Translit: Einmal Pantheon und zurück - ungefleddert
Von: Georg Butz (butz45@t-online.de) [Profil]
Datum: 04.02.2008 10:08
Message-ID: <fo6kj5$efl$02$1@news.t-online.com>
Newsgroup: de.etc.schreiben.prosa
Datum: 04.02.2008 10:08
Message-ID: <fo6kj5$efl$02$1@news.t-online.com>
Newsgroup: de.etc.schreiben.prosa
<sgt.zapper@poetenpack.de> schrieb <butz45@t-online.de> schrieb <OP@Eurovison.de> schrieb <bekker@t-online.de> schrieb Eine gute alte Tradition der desp wiederbeleben, bedeutet etwa so viel wie jede andere gute Tradition wiederzubeleben, es bedarf der Hobbisten - um sie dann aufrecht zu erhalten... In diesem Sinne werfe ich ein Starttextchen hin, vielleicht mag ja jemand in das Inferno einstimmen... - Schnauben. Nicht irgendein Schnauben, sondern ein Schnauben, das das gewisse Etwas hat. Wenn Du verstehst was ich meine. Ein Schnauben, das nicht von irgendeinem Ross kommt, das man im Reitverein für eine Runde ausleihen kann, dem man in grenzenloser Liebe "Fury" ins zurückgelegte Ohr flüstert, weil man sich gar so wild vorkommt, wenn man es reitet, nein, ein Schnauben, das Wände erzittern lässt, wie Worte Wälle oder die Posaunen von Jericho. Ich hoffe ich konnte dem geneigten Leser ausführen, daß es sich um ein ganz besonderes Schnauben handelte - und dieses Schnauben erfüllte den Raum. (Ich gestehe, das ist eine gewagte Formulierung, denn wo endet "Raum"? Eigentlich eine falsche Formulierung, die ich - würde ich in desp posten und dafür kritisiert werden - vermutlich in einer zweiten Version noch verändern würde. "Raum" das ist alles, nicht nur der Raum, den Du beim Scheissen füllst - nicht mit Fäkalien, sondern mit Deinem Gestank - der Kloraum also, nein, die ganze Wohnung, das ganze Stadtviertel, die ganze Republik - ja ich weiss ich mache unverzeihliche räumliche Sprünge, die einen Leser kurzfristig überfordern mögen, dennoch - das gesamte Weltall: das ist "Raum". Wie könnte so etwas von einem Schnauben erfüllt werden?) Trotzdem, dieses Schnauben kam zumindest nahe daran ebendiesen ganzen Raum zu erfüllen - denn es war kein gewöhnliches Schnauben eines gewöhnlichen Rosses, es war das Schnauben von Pegasus! Pegasus? Eben jenes geflügelte Pferd, dem jedwede Generationen von Poeten gern aufsitzen mögen und zwar genau deshalb, weil es nicht in jedem Reitverein für eine Spritztour ausgeliehen werden kann, sondern - so sagen zumindest die einen - sorgsam gestriegelt werden mag, die anderen - ordentlich eingeritten gehört! Noch alle an Bord? Ich weiss, dies ist eine enorm lange Einleitung, trotzdem glaube ich, daß sie unabdingbar notwendig ist, um dieses Schnauben - und damit Pegasus - dem lesenden Laien überhaupt greif- und erfahrbar zu machen. Ein wirklich prachtvolles Pferd! Schnauben! Wir wissen jetzt - es stammt von Pegasus! Und unwilliges Hufenscharren. Dann ein von ungemein sanften Wimpern umhüllter, unerwartet strafender Blick: "Was heisst hier Pantheon und zurück?" "Ich, äh, ich meinte mal kurz vorbeischauen und dann wieder her?" "Hast Du Dir jemals überlegt, daß es für echte Dichter, jene eben, die das Poetenpantheon füllen, kein zurück gibt? Einmal Dichter, immer Dichter! Unsterblich ist unsterblich!" "Nein", gab ich etwas kleinlaut zu. Es war tatsächlich so, daß ich mich schon immer irgendwie zum Dichter berufen fühlte, ein Ruf zwar, den ich nur bei genauestem Hinhören wahrnehmen konnte, aber dennoch, er schallte dann relativ laut in meinen Ohren. "Aber, nachdem ich schon einmal die Sprache liebe, wie die absolute Konkubinenfavoritin - wenn Du das nachvollziehen kannst - dachte ich halt, schau mal vorbei!" "Schau halt mal vorbei!" äffte mich ein samtweiches, von weissen Härchen umrahmtes Pferdemaul nach: "Du glaubst, da könnte jeder kommen, aufsteigen und grad mal hin- und zurück?" "Ja, strengenommen, ja, das hätte jetzt meiner Intention voll entsprochen!" gab ich zu: "Ich wäre gerne einmal zwischen all den verstorbenen - unvergessenen - Dichtern gewandelt, wie über die Sterne des Broadway. Den einen in ein Gespräch verwickelt, dem anderen nur anerkennended auf die Schulter geklopft - na, Du weisst schon, wie ein Gleicher unter Gleichen!" "Brrrhahah" machte Pegasus. (Es kam mir so vor, als wäre es mehr als dieses gewöhnliche "brrrhhhchch", das Pferde schnauben. Aber ich kann mich auch getäuscht haben.) Jedenfalls, scharrte Pegasus dazu weder mit den Hufen, noch nippte es an irgendwelchen Grasbüscheln und kackte mit erhobenem Schwanz irgendwhin, sondern drehte den Kopf an diesem wie von einem Insassen des Bildhauerpantheons gedrechselten Pferdehals zu mir zurück, um auf gleicher Augenhöhe zu erklären: "Gut, wenn Du das brauchst! Es kommen ständig irgendwelche Gleichen, die meinen man willkommne sie im Club der toten Dichter!" Noch bevor ich irgendetwas sinnvolles erwidern konnte, breitete dieses enorme prächtige Ross, seine noch viel enormeren prächtigen Schwingen aus - und setzte sich in - man verzeihe mir dieses Stilmittel der Steigerung - enormste Bewegung. Man darf das nämlich nicht einfach so sehen, als versuchte ein Schwan aufzusteigen, dieses patsch,patsch,patsch auf einer Tümpelfläche kommt in keiner Weise dem nahe, was Pegasus mit tierisch stampfenden Hufen, brünftig schnaubenden Nüstern, schlagendem Schwanz und wehender Mähne als Performance ablieferte. Der Boden erzitterte, als würden tausende Bücher zur gleichen Zeit zugeschlagen, Staub wirbelte auf als würden hunderttausend antiquarische Bücher zugeschlagen - kurzum, es war ein ziemliches Durcheinander bis wir uns schliesslich vom Boden der Realität trennten und unter wildem, mächtigen, kraftvollen Flügelschlagen auf den Weg machten eine Geräuschfahne hinter uns herziehend nicht unähnlich einem Hubschauberkampfgeschwader. Ich beugte mich vorsichtig im Sattel vor und brüllte in das Rotorengeräusch: "Du sagst, es kämen viele, die mal grad so - Pantheon und zurück?" "Ja, natürlich, es ist ein ständiges Kommen und Gehen - die Selbstverwirklichungstrends moderner Gesellschaften sind unumkehrbar und unsereins hat so einiges zu tun im Hin- und Herfliegen!" "Und Du fliegst?" "Natürlich, das ist meine Natur. Manchmal kommen auch Narren, die meinen es genüge ein Ross zu striegeln, statt es zu reiten, weil es ihnen kaum gelingt es zu erklimmen und zerzausen einem das Fell bis es wirklich zu viel wird, aber im allgemeinen können die meisten, die grad mal vorbeischauen wollen, zumindest schreiben und lesen." "Lesen kann ich, und Schreiben auch, aber das kann ja nun wirklich jeder. Wo ist da der Witz, was ist denn etwas wert, das jeder haben kann? Halt an, du Schindmähre, ich will dich nicht und ich brauch dich nicht, ich werde zu Fuß zum Pantheon gehen. Was hab ich davon, dich Hure zu reiten, wenn dich jeder reiten kann, der einen halbwegs verständlichen Satz zustande bekommt?" "Du bist dabei, ist das nichts? Dabei sein ist doch alles, die Weisheit ist mindestens genau so alt wie das Pantheon." "Was ist denn bitteschön an dieser gequirlten Scheiße weise, alt mag der Spruch ja sein, aber weise ist er deswegen noch lange nicht. Ich bin auf jeden Fall nicht scharf darauf, bei einem Haufen von Trotteln dabei zu sein, die Schreiben nicht von "Schreiben" unterscheiden können." "Ich will dich ja nicht völlig desillusionieren, aber gerade in letzter Zeit fliege ich eine ganz neue Kundschaft, die schafft nicht einmal einen halbwegs verständlichen Satz. Der Trick ist einfach, man stelle den Zeilenumbruch auf sagen wir mal 30 Zeichen und nenne sich fortan "Lyriker", und ab geht der Freiflug zum Pantheon. "Halt an, du Hure, mich ekelt, ich möchte kotzen." "Ach, schon wieder einer von diesen weltfremden Poeten, dem die Wahrheit übel aufstößt? Nichts da, wer einmal auf mir reitet, steigt ab, wann ich es will, zumindest wenn es ihm wichtig ist, mit heilen Knochen auf dem Boden der Realität anzukommen. Aber bitte, spring ab, erst vor kurzem ist einer in New York oder was weiß ich aus dem 60. Stockwerk oder was weiß ich gepurzelt und hat nur ein paar Schrammen abbekommen. Wir fliegen gerade mal in einer Höhe von 500 Metern, vielleicht hast du Glück und fällst auf einen 50 Meter hohen Berg von Daunen." "Dann kotz ich über deinen Schweif, an deinen Schwanz komme ich ja leider nicht ran" "Nur zu, bei mir ist alles abwaschbar, Kleenex hängen an meinen Hals, bediene dich." Auf der Piazza vor dem Pantheon drängten sich die Menschen, saßen in Straßencafes, flanierten an den Säulen der Vorhalle entlang, genossen die frühlingshafte Sonne. Die Ankunft Pegasus beachtete fast niemand. Offensichtlich kam das geflügelte Pferd öfters mit seiner Poeten-Fracht hier vorbei. Ich verstaute die Kleenex-Tücher in der Satteltasche meines neu gewonnenen Freundes und näherte mich dem Pantheon, dem Ziel meiner Reise. Es dauerte eine Weile, bis ich mich durch das Menschengewühl gekämpft hatte. Dann trat ich durch die mächtige Pforte in das Innere des Dichtertempels ein. Stille. Nur ein gleichmäßiges Brummen der Menschen vom Vorplatz war zu hören, das sich in dem großen Raum zu einem einzigen Geräusch vermischte, wie das leise Gebet hunderter von Gläubigen in der San Pietro in Vaticano. Kein Mensch war hier zu sehen, kein Dichter, kein Denker, nichts als Leere unter der Öffnung in der Kuppel, die ein Stück des strahlend blauen Himmels preisgab. Verwirrt sah ich mich um. Wo waren sie, die Lichtgestalten vergangener Jahre, wo die Zeugnisse von Genialität und Kreativität, wo der Funke der Inspiration? Im Dämmerlicht wurde mir langsam klar, dass das Pantheon leer war. An den Wänden erkannte ich reliefartige Nischen, in denen diejenigen einst gestand haben mussten, die den Ruhm dieses heiligen Ortes ausmachten. Nun war alles verräumt, weggebracht, entsorgt. In mich versunken stand ich wohl noch etwa 10 Minuten in der Mitte der Halle, als sich in das ständig vorherrschende Hintergrundgeräusch ein neuer Ton mischte. Es war wie ein Wimmern, ein leises Klagen. Ich suchte im Dämmerlicht, woher diese Klagelaute kamen. Dann entdeckte ich in einigen wenigen Nischen doch ein paar Gestalten, die sich kaum vom grauen Stein abzeichneten. Ich trat näher. Völlig zerlumpt standen dort Menschen, Dichter womöglich. Sie machten aber einen völlig desorientierten Eindruck. Was war geschehen? Wo war der Geist, der früher diese Hallen durchzog, wo waren all die prächtigen Büsten und Statuen von einst? Nun, soviel fand ich heraus: Die prächtigen Büsten hatten sich in ihre Halter zurückgezogen. Die schlichten mit dem Zauberkreuz, in Übergröße. Mindestens F. Diese Wahl des Unterschlupfs erwies sich jedoch als nicht halb so genial wie angenommen - fummelten doch jetzt alle Tage die Touristen, die Pegasus inzwischen in Scharen brachte, an ebendiesen Büstenhaltern herum, mit groben Fingern, versteht sich. Die Qual der Büsten nahm täglich zu. Und die Statuen hatte man wohl (neuen Statuten folgend) noch gerade vor Ausbruch des Pantheon-Booms in Sicherheit gebracht. Sie fristeten ihr stilles Dasein in einer fensterlosen Kammer und sammelten Staub. Ich fragte mich, ob man jemanden wie tm zum entstauben engagieren könnte, mit einem luftigen Gedicht könnte er - aber ich verwarf den Gedanken. Unschlüssig stand ich herum, enttäuscht und ziemlich ratlos. Ich brauchte Luft und beschloss, mich heimlich zu Fuß auf den Weg zu jener Quelle zu machen, die Pegasus der Legende nach mit einem wilden Hufschlag erweckt hatte. Vielleicht fände ich dort noch einen großen Geist. Und tatsächlich, da war jemand, ich konnte zwar nur seinen Rücken sehen, aber schon alleine das nahm mir den Atem. Er stand unter der Quelle, die aus einem Felsvorsprung hervorschoß, das klare saubere Wasser, das über seinen Rücken lief, passte so gar nicht zu meinen schmutzigen Gedanken, die mehr und mehr Besitz von mir ergriffen. Ich mußte mich ermahnen, damenhaft zu bleiben, was mir wirklich schwer fiel. Dieser Körper, ach dieser Körper, das konnte nur Adonis sein, wer sonst. Ich räusperte mich, um seine Aufmerksamkeit auf mich zu lenken, und tatsächlich, er zuckte zusammen und drehte sich überrascht zu mir um. Nun halfen auch meine Ermahnungen zur Damenhaftigkeit nichts mehr, die schmutzigen Gedanken siegten auf ganzer Linie und ich tat einen Teufel, meinen Blick beschämt abzuwenden. "Wer bist du?", fragte ich nach einer Weile mit zittriger Stimme, "bist du Adonis?" Er lächelte verlegen. "Nein, leider nicht, Adonis hat mir nur seinen Körper geschenkt, ich bin Georg Friedrich, der letzte Poet, der Schreiben von "Schreiben" unterscheiden kann" Er schlang ein übergroßes Kleenex-Tuch um seine Hüfte und kam auf mich zu. "Oh!" rief ich begeistert! Ich wusste gar nicht, dass auch die Schreiber der Musik hier weilen! Das kommt mir gut zu pass, Georg Friedrich!" Runde und zutiefst erstaunte, braune Augen sahen mich an. Eine Gänsehaut lief mir über den Rücken. "Ach, mit denen, die sich in der Kunst des Buchstaben-Malens üben, hatte ich bislang viel Händl. Mit den Kompositeuren, jenen welche runde, schöne Noten malen, kam ich von jeher besser klar. Da schillert jeder Ton!" Er wagte einen weiteren, beinahe zaghaften Schritt in meine Richtung, öffnete den Mund, um erneut zu mir zu sprechen - allein, mir schwanden die Sinne... @ @ @ Adonis sass missmutig im Atrium seines kleinen Atriumhäuschens und war dabei mit abgewendetem Antlitz das Wasser aus dem Zierfischteich zu pumpen. Die Spiegel hatte er bereits im ganzen Haus verhängt, diese letzte Spiegelfläche galt es sos schnell als möglich aus dem Haus zu tilgen. Er hatte es zunächst für einen guten Einfall gehalten, diesem Georg, der sich als Beschützer der Witwen und Weissen vorgestellt hatte und beim Kartenspiel die Fähigkeit Schreiben vom "Schreiben" zu unterscheiden gegen seinen wohlgestalten Körper setzte, den Handel nicht abzuschlagen, da er, ein gewinnendes Aussehen gewinnt immer, sich wohlmöglich ein wenig zu siegessicher fühlte mit den vier Achten. Ein zerbrochener Spiegel soll sieben Jahre Unglück bringen, aber was waren schon sieben Jahre gegen lebenslang! @@@ Als ich wieder aufwachte, lag ich nackt wie Gott mich schuf neben dem schlafenden Georg Friedrich auf einem weichen warmen Lammfell. Oh Gott, was hatte er mit mir während meiner Ohnmacht getan, dieser Schuft? Ich beugte mich über ihn und schlug ihm mehrmals ins sein schönes Gesicht. "Was hast du getan, du Schuft, hättest du damit nicht warten können, bis ich aus meiner Ohnmacht erwache?" Georg Friedrich sprang erschrocken auf, das um die Hüften geschlungene übergroße Kleenex-Tuch rutschte dabei über seine herrlichen Lenden und sank wie eine Feder langsam auf den Boden. "Es tut mir leid, liebste Eva, ich konnte nicht mehr an mich halten, die Gelegenheit war einfach zu günstig." "Findest du es nicht etwas respektlos, mich einfach ohne mich zu fragen zu ..., woher wolltest du wissen, daß ich damit überhaupt einverstanden bin?" Georg Friedrich blickte verlegen auf den Boden, und als er so vor mir dastand wie Gott ihn schuf, machten sich abermals schweinische Gedanken in meinem Kopf breit. "Ich wußte es eben" sagte Georg Friedrich mit leiser Stimme. "Was wußtest du?", fragte ich verwundert. "Ich wußte, daß du ...du weißt schon was ich meine", antwortete er stockend. "Woher solltest du das gewußt haben wollen", entgegnete ich gereizt. "Naja, als Adonis mir seinen Körper geben mußte, gab er mir die Fähigkeit, Gedanken lesen zu können, als Bonus mit dazu. Er meinte, ohne seinen Körper könne er getrost auf die Gedanken der anderen verzichten." Ich begann schnell meinen Blick von seinem Adoniskörper abzuwenden, Rechnen, rechnen, ich muß rechnen, vier mal vier ist sechzehn, fünf mal vier ist zwanzig ... "Sechs mal vier ist vierundzwanzig", antwortete Georg Friedrich grinsend... @ @ @ Es klingelte an der Tür. Adonis zog sich hastig eine Baseballmütze tief ins Gesicht und tappte den Flur entlang. "Adonis!" rief es von draussen und er erkannte eindeutig Aphroditens wunderbar rauchiges Timbre: "Bist Du da?" Mist, das mit dem Kartenspiel war ausgenommen dämlich, ich könnte mir ein Monogramm in meine wunderbaren Hinterbacken beissen, dachte Adonis, eh er sich besann, daß es ja gar nicht mehr seine Hinterbacken waren, was ein unangenehmes Gefühl auf seiner Zunge weckte. Er öffnete. "Nein, Herrin," sagte er, "der Chef ist auf Geschäftsreise." "Jammerschade!" Die Enttäuschung war Aphrodite anzusehen. Adonis dachte wieder an das Monogramm. "Tja, kann man nichts machen, vielleicht ein andermal!" Aphrodite wandte sich zum Gehen. "Halt, warte," entsprang es Adnonis: "Geh noch nicht..." Aphrodite drehte sich erstaunt zu ihm um - da hörten sie wütendes Stampfen und ein wilder Eber jagte den Gartenweg hoch und rief schon von weitem mit Schaum vorm Maul: "Wo ist der Kerl?" Adnonis zeigte nach Osten und rief schnell: "Da lang!", drehte auf der Ferse um und warf die Tür hinter sich zu. An die Wand im Flur gelehnt flüsterte er: "Das ging ja grad nochmal gut." Und etwas gefasster: "Na, man muss auch verlieren können!" @ @ @ "Äpfel, wunderschöne Äpfel!" vernahmen die beiden vom nahen Wandrand her. Es schien ein altes Marktweib zu sein, das seine Ware feilbieten wollte. "Äpfel, wunderschöne Ääää..." Eva und Georg Friedrich sahen hoch und erkannten eine Staubwolke die schnell vom Wald her auf sie zu kam. "Ein Desssert gefällig?" nuschelte es aus dem Baum über ihnen. Eine Schlange glitt aus dem Geäst den Stamm herab, grazil und aalglatt, äh, elegant, nunja, fast elegant, denn sie trug das Maul weit gespreizt, was sie doch etwas behinderte: "Lucht auf einen Affel?" Eva wollte soeben zugreifen, da kam Godfather himself auf sie zugebraust. Er trug einen hautengen Mikrofaser-Ganzkörperanzug mit dem Embleme "tm" auf der Brust. "Nicht vom Baum der Erkenntnis!", rief er mit donnernder Stimme. "Nimm dies!", und er reichte ihr einen Teller mit feinstem Soufflé. Eva riss die Augen auf und wollte erneut zugreifen, Georg Friedrich räusperte sich jedoch kurz und das Soufflé fiel in sich zusammen. Eva bekam einen Wutanfall und Schlug Georg Friedrich heftig mit einem Gesangsbuch auf den Kopf. Daraufhin nickte Godfather zufrieden und setzte sich wieder zurück auf seine Wolke. Die Schlange fasste sich als Erste und spie den Apfel aus: "Alssso gut, wenn nun alle befriedigt sssind, dann könnten wir doch..." Die Staubwolke vom Waldrand her, war in der Zwischenzeit rasend schnell näher gekommen und erreichte eben den Schauplatz, drei Köpfe wendeten sich ihr zu. "Wo ist der Kerl!" schrie der Eber: "Wo?" "Wer schreit denn hier rum wie ein Eber?", fragte sich Georg Friedrich verdattert, der Schlag mit dem Gesangsbuch hatte ihm tatsächlich kurz die Sinne geraubt. Als er die Augen öffnete, sah er in das von Schaum triffende Maul eines ...Ebers. "Da bist du ja, du Hundsfott von einem Adonis, komm bringen wir es hinter uns, du weißt ja was die griechische Mythologie von uns erwartet." Georg Friedrich hatte nicht die geringste Ahnung, von was dieses Urvieh hier durch sein aufgeschäumtes Maul sabbelte, auf griechisch stand er nun wirklich nicht, auf jeden Fall nicht passiv. Aber egal, das Ganze sah bedrohlich genug aus, um den diplomatischen Weg einzuschlagen. "Tut mir leid, Herr Eber, aber hier muß es sich um eine Verwechslung handeln, ich bin nicht Adonis, sondern Georg Friedrich, der letzte Poet, der Schreiben von "Schreiben" unterscheiden kann." Der Eber schaute verdutzt, verlor dabei aber nicht einen einzigen Gesichtszug seines aggressiven Ausdrucks. "Du willst mich wohl für blöd verkaufen, natürlich bist du Adonis, ich kenne dich schließlich lange genug. Komm sei ein Mann und lege dich vor meine Hufe, ansonsten gibt es in Zukunft weder Anemonen noch rote Rosen auf dieser beschissenen Welt." Georg Friedrich wurde um die Nase ganz blaß, verdammt, er hatte ja jetzt den Körper dieses Loosers Adonis, vielleicht wäre es doch besser gewesen, nicht mit gezinkten Karten zu spielen. Er sah hinüber zu Eva, die immer noch wie Gott sie erschuf auf dem Lammfell lag, zu allen Schandtaten bereit. Die Nummer mit ihr war nicht schlecht gewesen, und konnte man ihren Gedanken glauben schenken, würde die nächste Nummer der absolute Knaller sein. Doch zwischen ihm und Eva stand der Eber... "Ach Eva, so nah und doch so fern", seufzte er, dann gab er sich einen Ruck und wandte sich dem Eber zu. "Nun denn, bevor die Tragödie ihren Lauf nehmen soll, will ich es nicht versäumen, meinen bescheidenen Anteil an der Aufklärung eines fatalen Irrtums beizutragen. Adonis hat im Spiel seinen Körper an mich verloren, ich bin tatsächlich Georg Friedrich, der letzte Poet, der Schreiben von "Schreiben unterscheiden kann." "Nun gut", schnaubte der Eber, "wenn dem so ist, dann kannst du mir sicherlich erklären, was der Unterschied zwischen Schreiben und "Schreiben" ist, das hat mich nämlich schon immer interessiert." Georg Friedrich schickte sich an, einen langen Vortrag über Literatur, Kunst, Kommerz, amerikanische Inhaltsliteratur und Privatfernsehen zu halten, doch als er anfangen wollte zu sprechen, war gähnende Leere in seinem Gehirn. Verdammte Scheiße, dachte er, ich habe ja auch das Wissen und die Intelligenz dieses Adonis übernommen, was im Klartext heißt, daß ich in dieser Hinsicht so gut wie gar nichts übernommen habe. @ @ @ Adonis wischte die letzten Reste Feuchtigkeit aus dem Fischteich und pfiff ein munteres altgriechisches Hirtenliedchen. Ganz so schlecht schien der Tausch nun auch nicht zu sein - es war zwar zunächst gewöhnungsbedürftig, aber andererseits hatte es auch einen Vorteil - keine Sau interessierte sich für ihn! Was ihn etwas zu irritieren begann, waren lediglich seine Gedanken, die sich nicht mehr um reale, knackige, griechische Bräute drehten, sondern um deren literarisches Abbild. Literatur und Bräute, das ist als ob man sich sein eigenes Männermagazin schreiben würde - und dann darauf bestünde es sei Kunst. Er schüttelte anhaltend den Kopf, um diese Gedanken zu entfernen, wrang den Putzlappen über dem Gemüsebeet aus und zwang sich an etwas anderes zu denken. Aphrodite zum Beispiel. War sie nicht wie eine Pfirsichblüte erschienen, frisch geknospt vor seiner Haustür? Nein, frischer noch - wie eine taubetupfte Pfirsichblüte..., was gäbe er dafür eine flotte Drohne zu sein, um sich in ihrem Blütenstaub zu suhlen - und nicht dieser Langweiler Georg Friedrich, der Retter der Witwen und Waisen. Nur ganz kurz dachte er nochmal daran sich ein Monogramm in den Arsch zu beissen, doch dann übermannte ihn die abermalige Vorstellung Aphroditens, frischer noch als taufrischer Frühling über verdorrten Stoppelfeldern... Ich sollte etwas gegen meinen Mundgeruch tun, sagte er zu sich. Dann nahm er eine kalte Dusche. @ @ @[ Auf dieses Posting antworten ]
Antworten
- g.butz (04.02.2008 12:14)
