nntp2http.com
Posting
Suche
Optionen
Hilfe & Kontakt

Vierländertörn

Von: Ulrike Scharfenberger (ulrike.scharfenberger@gmx.net) [Profil]
Datum: 26.07.2009 21:47
Message-ID: <1j3hdmq.swx8ss1o3q9n0N%Ulrike.Scharfenberger@gmx.net>
Newsgroup: de.rec.sport.segeln
Moin @ll,

nachdem Ulli und Joachim schon berichtet haben: hier die Vollversion,
wen' s interessiert :)


Ein Vierländertörn


Deutschland - Dänemark - Schweden - Polen - Deutschland

(Im Einzelnen: Hooksiel- Brunsbüttel - Kiel - Fehmarn - Wismar -
Warnemünde - Klintholm - Ystad - Swinemünde - Stralsund -
Warnemünde -
Fehmarn - Kiel - Rendsburg - Brunsbüttel - Cuxhaven - Hooksiel)

Die Crew: Bernhard, Ulrike und Joachim zeitweise (382 nm)
Gesamtstrecke: 838 nm

Informationen

Wetterquellen: NAVTEX, Wetterinfobox Europa (WIBE), Handy mit
Internetanschluss sowie die einschlägigen Hafeninformationen.
Navigation: für die Grobplanung Map Source auf dem Notebook, ansonsten
aktuelle Revierkarten, Hafenhandbücher und Revierführer


Wann  der Plan entstand, in diesem Jahr Segelurlaub in der Ostsee zu
machen, ist jetzt nicht mehr ganz klar. Aber es gab eine recht lange
Vorfreude. Und als Joachim von dem Vorhaben erfuhr, war klar, dass er
dabei sein wollte.

Am Freitag, dem 26. Juni war es soweit: wir Drei fuhren an die deutsche
Nordseeküste, um uns an Bord einzurichten. Als wir uns unterwegs
zusammentelefonierten, stellten wir fest, dass wir nur drei Kilometer
auseinander waren und auf dem nächsten Parkplatz  zeigten die
Tageskilometerzähler, dass wir lediglich 100 m unterschiedliche
Wegstrecke zurückgelegt hatten, obwohl wir aus verschiedenen Richtungen
kamen. Wenn das kein gutes Omen ist!

Den Samstag nutzten wir, letzte Besorgungen zu erledigen. Am Sonntag
sollte es losgehen. Die Nordsee meinte, der Sonntag wird ein Tag sein,
von dem wir recht viel erleben und schenkte uns eine Tide morgens um
04:25 Uhr. Unsere Freude darüber hielt sich in Grenzen, dennoch
verholten wir am Samstagabend schon mal durch die Schleuse in den
Außenhafen - nichts sollte unsere Abfahrt verhindern.

Am Sonntag, dem 28. Juni klingelte der Wecker um 05:00 Uhr - was für ein
Urlaubsbeginn…

Schon 50 Minuten später legten wir ab und ließen uns vom Strom der
Jade
hinausziehen. Mit Wind 4-5 Bft aus Ost setzten wir die Genua und
schalteten den Motor aus. Auf dem Weg nach Brunsbüttel haben wir sie
dann mehrfach eingeholt und wiederum gesetzt und streckenweise den
Jockel gebraucht. Aber als wir um 18:05 Uhr - nach 60,7 nm - fest in
Brunsbüttel waren, waren wir uns einig: besser konnte es nicht laufen!
Ein Lob an Bernhard, der hervorragend navigierte und alle Tiefen der
Nordsee zum Schnippeln ausnutzte. Brunsbüttel
begrüßte uns mit Kirmes
und Musik. Wir gingen ins Restaurant gegenüber vom Yachthafen, genossen
das Hafenkino und kehrten dann gemütlich zurück auf  unsere
FORTUNA.
Klein, wie die Welt ist, trafen wir noch Bekannte, die einen
Überführungstörn nach Heiligenhafen machten. Aber
schon um 22:30 Uhr
lagen wir in der Koje, weil wir am nächsten Tag relativ früh
los
wollten.

Das aber sollte nicht sein: dicker Nebel stoppte unseren Reisetrieb und
wir mussten uns in Geduld üben und bis 09:15 Uhr auf das Ablegen warten.
Dann hielt uns aber nichts mehr auf und um 20:15 Uhr machten wir fest in
Kiel-Schilksee, wo wir schon von Dieter und Irmi erwartet wurden. Irmi
hatte keine Mühen gescheut, uns mit einem leckeren Abendessen zu
verwöhnen und zu klönen gab es natürlich
reichlich. Wir hatten uns lange
nicht mehr gesehen. Um Mitternacht beschlossen wir, es sei Zeit,
schlafen zu gehen.

Weil bislang alles so prima geklappt hat, gönnten wir uns einen Liegetag
in Kiel, zum einen, um unser Wissen um Kiel und Schiffsbau zu bereichern
und zum andern, um nun endlich ein
Schlewig-Holstein-Nordrhein-Westfalen-drss-Treffen ins Leben zu rufen.

Ersteres gelang mit einem Besuch im wirklich sehenswerten
Schifffahrtsmuseum. Das war ein Tipp von Ulli, den ich an dieser Stelle
gern weitergebe.

Das drss-Treffen gelang abends beim Italiener: Ulli K., Dieter und Irmi,
Joachim, Ulli S. und Bernhard. Wir hatten viel zu erzählen.
Schließlich
kennen wir uns alle ja schon seit Jahren, aber diesmal ist es nun
gelungen, dass nicht nur wir Ullis uns mal persönlich kennen gelernt
haben. Spätestens beim nächsten Ostseetörn muss
das wiederholt werden!

Das Tagesziel für Mittwoch war nicht so hoch gesteckt: Orth auf Fehmarn
sollte es sein. Die Überfahrt war wenig spektakulär: kein Wind. Die
einzige Veränderung brachte ein Sicherungsboot der Marine. Freundlich
wurden wir gebeten, unseren Kurs zu ändern, da heute über
besonders
große Distanzen geschossen wurde und Bereiche außerhalb der Sperrgebiete
auch frei gehalten werden sollten. Natürlich kamen wir dem Wunsch nach.
Um 16:40 Uhr waren wir fest in Orth. Im "Piratennest" gab es leckeres
Essen und gutes Bier. Anschließend erkundeten wir den Ort und die
Umgebung. Das ist relativ schnell getan. Orth besteht im Wesentlichen
aus einem umbauten Marktplatz. Ein altes Speicherhaus erinnert noch
daran, dass es ursprünglich mal ein Handelshafen für die
Verschiffung
landwirtschaftlicher Produkte war.

Am Donnerstag wollten wir eigentlich Deutschland verlassen und den Dänen
unsere Aufwartung machen: Gedser sollte das nächste Ziel sein. Die
Windvorhersage verkündete jedoch, dass an diesem Tag nun gerade mit Wind
aus genau dieser Richtung zu rechnen sei. Das hat uns bewogen, Wismar
anzusteuern. Die alte Hansestadt Wismar stand per se noch auf unserer
"Liste der sehenswerten und bislang nicht gesehenen Städte".
Deshalb
fiel die Entscheidung sehr leicht. Unterwegs stellte sich aber heraus,
dass Rasmus den Meteorologen einen Streich gespielt hat: von Wind konnte
keine Rede sein. Erst kurz vor dem Ziel hatten wir etwas Wind und
konnten für ein Stündchen Segel setzen. Um 17:25 Uhr waren
wir fest im
Stadthafen Wismar. Das war natürlich früh genug, um eine
Orientierungsrunde in Wismar zu drehen, die Altstadt schon mal
anzuschauen und in einem Hafenrestaurant gemütlich guten Fisch zu essen.
Und weil das Wetter so schön war, sitzen wir noch lange in der Plicht,
klönen und freuen uns über den bisherigen Verlauf der Reise,
auch wenn
uns etwas mehr Segelwind gut zu Gesichte stünde. Aber: man kann nicht
alles haben! Oder, wie H.C. zu sagen pflegt: irgendwas ist immer!

Am Freitag gelang es uns zwar, Wismar fast insgesamt abzulaufen, aber
zum  gemütlichen Bummeln oder zu einem Museumsbesuch reichte die Zeit
schon nicht mehr. Deshalb beschlossen wir, einen weiteren Tag der Stadt
zu widmen. Am Samstag bummelten wir also durch die Stadt. Unser erstes
Ziel war das Stadtmuseum. Dort verbrachten wir viel Zeit. Auch die
Geschichte von Wismar ist sehr interessant und im Stadtmuseum
multimedial und damit sehr anschaulich dargestellt. Natürlich mussten
wir dann Kurs auf das Karstadt-Stammhaus nehmen und ein bisschen
shoppen. Gegessen wurde beim "Alten Schweden", eines der ältesten
Bürgerhäuser in Wismar, um 1380 gebaut. Am Abend waren wir
im Kino.

Am Sonntag, dem 05. Juli war eine Ansteuerung Gedser immer noch nicht
ratsam. Deshalb wurde Warnemünde als neues Ziel ausgesucht. Mit
Groß und
Genua wurde auch der Motorkegel gesetzt. Im "Alten Strom" machen wir um
16:50 Uhr fest. Wir machten uns landfein und erkundeten Warnemünde. Seit
unserem letzten Besuch im Jahr 2006 hatte sich aber nichts verändert.
Bei "Mr. Ober" haben wir zu Abend gegessen und in der Eisdiele
"Café
Venezia" haben wir unseren Kalorienbedarf  endgültig gedeckt. Aber es
war lecker und schließlich hatten wir ja auch einen Grund zu feiern.

Am Montag - 07:20 Uhr - ging es nun gen Dänemark: Klintholm war als Ziel
auserkoren. Die Sonne schien, kaum Welle, kein Wind. Gegen Mittag
endlich war es soweit: die Genua wurde gesetzt! In der Kadettrinne war -
Gott sei Dank - wenig los, um 13:00 Uhr hatten wir sie gequert. Um 16:10
Uhr waren wir fest in Klintholm. Im Hafen liegt man gut, ein Strand lädt
zum Baden ein und nebenan gibt es einen netten Fischerhafen. In
Klintholm kann man abschalten: kleiner Ort und viel Natur. Das Liegen im
Hafen und die Versorgung sind gut. Wir gehen spazieren, schießen ein
paar Fotos und essen gemütlich an Bord. Dann sitzen wir noch lange
draußen und gehen gegen 23:00 Uhr schlafen.

Eigentlich wollten wir von Klintholm aus nach Trelleborg. Unser
Hafenhandbuch gab jedoch zu bedenken, dass Trelleborg von Yachten nur im
Notfall angelaufen werden soll. In einer äußersten Ecke gibt es
für
diese Fälle zwar Liegeplätze, aber Service und Versorgung
sind für
Yachten nicht vorgesehen.  Nun, wenn die Trelleborger uns denn nicht
haben wollen: so nahmen wir gleich Kurs auf Ystad. Das war nicht
schlecht: nun konnten wir mal richtig segeln. Um 08:45 setzten wir Segel
und um 17:40 Uhr packten wir sie - mangels Wind - ein.  Da wir schon um
18:30 Uhr - nach 66 nm - fest in Marinan i Ystad waren, kann man von
einem guten Segeltag sprechen.

Da wir für Ystad per se mindestens einen Liegetag eingeplant hatten und
nun auch noch zwei Tage durch Wegfall von Trelleborg dazukommen konnten,
hatten wir für Ystad schon reichlich Zeit. Dass der Wind aber auf 6-7
Bft auffrischte und permanent aus der Richtung kam, in die wir mussten,
machte uns dann doch irgendwann ein bisschen nervös. Freitags wollten
wir zur Insel Rügen, wo Joachim den rasenden Roland gen Westen besteigen
wollte…

Aber nun erst mal zu Ystad. Als Fans des Autors Henning Mankell kennen
wir natürlich aus Büchern und Filmen den Kommissar Wallander
von der
Polizeistation Ystad. Entsprechend haben wir eine Stadt erwartet voll
der Melancholie und durch Verbrechen verbittert. Weit gefehlt: Ystad ist
eine fröhliche lebendige alte Hansestadt mit einer wunderschönen
erhaltenen Altstadt. Die Fachwerkhäuser in der Altstadt sind als
Hofgevierte angelegt und nun mit gemütlichen Restaurants,
Biergärten und
kleinen Lädchen (Kunst und Handwerk) belebt. Das haben wir sehr schnell
zu schätzen gewusst. Denn trotz des Starkwindes war es sehr warm und der
Aufenthalt in den Höfen war sehr angenehm. Die City ist vielseitig und
Bummeln und Shoppen machen richtig Spaß. Die Bekanntheit durch Mankell
hat aus Ystad eine Filmstadt werden lassen, in der auch manch' andere
Filme gedreht wurden und ein Hinweis in einer Info-Broschüre, dass man
stets damit rechnen kann, in Filmaufnahmen zu geraten bewahrheitete sich
sehr schnell als wir in einem Supermarkt unsere Vorräte auffrischen
wollte: ein Kamerateam war gerade zwischen den Regalen beschäftigt.
Gleichwohl empfanden wir es als sehr angenehm, dass Ystad nicht aus
allpräsenten Hinweisen auf Mankell und Wallander bestand. Eine
Führung
mit einem alten Feuerwehrwagen und eine Infobroschüre
ermöglichen es,
auf den Spuren des Kommissars Wallander zu wandeln und die Filmorte zu
besuchen. Wir sind der Broschüre folgend zwei Tage durch Ystad gelaufen,
haben bei Fritjof gefrühstückt und das Haus, in dem
Wallander wohnt,
bewundert.

Die Menschen in Ystad sind sehr aufgeschlossen, hilfsbereit und
freundlich. Man merkt, dass die Stadtstruktur kommunikationsfördernd
ist. Ja, so lebten wir uns immer mehr ein. Gleichwohl verloren wir
unsere Ziele nicht aus den Augen. Dennoch stellten wir am Donnerstag,
dem 09. Juli fest, dass ein Ablegen am Freitag sehr unwahrscheinlich
erscheint. Also begaben sich Bernhard und Joachim am Freitag erneut in
die uns schon so vertraute City, um Reisemöglichkeiten Richtung Heimat
aufzutun. Die gab es auch, was gut war, denn Joachim musste schließlich
zwei Wochen vor uns wieder daheim sein. Am späten Nachmittag gingen wir
noch mal gemeinsam gemütlich essen. Dann ging' s zum Boot
zurück, wo
Joachim seine Sachen holte, um via Taxi zur Fähre zu fahren. Bernhard
und ich planten, am nächsten Tag einen Mietwagen zu leihen.
Hafengebühren bezahlten wir schon mal bis Sonntag und dann ließen
wir
den Abend gemütlich an Bord ausklingen. Joachim verschlief - dank Kabine
- die Überfahrt und kam einigermaßen ausgeruht in
Swinemünde an. Wir
hatten den Plan, nach Swinemünde zu segeln, schon aufgegeben.

Am Samstag stellten wir mit Erstaunen fest, dass im Hafen regelrechtes
Fluchtverhalten festzustellen war. Wie auch an den Tagen zuvor, begann
der Tag mit Flaute. Entgegen der Tage zuvor, hielt sie heute länger an.
Wir kamen ins Grübeln und holten uns alle Wetterinformationen, die wir
bekommen konnten. Von Flaute war nirgendwo die Rede aber eine Drehung
des Windes in Richtung West ließ bei uns die Hoffnung aufkommen, den
gastlichen Ort verlassen zu können. Nun wollten wir aber erst mal nichts
überstürzen und deshalb sorgten wir zunächst
für neue Vorräte, füllten
die Wassertanks auf und tankten Diesel. Am späten Nachmittag - Joachim
war schon fast bei seinem Auto in Wilhelmshaven - legten wir nun auch
ab. Bei Windstärke 6, nur leicht Richtung Westen gedreht, war es ein
Segeln sehr hoch am Wind und die Welle war auch nicht ohne: kurz die
ersten 60 Meilen waren ein "heißer Ritt". Dann ließen Wind und
Welle
nach und da die Nacht nicht richtig dunkel war und der Sonnenaufgang
bevorstand, wurde es langsam angenehm. Am Sonntag um 12:30 Uhr nach 114
nm erreichten wir Swinemünde.

Vor drei Jahren waren wir schon einmal hier und stellten nun fest, dass
sich einiges verändert hatte. Beim letzten Besuch galt unser erster
Anleger dem Einklarieren beim Zoll und unsere letzte Handlung in
Swinemünde war das Ausklarieren. Diesmal stellten wir fest, dass das
alte Zollhaus verlassen war und durch einen neuen Gebäudekomplex,
zusammen mit SAR, im Hafen ersetzt wurde. Bei unserem Antrittsbesuch
erklärte uns der Zöllner freundlich, dass wir in puncto Zoll
nun nichts
mehr zu veranlassen hätten: Dinge ändern sich eben doch auch
oftmals zum
Guten hin. Im Hafen, der noch immer großzügig angelegt ist,
bemerkten
wir natürlich sofort, dass nicht - wie vor drei Jahren - nur
fünf Boote
waren, nein, mindestens verzehnfacht hatte sich das Besucheraufkommen,
die Steganlagen waren um die dreifache Menge erweitert. Auch die alten
Container, in denen die Sanitärbereiche untergebracht waren, gab' s
nicht mehr: ein Neubau ersetzt das alles sehr schön.

Das Städtchen Swinemünde ist durchaus reizvoll, auch wenn
noch einiges
zu tun ist. Das wird in den nächsten Jahren sicher weiterhin
zügig
vorangetrieben. Es wird viel neu gebaut aber auch Vorhandenes
restauriert. Schwierig wird es sicher sein, mit den Sünden der
Plattenbauten auf die Dauer umzugehen. "Einfach abreißen" wird
vermutlich zu teuer und  nimmt schlagartig viel Wohnraum, der durch die
Neubauten nicht ohne Weiteres ersetzt werden kann. Bummeln und Shoppen
macht auf jeden Fall jetzt schon Spaß in Swinemünde.
Für jeden
Geldbeutel ist etwas zu finden und zurzeit steht der Kurs Euro / Zloty
günstig.

Dieselbe Entwicklung wie im Hafen war auch auf der Kurpromenade
erkennbar: Menschenscharen genossen Land, Leute, Wetter und alle
möglichen Leckereien. Bernhard und ich schauten dem Treiben zu und
reihten uns dann, zwar müde, aber auch hungrig, ein. In einem
gemütlichen Gartenrestaurant fanden wir etwas nach unserem Geschmack:
Fisch und Bier. Das polnische Bier mögen wir sehr gern und wir haben
davon auch extra etwas gebunkert, um in Kiel mit Ulli noch ein Bord-DB
nehmen zu können - aber das kam dann ja anders.

Der glückliche Zufall wollte es, dass vier liebe Menschen aus unserem
heimischen Umfeld Urlaub in Swinemünde und Heringsdorf machten. Da wir
deshalb natürlich einen Liegetag eingeplant hatten, haben wir uns
zusammentelefoniert und am nächsten Tag, dem 13.7., zusammen ganz
hervorragend in einer etwas versteckten Chata an der Promenade reichlich
gute polnische Küche genossen und natürlich wieder das
leckere
Weizengetränk zu uns genommen.

Auch wenn es reizte, für den nächsten Tag wiederum
gemeinsame Pläne zu
schmieden, um noch mehr von all den Leckereien zu probieren, so blieben
wir aber standhaft und machten am 14.7. die Leinen los, um gen Stralsund
zu segeln. Ein Stück weit ist das auch gelungen, selbst in den
Boddengewässern "flogen" wir, nur unter Genua, mit  sechs Knoten
dahin,
aber dank der Windungen und der damit verbundenen permanenten
Kursänderungen gab es auch immer wieder Motorabschnitte. In den
Boddengewässern erlebt man noch Natur pur: hier wimmelt es von Leben.
Auf der Ostsee haben wir allenfalls mal ein paar Möwen auf dem Wasser
entdeckt, aber in den Boddengewässern gibt es Vielfalt in Flora und
Fauna. Das haben wir sehr genossen.

Um 19:30 Uhr waren wir fest vor der Ziegelgrabenbrücke und nach der
21:20 Uhr-Öffnung waren wir um21:45 Uhr fest im Stadthafen Stralsund.

Mit Wismar, Rostock und Stralsund haben wir drei Städte, die man, so man
in die Gegend kommt, unbedingt gesehen haben muss. Unser Favorit ist
Stralsund. Das beginnt schon mit der Atmosphäre im Hafen. Auf der
Seebühne Stralsund ist immer etwas los, so dass man meist mit
schöner
Musik empfangen wird. Die Stadt ist städtisch und gemütlich
zugleich.
Der Marktplatz ist traumhaft schön und lebendig. Die Geschäfte
sind,
ebenso wie die Restaurants, vielfältig. Natürlich mussten
wir einen Tag
bleiben. Schließlich wollten wir ja sehen, was sich in den letzten drei
Jahren, seit unserem letzten Besuch, getan hat. Einen Fortschritt, den
wir wirklich beeindruckend empfanden, hat es in der Kirche St. Nikolai
gegeben, aber auch in der Stadt haben wir Etliches entdeckt. Mit der
Entscheidung, unseren Hunger in einem Steakhaus zu bekämpfen, gingen wir
auch dem einzigen kräftigen Regenschauer des Tages aus dem Weg:
Glück
muss man haben! Nach einem weiteren ausgiebigen Bummel schlenderten wir
zurück an Bord. Am Abend saßen wir versonnen im Cockpit und
genossen
Musik von der Seebühne und Wein aus unseren Vorräten.

So gern wir auch hier noch einen Tag geblieben wären: am 16.7. um 08:00
Uhr legten wir ab, um 09:45 Genua setzten wir die Genua, um sie um 11:00
Uhr wieder einzuholen und das Groß als Stützsegel zu setzen. Aber
auch
das brachte nicht viel, so dass wir es um 12:30 wieder einholten, um
dann aber am Nachmittag unter Groß und Genua zu segeln. Um 19:50 Uhr
waren wir dann fest in Warnemünde.

Mal wieder lagen wir im Alten Strom. Warnemünde ist sehr lebendig und
auch ein durchaus nettes Städtchen. Allerdings erinnern manche Crews,
die an der Kaimauer liegen, ein bisschen an manche Menschen, die
samstags nur deshalb auf die "Kö" gehen, um zu sehen und gesehen zu
werden.
An den Steganlagen des Warnemünder Segelvereins, an denen auch wir
lagen,  warteten schon die Yachten, die an dem Baltic Sprint Cup
teilnahmen. Mit ihren Flaggen und ihrer Stimmung ließen sie keinen
Zweifel über ihre Vorfreude und Sportbegeisterung aufkommen. Deshalb
ging es uns dann auch sehr nahe als wir von dem Unfall erfuhren.

Am nächsten Tag, dem 17.07. um 08:40 Uhr hieß es wieder ablegen. Um
09:15 Uhr setzten wir, zunächst bei Schwachwind, dann aber stark
auffrischendem Wind, die Genua. Um 16:15 Uhr waren wir fest in Orth auf
Fehmarn. Bei der Hafenansteuerung stellten wir fest, dass es
offensichtlich der absolute Ferienkick ist, vor einlaufenden Booten in
die Hafeneinfahrt zu springen. Die gute Kinderstube verlassend und
vergessend hielt mich nichts davon ab, den drei "jungen Männern"
kundzutun, was ich von ihrem Verhalten halte. Das ließ sie zunächst
einmal die Flucht ergreifen, aber einige Zeit später konnten wir von
unserem Liegeplatz aus sehen, dass sie ihre "Übungen" wieder aufgenommen
hatten. Der Hafenmeister, dem wir von dem Vorfall berichtet hatten,
erklärte nur resigniert, dass er den Jungs schon öfter gesagt
habe, sie
sollen es lassen....

Entgegen unserer Planungen, wurde der 18.07. wegen Regen, Sturm, Wind
aus der falschen Richtung und ungünstiger Wettervorhersage ein
unfreiwilliger Liegetag. Wir nutzten ihn für ausgiebige
Spaziergänge und
Einkäufe zur Auffüllung unserer Vorräte.
Besonders gute Ware (Obst,
Gemüse, Eier, Schinken, Gulasch in Dosen, Eingelegtes etc.) kann man am
Stand auf dem Marktplatz bekommen.

Am 19.07. um 08:45 Uhr war es wieder soweit: Ablegen unter Motor, Kurs
171°, 09:20 Uhr Genua gesetzt, neuer Kurs 270°, 12:00 Uhr Kurs
310°,
12:30 Bugwechsel Kurs 230° kreuzen gegen den Wind - regnerisch, kalt
13:30 Uhr Wind hat abgeflaut, Welle etwas kleiner, Genua eingeholt,
neuer Kurs 270°. Nach kräftigem Regen- und Hagelschauer um 17:45
Uhr
Einfahrt in Schleuse Kiel-Holtenau. Ja, das hatten wir uns anders
vorgestellt. Wir dachten, wir würden in Kiel-Holtenau festmachen, Irmi
und Ulli anrufen, gemeinsam ein DB trinken und den Abend beschließen.
Dieter, irgendwo in der Danziger Bucht, hatte Irmi schon "vorgewarnt"!

Aber nachdem uns Kiel nicht nur eimerweise mit Freudentränen und
Hagelschlag begrüßt hat, öffnete der
Schleusenwärter kurz nach unserem
Eintreffen die Tore. Natürlich wollten wir uns den
geschützten Schoß des
NOK nicht entgehen lassen und nahmen die Einladung an. Beim Ausschleusen
- 18:05 Uhr  - trauten wir unseren Augen kaum: Ragnar, der Kat unserer
Freunde aus Wilhelmshaven! Alle anderen Boote, die ebenfalls auf' s
Einschleusen warteten, nahmen an unserer Freude und Begrüßung teil.
Zu
schnell trennten sich dann aber auch wieder die Wege und wir fuhren gen
West. Um 21:15 Uhr waren wir fest in der Schreiber Marina im NOK. In der
Ansteuerung hatte ich ein bisschen Sorge, dass die Tiefe nicht reichen
könnte. Aber diese Sorge war umsonst. Die Marina liegt ein wenig abseits
des Kanals und damit sehr ruhig und idyllisch. Wie wir feststellten, ist
sie ein TO-Stützpunkt. Damit hatten wir ein bisschen Zeit, die wir durch
den unfreiwilligen Liegetag auf Fehmarn eingebüßt hatten, wieder
aufgeholt.

Um diesen Vorteil auszubauen, legten wir am 20.07. um 06:45 ab und
frühstückten unterwegs. Das Wetter war
zunächst sehr schlecht -
reichlich Wind von vorn - und wurde erst gegen Mittag etwas besser. Um
14:30 Uhr waren wir fest in Brunsbüttel. Ausschleusen machte leider
keinen Sinn da 5-6 Bft, in Böen 7 aus SW-W. Wir riefen erstmal Irmi an.
Das war gut und wichtig, denn Dieter und sie hatten sich natürlich
Gedanken gemacht warum wir uns nicht aus Kiel-Holtenau gemeldet hatten.
Dann entschieden wir uns zu einem ausgiebigen Landgang. Nun ist
Brunsbüttel nicht gerade eine Großstadt, aber der Ortskern ist mit
vielen Geschäften, Restaurants, Eisdielen und Gaststätten
gesegnet, so
dass man ein schnelles Durchlaufen durchaus verhindern kann. Bei einem
irisch "angehauchten" Italiener bekamen wir auch ein gutes Essen und
dazu  norddeutsches und irisches Bier.

Die Wettervorhersage stimmte uns nicht sonderlich froh: WIBE vorhersagte
sogar 6 Bft aus SW. Wind gegen Welle ist per se nicht lustig, aber bei 6
Bft kommt man dann aus der Elbe gar nicht raus. Deshalb beschlossen wir,
am 21.07. um 03:45 Uhr mit Tide 1 abzulegen, um damit schon mal bis
Cuxhaven zu kommen. Den Plan setzten wir auch um und warteten zunächst
einmal eine _ Stunde vor der Schleuse, fuhren um 04:30 Uhr ein und um
05:00 Uhr heraus. Anstelle der vorhergesagten 6 Bft hatten wir Flaute.
Selten haben wir uns dermaßen über Flaute gefreut wie an diesem
Tag. Da
die Sonne schon aufgegangen war, empfing uns nicht nur eine ruhige See
sondern auch eine strahlende. Wenn wir auch "erst" in der Elbe waren, so
fühlten wir die Nordsee doch schon. Flott kamen wir voran und um 07:10
Uhr waren wir fest in Cuxhaven. Tanken (mit Fahrrad und Bollerwagen zur
1 km entfernten Tankstelle - da haben sich mal wieder unsere Kanister
aus Schottland bewährt), essen, relaxen. Mit der 2. Tide um 14:00 Uhr
legten wir wieder ab und hatten noch immer Flaute! Ab und an gab es mal
ein Lüftchen, das uns veranlasste, Segel raus und rein zu holen. Auch
diesmal kamen wir dank ausgeklügelter Navigation, sprich Schnippeln,
rechtzeitig in die Jade und damit nach Hooksiel und mussten nicht den
schon eingeplanten Umweg über Helgoland machen. Um 22:30 Uhr waren wir
in Hooksiel fest am Museumsschiff "Greundiek" im Außenhafen. Dieter
bekam eine SMS und antwortete prompt aus Danzig.

Am nächsten Morgen, dem 22.07.,schleusten wir und erreichten unseren
Liegeplatz um 09:50 Uhr. Ein schöner Törn war zu Ende und wir
waren
froh, dass auch diesmal wieder Boot und Crew unbeschadet daheim
angekommen waren.


Fazit:

Ein Ostseeurlaub hat durchaus viele Vorteile: schöne Landschaften, keine
Tide, viele Häfen und damit ein hohes Maß an
Flexibilität. Wir hatten
zwar einen Plan, konnten innerhalb dessen aber durchaus die Tagesziele
dem Wind gemäß variieren. Aber auch hier stellten wir fest, dass
die
Windstärken meistens sehr korrekt vorhergesagt werden, die
Windrichtungen hingegen durchaus variieren. Wie auch in der Nordsee sind
die sogenannten moderaten Winde eher selten: es dominieren
Starkwind/Sturm oder Flaute.

Auch wenn das Segelwetter optimaler hätte sein können, so war
das
Urlaubswetter insgesamt doch recht gut. Viel Sonne, hohe Temperaturen
ließen sich gerade durch die oftmals zu bewegte Luft gut aushalten. Zum
Baden war das Wetter meist geeignet. Die Info, dass es zurzeit reichlich
Gelbalgen gäbe, die der Haut und den Schleimhäuten schaden
können,
vertrieb uns allerdings das Badeverlangen.

Unsere Wetterinformationen haben wir im Wesentlichen aus der WIBE und
den Hafenanschlägen erhalten. NAVTEX-Meldungen für' s Revier
waren eher
selten, anders als in der Nordsee, wo ständig wichtige Informationen
ankommen.

Was die Häfen, die wir nun kennengelernt haben, betrifft, so sollte man
Werbungen, die darauf beruhen, neue Hafenanlagen zu preisen kritisch
betrachten: neue Sanitäreinrichtungen und eine eCard bedeuten noch lange
nicht Betreuung, Service und Komfort. Oftmals rennt man sich die Hacken
ab, bis man an ein solch begehrtes Teil kommt. Damit ist dann aber noch
nicht klar, welche Leistungen sich dahinter verbergen, weil diejenigen
Personen, die die Karten ausgeben, nicht unbedingt umfänglich informiert
sind. Die Zeiten von Hafenmeistern, so überhaupt welche vorhanden sind,
sind oft recht knapp bemessen. Ach ja, und nicht zu lange im Voraus
bezahlen. Lässt das Wetter dann doch eine frühere Abreise
zu, können
eingezahlte Hafengebühren nicht mehr ausgezahlt werden. So in Ystad
erlebt.


--
Sportliche Grüße
Ulrike

Segeln und segeln lassen

[ Auf dieses Posting antworten ]

Antworten