Re: Medical und Desensibilisierung
Von: Peer (purzelpenner@yahoo.de) [Profil]
Datum: 23.06.2008 13:24
Message-ID: <6caabb43-a883-46d1-aee6-aa08e0e81ef7@m45g2000hsb.googlegroups.com>
Newsgroup: de.rec.luftfahrt
Datum: 23.06.2008 13:24
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On 20 Jun., 22:05, "Dr. Oliver Brock" <obr...@gmx.net> wrote: > Thomas Borchert schrieb:> Uwe, > > >> warum soll man das beim Fliegen > >> genauso machen? > > > Weil es keine Belege gibt, dass medizinische Probleme eine wesentliche > > Unfallursache sind, bzw. eine, die sich mit Untersuchungen wesentlich > > verringern lässt. Das zeigt sich etwa im LSA- oder Segelflugbereich d er > > USA, wo Medicals nicht erforderlich sind. > > > Vorschriften sollten idealerweise sinnvoll sein... > > Moin Thomas, > > da schleciht sich ein Denkfehler ein: > > Das RISIKO, irgendwas (sudden incapacitation) zu erleiden ist bei einem > Jumbo- oder GLD-Pilot gleich groß (und wird auch entsprechend in der > Bewertung der Befunde gewürdigt. Übrigens ist nicht nur die o.a. sudd en > incapacitation wichtig, sondern es gibt noch ne Menge mehr > chronische/schleichende Zustände, die mit der sicheren Führung sogar > eines Segelflugzeuges NICHT vereinbar sind.) > > NICHT gleich groß ist jedoch das Risiko von Drittschäden (Rundflug-Pa xe, > Paxe, Crew, Flurschaden, Gebäudeschäden etc.). > > Nun schreit ja auch keiner auf, wenn man sagt, Berufspiloten sollen eine > Untersuchung haben. > > Die große Überraschung wird es für alles selbst-zertifizierten gebe n, > wenn irgendwann die Versicherungen die Eigenverantwortlichkeit auch in > ihren Prämien abbilden. > > Auch wird es irgendwann Murren in der Solidargemeinschaft geben, wenn > die noch die gebrochenen Haxen oder Flugzeuge der Alleskönner zahlen so ll. > Als Ergänzung: Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung ist > finanziell und personell dermaßen schlecht ausgestattet, dass eh nur di e > schweren oder tödlichen Unfälle untersucht werden. Obduktionen werden > (leider) nur im Ausnahmefall gemacht... . > > Sorry, aber aus fachlicher Sicht kann ich bestimmte Dinge absolut nicht > nachvollziehen, denn ich habe selbst schon diverse (und ich rede hier > nicht von einer Handvoll) Fälle gehabt, in denen Piloten ihren > Gesundheitszustand maßlos überschätzt haben und zu denen ich noch n icht > mal meine Schwiegermutter ins Flugzeug gesetzt hätte, geschweige denn > ich mich selbst. > > Die FAA betrachtet übrigens immer noch SEHR genau, was sich im > LSA-Bereich tut hinsichtlich der medical related accidents und ist > durchaus bereit, das auch wieder rückgängig zu machen, falls die Zahl en > sich nach oben bewegen. Diese Info habe ich von einem FAA-Mediziner vom > letzten Jahr. > > Also, es gibt immer zwei Seiten..auch die Logik, es würde nichts > passieren trotz medicals ist auch Henne/Ei-mäßig, könnte ja auch WE GEN sein. > > Die aktuellen EASA-Entwürfe sehen jedenfalls auch vo FS-Medical ab, da > dies sehr verschiedenin den Ländern gehandhabt wird.. so muss man in D > ja nur einmal am Anfang einen Sehtest machen, dann nie wieder. > > Gruß, > > oliver Genau hier sehe ich irgendwie einen Denkfehler. Verschiedene gesundheitliche Zustände können genauso die Sicherheit beim Autofahren beeinflussen, es wird dort aber nichts dergleichen unternommen. Gerade das Risiko für Schäden Dritter ist beim Autofahren sehr hoch im Vergleich zur (Privat-) Fliegerei. LSA gibts ja noch nicht allzu lange, aber in verschiedenen Untersuchungen hat sich gezeigt, dass die Unfallwahrscheinlichkeit nicht steigt oder sogar sinkt wenn kein Medical notwendig ist. Dabei gehts dann um Segelflieger oder ULs. Ich weiß auch nicht was großartig dagegen argumentiert wird. Nach dem Motto: "Darunter sind welche, die stellen ein gewisses höheres Risiko dar, das ist nicht zu akzeptieren." kommt man nicht weit. Die Untersuchungen zeigen, dass die Unfallwahrscheinlichkeit nicht steigt. Und nur darum geht es letztlich. Was sich theoretisch ausmalen lässt sollte nicht Grundlage für Gesetze sein. Ist es aber, komischerweise nur bei den Fliegern. Im Straßenverkehr gurken die gleichen Leute rum, die ein Medical für Autofahrer, wenn es eins gäbe, nie bekommen würden. Macht das jemanden nervös? Vielleicht, aber das macht bestimmt keinen Unterschied. So ein Auto-Medical wird es niemals geben. Versicherungsprämien und das Murren in einer solchen Gemeinschaft haben nichts mit gesetzlich vorgeschriebenen Untersuchungen zu tun. Wenn die Versicherungen dort Zusammenhänge sehen, dann wird es so etwas wie Medicals in den entsprechenden Bedinungen finden. Das ist aber jedesmal eine Verhandlungssache zwischen Versicherern und Versicherten. Und da mag es zwar teurer sein wenn man irgendwelchen Anforderungen nciht genügt, aber man wird nicht ausgeschlossen. Es gibt ja auch heute Bedingungen bei den Versicherungen, die nirgends im Gesetz zu finden sind, z.B. Mindeststundenzahlen auf dem Muster oder so etwas. Normalerweise wäre es der Gesetzgeber dem Bürger schuldig, einen Kunjunktiv niemals als Grundlage als ernsthafte Einschnitte in die persönliche Freiheit heranzuziehen. Damit meine ich das "... könnte ja auch WEGEN sein...". Klar könnte das sein. Aber nur weil jeder ein Terrorist sein könnte darf (oder: sollte dürfen) der Schäuble nicht jeden auch so behandeln. Bei Berufspiloten stehen hinter einem Medical auch ganz andere Interessen als bei einem Privatpiloten. Der bekommt Druck wenn er sein medical verliert. Das ist evtl. seine Existenzgrundlage. Das ist bei Privatpiloten nicht der Fall. Dazu kommt das genannte grüßere Risiko für Dritte bei den Dickschiffen.[ Auf dieses Posting antworten ]
