Re: warum?
Datum: 14.05.2008 00:23
Message-ID: <kffbd0i0oy9y.dlg@news.hacktory.de>
Newsgroup: de.rec.kunst.misc
Am Di., 13.05.2008, schrieb Josef Mühlbacher <josef_muehlbacher@utanet.at>: > "Kunst" als Luxus, Freizeitvergnügen? Nein, Freizeit als Luxus. (So schrieb ich es auch.) Ein Vermeer ist freilich auch Luxus, aber es geht ja auch eine Nummer kleiner. Wieviel Vergnügen jemand mit der Kunst verbindet, kann natürlich sehr unterschiedlich sein. Aber darüber habe ich mich überhaupt nicht geäußert. > Wo bringen wir das Bedürfnis nach Aussage in diesem Modell unter, > den heren Drang nach Mitteilung? Das scheint sogar der Ursprung künstlerischer Äußerungen zu sein. Am Anfang war sie Mitteilung, z.B. an Geister. Der Dekorationsgedanke ist jünger, soweit man das der Fundlage entnehmen kann. Hätte der Neandertaler bereits eine Schrift gehabt, hätte sich Kunst evtl. nie entwickelt. Aber wer kann das schon wissen? > Genussfähigkeit ist meiner Ansicht nach gerichtet auf ein Ziel, etwa > Selbstdarstellung (Status), Selbstfindung (Orientierung) oder > Wertfindung (Ratlosigkeit). Das ist etwas ungenau. Der Genuss ist das Ziel. Darauf richtet sich das Streben nach Genuss: Lebensmittel einkaufen, Frauen angraben oder ganz einfach arbeiten gehen, um das alles möglich zu machen. > Pure Kurzweil würde die Existenz von Bildern nur sekundär erklären > (abgesehen von zielgerichteter Werbung etc.). Bis ins späte Mittelalter hat es Kunst zur bloßen Augenweide hierzulande praktisch nicht gegeben. Eine Ausnahme stellen ornamentale Schmuckformen dar. (Die Rede ist nicht von vergnüglichen Kritzeleien im Sand beim Gänsehüten, sondern von "der" Kunst, versteht sich.) > Demnach diente die Herstellung von Bildwerken bloß der Unterhaltung > einer genussorientierten Zivilisation. Das hat niemand gesagt. Oder ist es Deine These? Das "diente" interpretiere ich als Konjunktiv, also eher als Zitat, das aber nicht wirklich zitiert. Wen denn? Meine letztes Posting ist in diesem Punkt zugegebenermaßen ungenau: Der Genussaspekt musste nach der "Erfindung" von Kunst erst an Bedeutung gewinnen, er war ursprünglich vermutlich bedeutungslos. Das ist etwa wie der Unterschied zwischen sattfressen und Cuisine. Letztere ist der breiten Masse erst seit ein paar Jahrzehnten zugänglich. Das älteste (mir) bekannte Artefakt ist ein Steinkistengrab im Drachenloch im heutigen Österreich. Neandertaler haben es aufgeschichtet und darin die Knochen eines Höhlenbären nach einer genauen, nicht mit der Anatomie übereinstimmenden Ordnung abgelegt. Es ist also ein Arrangement, das einen Gestaltungswillen voraussetzt. Es ist nicht anzunehmen, dass man sonntags dorthin ging, um sich diskursiv mit der Komposition auseinanderzusetzen. Vielmehr sollte wohl der Geist dieses gefährlichen Tieres beschworen werden, das vielleicht mal wieder ein Sippenmitglied verspeist hatte. Sakralkunst, sozusagen, angewandte Kunst also. Ebenso wie die Höhlenmalereien in der Tiefe einer Höhle war es auch kaum zugänglich, also zum Genuss schon deshalb völlig ungeeignet. -- Tschüs! Arnulf[ Auf dieses Posting antworten ]
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- Josef Mühlbacher (14.05.2008 14:02)
- Arnulf Sopp (15.05.2008 01:34)
- Josef Mühlbacher (15.05.2008 09:25)
- Gerrit Brodmann (15.05.2008 10:57)
- Arnulf Sopp (15.05.2008 13:51)
- Gerrit Brodmann (15.05.2008 10:55)
- Arnulf Sopp (15.05.2008 13:38)
- Gerrit Brodmann (15.05.2008 18:01)
- Arnulf Sopp (16.05.2008 01:20)
- Gerrit Brodmann (16.05.2008 03:47)
