Schrebergartenkolonie
Von: Schreiber Ling (nospam@invalid.invalid) [Profil]
Datum: 22.06.2008 11:11
Message-ID: <g3l4ve$b1c$1@aioe.org>
Newsgroup: de.etc.schreiben.prosa
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Also geboren bin ich 1944, im Herbst. Wir hatten ja nix, damals, aber meine Oma hat mich trotzdem durchgefüttert, irgendwie. Mein Vater und meine Mutter hatten ja beide Selbstmord gemacht, waren ja überzeugte Nazis. Mit 12 bin ich abgehaun, nach Berlin, in eine Schrebergartenkolonie, da gab es für junge Mädchen immer was, Schnaps und ne warme Mahlzeit, wenn man mit irgendeinem der vielen Männern schlief. Mit 13 bin schwanger geworden, das Kind hab ich aber verloren, so ein besofffener Kerl, hat mir in den Bauch getreten, da ist es dann in meinem Bauch gestorben. Traurig aber naja, ein Mäulchen weniger zu stopfen. Mit 17 hab ich dann meine Tochter gekriegt. Da ging es uns schon besser. Mit 18 hab ich dann noch meinen Sohn bekommen, aber den haben sie umgebracht, ist immer mit den Schwulen rumgehangen und hat geklaut. Meine Tochter ist mit 14 schon Mutter geworden. Kind, habe ich gesagt, was soll aus dir mal werden, du willst doch nicht immer nur die besoffenen Kerle aus der Gartenkolonie ranlassen, such dir einen Kerl mit Geld, hab ich ihr gesagt. Alle Frauen sind Nutten, spiel den Männern was vor und du bist versorgt, hab ich ihr geraten. Sie hat dann einen Mann mit Geld gefunden, der hat sie mal vom Auto aus angesprochen, als sie mal auf die Strasse ging. Heiraten wollte er sie nicht, ging ja auch nicht sie war ja erst 15, aber sie hat immer die brave Ehefrau gespielt und da hat er sie in sein Haus geholt mit ihrem Kind. Sie sagt immer sie ist ne Eheprostituierte, aber besser als auf der Straße zu stehen. Als Frau hat man es ja doch manchmal leichter. Aber jetzt muss ich bald sterben, Krebs, haben die im Krankenhaus gesagt. Aber Hauptsache den Kindern geht es gut.[ Auf dieses Posting antworten ]
