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Kritik: The Fast And The Furious: Tokio Drift

Von: Andreas Edler (andreas@filmfacts.de) [Profil]
Datum: 17.07.2006 20:37
Message-ID: <ZLSdncbir65vRSbZRVnysQ@giganews.com>
Followup-to: de.rec.film.misc
Newsgroup: de.rec.film.kritiken
>            The Fast And The Furious: Tokio Drift
>        gesehen: 13.07.2006 (Kinoplex - Bad Oeynhausen)


Hoffentlich bleibt es bei diesem Intervall. Einmal die Woche ins Kino
gehen passt mir ganz gut. Heute wollte ich mir nicht den Bundesstart der
Verfilmung eines Videospiels, welches auf einem Film basiert, entgehen
lassen und kaufte eine Karte für "Tokio Drift", den dritten Teil der
Fast & Furious Reihe (sagt man das nach 3 Teilen schon?). Warum meine
Kinoplex-Ermäßigungskarte diese Woche allerdings nur 30 Cent wert war
,
nachdem ich "Ab durch die Hecke" noch mit einer Vergünstigung von 1,30
Euro besuchen durfte, erschloß sich mir nicht.

>                          Zum Inhalt ...

Stepke Sean Boswell (Lucas Black) macht es seiner Mutter (Lynda Boyd)
nicht leicht. Nachdem sich der Vater aus dem Staub gemacht hat, müssen
die beiden desöfteren umziehen. Immer weil sich Sean durch Dummheiten
bei der örtlichen Polizei unbeliebt macht. Und fast immer sind dabei
Autos im Spiel. So auch jetzt, als er in einem illegalen Autorennen in
einem Neubaugebiet nicht nur seine aufgemotzte Karre fachgerecht in alle
Einzelteile zerlegt, sondern auch noch gleich einige der Rohbauten dem
Erdboden gleich macht. Statt einer Verurteilung kann seine Mutter mit
vollem Körpereinsatz jedoch erreichen, dass Sean das Land verlassen dar
f
um fortan bei seinem Vater (Brian Goodman) zu wohnen: in Tokio.

Der Navy-Lieutenant macht seinem Filius unmißverständlich klar, was e
r
erwartet: pünktlich aufstehen, zur Schule gehen, nach Hause kommen,
keinen Streß machen. Das bekommt Sean bis "zur Schule gehen" auch alles
hin. Dort lernt er jedoch Twinkie (Lil' Bow Wow) kennen, der
putzigerweise ein Barco-Lenkrad auf seinem Schulrucksack spazieren
trägt. Nach dem Unterricht wird Sean also in den Tokioter Rennszene der
Jugendlichen eingeführt. Logisch, dass es keine 5 Minuten dauert, bis
der Heißsporn sein erstes Rennen in einem geliehenen Reiskocher fährt.
Ausgerechnet gegen Yakuza-Sprößling D.K. (Brian Tee). Das bei dem Ren
nen
der geborgte Flitzer geschrottet wird, ist von nun an Seans geringstes
Problem ...

>                            Hmm ...

Als sich der Saal füllte, war mir schon klar, welche und das ich
Kommentare während des Films zu hören bekommen werde. Und es war auch
so, denn die Zielgruppe hatte sich komplett im Kinoplex eingefunden und
feierte die blechgewrodenen feuchten Träume.

Und ich muß zugeben, dass mir die Autos und die Rennen auch gefallen
haben. Das hat Regisseur Justin Lin recht gut hinbekommen. Ein dezenter
Einsatz von Zeitlupen und der fast vollständige Verzicht auf noch
sattgesehenere Effekte aus dem Matrixuniversum machen die
Actionsequenzen erträglich. Im Eingangsrennen werden wohl tatsächlich
sogar noch richtige Autos geschrottet, in richtigen Stunts. Die Autos
sind selbstredend noch bunter, noch tiefer und noch schneller. Nur nicht
beeindruckender. Denn so eine Reisschüssel kann tausendmal 'n bunten
Streifen an der Seite haben und ein Bügelbrett als Spoiler, gegen einen
richtig fetten Big-Block. Und ausgerechnet der wurde im Showdown auf's
Übelste verhunzt. Ein Ford Mustang GT mit Nissan Motor? Also bitte!

Der nächste Punkt, der den Film halbwegs erträglich machte - womögl
ich
aber nur für die männlichen Zuschauer im Saal - war das weibliche
Boxenpersonal der debilen Jugendrennszene. Wo in Teil 1 nur eine
asiatisch anmutende Schönheit aus dem tiefergelegten Honda CRX
stöckelte, sind jetzt offensichtlich alle japanischen Frauen unter 20 i
n
Minirock und Schaftstiefel gekleidet. Nett anzusehen, aber
wahrscheinlich ein wenig an der Realität vorbei. Äh, Entschuldigung,
das
wollte ich bei *dem* Film eigentlich nicht erwähnen. Realität suchte
man
vergebens in diesem Werk.

Weil die Autos und die Mädels tatsächlich das einzige waren, was mich
davon abgehalten hat, raus zu gehen und meinen eigenen Wagen mal wieder
voll zu tanken, zu waschen oder auch nur in den Himmel zu starren. So
einen Schmonzens habe ich lange nicht gesehen. Dialoge zum fremdschämen
,
mimische Leistungen auf dem Niveau von Dörrobst und eine Geschichte, di
e
so lächerlich und einfältig ist, das es beim Versuch derselben zu fol
gen
fast zu körperlichen Schmerzen gekommen wäre (Die sind noch gekommen,
denn an diesem Abend besuchte ich noch einen anderen Film und der konnte
das Niveau problemlos senken.)

Was glauben die Produzenten von so einem Dreck eigentlich, wer da ins
Kino geht? Cheetah und Clarence? Der zweite Teil war ja schon kein
Ausbund an Originalität, aber der Teil in dem Vin Diesel noch den harte
n
Macker gab, war eine Shakespeare-Verfilmung dagegen.

Wie schon gesagt, ich blieb im Saal, weil ich die Autos und die Mädels
ganz schick fand (und noch Karten für die folgende Vorstellung in der
Tasche hatte). Also recht primitive Beweggründe, im Sessel sitzen zu
bleiben. Allen anderen empfehle ich eine Dosis "Bullit" statt diesem
Gekasper ...

PS.: Ganz am Ende gibt's allerdings noch einen zugegebenermaßen netten
Einfall mit einem alten Bekannten ... Teil 4 lässt grüßen.

Andreas
--
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