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Re: Schneerekord

Von: Torsten Gallus (torsten@galveran.org) [Profil]
Datum: 17.07.2008 18:47
Message-ID: <g5nt1a$uo3$01$1@news.t-online.com>
Newsgroup: de.rec.alpinismus
Kalle07 schrieb:

> Schlechtwetter ist ein dehnbarer Begriff. Bei Regen zu Laufen ist
> angenehmer als bei brennender Sonne. Die Leute sind ja auch nicht
> abgestuerzt - der Wind schien das Problem gewesen zu sein. Man muss ja
> auch festhalten, dass sehr erfahrene Leute da hoch sind, und dass
> selbst die Vorjahressiegerin sagte, dass sie sowas noch nicht erlebt
> hat. Ganz so eindeutig wird das nicht gewesen sein, und das auf die
> "duennen Leibchen der Laeufer" zu reduzieren, ist sicher ein
> Schmarrn.

Ich mach das jetzt mal richtig provokant und plakativ ...

Also ich sage "Krakauer". Irgendwer wird mit "Hall und Fisher"
antworten. Aus der hintersten Ecke erschallt "Boukreev" und irgendwer
wird uns jedes Buch und jedes Interview vom Hl. Reinhold seit 1996
aufzählen können.

Das Thema an sich ist doch längst durch. Es heißt "Mit meinen physischen
und psychischen Vorgaben möchte ich etwas erreichen, dem die Natur mit
ihren Erscheinungen dagegen steht". Das nennt man dann "Extremsport".

Wer die Fachlektüre auch nur annähernd kennt, weiß natürlich sofort,
welches Thema ich oben herausgesucht habe. Aber die Argumente ähneln
sich nunmal in ausreichender Menge, sodass die Diskussion darum nicht
ständig wiederbelebt werden muss. Es ändert sich einfach nichts am
eigentlichen Problem.

Wer auf einen Berg geht, sollte über entsprechende Erfahrung verfügen.
Ob man nun eine echte Bergtour zum Gipfel macht, mit einer Seilbahn
hochfährt oder meinetwegen im Schweinegallopp den Berg hochjagt, ist
letzten Endes vollkommen egal. Der Berg ändert sich nicht. Zugspitze
bleibt Zugspitze, Hochwanner Hochwanner, und selbst mit dem tollsten
Helm wird ein blutiger Anfänger die Watzmann Ostwand nicht schaffen können.

Das Thema ist so alt wie die Feststellung "Weil er da ist". Es führt
einfach zu keinem Punkt.

> Selbst bei einem Stadtmarathon ist der Eindruck der Zuschauer und der
> Laeufer grob unterschiedlich: Die Laeufer findens prima, die Zuschauer
> scheisskalt.

Wenn man beim Stadtmarathon jedoch wegen gesundheitlicher Probleme
ausscheidet, dann befindet man sich gewöhnlich in einer klimatisch
angenehmeren Umgebung als mit kurzer Laufkleidung auf >2.000 m.

> Das war am letzten Sonntag dann wohl gruendlich anders. Aber man muss
> auch eines festhalten: Der erste Laeufer, der lt. Presseberichten von
> Problemen berichtet hat, war um 11:30 am Gipfel. Der erste Hilferuf
> kam um 11:45. Der letzte Laeufer, der am Gipfel ankam, ist um 11:56 am
> Sonnalpin durchgekommen, danach wurde wohl gesperrt. Das klingt jetzt
> nicht nach einer verantwortungslos langsamen Reaktion des
> Veranstalters - was natuerlich nicht die Frage beruehrt, ob ueberhaupt
> bei dem Wetter haette gestartet werden duerfen.

Jeder Läufer (Bergesteiger) muss für sich selbst entscheiden "Mache ich
das oder mache ich es nicht". Wer es macht, muss mit den möglichen
Konsequenzen auch umgehen können. Und hier verweise ich wieder auf meine
durchaus provokante Aussage am Anfang, die nämlich in bester Art und
Weise aufzeigt, was das Ergebnis sein KANN, wenn Menschen Dinge tun
wollen, die jenseits ihrer physischen oder psychischen Grenzen liegen.

sf

Torsten
--
I think a nerd is a person who uses the telephone to talk to other
people about telephones. And a computer nerd therefore is somebody who
uses a computer in order to use a computer.
(Douglas Adams in "Triumph of the Nerds")

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