Rheinwoche 2009
Von: Ignatios Souvatzis (u502sou@beverly.kleinbus.org) [Profil]
Datum: 02.06.2009 12:45
Message-ID: <slrnh2a0mf.kqt.u502sou@marie.beverly.kleinbus.org>
Newsgroup: de.rec.sport.segeln
Datum: 02.06.2009 12:45
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Als Motto sei ein Orwell-Zitat vorangestellt: "I must work harder." Wir (D., N. und ich) sind Freitag Mittags zu dritt in meiner BM (Zestienkwadraat) 'runter nach Porz gesegelt, drei Piraten und der anderen BM auf den Fersen. Unser Vorsitzender nebst Frau auf seiner Hansa-Jolle kam erst deutlich später hinterher, und der vierte Pirat aus dem Verein (wenn auch kein Clubboot) stand eh auf dem Hänger, so dass H. auf dem Landweg angereisen und in Porz eingekranen wollte. Leider war der Wind teilweise so mäßig, dass wir nach zwei Stunden feststellten, dass wir die Verabredung zum Motorabholen und Gepäckbringen nicht mehr hätten einhalten können[1] - also haben wir den Motor angestellt, die Fock geborgen und sind hoch am Fahrtwind weitergefahren. Zum Ausgleich hatten wir zwischendurch und dann auf dem letzten Stück recht starken Wind, so dass ich mir wünschte, im Flautenloch rechtzeitig das Großsegel geborgen zu haben... Am Ende waren wir, wenn auch nur knapp, als Erste im Hafen des CfWP und angelegt, und konnten unser Gepäck abholen sowie Motor, Tank und N. wieder loswerden. N. wollte wieder nach Hause - er sollte uns dann Montag den Anhänger nach Emmerich bringen - und meine Liebste hatte noch den Auftrag, unseren Sohn doch vom Rugbytraining pünktlich abzuholen, was zu der festen Zeit führte... Die Wettfahrten wurden - ein Novum in der Geschichte der Rheinwoche- alle gestartet. Die Winde auf den ersten drei Etappen (Porz-Hitdorf, Hitdorf-Neuss und Neuss-Rurort) waren scheußlich - nicht so sehr wegen der Stärke, sondern wegen der Böigkeit, und der extremen Drehwinkel. So habe ich das auf dem Rhein noch nie erlebt. Jan Kochem, der Vorsitzende der Regattagemeinschaft Rhein fasste es an einem Abend so zusammen: "Wind im Mittel 3 Bft., tatsächlich zwischen 0 und 5 schwankend", was seinem Schärenkreuzer angeblich gefiel. Ich fand es stressig. Es ist schon doof, wenn man für den Kahn 3 Sekunden zum drehen braucht, aber der Wind alle ca. 2 Sekunden um ca. 90° gedreht hat. Jan meinte nur, er müsse bei seinem Schiff schon eine Minute vorher das Ruder legen, damit der Kurs dann zu dem Dreher passt, den er dazu in Richtung und Winkel richtig geraten haben muss. Einige andere hatten übrigens deutlich mehr Probleme - bei der (hm, ersten?) Etappe wollte ich schon einen scheinbar mit voller Kraft rückwärts motorenden Kajütsegler zu Raum auffordern, als wir mitbekamen, dass er auf einer Tonne festsaß. Auch mitbekommen haben wir eine Kenterung eines Sailhorse, und einen Tag später hatte wohl ein hm, Schwertzugvogel? einen Mastbruch. Ok, "nur" geknickt. Sah im Hafen von Wesel aber eindrucksvoll genug aus. Unsere Ergebnisse waren nicht ganz befriedigend. Bei nur 4 BMs, von denen mindestens drei in vergangenen Jahren Anspruch auf die ersten drei Plätze gestellt hatten[1], war es schon eine spannende Regatta. Wir haben meist erstaunlich weit nicht nur Ginger, sondern auch Bernd D's "Daphne" weit hinter uns gelassen. Allein an meine Clubkollegen Michael R. und Hans M. auf Michaels "Flaaris" kamen wir nicht ganz heran, wobei er teilweise zum Greifen nahe war. Aber im Mittel steuert er wohl deutlich präziser, oder riecht die schiffahrtstaktisch richtigen Entscheidungen besser oder sowas. Und er hat anderthalb Trimmmöglichkeiten mehr als ich, was bei wechselnden Winden natürlich auch ein Vorteil ist. Aber wir haben ihn wohl ganz gut gejagt - etwa ein bis eineinhalb Minuten Abstand pro ca. zweieinhalbstündiger Wettfahrt. Die vierte Wettfahrt am Sonntagnachmittag hatte dann etwas gleichmäßigeren Wind- und die fünfte am Montagvormittag war traumhaft. Und spannend. Bernd fuhr nach dem Start uns allen davon, wir schafften es dann eine ganze Zeitlang, zu führen, bis Michael uns dann doch überholte. Er konnte sich nie ganz von uns lösen, war aber nicht mehr einzuholen. Siehe Motto. Am Ende war's dann der fünfte 2. Platz für uns - kein Preis, kein Wanderpreis für die drittplazierte BM, kein Sonderpreis für den ewigen Zweiten (denn eine Piratencrew hatte das auch geschafft). Nunja, man muss das so sehen: kein zerbrechliches (Glaspokale) oder wertvolles (Wanderpreis) Zusatzgepäck auf der Heimfahrt. Was war noch interessant? Z.B. das völlig andere Leistungsverhalten der Piraten, Shark24, und Ynglings gegenüber uns: In das Piratenfeld konnten wir -wie auch in den vergangenen Jahren- auf jeder Wettfahrt ein ganzes Stück hineinfahren. Auf dem größten Teil der Strecke fällt halt der Spinnakervorteil weg... Sehr ungleichmäßig war die Leistung der (gleichzeitig) gestarteten Shark24: bei starkem Wind und Kreuzkurs zogen sie vor, um bei Halbwind dank fehlender oder mißglückter Spinnakermanöver wieder zurückzufallen. Die Ynglings, die bei YS>110 hinter uns gestartet waren, konnten uns problemlos einholen, litten aber auch darunter, dass sie den Spinnaker nicht lang genug benutzen konnten. Ein Herr auf einer Varianta, der mit seinem 11jährigen Sohn segelte. Auf den Schwerwetterstrecken ist er allerdings ohne Fock gefahren- die Klemmen waren zu fest für das kind. Der kleine "Napoleonhafen" in Neuss, mit seiner engen Einfahrt (ich muss leider bei meiner Lackierung ein bischen nachbessern). Dort hätte der Rhein-Maas-Kanal enden sollen, wenn ich das richtig verstanen habe. Jetzt liegen dort ein paar Segel- und Kanu-Clubs sowie ein öffentlicher Bootssteg der Stadt Neuss - nur für Sportboote ohne Motor! Starboote gibt es seit Jahren nicht mehr in der Mehrzahl - auf meiner letzten H-Boot-Regatta konnte ich sie noch einen Mast pro Etappe knicken sehen... Die Solingklasse hat zum zweiten Mal ihre Meisterschaft im Rahmen der Rheinwoche stattfinden lassen. Mehr kann ich dazu, wie auch zu den Geschehnissen etwa bei den H-Booten, nicht sagen, weil die als erste (bzw. zweite) starten durften und dann auch vorne blieben. Allerdings gibt's da nach wie vor mir bekannte Gesichter unter den Preisträgern- beim Träger des ersten Platzes, Thomas Kausen, durfte ich vor Jahren selbst mal die Rheinwoche mitsegeln. Und den H-Boot-Teller bis zur nächsten Rheinwoche an die Wand hängen. Mein Verein bekam übrigens auch einen (Wander)preis: den Jugendförderpreis der Rheinwoche, für den langjährigen Aufbau einer Piratenmannschaft. Das hört man doch gern... An der diesjährigen Rheinwoche nahmen außer vier Piratencrews aus eigener Ausbildung auch der amtierende Jugendwart - und mindestens drei ehemalige Jugendwarte - segelnderweise teil. -is [1] Zum Vergleich siehe http://www.rheinwoche.org/2008/galerie2008/Galerie 2008/Etappe4_files/4_13.jpg http://www.rheinwoche.org/2008/galerie2008/Galerie 2008/Etappe4_files/4_14.jpg http://www.rheinwoche.org/2008/galerie2008/Galerie 2008/Etappe4_files/4_15.jpg -- seal your e-mail: http://www.gnupg.org/[ Auf dieses Posting antworten ]
