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Re: Scheimpflugsche Regel (was: Re: Rollei - Artikel des Tages bei Wikipedia.de)

Von: R.R.K0pp (rolf@gmx.com) [Profil]
Datum: 06.02.2007 18:59
Message-ID: <pgghs2trrnfkkdfjsbvjcomokjk38g4jao@4ax.com>
Newsgroup: de.rec.fotografie
benedikth@gmx.net (Benedikt Hotze) meinte:

>R.R.K0pp <Rolf@gmx.com> wrote:
>
>> >> Und selbstverständlich lassen sich auch mittels
Scheimpflug-Methode
>> >> stürzende Linien beseitigen...
>> >
>> >Nein, das ist eben nicht richtig. Scheimpflug dient dazu, die
>> >Schärfeebene zu vergrößen, nicht aber zur
Perspektivekorrektur.
>> >
>> Ah ja, du weißt also Bescheid.
>
>Dein Tonfall ist unangemessen.
>
Lass das man getrost des Vorposters und meine Angelegenheit sein.

>> Sein Verfahren wird "Entzerrung nach Scheimpflug" genannt...
>
>Scheimpflugsche Regel (und nur um die geht es hier) bezieht sich auf
>das, was du selbst zitierst:
>
>> | Objektebene, Objektivebene und Filmebene müssen sich in gedachter
>> | Verlängerung an einem gemeinsamen Ort schneiden, damit verschieden
>> | weit von der Kamera entfernte Punkte gleichzeitig scharf wiedergegeben
>> | werden (siehe Scheimpflugsche Regel).
>
Die Scheimpflugsche Regel meint beides, keines kann vom anderen
getrennt werden. Klugerweise hast du allerdings den entscheidenden
Satz einfach rausgestrichen:
|
| Die sich
| dabei ergebene Regel zur Kameraeinstellung hat für die professionelle
| Fotografie eine große Bedeutung, sie wird immer dann angewandt, wenn
| Schrägansichten unverzerrt wiedergegeben werden sollen, was
| insbesondere in der Architekturfotografie häufig vorkommt
>
Hier steht es, du musst es nur lesen. Ach wenn es nur Wikipedia ist,
es ist richtig.

>Perspektivische Entzerrung mag von Scheimpflug angewandt oder von mir
>aus auch erfunden worden sein...
>
>es ist aber eben genau nicht Gegenstand
>dessen, was man heute unter "Scheimpflugsche Regel" versteht.
>
Bist du "man"? Wann ist "heute"?

Auch wenn es dir nicht gefallen mag, genau das *ist* Gegenstand der
Scheimpflugschen Regel. Generationen von Fotografen wenden
Scheimpflugs Methode schon seit Urzeiten an, um stürzenden Linien zu
vermeiden. Das konnten zwar zuvor auch schon ohne Scheimpflug, einfach
so und ohne besondere Regel. Scheimpflug hat lediglich das schon
längst bekannte Wissen in eine Regel gefasst - was nicht heißen soll,
dass es seine Leistung schmälert.

Das Kippen der Bildebene gegenüber der Objektebene führt zu einer
perspektivisch verzerrten Abbildung. Ein Rechteck wird zum Trapez, bei
einem Gebäude  laufen senkrechten Linien nicht parallel, sie
"stürzen". Und zu allem Überfluss schneidet auch noch die
Schärfeebene
die Bildebene als "Schärfekeil", das Bild ist bei offener Blende fast
nur unscharf. Hier kommt Scheimpflug zum ersten mal ins Spiel, nämlich
mit der Idee, durch geeignetes Kippen der Objektivstandarte die
Schärfeebene so aufzurichten, dass diese parallel zur Bild- bzw.
Objektebene zu liegen kommt.

In der zweiten Abteilung (wegen der hat Herr Scheimpflug diese ganze
Veranstaltung überhaupt erst angefangen) wird nun auch noch entzerrt.
Jetzt hat man zwar ein scharfes Bild, aber es ist verzerrt, stürzende
Linien, Trapez. Kein Problem; gemäß Scheimpflugs Regel werden nun
Bildebene und/oder Objektebene (sind jetzt gegenüber der Aufnahme in
der Kamera vertauscht) in geeigneter Weise gekippt, und schon sind die
Parallelen wieder parallel, das Trapez ist wieder ein Rechteck. Bleibt
auch hier wieder die Objektivebene so zu schwenken, dass die
Schärfeebene parallel zur Abbildungsebene zu liegen kommt.

Dass sich in beiden Fällen alle drei Linien von Bild- Objekt- und
Schärfeebene in einem Punkt schneiden müssen, sagt Scheimpflugs Regel
zwar, ich bezweifel allerdings, dass Jemand in der Praxis dies
tatsächlich nachmisst: das wird irgendwie gefummelt, bis es passt. Wie
früher[tm] auch schon, ganz ohne Scheimpflug.

>>  ein Verweis auf die einschlägige Literatur ist ja vermutlich sinnlos,
>> sowas besitzt du ja bestimmt nicht.
>
>Dein Tonfall ist unangemessen.
>
Auch hier warst du nicht gefragt.
--
Rolf

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