne und Wind laden zu langen Spaziergängen
ein.

25.09.2009 - Årosund

Årosund ist ein moderner, trotzdem ansprechender Hafen. Ich treffe  mich
übers Wochenende mit meiner  Freundin, die mit dem Auto aus Kappeln kommt.
Wir besuchen Haderslev und setzen mit der Fähre zur Insel Åro über, wo man
sehr schön spazieren gehen kann. Die Fiskeestaurant am Hafen ist nicht
gerade billig, aber hat eine interessante und etwas ausgefallene Karte. Mein
Steakburger mit Ruccola und Pesto war sehr lecker.

28.09.2009 - Kappeln

Miit SW 6 komme ich flott nach Schleimünde, dort kommen mir 2,5 kn Strom
entgegen. Am Montag nachmittag gg 4 laufe ich nach zwei tollen Monaten
wieder in Kappeln ein.






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