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Kritik: Hannibal Rising

Von: Andreas Edler (andreas@filmfacts.de) [Profil]
Datum: 05.03.2007 12:26
Message-ID: <8MGdnblRO-z8Y3bYnZ2dnUVZ8tWnnZ2d@giganews.com>
Followup-to: de.rec.film.misc
Newsgroup: de.rec.film.kritiken
>                       Hannibal Rising
>         gesehen: 16.02.2007 (Kinoplex - Bad Oeynhausen)

Na, dann will ich mal gucken, was den Herrn Lecter so sauer gemacht hat,
dass er fortan Menschen zum Fressen gern hat. Außer mir wollten das
jedoch nicht allzuviele Kinobesucher wissen. Der zweitgrößte Saal im
Kinoplex war in der Freitagabendvorstellung des Startwochenendes nicht
einmal zu einem Drittel besetzt.

>                          Zum Inhalt ...

Familie Lecter verlässt auf der Flucht vor den deutschen Truppen ihr
Schloß und versteckt sich in einer nahe gelegenen Waldhütte. Bei eine
m
Angriff eines Jagdbombergeschwaders kommen die Eltern der beiden kleinen
Mischa (Helena Lia Tachovska) und ihrem Bruder Hannibal (Aaron Thomas)
ums Leben. Die beiden Kinder verstecken sich weiter in der Hütte und
werden nach einiger Zeit von einem Trupp russischer Söldner gefunden.
Nicht gut, wie sich herausstellt, denn die Schergen ketten die Kinder im
Haus fest und warten den Abzug der Deutschen ab. Nur verhindert der
harte Winter, dass die Männer ausreichend Nahrung finden ...

10 Jahre später - der Krieg ist längst vorbei - flieht Hannibal (Gasp
ard
Ulliel) aus dem zum Waisenhaus umfunktionierten Schloß Lecter und der
kommunistischen Sowjetunion zu seiner Tante Lady Murasaki (Gong Li) nach
Frankreich. Diese nimmt den Jungen unter ihre Fittiche, lehrt ihn
fernöstliche Kultur und (Kampf)technik und ermuntert ihn, Medizin zu
studieren. Als Murasaki auf einem Wochenmarkt belästigt wird, regt sich
in Hannibal der Drang nach Vergeltung ... die dann sehr fatal ausfällt.

>                             Hmm ...

Hannibal Lecter hat durch Anthony Hopkins sein Gesicht bekommen, seit
dieser den exaltierten Kannibalen im "Schweigen der Lämmer" so genial
verkörperte. 10 Jahre später gab's noch mal einen Nachschlag, der jed
och
bei weitem nicht die Klasse des Originals erreichte. Kurz darauf gab
Hopkins erneut den legendären Killer im Remake des "Roten Drachen". Was
Lecter so veranstaltet weiß man als regelmäßiger Kinogänger also
recht
genau. Was noch fehlt ist, warum er so geworden ist. Und hier setzt
Regisseur Peter Webber an, der das Buch von Thomas Harris über die
Kindheit und Jugendzeit des Dr. Hannibal Lecter verfilmte.

Der junge Gaspard Ulliel mimt ihn diesem Prequel den jungen Hannibal und
überrascht mit einerganz ordentlichen Vorstellung. Zunächst habe ich
noch gedacht, er würde etwas übertreiben und zuviel des Guten abliefe
rn.
Aber in einigen Szenen dachte ich bei Körperhaltung und Ausdruck
tatsächlich, dass man die spätere Verkörperung durch Hopkins erahne
n
kann. Ein bißchen beeindruckend. Auch Gong Li hat mir sehr gut gefallen
mit ihrer unterkühlten Art. Absolut glaubwürdig, die sich langsam
entwickelnde Beziehung zwischen ihr und ihrem Neffen.

Leider sind die russischen Söldner sowohl im Krieg als auch später se
hr
eindimensional und typisch gezeichnet. Da fehlt nur noch die Narbe quer
über's Auge und ein Haken statt einer Hand, damit man auch als komplett
stumpfsinniger Besucher noch mitbekommt, es hier mit einem ganz üblen
Gesellen zu tun zu haben.

Auch die Geschichte hat wenig mit der großartigen Erzählung von Jonat
han
Demmes Film über den Kannibalen gemein. Eine so dichte Inszenierung kan
n
Peter Webber nicht bieten. Nichtsdestotrotz leistet sich das Drehbuch
keine groben Schnitzer. Durchgängig spannend und schlüssig, nicht
übermäßig vorhersehbar - nur eben nicht besonders originell. Ein so
lider
Thriller aber in jedem Fall. Von einem herkömmlichen Thriller
unterscheiden "Hannibal Rising" lediglich die doch sehr expliziten
Szenen, in denen Hannibal seiner langsam aufkeimenden Vorliebe frönt. D
a
ist sehr viel Blut im Spiel und wo letztlich bei "Saw 3" im Kino
gewaltig geschnippelt wurde, ließen die Sittenwächter hier reichlich
durchgehen.

Zu guter Letzt ist der Film auch noch gut gefilmt. Die Einstellungen,
die Farben und Sets haben mir sehr gefallen. Detailverliebt ist
vielleicht etwas übertrieben, aber es passte einfach alles zusammen.

Ein rundum ordentlicher und routiniert gemachter Thriller, der nicht
unbedingt aufzeigt, warum Hannibal der Hannibal geworden ist der er ist,
aber in jedem Fall schaurig und spannend unterhält. Abzüge gibt's nur
in
der B-Note wegen der etwas unzureichenden Darstellung der Auslöser von
Hannibals Obsession.



Andreas
--
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