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Kritik: Der Da Vinci Code - Sakrileg

Von: Andreas Edler (andreas@filmfacts.de) [Profil]
Datum: 25.05.2006 17:26
Message-ID: <x72dnVwEOvU1UejZnZ2dnUVZ8qudnZ2d@giganews.com>
Followup-to: de.rec.film.misc
Newsgroup: de.rec.film.kritiken
>                   Der Da Vinci Code - Sakrileg
>           gesehen: 20.05.2006 (Kinoplex - Bad Oeynhausen)

"Illuminati" ist aber besser. Gut, der wurde jetzt aber nicht verfilmt
und mit großem Brimborium angekündigt. Deshalb werden wir wohl die
Verfilmung des anderen bekannten Dan Brown Romans im Kino ansehen.
Zusammen mit den Horden der anderen, die auf die riesige
Marketingmaschine angesprungen sind und das gotteslästerliche Stück
Zelluloid im Kino mit eigenen Augen sehen wollen, bevor es im Fegefeuer
der Verdammnis seinem verdienten Ende entgegengeht.

>                           Zum Inhalt ...

Der Leiter des Louvre wird ermodet in seinem Museum aufgefunden. Nicht
schön, passiert aber. Ungewöhnlich sind nur die Umstände, denn er
hinterließ verschlüsselte Botschaften auf seinem blutigen Körper -
und
den Hinweis nach Robert Langdon (Tom Hanks) zu suchen. Für Inspektor
Fache (Jean Reno) der Beweis, dass der Langdon - Experte für historisch
e
Symbole und Kryptologie - der Mörder ist. Sophie Neveu (Audrey Tautou),
ebenfalls bei der Pariser Polizei und für Verschlüsselungen zuständ
ig,
sieht das allerdings anders, verhift Langdon zur Flucht und wird fortan
von den Kollegen ebenfalls gejagd.

Auf ihrer Flucht geraten die beiden immer tiefer in eine jahrtausende
alte Verschwörung, welche von verschiedenen Richtungen der christlichen
Kirche gedeckelt, verschwiegen und verheimlicht wird. Mit allen zur
Verfügung stehenden Mitteln. Eines dieser Mittel ist der Albino-Möch
Silas (Paul Bettany), welcher Fache immer einen Schritt voraus ist und
Langdon und Neveu ebenfalls verfolgt ... allerdings mit ungleiche
anderen Zielen als die Polizei ...

>                               Hmm ...

Skandal, Skandal. Jesus hat 'ne Nutte gepoppt und ist Papa geworden. Na,
das ist ja mal was. Die Kirche geht auf die Barikaden, ist empört und
sieht den Verfall des Abendlandes. Bestes Marketing also für den Film
von Regisseur Ron Howard ("Das Comeback", "A Beautiful Mind",
"Kopfgeld"
...) für das man noch nicht einmal bezahlen muss. Ob da was dran ist
oder nicht, kann nach 2.000 Jahren selbstredend keiner - auch die Kirche
nicht - mehr eindeutig klären. Genauso gut kann Jesus ein schwuler
Sänger mit Plateausohlen gewesen sein, dem eine Horde durchgeknallter
Hippies hinter her gerannt ist.

Und dieses Skandälchen ist denn auch das bei weitem Interessanteste an
dem Film. Sehr schön gefilmt, klasse Bilder (habe ich in letzter Zeit
häufig geschrieben scheint mir, offensichtlich scheint es da einen
kleinen Qualitätsschub in Hollywood zu geben) aber leider ziemlich
behäbig in der Inszenierung. Ron Howard gelingt es, das dicke Buch (meh
r
weiß ich darüber nicht ;-) auf endlos erscheinende 148 Minuten zu
verteilen. Meiner Begleitung nach, ist dabei der Roman sehr gut
umgesetzt worden, was bei ihr dazu führte, dass die Augen begannen
zuzufallen. Wer das Buch gelesen hat, findet den Film todlangweilig.
Kann ich nachvollziehen, denn auch ohne die Kenntnis des gedruckten
Werkes, war es mindestns eine Dreiviertelstunde zu lang.

Nicht unschuldig daran ist - wie immer - Tom Hanks, der es schafft eine
zentrale Figur so dermaßen gelangweilt und unsinspiriert darzustellen,
dass ich als Zuschauer nicht eine Sekunde lang in irgendeiner Form mit
dem Charakter gefühlt habe. Ob der nun abgemurkst wird oder nicht, das
Rätsel entschlüsselt oder ob es mit ins Grab der Wächter genommen w
ird:
egal. Rübenbirne Hanks nuschelt sich sterbenslangweilig durch den Film
und darf glücklicherweise die allersüße Audrey Tautou nicht küsse
n.

Die fabelhafte Amelie gibt in "Sakrileg" eine solide Vorstellung. Da ist
man(n) etwas näher an Sophie Neveu und ihren Geschicken, auch wenn sie
sich durch gequälte Dialoge mit ihrem Partner kämpfen muss. "Illumina
ti"
ist besser - wurde mir ja vorher schon gesagt. Ebenfalls ein Lichblick
in dem ansonsten eher valiumartigen Werk ist - natürlich! - Ian McKelle
n
als obsessiver Gralssucher. Schön, schön ... nur gegen Ende etwas dic
k
aufgetragen. Genauso dick, wie Paul Bettany seinen Mördermönch
darbietet. Etwas mehr zurücknehmen und die Gestalt wäre wirklich
bedrohlich gewesen. So reichen schloweißes Haar und irrer Blick zu nich
t
mehr als einer armseligen Klaus Kinski Karikatur. Tja, und mein
Lieblling Jean Reno ist wieder mal der Kommissar mit Dackelblick.
Manchmal hat er wirklich kein glückliches Händchen mit seinen Rollen.

Nein, ich habe mich im Kino wirklich nicht herausragend unterhalten
gefühlt. Immer wenn gerade etwas Schwung aufkam, bremste Howard auf Nul
l
ab. Dieses Stop and Go nervte mich gewaltig. Als dann das Kinolex nach
der Hälfte des Films auch noch das Licht für eine zehnminütige Paus
e
anmachte, war der Faden endgültig gerissen. Vielleicht entschließt ma
n
sich hier zu einem gestrafften Directors Cut auf DVD. Der mag dann sogar
ganz ansehnlich sein. Optisch gibt es ja schon mal nix zu meckern - nur
die aufgebauschte Geschichte stört.

Andreas
--
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