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Kritik: Der Teufel trägt Prada

Von: Andreas Edler (andreas@filmfacts.de) [Profil]
Datum: 16.10.2006 18:57
Message-ID: <o6GdneSMmrB-JK7YRVnyjA@giganews.com>
Followup-to: de.rec.film.misc
Newsgroup: de.rec.film.kritiken
>                     Der Teufel trägt Prada
>        gesehen: 12.10.2006 (Kinoplex - Bad Oeynhausen)

Im Moment komme ich zu nichts. Spät zu Hause, kein' Bock noch was zu
unternehmen. Im Garten kann man nichts beschicken. Also Kino. Mangels
besserer Alternativen, löste ich ein Ticket für den Meryl Streep Film
.
Stanley Tucci spielt auch mit. Mag also was werden. Zunächst aber kam
ich nicht mal in den Saal, da 5 Minuten vor der Vorstellung immer noch
die Hinterlassenschaften der letzten Gäste aus dem Kino entfernt werden
mussten. Nicht weil da so viel rumlag, sondern weil für 2 große Säl
e
offensichtlich nur eine Reinigungskraft zugegen war. Da hat dann auch
der Geschäftsführer mit angepackt, als es offensichtlich zu knapp wur
de.
Und ja, das Bild des Films war wieder unscharf - die Werbung nicht.

>                          Zum Inhalt ...

Andy (Anne Hathaway) lebt mit ihrem Freund Nate glücklich und zufrieden
in einer kleinen New Yorker Wohnung. Ihr Journalistikstudium hat sie
abgeschlossen und ist nun auf der Suche nach einem ordentlichen Job. Ein
Vorstellungsgespräch bei Miranda Priestly (Meryl Streep), der Chefin de
r
legendären "Runway" soll die Suche beenden. Sehr unglücklich dabei, d
ass
Andy weder die Runway kennt, noch das verängstigte Raunen deuten kann,
als die Sprache auf Miranda kommt. Diese kündigt sich verfrüht im Bü
ro
an und sofort befällt die Mitarbeiter emsiges Treiben.

Einige Wochen später kann Andy verstehen, warum die Meute so aufgeregt
war. Sie ist trotz ihrem anfänglichen Optimismus voll unter Mirandas
Knute, vernachlässigt Freund und Clique und wandelt sich langsam aber
sicher zum Modepüppchen. Gleichzeitig ist sie aber zielstrebig genug,
sich nicht komplett unterbuttern zu lassen. Das kommt bei Miranda gut an
...

>                              Hmm ...

Noch nie war ich in einer Kinovorstellung, die zu ca. 85% von Frauen
besucht wurde. Schon merkwürdig - aber "Prada" ist ja auch nicht das
Buzzword, auf das Männer anspringen. Stanley Tucci und Meryl Streep
haben mich trotzdem ins Kino gelockt und so wartete ich in einer
Parfumwolke auf den Beginn des Films.

Mit etlichen Folgen von "Sex & the city" hat David Frankel bereits
Geschichten inszeniert, die in einem zumindest ähnlichen Bereich
angesiedelt sind, wie dieses Modevehikel. Gleich zu Beginn arbeitet
Frankel in einem sehr schönen Intro die Unterschiede zwischen Andy und
ihren neuen zukünftigen Kolleginnen deutlich, in dem er sie vom
Aufstehen bis zum Erscheinen im Büro auf Schritt und Tritt in
Gegenschnitten begeleitet.

Die Modewelt wird hier sehr liebevoll auf die Schippe genommen. Die
überkandidelten Tussis sind jederzeit liebenswürdig. Selbst Andys
"Gegenspielerin" Emily (Emily Blunt), die eigentlich biestig sein
möchte, kommt höchstens ein bißchen gestreßt beim Zuschauer an. M
irandas
linke Hand Nigel (Stanley Tucci) übernimmt den Part, den Hector Elizond
o
in "Pretty Woman" innehatte und verwandelt Andy vom häßlichen Entlein
zum strahlenden Schwan.

Und dann ist da noch Meryl Streep, die mit wenig Gesten und Mimik die
alles kontrollierende und übermächtige Verlagscheffin absolut
überzeugend und unterhaltsam rüber bringt. Üblicherweise ist sie mi
r zu
spröde - aber genau das passte hier perfekt zur ewig gestylten,
beherrschten und herrschenden Grande Dame. Ja, gefiel mir gut.

Frankel überzeichnet alles, gleitet aber nicht ins Alberne ab. Es
gelingt ihm jedoch auch nicht, mit seinem Film mehr als an der
Oberfläche zu kratzen. Die Geschichte ist dafür viel zu einfach
gestrickt und bietet nicht mehr als die üblichen Klischees nebst
gängiger Auflösung. Unscheinbares Mädchen mausert sich zur Schönh
eit,
überwindet die Unterdrückung und findet zu sich selbst. Nein, das hat
man wirklich noch nie gesehen.

Ein nicht zu hintergründiger Seitenhieb auf die Modewelt und deren
Oberflächlichkeiten mit sehr symphatischen und gut aufgelegten
Darstellern. Besonders Stanley Tucci sei hier erwähnt, der die zweite
Geige erstklassig gibt. Männer, reingehen. Die Frauen scheinen das
ohnehin zu tun ;-)

Andreas
--
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