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Moderner Islam in Europa: Danke, Bassam Tibi !

Von: Guido Stepken (gstepken@googlemail.com) [Profil]
Datum: 19.06.2009 18:46
Message-ID: <7a1tm6F1tr7vgU1@mid.uni-berlin.de>
Followup-to: de.soc.weltanschauung.islam
Newsgroup: de.soc.politik.texte de.soc.politik.misc de.org.politik.misc de.soc.weltanschauung.islam
Bassam Tibi  ist Begründer der Wissenschaft der Islamologie und ab dem
1. Oktober 2009 Emeritus nach 36 Jahren der Lehre als Professor für
Internationale Beziehungen an der Universität Göttingen. Bis
2010 ist er
A.D. White Professor an der Cornell University, USA, neben seiner
Tätigkeit als Senior Research Fellow an der Yale University, USA. Am 4.
April 1944 in Damaskus in die Damaszener Notablenfamilie der Banu
al-Tibi geboren, erhielt er auch dort das Abitur (das franz.
Baccalauréat). Am 26.10.1962 kam er nach Frankfurt und studierte dort
Sozialwissenschaften, Philosophie und Geschichte u.a. bei Horkheimer,
Adorno, Habermas, und Fetscher. Seine Promotion erlangte er ebenfalls
1971 in Frankfurt, hiernach die Habilitation in Hamburg. Bassam Tibi ist
Autor von 27 Büchern in deutscher Sprache sowie von acht original in
Englisch verfassten Monographien, u.a. Islam, World Politics and Europe.
Seine Bücher wurden in 16 Sprachen übersetzt. Seine letzten
deutschen
Bücher sind´: Die islamische Herausforderung,
veröffentlicht in 3.
Auflage 2007 und Euro-Islam 2009; beide Wissenschaftlichen
Buchgesellschaft/WBG und Primus Verlag.

Bassam Tibi lehrte vom Sommersemester 1973 bis zu seiner Emeritierung
als Professor für Internationale Beziehungen an der
Universität
Göttingen, wo er 1988, nach der Ablehnung eines Rufes auf den
Stein-Rokkan-Lehrstuhl für Comparative Politics an die
Universität
Bergen (durch Royal Resolution von König Olav IV.), Leiter der neu
gegründeten Abteilung für Internationale Beziehungen wurde.
Seit Juli
2004 ist er parallel A.D. White Professor at Large an der
US-Elitehochschule Cornell University und seit 2008 ist er an der Yale
University. Zwischen 1982 und 2000 war er in verschiedenen Funktionen an
der Harvard University - teils beurlaubt, teils parallel zu seiner
Tätigkeit in Göttingen. Diese "affiliations"
begannen im akademischen
Jahr 1982/83 in Harvard als Visiting Scholar. Tibi wirkte hiernach für
viele Jahren als Research Associate in Harvard ehe er dort 1990/91 als
Akademie-Stipendiat der Volkswagen-Stiftung und später mit DFG-Mitteln
seine Forschungstätigkeit in Harvard fortsetzte. Der Höhepunkt
dieser
Harvard-Jahre war die Zeit zwischen 1998 bis 2000 als Tibi The Bosch
Fellow of Harvard war. 2004/05 kehrte er als Visiting Scholar nach
Harvard zurück, um danach im Sommer 2005 als Senior Research Fellow an
der National University of Singapore (NUS) / Asia Research Institute
(ARI), zu forschen.

Zwischen 1989 und 1993 war Prof. Tibi neben seinem Wirken in Göttingen
und Harvard Mitglied des Fundamentalism Project der American Academy of
Arts and Sciences. Als Fellow der Rockefeller Foundation am Bellagio
Center am Comer See/Italien hat er seine in Chicago und Cambridge, MA
betriebene Forschung fortgesetzt. Er ist Mitautor der
fünfbändigen bei
Chicago University Press erschienenen Veröffentlichung des
âFundamentalism Projectâ sowie Autor der bei University of California
Press erschienenen Monographie: The Challenge of Fundamentalism. In den
Jahren 2003 - 2006 war er Mitglied des
Culture-Matters-Research-Project/CMP an der Fletcher School (Tufts
University) und ist Mitverfasser des zweibändigen bei Routledge
erschienenen Werkes âDeveloping Culturesâ und auch des
Cornell-Forschungsprojektes âReligion in an Expanding Europeâ
(erschienen bei Cambridge University Press). Zwischen 1999 und 2001 war
er für drei Jahre unter den Fellows des World Economic Forums/WEF in
Davos und gehörte in diesem Zeitraum auch zu dem Workshop, der das
jährliche Davos-Forum mit vorbereitete.

Prof. Tibi hatte in seiner Laufbahn 18 Gastprofessuren weltweit inne. So
lehrte er und forschte zwischen 1986 und 2004 in den USA, in Asien und
Afrika (u.a. in Khartoum im Sudan und in Jaoundé in Kamerun).
Darüber
hinaus hielt er öffentliche Vorlesungen an ca. 30
Universitäten auf
allen fünf Kontinenten. So war er Visiting Professor an der University
of California in Berkeley (1994) und wieder im Spring Term 1995 und 1998
an der Bilkent University in Ankara, Türkei. Er hatte Research
Fellowships in Princeton (1986/87), Ann Arbor/Michigan (Rockefeller
Fellowship 1988) sowie am Asian Research Institute der NUS (Singapore
2005) inne. Weitere Gastprofessuren folgten 2003 an der Hidayatullah
Islamic State University of Jakarta (Indonesien) und im selben Jahr war
er O'Brian Distinguished Professor am European Union Center of
California Scripps College, Claremont, sowie 2003/04 als Visiting
Professor für Islamologie an der Universität St. Gallen.
Seit 2004 lehrt
er jedes Semester einen Kurs über Islamologie an der Diplomatischen
Akademie in Wien. Zu den prominenten âLecturesâ, die Tibi hielt,
gehört
âDie Wiener Vorlesungâ (1999 und 2000) in der Wiener Hofburg, âThe
Global Village Lectureâ im Ridder Huset in Stockholm und die Leysen
Lecture an der Université de Louvain.

Die Parallelposition von Prof. Tibi als A.D. White Professor at Large
bekam er 2004 auf der Basis der Nominierung von sieben Departments. Der
ehemalige Präsident der Cornell University Jeffrey S. Lehman berief
Herrn Tibi auf diesen angesehenen Lehrstuhl an der Cornell University.
Im Jahr 2008 war Tibi Senior Research Fellow am Center for Advanced
Holocaust Studies am Memorial Museum in Washington DC, um über den
Antisemitismus in Europa zu forschen. In seinem letzten Sabbatical
2008/09 war Tibi Senior Resarch Fellow an der Yale University, New Haven.

AuÃerhalb der Academia hatte Prof. Tibi in vielen Institutionen gewirkt,
u.a. war er für fünf Jahre als Mitglied der
Goethe-Versammlung und
ebenso für fünf Jahre als Mitglied des Bosch-Kollegs
für postgraduierte
Förderung. Bundespräsident Roman Herzog verlieh Prof. Tibi
1995 das
Bundesverdienstkreuz 1.Klasse für seine Wirkung "für
ein besseres
Verständnis des Islam in Deutschland und für seine
Vermittlung zwischen
den Zivilisationen". 1997 wurde er vom âBiographical Instituteâ (USA)
zum âMan of the Yearâ gewählt. Im Jahr 2003 teilte Prof.
Tibi den
Jahrespreis der Schweizer Stiftung für Abendländische
Besinnung mit dem
jüdischen Gelehrten Michael Wolffsohn in Anerkennung des Einsatzes
beider für europäische Werte.

Prof. Tibi prägte den Begriff "europäische
Leitkultur" und ist Begründer
der Denkrichtung "Euro-Islam". Er ist Mitglied des Kuratoriums der
CIVIS-Medien-Stiftung der ARD und wurde 2002 auch in die
Werte-Kommission der CDU als erster Muslim in dieser Funktion
einberufen, verlieà diese aber 2005 mit einem Protestschreiben der
Enttäuschung an Bundeskanzlerin Angela Merkel, worin er gegen die
inkompetente Integrationspolitik der Bundesregierung argumentiert. Das
Austrittschreiben an Merkel blieb unbeantwortet, ebenso wie seine
Beschwerde bei der niedersächsischen CDU-Landesregierung gegen die
vorgesehene SchlieÃung der Islamologie und der âInternational
Studiesâ
an der Universität Göttingen nach der Emeritierung von Prof.
Tibi 2009.
Hiernach wurde Tibi aus allen Medien der Bundesrepublik Deutschland
herausgenommen und er wirkt nur noch international, nachdem er von 1987
bis 2000 Gastautor der âF.A.Z.â gewesen war und in allen Rubriken sowie
im âSpiegelâ von 1992 bis 2000 Essays und für den
âFocusâ Standpunkte
geschrieben hatte. Von 1990 bis 2001 war er der Islam- und Nahostexperte
des ZDF. Er war auch seit ihrer Gründung 2000 bis 2006 Kolumnist bei
âFinancial Times Deutschlandâ. Seit 2007 ist er consulting editor der
internationalen Fachzeitschriften  âTotalitarian Movements and Political
Religionsâ, und âTheoria. A Journal of Social and Political
Theoryâ
sowie Board Member des âInternational Journal of Humanitiesâ. Neben der
Wirkung als Beiratsmitglied ist Tibi jährlicher Autor der
Fachzeitschrift "Religion-Staat-Gesellschaft".

Aus: http://wwwuser.gwdg.de/~uspw/iib/tibi_dt.htm

Grü/3e, Guido Stepken

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