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Rheinwoche 2009

Von: Ignatios Souvatzis (u502sou@beverly.kleinbus.org) [Profil]
Datum: 03.06.2009 07:41
Message-ID: <slrnh2c37c.r8q.u502sou@marie.beverly.kleinbus.org>
Newsgroup: de.rec.sport.segeln
Als Motto sei ein Orwell-Zitat vorangestellt: "I must work harder."

Wir (D., N. und ich) sind Freitag Mittags zu dritt in meiner BM
(Zestienkwadraat) 'runter nach Porz gesegelt, drei Piraten und der
anderen BM auf den Fersen. Unser Vorsitzender nebst Frau auf seiner
Hansa-Jolle kam erst deutlich später hinterher, und der vierte Pirat
aus dem Verein (wenn auch kein Clubboot) stand eh auf dem Hänger, so
dass H. auf dem Landweg anreisen und in Porz eingekranen wollte.

Leider war der Wind teilweise so mäßig, dass wir nach zwei Stunden
feststellten, dass wir die Verabredung zum Motorabholen und
Gepäckbringen nicht mehr hätten einhalten können[1] - also haben
wir den Motor angestellt, die Fock geborgen und sind hoch am
Fahrtwind weitergefahren. Zum Ausgleich hatten wir zwischendurch
und dann auf dem letzten Stück recht starken Wind, so dass ich mir
wünschte, im Flautenloch rechtzeitig das Großsegel geborgen zu
haben...

Am Ende waren wir, wenn auch nur knapp, als Erste im Hafen des CfWP
und angelegt, und konnten unser Gepäck abholen sowie Motor, Tank
und N. wieder loswerden. N. wollte wieder nach Hause - er sollte
uns dann Montag den Anhänger nach Emmerich bringen - und meine
Liebste hatte noch den Auftrag, unseren Sohn doch vom Rugbytraining
pünktlich abzuholen, was zu der festen Zeit führte...

Die Wettfahrten wurden - ein Novum in der Geschichte der Rheinwoche-
alle gestartet. Die Winde auf den ersten drei Etappen (Porz-Hitdorf,
Hitdorf-Neuss und Neuss-Rurort) waren scheußlich - nicht so sehr
wegen der Stärke, sondern wegen der Böigkeit, und der extremen
Drehwinkel. So habe ich das auf dem Rhein noch nie erlebt. Jan
Kochem, der Vorsitzende der Regattagemeinschaft Rhein fasste es an
einem Abend so zusammen: "Wind im Mittel 3 Bft., tatsächlich zwischen
0 und 5 schwankend", was seinem Schärenkreuzer angeblich gefiel.
Ich fand es stressig. Es ist schon doof, wenn man für den Kahn 3
Sekunden zum drehen braucht, aber der Wind alle ca. 2 Sekunden um
ca. 90° gedreht hat. Jan meinte nur, er müsse bei seinem Schiff
schon eine Minute vorher das Ruder legen, damit der Kurs dann zu
dem Dreher passt, den er dazu in Richtung und Winkel richtig geraten
haben muss.

Einige andere hatten übrigens deutlich mehr Probleme - bei der (hm,
ersten?) Etappe wollte ich schon einen scheinbar mit voller Kraft
rückwärts motorenden Kajütsegler zu Raum auffordern, als wir
mitbekamen, dass er auf einer Tonne festsaß. Auch mitbekommen haben
wir eine Kenterung eines Sailhorse, und einen Tag später hatte wohl
ein hm, Schwertzugvogel? einen Mastbruch. Ok, "nur" geknickt. Sah
im Hafen von Wesel aber eindrucksvoll genug aus.

Unsere Ergebnisse waren nicht ganz befriedigend. Bei nur 4 BMs, von
denen mindestens drei in vergangenen Jahren Anspruch auf die ersten
drei Plätze gestellt hatten[1], war es schon eine spannende Regatta.

Wir haben meist erstaunlich weit nicht nur Ginger, sondern auch
Bernd D's "Daphne" weit hinter uns gelassen. Allein an meine
Clubkollegen Michael R. und Hans M. auf Michaels "Flaaris" kamen
wir nicht ganz heran, wobei er teilweise zum Greifen nahe war. Aber
im Mittel steuert er wohl deutlich präziser, oder riecht die
schiffahrtstaktisch richtigen Entscheidungen besser oder sowas.
Und er hat anderthalb Trimmmöglichkeiten mehr als ich, was bei
wechselnden Winden natürlich auch ein Vorteil ist. Aber wir haben
ihn wohl ganz gut gejagt - etwa ein bis eineinhalb Minuten Abstand
pro ca. zweieinhalbstündiger Wettfahrt.

Die vierte Wettfahrt am Sonntagnachmittag hatte dann etwas
gleichmäßigeren Wind- und die fünfte am Montagvormittag war traumhaft.

Und spannend. Bernd fuhr nach dem Start uns allen davon, wir
schafften es dann eine ganze Zeitlang, zu führen, bis Michael uns
dann doch überholte. Er konnte sich nie ganz von uns lösen, war
aber nicht mehr einzuholen. Siehe Motto.

Am Ende war's dann der fünfte 2. Platz für uns - kein Preis, kein
Wanderpreis für die drittplazierte BM, kein Sonderpreis für den
ewigen Zweiten (denn eine Piratencrew hatte das auch geschafft).
Nunja, man muss das so sehen: kein zerbrechliches (Glaspokale) oder
wertvolles (Wanderpreis) Zusatzgepäck auf der Heimfahrt.

Was war noch interessant? Z.B. das völlig andere Leistungsverhalten
der Piraten, Shark24, und Ynglings gegenüber uns:

In das Piratenfeld konnten wir -wie auch in den vergangenen Jahren-
auf jeder Wettfahrt ein ganzes Stück hineinfahren. Auf dem größten
Teil der Strecke fällt halt der Spinnakervorteil weg... Sehr
ungleichmäßig war die Leistung der (gleichzeitig) gestarteten
Shark24: bei starkem Wind und Kreuzkurs zogen sie vor, um bei
Halbwind dank fehlender oder mißglückter Spinnakermanöver wieder
zurückzufallen. Die Ynglings, die bei YS>110 hinter uns gestartet
waren, konnten uns problemlos einholen, litten aber auch darunter,
dass sie den Spinnaker nicht lang genug benutzen konnten. D. hat
ein paar schöne Photos von Madame de Kaiser geschossen. Wir brauchten
auf dem zwischen Halbwind und Raumschots wechselnden Schlag ja keine
Spinnakermanöver zu versuchen.

Ein Herr auf einer Varianta segelte mit seinem 11jährigen Sohn.
Auf den Schwerwetterstrecken ist er allerdings ohne Fock gefahren-
die Klemmen waren zu fest für das Kind.

Der kleine "Napoleonhafen" in Neuss, mit seiner engen Einfahrt (ich
muss leider bei meiner Lackierung ein bischen nachbessern). Dort
hätte der Rhein-Maas-Kanal enden sollen, wenn ich das richtig
verstanen habe. Jetzt liegen dort ein paar Segel- und Kanu-Clubs
sowie ein öffentlicher Bootssteg der Stadt Neuss - nur für Sportboote
ohne Motor!

Starboote gibt es seit Jahren nicht mehr in der Mehrzahl - auf meiner
letzten H-Boot-Regatta konnte ich sie noch einen Mast pro Etappe
knicken sehen...

Die Solingklasse hat zum zweiten Mal ihre Meisterschaft im Rahmen der
Rheinwoche stattfinden lassen. Mehr kann ich dazu, wie auch zu den
Geschehnissen etwa bei den H-Booten, nicht sagen, weil die als erste
(bzw. zweite) starten durften und dann auch vorne blieben. Allerdings
gibt's da nach wie vor mir bekannte Gesichter unter den Preisträgern-
beim Träger des ersten Platzes, Thomas Kausen, durfte ich vor Jahren
selbst mal die Rheinwoche mitsegeln. Und den H-Boot-Teller bis zur
nächsten Rheinwoche an die Wand hängen.

Mein Verein bekam übrigens auch einen (Wander)preis: den
Jugendförderpreis der Rheinwoche, für den langjährigen Aufbau einer
Piratenmannschaft. Das hört man doch gern... An der diesjährigen
Rheinwoche nahmen außer vier Piratencrews aus eigener Ausbildung
auch der amtierende Jugendwart -und mindestens drei ehemalige-
segelnderweise teil.


-is

[1] Zum Vergleich siehe
http://www.rheinwoche.org/2008/galerie2008/Galerie 2008/Etappe4_files/4_13.jpg
http://www.rheinwoche.org/2008/galerie2008/Galerie 2008/Etappe4_files/4_14.jpg
http://www.rheinwoche.org/2008/galerie2008/Galerie 2008/Etappe4_files/4_15.jpg

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