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Re: Buch im Ausland verlegen

Von: Marius Fraenzel (marius.fraenzel@web.de) [Profil]
Datum: 08.04.2008 11:31
Message-ID: <47fb3b81$0$23702$9b4e6d93@newsspool2.arcor-online.net>
Newsgroup: de.rec.buecher
Walter Schmid schrieb:

> Im Übrigen werde ich mit den Hegelianern nicht weiter diskutieren - die
> haben per Definition immer recht, da bei Hegel das Gegenteil ja immer
> auch richtig ist. -

So wird auch durch die Bestimmung des Verhält-
nisses, das ein philosophisches Werk zu anderen Be-
strebungen über denselben Gegenstand zu haben
glaubt, ein fremdartiges Interesse hereingezogen und
das, worauf es bei der Erkenntnis der Wahrheit an-
kommt, verdunkelt. So fest der Meinung der Gegen-
satz des Wahren und des Falschen wird, so pflegt sie
auch entweder Beistimmung oder Widerspruch gegen
ein vorhandenes philosophisches System zu erwarten
und in einer Erklärung über ein solches nur entweder
das eine oder das andere zu sehen. Sie begreift die
Verschiedenheit philosophischer Systeme nicht so
sehr als die fortschreitende Entwicklung der Wahr-
heit, als sie in der Verschiedenheit nur den Wider-
spruch sieht. Die Knospe verschwindet in dem Her-
vorbrechen der Blüte, und man könnte sagen, daß
Jene von dieser widerlegt wird; ebenso wird durch die
Frucht die Blüte für ein falsches Dasein der Pflanze
erklärt, und als ihre Wahrheit tritt jene an die Stelle
von dieser. Diese Formen unterscheiden sich nicht
nur, sondern verdrängen sich auch als unverträglich
miteinander. Aber ihre flüssige Natur macht sie zu-
gleich zu Momenten der organischen Einheit, worin
sie sich nicht nur nicht widerstreiten, sondern eins so
notwendig als das andere ist, und diese gleiche Not-
wendigkeit macht erst das Leben des Ganzen aus.
Aber der Widerspruch gegen ein philosophisches Sy-
stem pflegt teils sich selbst nicht auf diese Weise zu
begreifen, teils auch weiß das auffassende Bewußtsein
gemeinhin nicht, ihn von seiner Einseitigkeit zu be-
freien oder frei zu erhalten und in der Gestalt des
streitend und sich zuwider Scheinenden gegenseitig
notwendige Momente zu erkennen.

Phänomenologie des Geistes.

Gruß, Marius


--
http://bonaventura.musagetes.de/

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