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Kritik: Miami Vice

Von: Andreas Edler (andreas@filmfacts.de) [Profil]
Datum: 27.08.2006 09:23
Message-ID: <haidnd59fo_I1WzZRVnyhA@giganews.com>
Followup-to: de.rec.film.misc
Newsgroup: de.rec.film.kritiken
>                         Miami Vice
>       gesehen: 24.08.2006 (Kinoplex - Bad Oeynhausen)


Nachdem ich von "Superman Returns" in der letzten Woche reichlich
enttäuscht wurde, ging's diese Woche gleich mit dem nächste
vermeintlichen Blockbuster weiter. "Miami Vice" - Pop-Event der 80er
Jahre des letzten Jahrtausend und einzig legaler Aufenthaltsort für
Föhnwellen und mintfarbene Sackos - kommt (endlich) ins Kino. Den
Trailer fand ich sehr überzeugend, nicht zuletzt wegen dem dominierende
n
Song "Numb" in den knapp 3 Minuten ...

>                          Zum Inhalt ...

Sonny Crocket (Colin Farrel) und sein Partner Ricardo Tubbs (Ricardo
Tubbs) sind gerade dabei einen Ring von Mädchenhändler auffliegen zu
lassen, als sie einen verzweifelten Notruf ihres Informanten Alonzo
(John Hawkes) ereilt. Einige Stunden später ist sowohl Alonzos Freundin
als auch Alonzo tot und Sonny und Ricardo sprechen mit dem FBI. Die
Firma hatte Alonzo quasi ausgeliehen und den Job vermasselt. Crocket und
Tubbs steigen in den Fall ein und werden auf eine Drogenschieberbande
angesetzt.

Undercover nehmen die beiden Kontakt zu der Bande auf. Als Kuriere für
Güter aller Art kommen sie schnell darauf, dass die Nummer größer i
st
als gedacht. Durch die Unterhändlerin Isabella (Gong Li) bekommen
Crocket und Tubbs Kontakt zu Jesús Montoya (Luis Tosar), dem
übermächtigen Mogul. Sie bekommen sein Vertrauen und einen ersten
Auftrag ...

>                              Hmm ...

Michael Mann zeigte sich schon in den Achtzigern für die TV-Serie
verantwortlich. Und seit "Heat" und erst recht nach "Collateral" hat
er
einen dicken, dicken Stein bei mir im Brett. In letzterem arbeitete Mann
bereits mit Jamie Foxx zusammen, der hier nun die Rolle von Philip
Michael Thomas übernimmt. Allerdings sind die Namen denn auch alles, wa
s
"Miami Vice" im Kino mit "Miami Vice" im Fernsehen gemeinsam hat.

War die Serie noch grellbunt und poppig - nicht zuletzt was die Musik
anging - bleibt Mann in der Kinoversion seiner bisherigen Linie treu und
inszeniert den Actionkrimi im schwülen Klima Floridas in dunklen Farben
,
die manchmal fast ins schwarz/weisse verschwinden. Statt rosa und
hellblau tragen Crocket und Tubbs grau und anthrazit, die Autos sind
zwar genauso schnell und exklusiv, aber bevorzugt auch dunkel - bis auf
den produktgeplacten BMW, der sich so gar nicht in den sonstigen
Fuhrpark einfügt.

Die Geschichte ist bodenständig. Keine Verrenkungen, keine Schnörkel
und
keine Twists - aber auch nicht ins Letzte vorhersehbar. Alle Klischees
des Genres sind vertreten, der geneigte Zuschauer weiß bei den einzelne
n
Charakteren recht fix woran er ist. Keine Experimente an dieser Stelle.
Alle Zutaten für einen vergnüglichen Kinoabend sind also vorhanden.

Und tatsächlich habe ich mich prächtig unterhalten im Kinosessel. Fox
x
und Farrel treten nicht in die Fußstapfen ihrer Kollegen, sondern
präsentieren ein eigenes Polizei-Duo. Härter und kompromißloser - w
as
dem Film zu einigen sehr deftigen Szenen verhilft - machen sie Jagd auf
die Drogenschmuggler. Damit es auch was für's Herz gibt, darf Farrel di
e
hübsche Li Gong anbaggern, was zu einigen erbärmlichen Dackelblicken
und
einer netten Duschszene führt. "Ausdrucksstark" und "Colin
Farrel" sind
Wörter, die nicht in einen Satz gehören.

Ganz anders geht da Jamie Foxx ans Werk, dessen Ricardo Tubbs leider
viel zu wenig im Bild ist, und der Farrel in jeder Szene locker an die
Wand spielt. Da kann man eigentlich nur auf einen zweiten Teil hoffen,
der dann Tubbs mehr ins Licht rückt. Li Gong als Tubbs Gespielin war mi
r
anfangs zu spröde und die gewollt holprige Synchronisation ging mir
gewaltig auf den Geist. Die Dame sollte weltgewandt sein und war nicht
in der Lage flüssig zu sprechen?

Der Rest der Bande bedient die Klischees der ihnen zugedachten Rollen.
Schmierige Nazis in Wohnwagen, gegelte Latinos, und die Frauen in Tubbs
und Crockets Team sind tough. So hatte denn auch Elizabeth Rodriguez als
Gina den kernigsten Oneliner des Films.

Wie ich schon sagte, gute Unterhaltung! Mit teilweise großartigen
Bildern, die aber nicht ganz die Klasse von Collateral erreichen, vielen
gestaksten Dialogen, sehr vielen Dackelblicken von Collin Farrel und
noch mehr Schnellbooten und schnellen Flitzern. Und während des Abspann
s
gibt's dann doch noch eine kleine Verbeugung vor der Serie.

Auf jeden Fall überdurchschnittliche Actionkost! Da lohnt der
Kinobesuch.

Andreas
--
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