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Kritik: Ab durch die Hecke

Von: Andreas Edler (andreas@filmfacts.de) [Profil]
Datum: 08.07.2006 05:26
Message-ID: <7b2dnSugPctguDLZRVnysw@giganews.com>
Followup-to: de.rec.film.misc
Newsgroup: de.rec.film.kritiken
>                        Ab durch die Hecke
>          gesehen: 06.07.2006 (Kinoplex - Bad Oeynhausen)

Eineinhalb Monate kein Kino. Und das lag nicht an der WM, kein Stück.
Das Wetter, das Programm, allgemeine Unlust, was weiß ich. Irgendwie ha
t
mich nach X-Men 3 nichts dazu veranlasst, den Weg in ein Lichtspielhaus
zu suchen. Aber der Trailer zu "Ab durch die Hecke" war einfach zu gut,
als dass ich widerstehen konnte.

>                            Zum Inhalt ...

Waschbär Ritchie sucht einen Dummen. Genauer gesagt sucht jemanden, der
ihm (unwissentlich) helfen soll innerhalb einer Woche einen ganzen
Haufen voll Schlickersachen und Fastfood für einen Bären zu sammeln,
dem
Ritchie blöderweise seinen Wintervorrat geraubt hat. Glücklicherweise
findet er in der "Familie" um Schildkröte Verne nicht nur einen Helfer,
sondern eine ganze Reihe Waldbewohner, die sich in ihrer leicht
einfältigen Art vom schlitzohrigen Ritchie und den geschmacksverstärk
ten
Anreizen der Zivilisation blenden lassen, um in ein hinter einer
riesigen Hecke angelegtes Neubaugebiet zu plündern. Natürlich denken
die
Freunde, sie sammeln für den eigenen Vorrat und nehmen Ritchie herzlich
und liebevoll in die Familie auf.

Eichhörnchen Hammy, die Opossums und Stinktierdame Stella sind ganz
begeistert vom weltmännischen Ritchie - nur Verne spürt ein Zucken im
Schwanz und wird mehr und mehr ausgegrenzt. Und er hat Recht mit dem
Argwohn. Die Woche neigt sich dem Ende zu und Ritchie wird langsam
unruhig - schließlich steht sein Leben auf dem Spiel. Als Verne die
gesammelten Vorräte zurückgeben will, kommt es zur Eskalation ...

>                                Hmm ...

Zeichentrick - pardon - animierte Filme überschwemmen derzeit die Kinos.
Sei es Shrek, Nemo, Cars und wie sie alle heißen. Allen gemein ist, das
s
menschliche Verhaltensweisen auf Fantasiegestalten oder Tiere übertrage
n
werden - und das meist komisch und überspitzt. Teilweise ging das
Konzept allerdings schon nicht mehr so auf, wie gewohnt. "Shrek 2" war
längst nicht so komisch wie der Vorgänger, "Große Haie, kleine Fisc
he"
streckenweise sehr bemüht und der Aufguss von "Ice Age" riß mich auch
nicht vom Hocker. Irgendwann gehen halt die Ideen aus und dann ist bunt
nicht allein abendfüllend.

"Ab durch die Hecke" ist ebenfalls nicht bahnbrechend innovativ. Eine
herkömliche Geschichte über Zusammenhalt und die Erkenntnis, dass es
in
der Familie doch am Besten ist. Egal ob es wirklich eine Familie ist
oder nur ein Freundeskreis. Man hält und gehört zusammen und fühlt
sich
gut. Eigentlich ist das vorhersehbare Ende schon ein bißchen zu
moralisch geraten, die Warnung verstehen sogar die kleinsten unter den
Zuschauern.

Streckenweise sind die Dialoge ein wenig zu lang geraten, wenn Verne mit
Ritchie philosophiert. Bei 82 Minuten Laufzeit sollte man eigentlich
meinen, dass da kein Blick auf die Uhr nötig sei. Aber dieser
Kritikpunkt ist wirklich einer auf hohem Niveau, denn eins ist "Ab durch
die Hecke": sauunterhaltsam!

Ich habe lange nicht im Kino richtig gelacht. Wenn das hyperaktive
Eichhörnchen allerdings in Roadrunner-Manier durch die Gegend rennt und
dabei vergisst auf Fliesen die Krallen einzuziehen, konnte ich einfach
nicht ruhig bleiben. Gegen dieses Energiebündel ist Scratch eine
Schlaftablette. Und im Gegensatz zu Scratch ist Hammy voll in die
Handlung integriert und dient nicht als Pausenclown. Auch alle anderen
Charaktere sind sehr, sehr liebevoll animiert. Manchmal weniger die
Bewegungsabläufe, als die Mimik. Wenn Stella mit schiefem Blick unter
dem Pony herguckt und die Hände in die Hüften stemmt, wähnt man sic
h
mitten im Ghetto. Verne mit besorgter Leidensmiene und die
Stachelschweinfamilie, alle sind nach ein paar Sequenzen sofort ins Herz
geschlossen. Lediglich bei Tochter Opossum störte mich die
Synchronstimme von Hupf- und Singdohle Biedermann.

Die einzelnen Aktionen der Gruppe sind rasant inszeniert, wenn auch ein
Höhepunkt bereits durch den Trailer verbraten wird. Bei der oben schon
angesprochenen kurzen Laufzeit ein bißchen ärgerlich. Dafür hat Ham
my
einen Auftritt, der im Kino zu spontanem Applaus und bei mir zu
Zwerchfellschmerzen führte. Und das nicht offensichtlich nicht nur in
der von mir besuchten Vorstellung. Der Film überzeugt bei den Figuren
und den Gags auf der ganzen Linie.

Auch die Animationen sind sehr gelungen. Hier hat Dreamworks ganze
Arbeit geleistet. Teilweise ist das schon sehr fotorealistisch. Trotzdem
hat man durch die Überzeichnungen jederzeit das Gefühl, wirklich eine
n
"Trickfilm" zu sehen. Leider passt das dann manchmal nicht so richtig.
Die Eigenheimbesitzerin mit schrillem Gesichtsausdruck wirkt dann in der
fast realen Kulisse ein bißchen deplaziert. Aber wie oben schon gesagt,
meckern auf recht hohem Niveau.

"Ab durch die Hecke" hat mir mal wieder einen richtig unterhaltsamen
Kinoabend verschafft. Sehr lustig, mit viel Augenschmaus und anrührende
n
Figuren. Es geht doch!

Andreas
--
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