Re: Tatort: Schiffe versenken (24.5.2009, ARD)
Von: Alexander Stielau (aleks@oerks.de) [Profil]
Datum: 25.05.2009 11:14
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["Followup-To:" nach de.rec.sport.segeln gesetzt.] Am Mon, 25 May 2009 07:03:01 +0200 schrieb Gödeke Michels: > Die Brücke des angeblichen Containerschiffes sah mir mehr nach > Fischkutter der 20 Meter Klasse aus als nach einem 80 Meter Container > KüMo. Das war ein altes Kümo, das paßt schon. Die allgemeine Gammeligkeit fand ich ziemlich original. > Wenn Container die Ladung sind, warum gibt es dann 2 Frachträume, wo > Kisten lose rumstehen (ungesicherte Ladung)? Das ist in der Tat ziemlich albern gewesen. Ich denke, sie wollten das dramatische Kistenaufbrechen mit Kuhfuß irgendwie darstellen. > Wenn der Kapitän schon merkt, das Ballastwasser fehlt und das Schiff > damit Kopflastig ist, warum wird nicht innerhalb von Minuten > Ballastwasser aufgenommen? Dramaturgie? Ja, daß haben die so dargestellt, als könnte man nur im Hafen zufluten. > Warum wollte der 1. Off. die obersten Container ins Meer werfen? Oben > stehen doch die mit dem leichtestem Gewicht? Oben stehen die, die das beste Verhältnis aus 'muß im nächsten Hafen angefasst/gelöscht werden'/Gewicht/Schutzbedarf (aktiv/passiv) haben. Container werden grundsätzlich mit Twistlocks und Laschstangen gelascht, und nicht wie im Tatort mit LKW-Spanngurten (also einem Laschsystem, das dem Container systemeigen ist). Dabei werden nur die von Deck als Nullpunkt gesehenen 3 bis 4 Lagen mit Laschstangen gesichert (weil die sonst einfach nicht mehr handhabbar sind und damit das Schiff bei weitem Überholen Container aus den Lagen darüber verlieren kann (damit das Schiff selbst nicht gefährdet wird). Twistlocks sind Passstücke, die genau auf die Ecklöcher jedes Containers passen. Wenn ein Container auf einen anderen gestellt werden soll, werden diese, wenn der Container an der Laufkatze angepickt ist, unter die Ecken gesteckt, und wenn der Container dann auf den darunter gestellt wird, rasten diese einigermaßen fest ein und verriegeln. Gegen starke Querbelastungen hilft das (absichtlich) nichts. Laschstangen sind lange Metallstangen, die wie in einem Brückenfachwerk über kreuz gespannt werden (wie mit Wantenspannern). Ich hab gerade in meinen Bildern nur ein Bild mit eher kurzen Laschstangen gefunden: http://chaosbereitschaft.de/gallery/user/aleks/sortiert/wassersport/hafen-hh/fahrzeuge/DSC _0262_001.jpg.html > Warum wurden die erst bei Sturmankündigung mit Stoffbändern gesichert > statt gelascht? Das geht eh nur im Hafen vernünftig - dazu kommen dann Laschgangs an Bord, die eigene Besatzung ist dazu zu kopfschwach. > Warum konnt der Teil, der im MAschinenraum spielt nicht in einem > richtigem Maschinenraum gedreht werden statt in so einem > "Spielzeugschiff"? (Ich habe schon einge Maschinenräume von > Containerschiffen gesehen. Das im Film gezeigte war bestenfalls > Kutter). Das Schiff war ein älteres Kümo und kein moderner Containerjäger im Feederdienst. Die Ventildeckel hatten schon realistische Größen, ich kenne solche Maschinenräume aus eigener Erfahrung, und das ist mir nicht negativ aufgefallen. Auf 'Kuttern' hast Du in der Regeln nicht soviel Kopffreiheit. Allerdings ist es fraglich, warum bei einer stehenden Maschine Flammen unter Druck aus irgendwas schlagen (sollte wohl das Indikatorventil sein - als Reminiszens an Johann (das Gespenst) auf U96?). > Wieso ist der Weserlotse erst an der 12 Meilen Grenze von Bord > gegangen? Nach dem Versetzer zu urteilen, war das eher der Hafen- und nicht der Seelotse. So irre schnell fährt so ein Knackfußdamfer ja auch nicht. Ich kenne das Revier nicht, weiß also nicht, wo die Seeposition für den Lotsenversetzer ist, aber er steigt vorher aus :-) Bei einem Abstand von 12sm von den Stranden der Ostfriesischen Inseln n-lich landet man ziemlich genau im Mittelstreifen des VTS German Bight. Der Deutsche Interessenbereich (in dem Schiffe der der Küstenwache angeschlossenen Behörden (Fischereischutz, Bundespolizei, WSD Nord, Zoll, usw) einfach mal so vorbei kommen und sich auch das Recht nehmen, an Bord zu kommen, ist wesentlich größer als der 12sm Bereich. Nennt sich völkerrechtlich wohl 'Anschlußzone', nach UNO 24sm. Deutsche Schiffe vom Typ 'law enforcement' arbeiten aber noch wesentlich weiter draußen durchaus mit polizeilichen Aufgaben. Trotzdem ist es aus dramaturgischen Gründen sicher sinnvoll, diese einzuschränken. :-) > Wieso soll sich das Schiff auf dem Weg von Bremerhaven nach Norwegen > so weit außerhalb der deutschn Hoheitsgewässer bewegt haben? (siehe > die Routen bei marinetraffic.com) Waren sie nicht, die hatten ja die ganze Zeit Gastlands- und Zollverkehrsflagge gesetzt :-) > Als was soll der normale deutsche Fernsehzuschauer die Radaranzeige > mit Namensnennung der Schiffe auf dem Polizeiboot erkennen? Diese Art > von Anzeige dürfte m.M.n. weniger als 0,00001% der Zuschauer bekannt > sein. Du meinst die AIS-Darstellung? Naja - der Effekt war, daß das Signal weg war - darum geht es. In der Praxis ist das in dem Bereich aber ziemlich albern - das führt nur dazu das German Bight Traffic nen Radarecho mit verlorener AIS-Kennung hat - die Systeme, die diese Daten zusammenführen, sind heute schlau genug in so einem Fall den Operator zu alarmieren - ebenso wird ein nicht abgesprocheneri, plötzlicher Kurswechsel zu bohrenden Nachfragen führen. Aleks -- Remember! Everytime You say "Web 2.0" God kills a Startup! http://oerks.de/blog[ Auf dieses Posting antworten ]
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- Niphtal Brokowitzki (25.05.2009 12:16)
- Kandisbunzler (25.05.2009 12:40)
- J. Geraedts. (25.05.2009 13:07)
- Alexander Stielau (25.05.2009 15:19)
- Niphtal Brokowitzki (25.05.2009 16:03)
