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Re: Passagiere erwingen Flugzeugwechsel

Von: Thomas Schreiber (cool-it@gmx.de) [Profil]
Datum: 16.09.2008 01:16
Message-ID: <1185caa8-a705-4e9f-954e-0b0536f33f34@k30g2000hse.googlegroups.com>
Newsgroup: de.rec.luftfahrt
(Flugzeug mit Allüren wie eine Siemens-Straßenbahn.)

Ich würde gern das Risiko ungeplanter Reparaturen diskutieren.

Aus der Computerei kennt man das, "kurz mal eben" die eine Zeile/den
einen Parameter repariert, sodaß "eigentlich" wieder alles tun
müßte.
Auf dem Weg dorthin hat man aber eine breite Schneise der Verwüstung
in den Prozessen/Dateien/Rechten geschlagen, was einen Reboot
erfordert, worauf ein Treiber nicht mehr lädt, daraufhin... kurz: das
System ist für Stunden nicht mehr lauffähig.

Auf die Luftfahrt übertragen: Der Techniker hat z.B. zwar korrekt
einen Schalter an der Tragfläche ausgewechselt, dafür aber einen
Dehmomentschlüssel im Triebwerkseinlauf oder in der Klappenmechanik
liegengelassen. Eigentlich wird über das verwendete Werkzeug Buch
geführt und am Ende verglichen, aber in der Eile hat ihm der Kollege
den falschen 10-100 Nm-Dremo angereicht und dann gleich den richtigen
bis 250 Nm, aber aus einem anderen Werkzeugwagen, der drüben am Lear
Jet stand...

Oder weil das Flugzeug nach dem Startabbruch noch nicht im Reiseflug
war, aber doch sowas wie eine Landung mit Schubumkehr hinter sich hat,
sind irgendwelche Einstellungen nötig, die aber durch Lücken im System
fallen, weil sich das Flugzeug in keinem definierten Zustand befindet.

Ist so ähnlich, wie wenn man mit dem Auto ausgekuppelt auf eine rote
Ampel zurollt. Weil man ja gleich halten wird, achtet man nicht
darauf, welcher Gang noch drin ist oder ob man ihn schon rausgetan
hat. Wird die Ampel dann wider Erwarten noch im Rollen grün, gibt man
beim Einkuppeln entweder im Leerlauf Vollgas oder würgt im 5. Gang bei
Tempo 7 den Motor ab.

Im vorliegenden Flugzeug-Fall gab es einen Fehler, eine Reparatur und
nochmal einen (evtl. denselben) Fehler. Da würde ich mir auch als
aufgeklärter Passagier zumindest Gedanken machen. Experimentalmechanik
(wieviele Lagen Leukoplast sind nötig, damit der gerissene
Kühlerschlauch den Druck hält) oder Komponententausch, bis das rote
Lämpchen auch während des Starts ausbleibt, sind keine für die
Luftfahrt passenden Methoden.



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