Re: Meter und Meilen in der gewerblichen Seefahrt?
Von: Michael Hess (mhess_de@web.de) [Profil]
Datum: 17.06.2009 02:44
Message-ID: <79qsjaF1sf933U1@mid.individual.net>
Newsgroup: de.rec.sport.segeln
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Alexander Stielau schrieb: > Am Wed, 17 Jun 2009 07:06:36 +0900 schrieb Michael Hess: Das Hier hast du leider weggesnippt was durchaus meine Antwort verstellen kann. >>> Die Seemeile hat genau eine Definition, sie ist der sechzigste Teil >>> eines Breitengrades, also eine Bogenminute. >>> >>> Die Seemeile leitet sich direkt aus dem Georeferenzmodel eines >>> sphärischen Körpers (also einem sphärischen Polarkoordinatensystem) ab >>> und ist eigentlich ein geometrisches Maß - das ist der Clou dabei - die >>> Seemeile funktioniert als Maß nämlich auch, wenn der Erdumfang nicht >>> genau bekannt ist, was eben bei der Einführung dieses Modells auch nicht >>> der Fall war. >>> >>> Du bekommst diese Probleme erst, wenn Du versuchst, dieses geometrische >>> Maß in die aus Deiner Sicht bürgerliche Repräsentanz einer Länge (also, >>> ein Abstand zwischen zwei Punkten) umzurechnen. Dieser Wille ist >>> verständlich, aber bezogen auf die Erdgestalt und größere Entfernungen >>> eigentlich Quatsch, weil die Erde eben ein sphärischer Körper und keine >>> plane Fläche ist. >>> >>> Wenn Du dieses System gewohnt bist, und auch entsprechende Karten hast, >>> hat es viele Vorteile, weil Du dort eben sehr leicht nicht nur >>> Entfernungen, sondern auch Geschwindigkeiten und Zeiten entnehmen >>> kannst. So sind z.B. 15° Grad Länge eben z.B. genau eine Stunde, weil >>> die Erde 360° hat und sich in 24 Stunden einmal um sich selbst dreht. >> Das funktioniert leider nur im Grossen Masstab des alltäglichen >> Lebens... ist aber leider eben wissenschaftlich spätestens >> problematisch aus vielen Gründen. > > Nenne einen. Korrektursekunde/Minute/stunde Schaltjahr Leider sind eben 15° Länge nicht genau 1Stunde für den meisten Fällen ist es aber ausreichend präzise Annahme Der Tag hat ja genauso eben keine genau 24h Allein schon der unterschied zwischen siderisch/solar/tropisch und Sternzeit macht das einem schnell klar IMHO Das ist eben die Krux die Erde ist kein Uhrwerk wo sich alles schön aufteilt. Hier ein kleines Zitat zum Thema tropisches Jahr. Die antiken und mittelalterlichen Astronomen hatten keinen Grund zu bezweifeln, dass die Länge des so definierten tropischen Jahres stets konstant sei. Zur Messung genügte es also, z. B. den Zeitabstand zwischen zwei beliebigen Frühlingsäquinoktien zu messen und durch die Anzahl der verflossenen Jahre zu dividieren. Die Newtonsche Gravitationstheorie zeigte jedoch, dass die Planeten ihre Bahnen gegenseitig geringfügig beeinflussen. Aufgrund dieser Bahnstörungen durchläuft die Erde ihre Bahn nicht immer in exakt dem gleichen Zeitraum. Die folgende Tabelle gibt einige Beispiele für den zeitlichen Abstand zweier Durchgänge der Sonne durch den Frühlingspunkt: 2000 ? 2001 365d 5h 55m 28s 2001 ? 2002 365d 5h 45m 26s 2002 ? 2003 365d 5h 43m 37s 2003 ? 2004 365d 5h 48m 52s 2004 ? 2005 365d 5h 44m 47s 2005 ? 2006 365d 5h 52m 10s 2006 ? 2007 365d 5h 41m 51s deswegen ist alles was wir hier auf der Erde machen eben Definitionssache. >> Schön, das eigentliche Problem ist aber (was ich auch Peter >> verzweifelt zu erklaeren versuche) >> das >> 1) kein Einheitensystem in Stein gemeißelt ist. > > Das ist kein Einheitensystem! Du versuchst nur eins daraus zu machen, > weil Du einen Maßstab anlegst, um die Ausdehnung einer Bogenminute in > der Ebene zu begreifen. Eine Bogenminute ist auch auf dem Jupiter oder > auf einem Fußball eine Bogenminute. Ja klar ist eine Bogenminute überall eine Bogenminute (solange ich mich im Euklidischen Raum bewege und Einstein artig außen vor lasse ;-) ) aber sie ist eben nicht überall 1852m lang und das ist die Länge auf der die nautische Meile (aka Seemeile) definiert wurde. Und damit ist die nautische Meile Bestandteil eines Einheitensystems. so wie das CGS oder SI System. Denn ein Einheitensystem ist die Zusammenstellung von Massen und Einheiten in der jede Grösse genau einer Einheit zugeordnet ist, wie z.B. die nautische Meile mit 1852m oder ungefähr einer Bogenminute auf dem Standardgrosskreis der Erde. http://de.wikipedia.org/wiki/Einheitensystem Und insofern ist die Benutzung der nautischen Meile natürlich nicht auf ewig zwingend. Sie wird sich aber dennoch noch lange halten weil sie eben in erster Näherung in der Seefahrt so praktisch ist. Alles wo die Angaben zu ungenau werden springen Küsten, Schifffahrtszeichen und Lotsen dann passend zur Hilfe. Wie gesagt GPS z.B. benutzt intern keine nautischen Meilen. Das ist nur was auf dem optischen Interface angezeigt wird. Da könnten genauso leicht (kleine Umprogrammierung) eben km und Gon stehen... nur der Mensch der das liest stände dann wohl erstmal auf dem Schlauch. > >> 2) Die Praktikabilität der Seemeile mit der Mercator-projektion >> zusammenhängt wie hier so schön bei der Erklärung der Seemeile >> gesagt wird. > > Wo ist da ein Problem? > Navigationskarten sind bis auf in den Polregionen Mercatorkarten. Richtig, warum sind sie denn wohl in der Polarregion nicht Mercatorkarten? Weil dann alles nicht funktionieren würde. > UTM/Gauß-Krüger ist zwar ein schönes Koordinatensystem, aber es ist für > Navigation im klassischen Sinne ungeeignet - man kann dort Punkte > machen, aber daraus nicht ablesen, welche Kurs man steuern muß. Ja stimmt, wenn man die Karte richtig den Anweisungen gemäß nutzt. Drücke jemanden Unwissenden ne Seekarte in die Hand und du erlebst Überraschungen. > >> "Nautische Meilen sind in der Seefahrt auch heute noch insofern >> praktisch, als dort oftmals Mercator-Karten zur Navigation >> verwendet werden. Über das Maß eines Breitengrades können so >> schnell Distanzen zweier Positionen in nautischen Meilen bestimmt >> werden. Da Mercator-Karten keine längentreue Abbildung >> darstellen, ist eine solche Vorgehensweise jedoch nur auf >> kleinere Gebiete mit möglichst gleich bleibendem Breitengrad >> anwendbar." > > Ja, richtig. Und wo ist das Problem? > Du hast noch nie mit Mercatorkarten navigiert, oder? Schon oft. Aber ich habe eben auch Leute erlebt die bei einer Karte an der falschen Seite die "Seemeilen" mit dem Zirkel abgegriffen haben... zum Glück war das dann nicht kritisch. Einmal lag es auch nachweislich an der unklaren Aussage des "Wissenden" an Bord der simple sagte "Du kannst die Länge da an der Seite abgreifen!" > >> Ihr die hier mich mehr oder minder heftig anmacht, versucht doch >> bitte mal das Integral für eine Kugelvolumen in einem >> XYZ-Koordinaten System (aka Kartesisches) herzuleiten. >> sagt mir Bescheid wie lange ihr braucht um auf das Ergebnis >> V=(4/3)Pi*r^3 zu kommen. > > Ich verstehe nicht. Es geht darum das sich sphärische Geometrie, wie sie für "Globen" gilt ganz böse mit dem normalen Verständnis des Menschen beisst, der ist nämlich kartesisch vorgeprägt. Das Integral kartesisch zu lösen, weil ja Kugelkoordinaten so umständlich sind (häufiges Argument von Schülern und Studenten in Mathestunden und in der Physik), führt so ab der 2ten Differenziation ins Desaster (mathematisch fast nur mit immensen Zeitaufwand lösbar). > Navigation hat in der Regel das Ziel, Abstand und Kurs von zwei bis mehreren > Punkten auf der Oberfläche herauszufinden (oder man hat eine andere > Unbekannte in der Gleichung). > Das kann man rechnerisch und zeichnerisch lösen. > Von jeher ist das besonders bei kleinen Entfernungen (sagen wir mal > 300sm) zeichnerisch meistens einfacher. Stimmt. Der Rest ist mathematisch gesehen sphärische Geometrie. > Rechnerisch gibt nach kurzem Googlen das hier genug Futter: > http://de.wikipedia.org/wiki/Orthodrome - die passende Formel konnte > schon mein rechenschwächelnder 3com PalmPilot ohne rot zu werden > durchnudeln. Klar Spärische Geometrie ist für "Rechner" einfach. Ist halt Vektorrechung in sphärischer Geometrie ;) Den Mensche von der Strasse den man das vorsetzt, da hakt es dann. Versuch doch mal einem nicht Navigationsvorbelasteten zu erklären warum der Flug sagen wir mal New York - Oslo oder Berlin - Tokio (ich weiss die Flüge gibt es IIRC so nicht das hat aber andere Gründe als Länge sondern hat mit Notfallflughäfen zu tun) oftmals so dich am Pol vorbeifliegt. Oder ICBMs aus dem Norden der USA über Kanada nach Russland fliegen würden (isch weiss kalte Krieg ist vorüber man müsste mal sich neue Beispiel ausdenken) Oder warum die Karten der Fluglinien mit ihren Zielflughäfen so grosse Bögen haben und keine graden Linien sind. Du wirst feststellen das der Begriff Grosskreiskurs (eben besagtes Orthodrom) bei den meisten auf geometrisches Unverständniss stößt. Servus, Michael -- 34Deg. 52' 25.04'' N; 135Deg. 39' 38.92'' E "Gott gebe mir die Kraft zu ändern, was ich kann. Das Unvermögen zu akzeptieren was ich nicht kann und die Unfähigkeit den Unterschied zu erkennen!" (Calvin)[ Auf dieses Posting antworten ]
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