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Re: Airline Flugplan

Von: Tobias Schnell (ts@e-schnell.de) [Profil]
Datum: 24.06.2008 18:25
Message-ID: <gl6264hajtgdu2o305q139hs4pj9bohrqh@4ax.com>
Newsgroup: de.rec.luftfahrt
On Tue, 24 Jun 2008 17:31:21 +0200, tobias benjamin koehler
<tbk.uncia@gmail.com> wrote:

Hallo,

vorweg: Ich habe keinerlei "Insiderwissen", was das Yield Management
von Tuifly oder sonst irgendeiner Airline angeht, meine Ausführungen
sind also nur mögliche Herangehensweisen zu diesem Thema.

>Ja, ein mindestanteil "vollzahler" muss wohl dabei sein. Wie macht
>Tuifly das, werden restplätze zu dumpingpreisen verkauft? Geht also der
>preis kurz vor dem abflug wieder runter, wenn die maschine nicht voll
>ist?

Das wäre sehr ungewöhnlich. Denn wenn man mal von reinen
Urlaubs-Destinationen absieht, muss derjenige, der im letzten Moment
bucht, in aller Regel besonders dringend reisen. Der Preis ist also
für ihn sekundär.

Auch wenn gerade im SWR3-TopThema wieder erzählt wurde, dass nur ein
voller Flieger einer Airline richtig Geld bringt: Das Ziel beim Yield
Management ist sicher nicht, die Maschine bis auf den letzten Platz zu
füllen, sondern den generierten Umsatz (=die Summe der von allen
Fluggästen eines Fluges gezahlten Ticketpreise) des Fluges zu
maximieren.

Sagen wir mal, eine Airline hat auf der Strecke HAM-JFK am 01. April
um 11.00 Uhr ein Flugzeug mit 250 Sitzplätzen im Einsatz (Eco-Class
only). Nun gebe es 100 Leute, die für 800 € diesen Flug nehmen würden,
zusätzlich verkauft die Airline noch ein paar stark rabattierte und
eingeschränkte Billigtickets, um auch die Leute zu ködern, die nicht
für 800, aber durchaus für 500 € fliegen würden.

Am 28.03. sind auf diese Weise 200 der 250 Sitzplätze verkauft. Nun
kann die Fluglinie zwei Dinge tun: Entweder sie verramscht die letzten
Plätze für 200 € (bei einer Destination wie New York dürften bei einer
solchen Aktion auch kurzfristig alle Restplätze an den Mann zu bringen
sein), oder sie spekuliert darauf, dass es ein paar Leute gibt, die
besonders dringend nach New York müssen und deshalb auch 1500 € bereit
sind zu zahlen (zumal diese oft auf Kosten ihres Arbeitgebers
unterwegs sein werden). Nehmen wir mal an, dass es zehn solcher Leute
gibt.

Im Szenario 1 hat die Airline also von den 50 Restplätzen 10000 €
zusätzlichen Umsatz, im anderen Fall 15000 €, und sie muss sich mit 40
Passagieren weniger herumschlagen (Pax-Gebühren, Catering etc.).

Also, ist es nun besser, kurz vor Abflug die Preise zu senken oder zu
erhöhen? Wenn man sich das Pricing in der Praxis betrachtet, wohl eher
letzteres.

Ich bin mir sicher, dass sich bei den Carriern Heerscharen von Leuten
damit beschäftigen, jedem einzelnen Passagier einen Flugpreis
möglichst nahe an der persönlichen Schmerzgrenze abzuknöpfen.

Grüße
Tobias




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