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Re: Brief an meine Mutter

Von: Klaus Angsthase (klaus_angsthase@gmx.de) [Profil]
Datum: 05.07.2008 13:41
Message-ID: <g4nmm0$dd7$1@hoshi.visyn.net>
Newsgroup: de.etc.selbsthilfe.missbrauch
Hallo Michael,

Ich bin hier seit Ewigkeiten nicht mehr aktiv gewesen und fang nun
wieder mit meiner Antwort an Dich an.

Ich kenne es recht gut wenn eine erwachsene Frau die Grenzen eines
Jungen drastisch verletzt. Auch wenns nicht meine Mutter war und die
Situation wohl anders geartet ... naja.

Ich würde gerne wissen, ob Du diesen Brief auch abgeschickt hast an
Deine Mutter, oder ob Du ihn "symbolisch" geschrieben hast quasi als
Thearpieansatz?

Eltern die vor Jahren _in_ der Situation ignorant gehandelt haben sind
meißtens im Abstand von Jahren oder gar Jahrzehnten leider oft nicht
schlauer geworden.
Wie schätzt Du es ein das die Reaktion ausfällt ... was erhoffst Du oder
befürchtest Du?

Meine Situation war, daß der erste weibliche Mensch in den ich mich
verliebt hatte, meine Grenzen drastisch bombardierte. Ich war "schon" 14
und der Schönheitsfehler war nun mal, daß sie 25 war.
Die Ähnlichkeit zu Dir sehe ich nun darin, daß ich mit 14 noch
vollkommen Kind war und in dieser Frau eher vieles suchte, was ich von
meiner Mutter nicht bekam. Ich sah mindestens zur Hälfte eher einen
Mamaersatz in ihr statt einer "Freundin".

Und die Folgen waren halt drastisch auch wenn ich das erst 10 Jahre
später anfing zu begreifen. Mit Einsamkeit kann ich noch recht gut
umgehen. Bin charakterlich sowieso eher der Erimit und hab mich mit
einem isolierten Leben lebbar arrangiert.

Bei Deinem kurzen Brief kann man als Außenstehender bisher nur erahnen
was für Dich die Folgen waren. Da sind dazu die vier Schlagworte
Depression Angst zittrig und EinsamKeit.

Ich erinnere mich nun gut daran, daß in meiner Aufarbeitung erstmal
Jahre fällig waren um diese Worte in Verbindung mit mir überhaupt gelten
lassen zu können. Diese Schlagworte dann auszusprechen bzw. zu schreiben
war aber erst der Anfang. Beschreib sie ... ihre Situationen und wie
sie sich für Dich anfühlen.

Kennst Du Harry Potter? Wenn ja dann mal der Vergleich ... am Anfang von
Aufarbeitung ist man nach Überwindung soweit "den dessen Namen nicht
genannt werden darf" dann doch beim Namen zu nennen. "Woldemort" oder
eben "Angstanfälle" "Depressionen" "Einsamkeit". Damit
geht es aber erst
los sich mit diesen schwarzen leuten auseinanderzusetzen.

Und zu Deinem Brief an sich ... ich hab es zu häufig bei anderen
Menschen mitbekommen die ähnliche Briefe an die Leute schickten, die
Ursachen ihrer Probleme waren. Man baut Hoffnungen auf an eine
womögliche Reaktion die wenigstens im Nachhinein etwas nun verändern
würde ... leider fällt die dann zu häufig eher recht plump aus. Mach
also Bitte Deinen Vorsatz, Dich mit Deinen Problemen zu beschäftigen
nicht unbemerkt abhängig von ihrer Antwort die womöglich nie kommen wird
oder nicht so wie Du hoffst. Der Brief sollte für Dich ein Startschuß
sein, Dich selber mit Dir intensiv auseinanderzusetzen und darf nicht
darin abdriften, daß er Dich bis zu einer womöglichen Antwort in eine
"Warteschleife" versetzt.

Also fang gerne auch hier an damit.

Lieben Gruß

Klaus










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